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Ellis Island
Ellis Island ist eine Insel im vom Hudson River gebildeten Hafengebiet bei New York City. Sie war lange Zeit Sitz der Einreisebehörde für den Staat und die …
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Bedeutung und Lage
Ellis Island ist eine Insel im Hafengebiet bei New York City, das vom Hudson River gebildet wird. Sie liegt in der Upper New York Bay in Jersey City. Die Insel war lange Sitz der Einreisebehörde für den Staat und die Stadt New York und über 30 Jahre die zentrale Sammelstelle für Immigranten in die USA. Zwischen 1892 und 1954 durchliefen etwa 12 Millionen Einwanderer Ellis Island. Etwa 40 Prozent der Amerikaner haben Vorfahren, die auf diesem Weg in die USA kamen.
Die Fläche der Insel beträgt 11,1 ha. Etwa 90 Prozent davon entstanden zwischen 1892 und 1934 durch künstliche Landgewinnung. Dadurch gehört Ellis Island staatsrechtlich sowohl zu New York als auch zu New Jersey: Zur ursprünglichen Insel mit dem Hauptgebäude gehört New York, der später aufgeschüttete größere Teil gehört New Jersey. Praktisch spielt diese Aufteilung kaum eine Rolle, weil die Insel vollständig Eigentum der Bundesregierung ist.
Seit dem 11. Mai 1965 wird Ellis Island zusammen mit der Freiheitsstatue als Teil des Statue of Liberty National Monument vom National Park Service verwaltet. Seit 1990 ist die Insel als Museum zur Geschichte der Einwanderung in die Vereinigten Staaten öffentlich zugänglich.
Von der kleinen Insel zur Sammelstelle
Vor dem Ausbau war Ellis Island viel kleiner als heute und wurde unterschiedlich genutzt. Die indianischen Ureinwohner Amerikas nannten sie Kioshk, also „Möweninsel“. Niederländische Einwanderer nannten sie um 1630 wegen ihrer Muschelbänke oyster island, „Austerninsel“. Später hieß sie gibbet island, „Galgeninsel“, weil dort Piraten gehängt wurden. Samuel Ellis erwarb das Land 1770 während der amerikanischen Revolution; danach wurde es als öffentlicher Picknickplatz genutzt.
Nach Ellis’ Tod im Jahr 1807 übernahm der Bundesstaat New York die Insel und verkaufte sie ein Jahr später für 10.000 Dollar an die Bundesregierung der Vereinigten Staaten. Zunächst diente sie unter dem Namen Fort Gibson als Gefängnis und später als Munitionslager der Armee. Seit 1861 lautet der offizielle Name Ellis Island.
Als die Einwanderungszahlen ab 1890 stark stiegen, wurde die zentrale Einrichtung für Immigration vom kleinen Castle Clinton an der Südspitze Manhattans nach Ellis Island verlegt. Castle Clinton war durch die hohe Zahl an Einwanderern überlastet. Außerdem verlangten die verschärften Einwanderungsgesetze eine gründlichere Kontrolle. Ellis Island lag außerhalb des Stadtgebiets, sodass Einwanderer nicht unbemerkt nach New York gelangen konnten. Weil die Insel für die nötigen Gebäude zu klein war, begann man mit Landgewinnung.
Einwanderungspolitik und Betrieb
Vor dem Beginn einer einheitlicheren Immigrationspolitik der USA entschied jeder Bundesstaat selbst über den Umgang mit Einwanderern. Erst 1820 begann man, Einwanderer zu zählen. Zwischen 1820 und 1830 kamen 152.000 Immigranten in die USA. Von 1840 bis 1850 stieg die Zahl auf 1,7 Mio. Zwischen 1820 und 1880 kamen die meisten Immigranten aus Deutschland, nämlich 3,1 Mio., gefolgt von Iren mit 2,8 Mio. und Engländern mit 1,9 Mio.
In den 1880er Jahren begann die sogenannte „Neue Einwanderung“, eine verstärkte Immigration aus Süd- und Osteuropa. Sie führte zu Kulturkonflikten. Den neuen Zuwanderern wurde vorgeworfen, sie seien nicht assimilierungswillig, also nicht bereit, sich in die amerikanische Gesellschaft einzufügen. Die USA führten Schreib- und Lesetests ein und verschärften die Beschränkungen. Nach und nach wurde Kranken, Polygamisten, Prostituierten, Armen, Anarchisten, Chinesen ab 1882, Japanern ab 1907 und Analphabeten ab 1917 die Einreise untersagt.
Die Gebäude auf Ellis Island wurden bis zum 17. Dezember 1900 fertiggestellt. Sie waren für etwa 500.000 Immigranten pro Jahr ausgelegt, zeitweise mussten aber fast doppelt so viele abgefertigt werden. An Spitzentagen kamen bis zu 12.000 Menschen. Allein 1907 wurden 1.285.349 Einwanderer abgefertigt. Nach anderer Angabe war der Rekordtag der 17. April 1907 mit fast 12.000 Immigranten.
Mit dem Immigration Act of 1924 wurde die Zahl der Einwanderer begrenzt. Danach wurde Ellis Island nur noch als Schubhaftanstalt genutzt, also als Ort, an dem Menschen bis zur Entscheidung über ihre Ausweisung festgehalten wurden. Weil für die verbliebenen Aufgaben der Aufwand nicht mehr lohnte, wurde die Immigrantensammelstelle 1954 geschlossen.
Ablauf der Aufnahme
Viele Einwanderer nannten Ellis Island die „Träneninsel“ oder auf Englisch isle of tears, weil dort nach einer kurzen Befragung und einer medizinischen Untersuchung über ihr weiteres Schicksal entschieden wurde. Die Einwanderer mussten zu Beginn eine steile Treppe mit 50 Stufen zum Registrierraum hinaufgehen. Ärzte beobachteten sie dabei. Wer Probleme beim Treppensteigen hatte, konnte als herzkrank gelten und wurde genauer untersucht.
