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Englisch-Spanischer Krieg (1727–1729)
Der Englisch-Spanische Krieg war ein militärischer Konflikt zwischen dem Königreich Großbritannien und dem Königreich Spanien.
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Überblick und Bedeutung
Der Englisch-Spanische Krieg war ein militärischer Konflikt zwischen dem Königreich Großbritannien und dem Königreich Spanien. Erste Kampfhandlungen begannen bereits im Sommer 1726 in der Karibik; als eigentlicher Kriegsbeginn gilt meist der spanische Angriff auf Gibraltar am 11. Februar 1727. Eine offizielle Kriegserklärung gab es nicht. Der Konflikt endete am 9. November 1729 mit dem Vertrag von Sevilla.
Der Krieg war der Höhepunkt einer europäischen Krise zwischen zwei Bündnissen: der von Großbritannien, Frankreich und Preußen gegründeten Herrenhausener Allianz und den Partnern des Wiener Vertrages, vor allem Spanien und Österreich. Ein allgemeiner europäischer Krieg konnte durch Verhandlungen verhindert werden. Die Kämpfe beschränkten sich hauptsächlich auf britische Flottenoperationen in der Karibik und die erfolglose spanische Belagerung Gibraltars. Größere Seeschlachten fanden nicht statt.
Das Ergebnis war der Status quo ante bellum, also die Wiederherstellung des Zustands vor dem Krieg. Spanien gewann Gibraltar nicht zurück, und die britischen Handelsrechte in den spanischen Kolonialgebieten blieben bestehen. Die grundlegenden Spannungen zwischen beiden Staaten wurden jedoch nicht gelöst.
Ursachen und Bündnisse
Spanien hatte durch den Frieden von Utrecht 1714 bedeutende Gebiete und Rechte verloren. Die italienischen Besitzungen und die Spanischen Niederlande fielen an die Habsburger; Gibraltar und Menorca gingen an Großbritannien. Außerdem erhielten britische Händler Rechte im Sklavenhandel zwischen Afrika und den spanischen Kolonien, den sogenannten Asiento de Negros, sowie die Erlaubnis, jährlich ein Handelsschiff nach Südamerika zu schicken. Ein erster Versuch Spaniens, diese Verluste im Krieg der Quadrupelallianz von 1718 bis 1720 rückgängig zu machen, scheiterte.
Königin Elisabetta Farnese verfolgte weiterhin das Ziel, ihren Kindern eine Sekundogenitur zu verschaffen, also eine eigene Herrschaft für einen nachgeborenen Sohn, besonders in Italien. Auch Kaiser Karl VI. war mit der europäischen Ordnung unzufrieden. Zugleich belasteten die österreichische Ostende-Kompanie, die mit den britischen und niederländischen Überseehändlern konkurrierte, und Karls Forderung nach Anerkennung der Pragmatischen Sanktion die Beziehungen. Diese Sanktion sollte unter anderem die weibliche Erbfolge in den habsburgischen Ländern sichern.
Nachdem der Kongress von Cambrai keine Lösung für Gibraltar, die italienischen Herrschaften und die Ostende-Kompanie gebracht hatte, schlossen Spanien und Österreich am 1. Mai 1725 den Vertrag von Wien. Beide Herrscher erkannten ihre Gebiete gegenseitig an. Spanien garantierte die Pragmatische Sanktion; Karl VI. unterstützte die geplanten Sekundogenituren und stellte Spanien Hilfe bei der Rückgewinnung Gibraltars in Aussicht. Spanien gewährte dafür der Ostende-Kompanie weitreichende Handelsvorteile.
