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Gall-Peters-Projektion
Die Gall-Peters-Projektion beruht auf einem von Arno Peters 1974 veröffentlichten Kartennetzentwurf. Er ist mit der von James Gall (1808–1895) entwickelten …
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Grundidee und Bedeutung
Die Gall-Peters-Projektion ist eine Weltkartenprojektion, die Größenverhältnisse flächentreu darstellt: Flächen werden also im gleichen Maßstab abgebildet. Dadurch unterscheiden sich die dargestellten Größen von Ländern und Kontinenten deutlich von der Mercator-Projektion, die nicht flächentreu ist. Der von Arno Peters 1974 veröffentlichte Kartennetzentwurf ist im Ergebnis mit der von James Gall (1808–1895) entwickelten „Gall’s Orthographic Projection“ identisch. Durch Peters’ Bemühungen wurde die Projektion jedoch wesentlich stärker verbreitet.
Die Peters-Projektion wurde für Weltkarten entwickelt, damit alle Länder in einem flächentreuen Größenverhältnis erscheinen. Mercator-Projektion und quadratische Plattkarte, die zum Vergleich herangezogene Zylinderprojektionen sind, wurden zunehmend – nicht nur von Peters – als „eurozentristisch“ abgelehnt, weil sie nicht flächentreu sind.
Aufbau und kartographische Eigenschaften
Die Peters-Projektion lässt sich als Projektion eines Erdellipsoids auf einen Zylinder auffassen. Sie ist flächentreu, lagetreu und achsentreu. Flächentreue bedeutet, dass alle Flächen im gleichen Maßstab abgebildet werden. Lagetreue bedeutet hier, dass die Lagebeziehungen erhalten bleiben; Achsentreue bedeutet, dass Orte gleicher Breite auf waagerechten und Orte gleicher Länge auf senkrechten Linien liegen.
Die Projektion kann grundsätzlich weder längen- noch winkeltreu sein. Längentreue würde Längen korrekt wiedergeben, Winkeltreue Winkel und damit örtliche Formen. Bei notwendiger Formtreue können Einzelkarten konstruiert werden, indem die jeweils begrenzenden Breitengrade festgelegt werden.
Neben diesen Eigenschaften betonte Peters ein subjektives Element: Durch Wandelbarkeit sollte Formähnlichkeit zu den vom Globus bekannten Oberflächenformen ermöglicht werden. Zu seiner Neuentwicklung gehörten außerdem ein neuer Nullmeridian, eine neue Datumsgrenze und ein neues Gradnetz.
Gall, Peters und die Debatte
James Gall stellte die Projektion 1855 auf einer Tagung der British Association for the Advancement of Science als „Gall’s Orthographic Projection“ vor. Er veröffentlichte 1885 außerdem einen Artikel im The Scottish Geographical Magazine. Galls Projektion ist eine flächentreue Zylinderprojektion für eine kugelförmige Erde. Ihr Standard-Breitengrad liegt bei 45° N/S; Gall projizierte das Gradnetz trigonometrisch.
Nach Peters’ Veröffentlichung kritisierten Kartographen vor allem seine als „naiv“ bezeichnete Herangehensweise und technische Fehler. Besonders beanstandet wurden die Formverzerrungen der Peters-Projektion. Ein wichtiger Streitpunkt war, dass Peters seinen Entwurf bei der Vorstellung als Eigenentwicklung bezeichnete und nicht auf die lange zuvor veröffentlichte, im Ergebnis identische Projektion von Gall hinwies.
Verwendung und Alternativen
Die Peters-Projektion wurde 1980 im Nord-Süd-Bericht eingesetzt und von mehreren Hilfsorganisationen für die Öffentlichkeitsarbeit übernommen. Allein UNICEF verteilte über 60 Millionen Exemplare. Nach der reinen Zahl veröffentlichter Exemplare dürfte sie nach der Mercator-Projektion und möglicherweise der Robinson-Projektion die bekannteste Weltkarte sein. Sie wurde zeitweise auch von weiteren Organisationen verwendet und war Grundlage des Peters-Atlas, setzte sich aber nicht allgemein durch.
Heute werden meist Weltkarten mit nicht rechteckiger Grundfläche genutzt. Wenn die Achsentreue aufgegeben wird, lässt sich die von Peters geforderte Flächentreue mit deutlich geringeren Winkel- und Formverzerrungen verbinden. Flächentreue Alternativen sind die Mollweide-Projektion mit punktförmigen Polen sowie die zerlappte Goode-Homolosine-Projektion nach J. P. Goode. Bei der Goode-Homolosine sind die Verzerrungen besonders gering, doch der Zusammenhang der Karte geht teilweise verloren.
Die Hammer-Aitov-Projektion ist flächentreu und hat gekrümmte Breitengrade; sie kann verwendet werden, wenn zonale Betrachtungen nicht wichtig sind und die Lagetreue aufgegeben werden kann. Die flächen- und lagetreu dargestellte Eckert-IV-Projektion besitzt linienförmige Pole und wirkt dort ähnlich wie die Goode-Zerlappung weniger zusammengedrängt. Winkels Tripelprojektion von Oswald Winkel und die in den USA häufig verwendete Robinson-Projektion sind vermittelnde Projektionen, aber nicht exakt flächentreu. Die Robinson-Projektion behält die Lagetreue bei, erkauft dies jedoch mit größeren Formverzerrungen.
Die 2018 entwickelte Equal-Earth-Projektion ist flächentreu und vermeidet die starken Formverzerrungen der Gall-Peters-Projektion. Laut ihren Entwicklern reagierte sie auf die Entscheidung öffentlicher Schulen in Boston, im März 2017 Gall-Peters-Karten einzuführen. Im September 2026 stimmte die Generalversammlung der Vereinten Nationen dafür, die Equal-Earth-Projektion zu fördern.