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Edward Elgar
Sir Edward William Elgar, 1. Baronet (* 2. Juni 1857 in Broadheath bei Worcester; † 23. Februar 1934 in Worcester) war ein britischer Komponist.
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Bedeutung und musikalisches Profil
Sir Edward William Elgar, 1. Baronet, wurde am 2. Juni 1857 in Broadheath bei Worcester geboren und starb am 23. Februar 1934 in Worcester. Er war ein britischer Komponist und zählt als Symphoniker, also Komponist großer Orchesterwerke, zu den bedeutenden in England wirkenden Komponisten seiner Zeit. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er von einer neuen Generation Musikinteressierter gern als erster bedeutender Komponist in England seit Georg Friedrich Händel bezeichnet.
Seine Musik verbindet eine kosmopolitische Haltung mit englischer Melodieverwurzelung. Kennzeichnend ist besonders seine Instrumentierungskunst, also die Gestaltung von Klangfarben und Aufgaben der einzelnen Orchesterinstrumente. Er unterschied sich dadurch von Zeitgenossen wie Charles Villiers Stanford, Hubert Parry und Henry Walford Davies. Elgar wurde oft zu eng auf patriotische Musik und eine vergangene imperiale Epoche reduziert; seine besten Werke zeigen laut Artikel jedoch einen Komponisten mit großem musikalischem Empfindungsreichtum. Zudem belebte er die Gattung des Oratoriums, eines groß angelegten Werkes für Solostimmen, Chor und Orchester, wieder.
Ausbildung, Familie und Durchbruch
Elgar war das vierte von sieben Kindern des Musikalienhändlers, Klavierstimmers und Organisten William Henry Elgar (1821–1906). Seine Mutter Ann Elgar, geborene Greening, war katholisch und erzog die Kinder in diesem Glauben. Er wuchs über dem Elgar Brothers’ Music Shop auf, spielte früh mehrere Instrumente und arbeitete nach kurzer Tätigkeit bei einem Notar im Geschäft seines Vaters. Mit sechzehn Jahren entschied er sich für eine musikalische Ausbildung.
1877 erhielt er in London Violinunterricht bei Adolf Politzer; als Komponist war er Autodidakt. Im selben Jahr wurde er Mitglied des Worcester Glee Club und Leiter der Worcester Amateur Instrumental Society. Für eine ungewöhnliche Besetzung aus zwei Flöten, Oboe, Klarinette und Fagott schrieb er wöchentlich einfache Gebrauchsmusik für die sonntäglichen Aufführungen von The Sunday Band oder The Brothers Wind. Zu diesen frühen Stücken gehören die Promenades, darunter Madame Tussauds oder Waxworks. Ab 1880 spielte der Geiger Karl Bammert mit; danach entstanden auch Quintette mit Geige statt zweiter Flöte.
1882 wurde Elgar Konzertmeister in Worcester, 1885 Organist an der Kirche Saint George. Zuvor hatte er 1879 als Bandmaster des Attendants Orchestra am Country Lunatic Asylum 32 Pfund jährlich verdient; für jede komponierte Polka oder Quadrille erhielt er zusätzlich fünf Shilling. 1889 heiratete er seine Klavierschülerin Caroline Alice Roberts. Sie unterstützte ihn als Managerin; die gemeinsame Tochter Carice lebte von 1890 bis 1970.
Anerkennung brachten ihm zunächst die Kantaten The Black Knight (1893) und King Olaf (1896) sowie das Oratorium The Light of Life (1896). Den endgültigen Durchbruch erzielte er 1899 mit den Enigma-Variationen und 1900 mit dem Oratorium The Dream of Gerontius. Die Enigma-Variationen sind ein großformatiges Orchesterwerk mit 14 Charaktervariationen: Jede Variation stellt in kunstvoller, farbiger Instrumentation eine persönliche Eigenschaft eines Freundes oder einer Freundin dar und knüpft an die Orchestervariation des 19. Jahrhunderts an.
Etablierte Jahre und Hauptwerke
1904 wurde Elgar Knight Bachelor und kurz darauf Professor an der Universität Birmingham. Vor und während des Ersten Weltkriegs schrieb er neben patriotischen Stücken drei Kammermusikwerke, das Cellokonzert sowie das 1910 vollendete Konzert für Violine und Orchester. Das Violinkonzert h-Moll op. 61 entstand auf Wunsch von Fritz Kreisler, steht in der Tradition großer romantischer Konzerte von Beethoven und Brahms, wurde ein Publikumserfolg und dauert rund 50 Minuten. Damit gehört es zu den längsten Instrumentalkonzerten der Musikgeschichte.
