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Eberhard I. (Württemberg, Herzog)
Eberhard im Bart (* 11. Dezember 1445 in Urach; † 25. Februar 1496 in Tübingen) war seit 1457 als Eberhard V. Graf von Württemberg-Urach und ab 1482 auch …
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Bedeutung und Herrschaft
Eberhard im Bart (* 11. Dezember 1445 in Urach; † 25. Februar 1496 in Tübingen) war eine zentrale Herrscherfigur Württembergs im späten 15. Jahrhundert. Seit 1457 war er als Eberhard V. Graf von Württemberg-Urach, ab 1482 auch von Württemberg-Stuttgart und seit 1495 als Eberhard I. der erste regierende Herzog von Württemberg und Teck.
Seine Bedeutung liegt vor allem in drei Entwicklungen: Er regierte den Uracher Landesteil seit 1459 selbstständig, gründete 1477 die heutige Eberhard-Karls-Universität Tübingen, vereinigte 1482 die seit 1441 getrennten württembergischen Landesteile wieder und wurde 1495 auf dem Reichstag zu Worms von Kaiser beziehungsweise König Maximilian zum Herzog erhoben. Damit wurde aus der Grafschaft Württemberg ein Herzogtum.
Herkunft, Regierung und Privatleben
Eberhard war ein Sohn von Graf Ludwig I. von Württemberg-Urach und Mechthild, der Tochter des Pfalzgrafen bei Rhein Ludwig III. Zu seinen Erziehern gehörte der Geistliche Johannes Nauclerus, der später großen geistigen Einfluss auf ihn hatte. Nach dem Tod seines Vaters 1450 wurde zunächst Eberhards älterer Bruder Ludwig Graf von Württemberg-Urach. Als Ludwig 1457 im Alter von 18 Jahren starb, fiel der Titel an den noch minderjährigen Eberhard. Eine Vormundschaft regierte zunächst von der Reichsburg Grüningen aus. 1459 wurde sie auf dem Tübinger Landtag aufgehoben, und der 14-jährige Eberhard wurde für volljährig erklärt.
Die Grafschaft Württemberg-Urach bildete den westlichen Teil des früheren Württemberg. Dieses war durch den Nürtinger Vertrag 1442 zwischen Ludwig I. und seinem Bruder Ulrich V. geteilt worden. Eberhard residierte zunächst auf Schloss Urach. Die Stadt Urach war rund vier Jahrzehnte Sitz der Uracher Linie und wurde in dieser Zeit ausgebaut, unter anderem durch die Stiftskirche St. Amandus ab 1478 und ein Spital ab etwa 1480. Später verlegte Eberhard seine Residenz nach Stuttgart und regierte ab 1483 von dort das wiedervereinigte Württemberg.
Von Mai bis November 1468 unternahm Eberhard eine Pilgerfahrt nach Jerusalem. Am 12. Juli 1468 wurden er und 24 adlige Begleiter in der Grabeskirche zu Rittern vom Heiligen Grab geschlagen. Sein Beiname „im Bart“ soll auf ein Gelübde dieser Reise zurückgehen, nach dem er seinen Bart nicht mehr schneiden wollte.
1474 heiratete Eberhard Barbara Gonzaga von Mantua, die aus einem angesehenen und vermögenden oberitalienischen Geschlecht stammte. Die kirchliche Trauung fand am 12. April im Dom zu Mantua statt, das „Beilager“ am 4. Juli in Urach. Die Hochzeitsfeier war außergewöhnlich groß: 14.000 Gäste sollen 165.000 Laib Brot und über 150.000 Liter Wein verbraucht haben. Die einzige Tochter aus dieser Ehe starb im Säuglingsalter. Eberhard hatte außerdem Kinder außerhalb der Ehe. Ludwig Wirtemberger und Hans Wirtemberger wurden 1484 durch Kaiser Friedrich III. rechtlich so gestellt, als seien sie ehelich geboren.
Eberhard starb 1496 im Schloss Tübingen an Fieber, roter Ruhr und Blasengeschwüren. Als genauer Todestag wird der 25. Februar angegeben; viele moderne Quellen nennen irrtümlich den 24. Februar. Zunächst wurde er im Stift St. Peter auf dem Einsiedel bestattet, später wurde sein Leichnam in die Stiftskirche Tübingen überführt.
Bildung, Universität und Reformen
Eberhard trat sein Amt jung an und ist seit 1472 mit der Lebensdevise „Attempto“ verbunden, also „Ich wag’s“. Am Anfang seiner Herrschaft musste er sich gegen Ansprüche seines Onkels, Kurfürst Friedrich von der Pfalz, behaupten. Nach Friedrichs Tod am 12. Dezember 1476 konnte er sich stärker der Innenpolitik widmen.
Obwohl Eberhard selbst kein Latein beherrschte, schätzte er Bildung, Literatur und den Humanismus. Humanismus bezeichnet hier eine Bildungsbewegung, die sich stark an antiken Texten und gelehrter Bildung orientierte. Eberhard ließ zahlreiche lateinische Texte ins Deutsche übersetzen. Für ihn arbeitete unter anderem der Uracher Schönschreiber und Buchmaler Stephan Schriber. Reste seiner umfangreichen Bibliothek sind erhalten.
