Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft
Die Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft (ELSG) bemüht sich um eine zeitgemäße Erinnerungskultur; sie ist eine politisch agierende Literaturgesellschaft, …
Inhalt6 Abschnitte
Profil und Zweck
Die Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft (ELSG) ist ein 1990 in Wuppertal gegründeter eingetragener Verein. Ihr Sitz befindet sich in der Herzogstr. 42, dem Haus, in dem Else Lasker-Schüler vor ihrem Umzug nach Berlin lebte. Vorsitzender ist seit 1997 Hajo Jahn; erster Vorsitzender war Friedhelm Beiner. Die Gesellschaft hat rund 1200 Mitglieder (Stand Oktober 2020).
Die ELSG pflegt das literarische und künstlerische Werk Else Lasker-Schülers und will es als wichtigen Beitrag zur deutsch-jüdischen Kultur lebendig erhalten. Else Lasker-Schüler wurde 1869 in Elberfeld, dem heutigen Wuppertaler Stadtteil, geboren, während des Nationalsozialismus verfolgt und starb 1945 in Israel. Ihr Schicksal gilt der Gesellschaft als beispielhaft für die Verfolgung von Künstlern und ihren Werken.
Die ELSG versteht sich zugleich als politisch agierende Literaturgesellschaft. Sie bemüht sich um eine zeitgemäße Erinnerungskultur und setzt sich gegen die „Universalität des Vergessens“ ein. Zu ihren Aufgaben gehören die Unterstützung der Forschung zu Else Lasker-Schüler und der Herausgabe einer kritischen Gesamtausgabe. Ein zentrales Ziel ist die Einrichtung eines „Else-Lasker-Schüler-Zentrums der verfolgten Künste“.
Mitglieder und Ehrenmitglieder
Zu den Gründungsmitgliedern gehörte Arno Wüstenhöfer. Zu den prominenten Mitgliedern zählen beziehungsweise zählten unter anderem die Nobelpreisträgerinnen Elfriede Jelinek und Herta Müller sowie die Schriftsteller Sarah Kirsch und Reiner Kunze. Auch Personen aus Film, Theater, Politik und Journalismus, darunter Johannes Rau und Claudia Roth, unterstützten die Gesellschaft.
Zu Ehrenmitgliedern wurden Paul Avraham Alsberg, Hans Sahl, Adolf Burger, George Dreyfus, Ingrid Bachér und Ulla Hahn ernannt.
Else-Lasker-Schüler-Lyrikpreis
Der Else-Lasker-Schüler-Lyrikpreis wurde 1994 erstmals vergeben. Erster Preisträger war Thomas Kling; Barbara Köhler erhielt im selben Jahr den Förderpreis. 1996 wurde Friederike Mayröcker als zweite Preisträgerin ausgezeichnet.
Nach einer längeren Pause, in der die Gesellschaft keine Sponsoren mehr gefunden hatte, wurde der Preis 2016 wieder vergeben. Safiye Can erhielt den mit 3000 Euro dotierten Preis; die Verleihung fand am 11. November 2016 statt. 2018 wurde The Poetry Project Berlin ausgezeichnet, 2022 Nora Gomringer. 2024 ging der mit 5000 Euro dotierte Preis an Dinçer Güçyeter. Sarah Kiyanrad erhielt als Dichterin und Übersetzerin den mit 2000 Euro versehenen Förderpreis.
Else-Lasker-Schüler-Foren
Das Else-Lasker-Schüler-Forum ist eine zentrale Veranstaltungsform der Gesellschaft und findet ungefähr alle 1 bis 2 Jahre statt. Die Foren verbinden Literatur mit Erinnerungskultur, Exilforschung, Musik, bildender Kunst und aktuellen politischen Fragen. Zum Programm gehören außerdem Ausstellungen, Lesungen, Vorträge, Konzerte, Diskussionen und Begegnungen mit Zeitzeugen, auch in Schulen.
Das erste Forum fand 1993 in Wuppertal unter dem Titel „Der blaue Jaguar“ statt. Weitere frühe Themen waren „Exil ohne Ende“ (1994), „Das Abendland im Morgenland – das Morgenland im Abendland“ (1995), „Frauen im Hebräerland“ (1996) und „Flucht in die Freiheit: Shanghai“ (1997). Spätere Foren beschäftigten sich unter anderem mit Dichtern im Exil in der DDR, Kunst und Kultur in Theresienstadt, dem Mauerfall, Flucht und Migration sowie den europäischen Wurzeln Israels.