Besonders erfolgreich war die Sinfonie Nr. 1 As-Dur op. 55 (1908). Die Sinfonie Nr. 2 Es-Dur op. 63 (1911) wurde weniger positiv aufgenommen; als möglicher Grund wird ihr introspektives Finale genannt. Als unterschätzt gilt die Orgelsonate G-Dur op. 28 (1895): Sie ist ein wichtiger englischer Beitrag zur virtuosen Orgelsinfonik, wirkt in ihrer Setzweise gleichsam orchestral und verzichtet vollständig auf typische Orgelelemente wie Choral oder Fuge.
Elgars bekanntestes Werk ist Pomp and Circumstance March No. 1 aus den Pomp and Circumstance Marches Nr. 1–5 op. 39 (1901–1907). Sein Mittelteil wurde als Land of Hope and Glory weltbekannt. Neben Rule, Britannia! und God Save the Queen/King gehört es zu den bekanntesten britischen Hymnen, wird bei der Last Night of the Proms gespielt und dient bei den Commonwealth Games als englische Nationalhymne. Sea Pictures für Alt und Orchester op. 37 (1897–1899) vertont Gedichte mehrerer englischer Dichter und das Gedicht In Haven seiner Frau.
Weitere zentrale Werkgruppen sind Orchesterwerke wie die Enigma-Variationen op. 36, die Ouvertüren Froissart op. 19 und In the South (Alassio) op. 50 sowie Falstaff. Sinfonische Studie op. 68; Kammermusik wie Salut d’amour op. 12, Violinsonate e-Moll op. 82, Streichquartett e-Moll op. 83 und Klavierquintett a-Moll op. 84; und große Chorwerke. Zu den geistlichen Oratorien zählen The Apostles op. 49 und The Kingdom op. 51, zu den weltlichen Chorwerken The Music Makers op. 69 und The Spirit of England op. 80.
Späte Jahre, Tod und Nachwirkung
Der Tod Caroline Alices im Jahr 1920 schwächte Elgars Schaffenskraft stark. Sein Kompositionsstil galt in den 1920er Jahren als altmodisch. Dennoch wurde er 1924 Master of the King’s Music, 1928 Knight Commander des Royal Victorian Order (KCVO), 1929 auswärtiges Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Letters und am 23. Juni 1931 Baronet of Broadheath in the County of Worcester. 1933 erhielt er den Rang Knight Grand Cross des Royal Victorian Order (GCVO). Noch einmal komponierte er die Severn Suite für Blechbläser op. 87 (1930).
Bei seinem Tod waren die Sinfonie Nr. 3 c-Moll op. 88 und die Oper The Spanish Lady op. 89 unvollendet. Die Skizzen der Sinfonie arbeitete Anthony Payne aus; seine Rekonstruktion wurde 1998 uraufgeführt. Percy Young arbeitete die Opernskizzen aus. Auch zum Klavierkonzert op. 90 existierten nur Skizzen aus den Jahren 1909–1932; eine Ausarbeitung von Robert Walker wurde 1997 uraufgeführt.
Nach dem Tod seiner Frau zog sich Elgar nach Worcestershire zurück. Er starb mit 76 Jahren an Darmkrebs und wurde neben ihr auf dem Saint Wulstan’s Churchyard in Little Malvern beigesetzt. Sein Baronettitel erlosch, weil er keine Söhne hinterließ.
Elgar fuhr ab 1900 viel Fahrrad; sein Royal-Sunbeam-Rad nannte er Mr. Phoebus. In Plas Gwyn in Hereford, wo er von 1904 bis 1911 wohnte, richtete er sich ein Chemielabor ein. Als Anhänger der Wolverhampton Wanderers schrieb er Banged The Leather for Goal, das erst 2010 erstmals öffentlich aufgeführt wurde. Nach ihm wurden 1961 die Elgar Uplands in der Antarktis und 1991 der Asteroid (4818) Elgar benannt. Sein Porträt befand sich bis 2007 auf der 20-Pfund-Banknote.
Dorabella-Chiffre
Einem Brief an die mit der Familie befreundete Dora Penny (1874–1964) legte Elgar einen Zettel mit einer offenbar verschlüsselten Nachricht bei. Der Code ist als Dorabella-Chiffre bekannt. Erst 112 Jahre später legte der Australier Tim S. Roberts einen Entschlüsselungsvorschlag vor.