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Equal-Earth-Projektion
Die Equal-Earth-Kartenprojektion ist eine pseudozylindrische Weltkartenprojektion, die im Jahr 2018 von Bojan Šavrič, Bernhard Jenny und Tom Patterson …
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Grundidee und Bedeutung
Die Equal-Earth-Kartenprojektion ist eine 2018 von Bojan Šavrič, Bernhard Jenny und Tom Patterson entwickelte pseudozylindrische Weltkartenprojektion. Pseudozylindrisch bedeutet, dass die Breitengrade als horizontale Linien dargestellt werden, während die Meridiane gekrümmt sein können. In der Standarddarstellung liegt Norden oben, der Nullmeridian in der Mitte.
Ihr wichtigstes Merkmal ist die Flächentreue: Die relativen Flächengrößen von Ländern und Regionen bleiben erhalten. Damit unterscheidet sie sich von der Mercator-Projektion, bei der Flächen mit wachsender Entfernung vom Äquator stark vergrößert erscheinen. Zugleich soll Equal Earth die starken Formverzerrungen der ebenfalls flächentreuen Gall-Peters-Projektion vermeiden. Als ästhetisches Vorbild diente die nicht flächentreue Robinson-Projektion; deren Umriss wird bei Equal Earth fast identisch verwendet. Die Größenverhältnisse sollen dadurch leicht umsetzbar und schnell beurteilbar sein.
Kartografische Eigenschaften und Entstehung
Die gekrümmten Seiten der Projektion lassen die Kugelform der Erde erkennen. Horizontale Breitengrade erleichtern es, zu vergleichen, wie weit Orte nördlich oder südlich des Äquators liegen. Entlang jeder Breitengradlinie sind die Meridiane beziehungsweise Längengrade gleichmäßig verteilt. Außerdem ist die Software zur Darstellung dieser Projektion laut Artikel leicht zu erstellen und auszuführen.
Die Entwicklung steht im Zusammenhang mit der Entscheidung öffentlicher Schulen in Boston, im März 2017 die Gall-Peters-Projektion für Weltkarten einzuführen. Damit sollten die relativen Größen äquatorialer und nichtäquatorialer Regionen korrekt gezeigt werden. Die Entscheidung war in der Kartografie umstritten, weil die Gall-Peters-Projektion besonders in Polarregionen extreme Verzerrungen erzeugt. Šavrič, Jenny und Patterson suchten nach einer flächentreuen Weltkartenprojektion, die ihren ästhetischen Kriterien entsprach, fanden keine passende und entwickelten deshalb eine neue.
Wie bei Pattersons nicht flächentreuer Natural-Earth-Projektion von 2012 wurden die Parameter mit einer visuellen Methode gewählt. Grundlagen waren die Pʹ₄-Projektion des lettischen Kartographen Reinholds V. Putniņš von 1934 und die Eckert-IV-Projektion von Max Eckert-Greifendorff von 1906. Die mathematischen Formeln wurden aus einem Polynom abgeleitet, das den Abstand der Breitengrade definiert.
Mathematische Beschreibung
Aus der geographischen Länge λ und der geographischen Breite φ werden die projizierten Koordinaten x und y berechnet:
x = √(4/3) · [λ cos θ / (A₁ + 3 A₂ θ² + 7 A₃ θ⁶ + 9 A₄ θ⁸)] y = A₁ θ + A₂ θ³ + A₃ θ⁷ + A₄ θ⁹
Dabei ist θ eine parametrische Breite. Sie wird aus dem Breitengrad durch sin θ = √(3/4) sin φ bestimmt. Die Polynomkoeffizienten lauten A₁ = 1,340264, A₂ = −0,081106, A₃ = 0,000893 und A₄ = 0,003796. Eine Darstellung mit einem 10°-Gitternetz verwendet Tissot-Indikatoren, also Vergleichsfiguren zur Veranschaulichung von Verzerrungen in Kartenprojektionen.
Nutzung und Resolution der Vereinten Nationen
Als erste bekannte veröffentlichte thematische Karte in Equal Earth nennt der Artikel eine vom Goddard Institute for Space Studies der NASA erstellte Karte der globalen mittleren Temperaturabweichung für Juli 2018. Die von der Afrikanischen Union und der Karibischen Gemeinschaft unterstützte Kampagne „Correct the Map“ forderte eine breitere Nutzung von Equal Earth als Alternative zur Mercator-Projektion.
Am 4. September 2026 stimmte die UN-Vollversammlung auf ihrer 80. Tagung in der 114. Plenarsitzung der von Togo und der Afrikanischen Union eingebrachten Resolution A/80/L.104 zu. Sie sieht vor, künftig die Equal-Earth-Projektion zu verwenden, und ruft internationale Organisationen sowie Staaten dazu auf, ebenfalls so zu verfahren. Nach dem Artikel stimmten 164 Staaten dafür, die Vereinigten Staaten dagegen; Estland, Georgien, Litauen, Moldau, Serbien und die Ukraine enthielten sich. Bereits im September 2026 hatte die Generalversammlung dafür gestimmt, die Verzerrungen der Mercator-Projektion anzuerkennen und flächentreue Projektionen, besonders Equal Earth, zu fördern.
Bei der Abstimmung wurden auch Territorialkonflikte angesprochen. Der ukrainische Vertreter Andrij Melnyk unterstützte grundsätzlich eine gerechte, wissenschaftlich fundierte Projektion, kritisierte aber die Darstellung der von Russland besetzten Gebiete. Mehrere Vertreter, darunter Irland für die Europäische Union, Neuseeland für Australien und Kanada, Liechtenstein für Norwegen und Island sowie Großbritannien, betonten, dass die Nutzung einer Karte keine Anerkennung ihrer eingezeichneten Grenzen bedeute. Großbritannien verwies ausdrücklich auf den Status der Krim. Die russische Vertreterin widersprach der ukrainischen Bewertung; Melnyk erklärte wiederum, die internationale Staatengemeinschaft werde besetzte Gebiete nicht als Teil Russlands anerkennen. Serbien begründete seine Enthaltung mit Vorbehalten gegenüber eingezeichneten Grenzen. Auch Zypern, Pakistan und die Philippinen betonten, dass die Resolution nur die Kartenprojektion und nicht die Anerkennung von Grenzen betreffe.