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Dotcom-Blase

Die Dotcom-Blase war ein weltweites Phänomen. Der größte Markt für Technologieunternehmen war die US-amerikanische Börse NASDAQ. In Deutschland beispielsweise …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung
  2. 2. Entstehung und Verstärkung des Booms
  3. 3. Höhepunkt und typische Beispiele
  4. 4. Zusammenbruch
  5. 5. Wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen
  6. 6. Alternative Bewertung

Begriff und Bedeutung

Die Dotcom-Blase war eine weltweite Spekulationsblase, die im März 2000 platzte. Sie betraf vor allem Internet- und Technologieunternehmen der sogenannten New Economy und führte besonders bei Kleinanlegern in Industrieländern zu hohen Vermögensverlusten. „Dotcom“ bezieht sich auf die Top-Level-Domain „.com“ für kommerzielle Internetangebote; weitere Bezeichnungen sind Internetblase und New Economy Bubble.

Der wichtigste Handelsplatz für Technologieunternehmen war die US-Börse NASDAQ. In Deutschland schuf die Deutsche Börse den Neuen Markt als eigenes Segment für vermeintlich zukunftsweisende, wachstumsstarke Technologieunternehmen. Die deutsche Entwicklung war im Vergleich zu den USA stärker von betrügerisch oder kriminell handelnden Unternehmern geprägt.

Entstehung und Verstärkung des Booms

Der Boom begann ab 1995. Neue Technologien wie Internet, Mobiltelefon und Handheld-Computer erzeugten eine starke Aufbruchstimmung. Zahlreiche Unternehmen wurden gegründet und gingen wegen des großen Anlegerinteresses an die Börse. Viele Anleger erwarteten hohe zukünftige Gewinne oder wollten Aktien nach Kurssteigerungen mit Gewinn weiterverkaufen.

In Deutschland machte besonders der von umfangreicher Werbung begleitete Börsengang der Deutschen Telekom Aktien bei breiten Bevölkerungsschichten populär. Ab Mitte 1999 vervielfachte sich die Börsenbewertung zahlreicher Unternehmen innerhalb weniger Monate, weil viele zuvor nicht am Aktienmarkt aktive Menschen zu investieren begannen.

Die Blase wurde durch mehrere Faktoren verstärkt:

  • Unternehmen nutzten das bei Börsengängen eingenommene Geld, um weitere börsennotierte Firmen aufzukaufen, obwohl diese häufig nicht profitabel waren.
  • Anleger ließen sich von oft zweistelligen prozentualen Kurssteigerungen anziehen. Manche handelten als Daytrader, also mit kurzfristigen Käufen und Verkäufen innerhalb kurzer Zeiträume.
  • Investmentfonds warben mit immer höheren Gewinnaussichten. Neuer-Markt-, Internet-, Telekommunikations- und Technologiefonds fanden großen Absatz.
  • Viele Anleger ignorierten Jahresabschlüsse und fundamentale Unternehmensbewertungen, also die wirtschaftliche Lage und den tatsächlichen Wert eines Unternehmens.
  • Selbst eine hohe Cash-Burn-Rate – der schnelle Verbrauch vorhandener Geldmittel – galt teilweise als positives Zeichen für Wachstum.
  • Medien verstärkten die Euphorie, besonders bei Börsengängen am Neuen Markt. Dadurch wurden viele unerfahrene Anleger zu riskanten Investitionen bewegt.

Höhepunkt und typische Beispiele

Die deutschen Aktienindizes erreichten am 7. März 2000 ihren Höhepunkt. Der DAX stieg im Tagesverlauf auf 8.136,16 Punkte und schloss bei 8.064,97 Punkten. Dieser Schlusskurs war in jener Phase der einzige oberhalb von 8.000 Punkten.

Wie groß die Nachfrage nach neuen Aktien war, zeigte der Börsengang des Halbleiterunternehmens Infineon am 13. März 2000: Es wurden so viele Aktien gehandelt, dass die Handelssysteme der Frankfurter Wertpapierbörse und damit auch die Orderverarbeitung einiger Banken zusammenbrachen.

In Österreich galt der Internetdiensteanbieter YLine als Kernakteur der Blase. Seine Aktie erreichte im März 2000 am EASDAQ-Index einen Höchstkurs von 278 €. Lehman Brothers nannte im Juni desselben Jahres ein Kursziel von 400 €. Bereits im Juli 2000 geriet YLine jedoch in die Überschuldung und verzögerte deren Folgen durch Einnahmen aus weiteren Aktienemissionen.

Zusammenbruch

Gegen Ende des Booms wurde deutlich, dass viele hoch bewertete Unternehmen die erwarteten Gewinne auf absehbare Zeit nicht erzielen konnten. Ihre Börsenwerte waren meist nur begrenzt durch materielle Vermögenswerte gedeckt. Bei IT-Unternehmen lag ein großer Teil des Wertes in den geistigen Leistungen der Beschäftigten; der Buchwert bestand häufig hauptsächlich aus Gebäuden und IT-Infrastruktur. Zugleich waren viele während der Expansion zugekaufte Unternehmen nicht profitabel.