Großbritannien betrachtete dieses Bündnis als Gefahr für Gibraltar und seinen Welthandel. Deshalb gründeten Großbritannien, Frankreich und Preußen am 3. September 1725 die Herrenhausener Allianz. Sie sollte unter anderem die Ostende-Kompanie beseitigen, die deutschen Protestanten schützen und Preußens Ansprüche auf Jülich-Berg unterstützen. Später traten die Vereinigten Niederlande bei. Auf der Gegenseite schloss sich Russland am 6. August 1726 Österreich an; auch Sachsen beziehungsweise Polen-Litauen und Bayern unterstützten den Wiener Vertrag. Europa war damit in zwei Lager geteilt und bereitete sich auf einen möglichen Krieg vor.
Vom politischen Druck zum Krieg
Großbritannien setzte 1726 seine Flotte als Druckmittel ein. Ein Geschwader unter Admiral Charles Wager blockierte von Mai bis September den russischen Hafen Reval. Ein weiteres unter Rear-Admiral Francis Hosier sollte Portobelo in der Karibik blockieren, den spanischen Handel stören und verhindern, dass die Silberflotte ihre wertvolle Fracht nach Europa brachte.
Spanien reagierte im Dezember 1726 mit der Aufhebung aller britischen Handelsprivilegien. Am 1. Januar 1727 erklärte Philipp V. den Paragraphen 10 des Utrechter Vertrages, der Großbritanniens Besitz Gibraltars garantierte, für nichtig. Als Begründung führte er den Ausbau der britischen Befestigungen, die Unterstützung des Schmuggels und die Behinderung der katholischen Kirche in Gibraltar an. Diese Vorwürfe waren nicht völlig unbegründet, dienten aber als Anlass für die Konfrontation. Mit dem Angriff auf Gibraltar am 11. Februar 1727 befanden sich beide Staaten spätestens im Kriegszustand.
Blockade in der Karibik
Hosier traf am 16. Juni 1726 mit 15 Schiffen und 4750 Mann vor Bastimentos ein. Er sollte Portobelo blockieren, durfte die Stadt aber nicht direkt angreifen. Die Spanier hielten daraufhin ihre Silberflotte zurück und transportierten deren Fracht auf dem Landweg nach Vera Cruz. Während der etwa sechsmonatigen Blockade brachten die Briten einige spanische Schiffe auf. Ihre Besatzungen wurden jedoch durch Gelbfieber stark geschwächt, sodass Hosier am 24. Dezember 1726 Jamaika anlaufen musste.
Die Spanier nutzten die Unterbrechung. Eine Flotte unter Don José Antonio de Gaztañeta vereinigte sich in Havanna mit Schiffen aus Vera Cruz, verließ den Hafen am 24. Januar 1727 unbemerkt und erreichte am 8. März mit 31 Millionen Pesos sicher Spanien. Damit war das wichtigste britische Ziel gescheitert.
Hosier kreuzte anschließend erfolglos vor Cartagena und starb am 23. August 1727 am Gelbfieber. Auch seine Nachfolger Vice-Admiral Edward Hopson und Captain Edward St. Loe starben an den Folgen der Krankheit. Nach dem Präliminarfrieden vom März 1729 kehrte die Flotte nach England zurück. Die Expedition hatte etwa 4000 Seeleuten und Soldaten das Leben gekostet; fast alle waren am Gelbfieber gestorben.
Kampf um Gibraltar
Spanien griff Gibraltar an, obwohl der Marquis de Villadarias davor gewarnt hatte, dies ohne vorherige Seeherrschaft zu versuchen. Der Marquis de las Torres übernahm den Oberbefehl über 18.500 Infanteristen, 700 Kavalleristen und etwa 100 Geschütze. Die Truppe bestand aus Soldaten verschiedener Herkunft und Milizionären; nur zehn Bataillone waren reguläre spanische Einheiten. Etwa 3000 Zivilisten bauten Schützengräben und Wälle. Winterwetter, Nachschubprobleme und die schwierige Heranführung der Artillerie aus Cádiz behinderten die Belagerer.