Die Mediziner prüften auf Infektionskrankheiten und betrachteten Hände, Gesicht und Haare. Verdächtige Personen erhielten ein Kreidezeichen auf die rechte Schulter. Ein S stand für Senilität, ein Ct für die Augenkrankheit Trachom und ein X für eine psychische Erkrankung. Wer die Prüfung bestand, ging durch eine Tür mit der Aufschrift „Push to New York“ und war aufgenommen.
Der gesamte Prozess der offiziellen Einwanderung konnte mehrere Tage dauern. Währenddessen konnten Menschen jederzeit aussortiert werden. Manche Passagiere mussten tagelang auf ihren Schiffen bleiben, bevor sie an Land durften. Passagiere der ersten und zweiten Klasse, also Menschen mit Geld oder hohem gesellschaftlichem Ansehen, wurden dagegen nach einer kurzen Kontrolle direkt nach Manhattan gebracht und mussten nicht über Ellis Island einreisen.
Auf Ellis Island wurden Familien nachts getrennt; Männer und Frauen schliefen in verschiedenen Sälen. Insgesamt starben 3000 Menschen auf der Insel, 350 Kinder wurden dort geboren. Der Artikel nennt außerdem die Angabe, dass angeblich zehn Prozent aller Reisenden während der Überfahrt starben, weil sie unter schlechten hygienischen Bedingungen zusammengepfercht waren. Wegen solcher Todesfälle wurden Einwandererschiffe in New York auch „Sargschiffe“ genannt.
Weiterreise und Folgen
Nach der Aufnahme gingen viele Einwanderer zunächst in Stadtgebiete, in denen bereits Menschen aus ihrer Herkunftsgruppe lebten. Für deutsche Immigranten war das besonders Kleindeutschland an der Lower East Side. Viele Familien blieben dort nur kurz und bereiteten dann die Weiterreise in andere Siedlungsgebiete vor.
Oft folgten Neuankömmlinge Bekannten oder Verwandten, die schon früher eingereist waren. Manche reagierten auch auf staatliche Angebote. Kalifornien bot Einwanderern zum Beispiel verbilligte Bahntickets an, um die Ansiedlung in diesem Gebiet attraktiver zu machen. Außerdem konnten Immigranten teils günstiger Ausrüstungsgegenstände kaufen oder billigere Kredite aufnehmen.
Viele Neuankömmlinge blieben nach der Einreise lange unter sich oder zogen als Wanderarbeiter in Gruppen durchs Land. Gegen diese Entwicklung wandten sich zunehmend viele etablierte Amerikaner, die die Zuwanderung als „Überfremdung“ durch andere „Rassen“ empfanden. Später wurden eine Pass- und Visumspflicht sowie ein Quotensystem nach Herkunftsländern eingeführt. New York konnte durch die Immigration seinen Bedarf an Arbeitskräften decken; Überschüsse wurden durch Weiterleitung in andere Bundesstaaten abgebaut.
Die Nachwirkungen waren groß: Bei der Volkszählung im Jahr 2000 gaben etwa 43 Millionen Amerikaner, also jeder sechste, an, deutsche Vorfahren zu haben. Fast jeder zweite Amerikaner, nämlich 40 Prozent, hat Vorfahren, die über Ellis Island in die USA kamen.
Kriege, Museum und Gedenkort
Während des Ersten und Zweiten Weltkrieges wurden Teile von Ellis Island als Internierungslager für Ausländer aus Staaten genutzt, mit denen sich die USA im Krieg befanden. Solche Personen wurden enemy aliens genannt. Im Zweiten Weltkrieg diente die Insel außerdem als Lazarett und Sammelstelle für verwundete US-Soldaten. Nach dem Krieg wurde die ursprüngliche Nutzung zunächst wieder aufgenommen, aber 1954 endgültig beendet. Einwanderer wurden danach nicht mehr isoliert.
Seit 1965 ist die Insel für Besucher zugänglich. 1980 begann eine umfangreiche Renovierung des Hauptgebäudes. Am 10. September 1990 wurde es als Ellis Island Immigration Museum wiedereröffnet. Die Renovierung kostete 156 Mio. Dollar und umfasste eine neue Besucherführung sowie Einrichtungen zur Vermittlung der Geschichte. Die Renovierung der Nebengebäude, darunter Baracken und Krankenhaus, läuft schrittweise weiter und ist nicht abgeschlossen.
Der Hurrikan Sandy beschädigte 2012 Gebäude und Einrichtungen stark. Die Ausstellung wurde im Oktober 2013 wieder geöffnet, weitere Reparaturen dauerten bis 2014. Im Juni 2015 eröffnete die Dauerausstellung Peopling of America, die die Geschichte der Immigration von 1550 bis zur Gegenwart erzählt. Gleichzeitig wurde das Museum in Ellis Island National Museum of Immigration umbenannt. Im September 2015 kehrten die nach dem Sturm ausgelagerten Museums- und Archivbestände zurück.
Zum Museum gehört ein elektronisches Archiv mit allen auf der Insel abgefertigten Einwanderern, das auch im Internet verfügbar ist. Auf der American Immigrant Wall of Honor stehen Namen von Einwanderern, wenn ihre Nachfahren eine Spende von 100 Dollar geleistet hatten. Die Insel ist per Fähre vom Battery Park in Manhattan und vom Liberty State Park in Jersey City erreichbar; von dort können Besucher auch zur Freiheitsstatue auf Liberty Island weiterfahren. Eine Autobrücke von Jersey City dient nur der Versorgung und ist für Besucher nicht passierbar.