Auf Anregung seiner Mutter Mechthild von der Pfalz verlegte Eberhard das Sindelfinger Stift nach Tübingen und gründete dort 1477 die Universität Tübingen. Stifte waren kirchliche Einrichtungen mit Geistlichen, die oft auch Bildung, Verwaltung und Seelsorge unterstützten. Eberhard holte außerdem die „Brüder vom gemeinsamen Leben“ ins Land, eine Gemeinschaft der „Devotio moderna“, einer religiösen Reformbewegung. Einer ihrer führenden Vertreter, Gabriel Biel, kam ebenfalls nach Württemberg. Eberhard ließ Stifte in Urach, Dettingen an der Erms, Herrenberg, Einsiedel bei Tübingen und Tachenhausen errichten.
Johannes Nauclerus spielte als Gelehrter Rat und intellektueller Vertrauter eine wichtige Rolle. Er wurde erster Rektor und später Kanzler der Universität. 1478 wurde der Tübinger Medizinprofessor Thomas Russ Eberhards Leibarzt. Von Februar bis April 1482 begleitete Johannes Reuchlin den Grafen nach Rom. Dort wurde mit Papst Sixtus IV. vor allem über die personelle und finanzielle Trennung der Universität vom Tübinger Sankt-Georg-Stift verhandelt.
Eberhard betrieb auch Kirchen- und Klosterreformen sowie eine staatliche Finanzaufsicht. Zugleich wird in der Forschung hervorgehoben, dass er eine deutliche Judenfeindschaft zeigte. Im Jahr der Universitätsgründung 1477 veranlasste er die Vertreibung oder Gefangennahme der in Württemberg lebenden Juden. Zur Rechtfertigung soll er übersetzte Prozessakten zum angeblichen Ritualmord an Simon von Trient genutzt haben. Die antijüdische Politik war wohl auch wirtschaftlich begründet: Die Bevölkerung klagte über hohe Zinsen, und Eberhard profitierte selbst von einem Schuldenschnitt im Zuge der Vertreibung. 1492 bestimmte er in einem Testament, dass Juden sich in Württemberg nicht niederlassen durften. Diese Regimentsordnung blieb bis 1806 bestehen und prägte das Leben der Juden, die häufig nur vorübergehend in kleineren Herrschaften leben konnten, Abgaben wie Schutzgelder zahlen mussten und oft in ärmlichen Verhältnissen lebten.
Wiedervereinigung und Herzogtum
Mit dem Münsinger Vertrag erreichte Eberhard am 14. Dezember 1482 die Wiedervereinigung von Württemberg-Urach und Württemberg-Stuttgart. Im selben Jahr verlieh ihm Papst Sixtus IV. die Goldene Rose. Nach der Wiedervereinigung verlegte Eberhard die Residenz nach Stuttgart und regierte von dort aus das vereinigte Land.
1485 schloss Eberhard mit Herzog Siegmund dem Münzreichen ein zehnjähriges Schutzbündnis und ein gegenseitiges Hilfsabkommen für den Kriegsfall. 1492 nahm König Maximilian ihn in den Orden vom Goldenen Vlies auf, einen bedeutenden Ritterorden.
Auf dem Reichstag zu Worms wurde die Grafschaft Württemberg am 21. Juli 1495 nach langen Verhandlungen zum Herzogtum erhoben. Graf Eberhard V. wurde dadurch Herzog Eberhard I. von Württemberg und Teck. Den angestrebten Titel eines Herzogs von Schwaben und damit die Wiederbelebung des alten Stammesherzogtums Schwaben erhielt er nicht.
Zwei Tage nach der Erhebung erneuerte Maximilian die erbliche Belehnung mit Reichssturmfahne, Burg und Stadt Grüningen und erlaubte, das Grüninger Fahnlehen in das neue viergeteilte Herzogswappen aufzunehmen. Eine Belehnung bedeutete, dass ein Herrscher ein Lehen offiziell übertrug. Im Gegenzug musste Eberhard im Wormser Vertrag akzeptieren, dass Herzogtum und Reichslehen an das Reich zurückfallen sollten, falls die männliche Nachfolge unterbrochen würde. Außerdem verpflichtete er sich, den Bau des Württembergischen Landgrabens einzustellen.
Da Eberhard I. keinen ehelichen Erben hatte, regelte der Münsinger Vertrag auch die Nachfolge. Nach seinem Tod wurde der seit 1480 im Stuttgarter Landesteil regierende Graf Eberhard VI. sein Nachfolger als Herzog Eberhard II. Damit war die Landesteilung endgültig aufgehoben.
Spätere Erinnerung
Schon Zeitgenossen bewunderten Eberhards geistige Fähigkeiten. Besonders im 19. und 20. Jahrhundert wurde er in der patriotisch geprägten württembergischen Geschichtsschreibung stark verherrlicht. Zu seinen Ehren wurde eine Büste in der Walhalla aufgestellt.
Auch Denkmäler und Dichtung prägten sein Bild. Das Reiterstandbild im Schlosshof des Alten Schlosses in Stuttgart zeigt ihn als Herzog, erkennbar unter anderem am nach oben gehaltenen Herzogsschwert. Eine Kopie dieses Schwertes befindet sich im Landesmuseum Württemberg im Alten Schloss, das Original gehört dem Haus Württemberg.
Bekannt wurde Eberhard außerdem durch das Gedicht „Der reichste Fürst“ von Justinus Kerner und das daraus entstandene „Württembergerlied“. Darin wird er als „Eberhard, der mit dem Barte, Württembergs geliebter Herr“ dargestellt. Die Ballade beschreibt ihn als besonders reichen Fürsten, weil er angeblich ohne Sorge bei jedem seiner Untertanen Schutz finden könne. Auf diese Vorstellung bezieht sich auch die Eberhardsgruppe, ein Denkmal von Paul Müller im Stuttgarter Schlossgarten.