Die britische Besatzung wurde durch eine Flotte unter Admiral Sir Charles Wager unterstützt und zunächst auf 3206 Soldaten verstärkt. Da die britische Flotte den Seeweg beherrschte, konnten die Spanier nur über die schmale, von der Festungsartillerie bestrichene Landzunge angreifen. De las Torres ließ deshalb Approchen, also Annäherungsgräben, anlegen und plante, die Befestigungen zunächst durch Geschützfeuer zu zerstören.
Das erste große Bombardement begann am 24. März 1727 und dauerte zehn Tage. Es beschädigte die britischen Stellungen erheblich. Schlechtes Wetter unterbrach anschließend die Kämpfe, während weitere britische Verstärkungen die Garnison auf 5481 Mann erhöhten. Ein zweites Bombardement vom 7. bis 20. Mai setzte zahlreiche britische Geschütze außer Gefecht; danach fehlten den Spaniern jedoch Pulver und Kanonenkugeln. Am 23. Juni 1727 wurde ein Waffenstillstand geschlossen.
Die Belagerung dauerte 17½ Wochen. Dank der Flotte war die britische Garnison besser versorgt. Die Briten verloren 107 Tote und 208 Verwundete; 17 Soldaten desertierten. Auf spanischer Seite gab es 700 Gefallene, 825 Verwundete und 875 Deserteure. Insgesamt betrugen die angegebenen Verluste einschließlich der Deserteure 332 Briten und 2400 Spanier.
Friedensschluss und Folgen
Der Krieg weitete sich nicht auf ganz Europa aus. Kaiser Karl VI. wollte wegen der Ostende-Kompanie keinen allgemeinen Krieg beginnen, zumal zugesagte spanische Zahlungen ausblieben. Auch Frankreichs leitender Politiker Kardinal Fleury strebte eine Verständigung an. Seine Vermittlung führte am 31. Mai 1727 zum Pariser Präliminarfrieden: Österreich setzte die Ostende-Kompanie für sieben Jahre aus und gab die im Wiener Vertrag vereinbarten Handelsverbindungen mit Spanien auf. Spanien trat der Vereinbarung bei, beendete aber erst nach dem Scheitern vor Gibraltar und wegen seiner schlechten Finanzlage die Belagerung. Die Konvention von Pardo vom 6. März 1728 beendete den Seekrieg.
Der ab dem 14. Juni 1728 tagende Kongress von Soissons brachte zunächst keine Lösung, während die Bündnisse zerfielen und Preußen am 23. Dezember 1728 offiziell auf die österreichische Seite wechselte. Im Vertrag von Sevilla vom 9. November 1729 löste Spanien sein Bündnis mit dem Kaiser, gab seine Ansprüche auf Gibraltar auf und bestätigte die britischen Handelsrechte. Frankreich und Großbritannien garantierten dafür eine spanische Sekundogenitur im Herzogtum Parma und Piacenza sowie im Großherzogtum Toskana und erlaubten die Entsendung von 6000 spanischen Soldaten dorthin.
Österreich widersetzte sich zunächst und besetzte Parma im Januar 1731 mit Teilen einer 30.000 Mann starken Armee. Im Wiener Vertrag vom 16. März 1731 erkannte Karl VI. die spanische Sekundogenitur gegen eine Garantie der Pragmatischen Sanktion an. Im März 1732 übernahm Don Carlos die Herrschaft in Parma-Piacenza.
Der Krieg hatte keiner Seite einen unmittelbaren Vorteil gebracht. Großbritannien hatte drei Millionen Pfund bewilligt, die fast vollständig für Gibraltar ausgegeben wurden; hinzu kamen die Kosten und hohen Menschenverluste der gescheiterten Karibik-Expedition. Minister Robert Walpole betrachtete dagegen die verhinderte Eskalation als Erfolg seiner Neutralitätspolitik. Da die Handels- und Kolonialkonflikte zwischen Spanien und Großbritannien ungelöst blieben, kam es rund zehn Jahre später erneut zum Krieg, dem War of Jenkins’ Ear. Die Erinnerung an Hosiers verlustreiche Expedition verstärkte in Großbritannien die Kritik an Walpoles Politik.