Insgesamt sind im Artikel 24 Foren bis 2023 aufgeführt. Neben Wuppertal und Solingen fanden sie beispielsweise in Berlin, Breslau/Wrocław, Prag, Zürich, Wien und Sanary-sur-Mer statt. Das IX. Forum „Die Reise nach Jerusalem“ wurde 2001 in Israel veranstaltet und war das erste Auslandsforum. Weitere Auslandsforen folgten unter anderem in Breslau (2003), Prag (2004), Zürich (2006), Catania (2009), Tel Aviv (2010) und Ascona (2017). Das XXIV. Forum „Ich will in das Grenzenlose…“ fand 2023 in Wuppertal und Solingen statt.
Weitere Projekte und Archiv
Die Aktivitäten der Gesellschaft sollen zur Einrichtung eines Zentrums für verfolgte Künste beitragen. Dieses Vorhaben wurde im Kunstmuseum Solingen mit der Sammlung Gerhard Schneider und der Exil-Literatur-Sammlung Jürgen Serke verwirklicht. Die Sammlung enthält unter anderem bildende Kunst, Originalzeichnungen von Else Lasker-Schüler sowie Originalbriefe von Thomas Mann an die Deutschen Exilblätter in Santiago de Chile. Die Zeichnungen waren 1937 als „entartet“ aus den Berliner Nationalgalerien beschlagnahmt worden.
Im Internet entstand mit www.exil-archiv.de ein virtuelles Zentrum. Die pädagogische Plattform www.exil-club.de wurde aus Geldmangel „eingefroren“ und konnte deshalb nicht weiter ausgebaut werden. Das Exil-Archiv bewahrt die Erinnerung an Künstler, Journalisten und Wissenschaftler, die ab 1933 verfolgt und vertrieben wurden.
Ein internationales Projekt ist „Transitraum Else“. Es wurde 2014 vom Künstlerduo Astronautenkost, Claudia Gahrke und Andreas Schäfer, initiiert. Internationale Künstler stellen darin Gedichte Else Lasker-Schülers vor. Bislang waren 65 Künstler beteiligt. Live-Stationen gab es unter anderem in Stockholm, Zürich, New York, Los Angeles, London und Dublin sowie an mehreren Goethe-Instituten, im Cabaret Voltaire und in Lion Feuchtwangers Villa Aurora.
Veröffentlichungen
Die Gesellschaft gibt seit 1993 Almanache und weitere Sammelwerke heraus. Sie dokumentieren Else-Lasker-Schüler-Foren, behandeln Exil, Erinnerung, Literatur und Kunst und verbinden Beiträge zu Else Lasker-Schüler mit historischen und politischen Themen.
Die Reihe „Ein Else-Lasker-Schüler-Almanach“ beziehungsweise „ELS-Almanach“ umfasst im Artikel die Bände 1 bis 15. Der erste Band erschien 1993 unter dem Titel „Mein Herz – niemandem“, weitere Bände hießen unter anderem „Meine Träume fallen in die Welt“ (1995), „Deine Sehnsucht war die Schlange“ (1997), „Fäden möchte ich um mich ziehen“ (2000), „In meinem Turm in den Wolken“ (2002), „Zweiseelenstadt“ (2004), „Manchmal habe ich Sehnsucht nach Prag“ (2005), „Wo soll ich hin? Zuflucht Zürich – Fluchtpunkt Poesie“ (2007), „Jeder Vers ein Leopardenbiss“ (2011), „Was tun Sie da in… Wien“ (2013) und „Der blaue Reiter ist gefallen“ (2015).
Spätere Veröffentlichungen waren „Das Lied der Emigrantin“ (2017), „Meinwärts – Das Herz der Avantgarde“ (2020), „Ich suche allerlanden eine Stadt. Sanary-sur-Mer – Paradies wider Willen“ (2022) und „Ich will in das Grenzenlose“ (2024). Einige Bände entstanden ausdrücklich aus Anlass bestimmter Foren, etwa der Doppelband „Momente in Jerusalem/7 Tage in Jerusalem“ zum IX. Forum 2001 in Israel.