Als erste vermeintliche Zukunftsunternehmen Insolvenz anmeldeten, nahmen die Zweifel zu. In einigen Fällen stellte sich außerdem heraus, dass veröffentlichte Umsätze fingiert waren. Im März 2000 begannen die Kurse zu fallen. Erfahrene Börsianer zogen frühzeitig Kapital ab. Viele neue und unerfahrene Kleinanleger gerieten wegen der anhaltenden Verluste in Panik und verkauften ihre Aktien zu fast jedem Preis. So verstärkte sich der Kursverfall zu einem Kurssturz. Andere Anleger erwarteten eine Erholung, verpassten den Ausstieg und verloren ihr investiertes Kapital.

In Deutschland kamen schwere Täuschungsfälle hinzu. Bei Comroad wurde die Bilanz in großem Umfang durch Scheingeschäfte verfälscht. Bei Infomatec und Metabox täuschten falsche Ad-hoc-Meldungen die Anleger. Ad-hoc-Meldungen sind kurzfristig veröffentlichte Unternehmensinformationen, die den Börsenkurs beeinflussen können.

Wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen

Viele zuvor teuer erworbene Tochtergesellschaften erwiesen sich als Sanierungsfälle und waren während der Krise kaum verkäuflich. Unternehmen, die ihre Liquidität – ihre verfügbaren Geldmittel – durch unüberlegte Übernahmen verbraucht hatten, wurden selbst zu Insolvenzkandidaten. Manche Aktienkurse fielen unter den Buchwert des jeweiligen Unternehmens. Einige Firmen wurden daraufhin mit dem Ziel gekauft und aufgelöst, Vermögenswerte wie Bürogebäude oder Patente gewinnbringend zu verkaufen.

Der IT-Arbeitsmarkt veränderte sich rasch. 1999 waren wegen des Fachkräftemangels noch IT-Fachkräfte aus Indien angeworben worden; innerhalb eines Jahres wurde Arbeitslosigkeit zum Problem. Der Stellenabbau hielt auch an, als erste Erholungszeichen sichtbar wurden. Besonders große Unternehmen überstanden den Börsenkrach, während viele kleinere Marktteilnehmer und damit ein großer Teil der Vielfalt verschwanden. Entlassene Quereinsteiger fanden häufig nur schwer neue Stellen.

Das Vertrauen der Anleger in IT-Aktien blieb jahrelang beschädigt. Bis 2004/2005 waren viele Unternehmen unterbewertet. Die US-Zentralbank Fed reagierte mit niedrigen Zinsen, um die Konjunktur anzuregen. Zugleich verlagerten viele Kleinanleger ihr Geld aus spekulativen Finanz- und Internetmärkten in Immobilien. Nach Darstellung des Artikels begünstigten niedrige Zinsen und Spekulationen im Bau- und Hypothekenmarkt eine neue Preisblase. Deren Platzen im Jahr 2007 traf noch nicht vollständig stabilisierte Finanzmärkte und gilt als unmittelbarer Anlass für die offen ausbrechende Finanz- und Bankenkrise sowie die folgende lang dauernde Weltwirtschaftskrise.

Ben Bernanke, damaliger Chef der US-Zentralbank, erklärte das weltweit niedrige Zinsniveau und steigende Vermögenspreise außerdem mit einer „saving glut“, einer Sparschwemme. Schwellenländer bauten Devisenreserven auf, während es in reifen Industrieländern wegen ihrer hohen Kapitalintensität an heimischen Investitionsmöglichkeiten fehlte. Ersparnisse flossen besonders in die USA, aber auch nach Spanien, senkten dort die Zinsen und erhöhten die Immobilienpreise.

Die New Economy als Ganzes überstand den Einbruch laut Artikel weitgehend und gewann später durch den Erfolg beziehungsweise die starke Aufmerksamkeit für Unternehmen wie Google und Facebook eine neue Rolle in der internationalen Wirtschaft. Die Aussagen dieses Abschnitts sind im Ausgangsartikel ausdrücklich als nicht hinreichend mit Belegen abgesichert gekennzeichnet.

Alternative Bewertung

Die Wirtschaftswissenschaftler William Quinn und John D. Turner bewerten die Folgen nicht ausschließlich negativ. Ihrer Darstellung zufolge blieben die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen zunächst gering: In den USA und Großbritannien wuchs das Bruttosozialprodukt (BPS) auch in den folgenden Jahren, während es in Deutschland geringfügig zurückging.

Zwar verloren Anleger Geld, wenn die finanzierten Unternehmen bankrottgingen. Der starke Kapitalzufluss unterstützte jedoch zugleich neue Geschäftszweige und Unternehmen wie Amazon, eBay und PayPal. Eine erhoffte Konsequenz blieb nach dieser Bewertung aus: Die Finanzwelt lernte nicht dauerhaft aus der Dotcom-Blase. Bald folgte mit der Blase am Subprime-Markt die nächste Spekulationsblase.

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