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Geographie der Ukraine

Die Geographie der Ukraine ist im Wesentlichen von Zonen geprägt, die in West-Ost-Richtung verlaufen. Das Land gehört zur Osteuropäischen Ebene und den …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Landschaftsräume
  2. 2. Relief, Gebirge und Niederungen
  3. 3. Böden, Untergrund und Rohstoffe
  4. 4. Klima, Wälder und biologische Vielfalt
  5. 5. Flüsse und Küsten
  6. 6. Menschliche Räume

Überblick und Landschaftsräume

Die Geographie der Ukraine ist vor allem durch großräumige Zonen geprägt, die in West-Ost-Richtung verlaufen. Das Land gehört zur Osteuropäischen Ebene und zu den Karpaten. Der größte Teil besteht aus ebenem oder leicht hügeligem Gelände, das von Wald, Waldsteppe und Steppe bedeckt ist. Auffällig heben sich nur einige Gebirge und Hochländer ab, vor allem die Karpaten im Südwesten, das Krimgebirge im Süden und einzelne Platten und Höhenzüge im Landesinneren.

Naturräumlich werden unter anderem der Ukrainische Schild, der Koweler Moränenrücken, die Wolhynisch-Podolische Platte, der Karpaten-Falten- und Überschiebungsgürtel, das Dneprtiefland, das Donezbecken, die Schwarzmeersenke, der Sarmatische Kraton oder die Skythische Platte sowie das Krimgebirge genannt. Die Nutzflächen verteilen sich auf Wald 16,1 %, Ackerland 56,0 %, Wiesen und Weiden 13,9 % und sonstige Flächen 10 % (Stand: 2020). 4 % der Landesfläche sind Wasserflächen, also Seen und Flüsse.

Relief, Gebirge und Niederungen

Im Norden, im ukrainisch-belarussischen Grenzgebiet um Kowel, hat die Ukraine Anteil an den Prypjat-Sümpfen. Diese Endmoränenlandschaft gehört zu Polesien, einem kulturellen und geographischen Raum, der sich über vier Zonen erstreckt. Polesien wurde durch eine Eiszeit stark verändert; die Oberflächengestalt beeinflusste auch die Besiedlung, weil das unzugängliche Gelände Schutz bot. Südlich davon folgen Mischwaldstreifen, Waldsteppe und Steppe.

Die Wolhynisch-Podolische Platte umfasst in der Westukraine unter anderem die Wolhynischen Höhen um Riwne mit etwa 220 bis 250 m und die Podolischen Höhen im Westen und Südwesten. Die höchste Erhebung ist der Kamulaberg mit 471 m. Im Osten der Ukraine liegt die Donezplatte mit Höhen bis zu 369 m; sie ist ein welliges Plateau mit eingeschnittenen Tälern und Schluchten.

Die Karpaten erreichen in der Ukraine mit der Howerla 2061 m ihre größte Höhe. Weitere hohe Berge sind Brebeneskul mit 2038 m, Pip Iwan mit 2028 m und Petros mit 2022 m. Der Karpaten-Falten- und Überschiebungsgürtel ist eine bogenförmige tektonische Zone. Geologisch handelt es sich um einen dünnhäutigen Schiebungsgürtel aus gefalteten Schichten, in dem unter anderem Tonsteine, Schiefer und Sandsteine vorkommen.

Auf der Halbinsel Krim verläuft das Krimgebirge von Südwesten nach Nordosten an der Südküste. Es ist etwa 150 km lang und fast 50 km breit. Die höchste Erhebung ist der Roman Kosch mit 1543 m; an anderer Stelle wird für das Bergland der Krim eine Höhe bis 1545 m genannt. Der Hauptrücken besteht aus Tafelmassiven aus Kalkstein und enthält Karstformen wie Trichter, Höhlen und Einsturzdolinen. Die randlichen Niederungszonen entstanden während der quartären Vergletscherung. Dazu gehören stark versumpfte Sand- und Alluvialniederungen, besonders in der Polessje-Senke, sowie Niederungen am Dnepr und Don mit Moränenresten, lößartigen Lehmen und breiten Flussterrassen.

Böden, Untergrund und Rohstoffe

Die Ukraine war schon zur Zeit der Zaren eines der fruchtbarsten landwirtschaftlichen Gebiete Europas. Prägend ist der Schwarzerde-Gürtel, auch Tschoronozem genannt. Schwarzerde ist ein sehr fruchtbarer Boden; sie beginnt im Waldsteppengebiet am mittleren Dnepr und erreicht weiter südlich im Steppengebiet ihre größte Mächtigkeit. Schwarzerde-Böden bedecken 56 Prozent der Fläche der Ukraine und werden zu großen Teilen als Ackerland genutzt.

Früher war der fruchtbare Lößboden bis zu drei Meter dick, heute erreicht er kaum mehr als die Hälfte. Als Ursache nennt der Artikel Erosion durch übermäßige Beanspruchung und falsche Bepflügung durch die ehemaligen Kolchosen. Trotzdem ermöglicht der Boden große Erträge. Angebaut werden Getreidearten, Zuckerrüben sowie verschiedene Gemüse- und Obstsorten. Durch intensive Kultivierung ist die ursprüngliche Federgrassteppe fast verschwunden; erhalten ist sie noch im Gebiet Askanija-Nowa bei Cherson, einem Naturschutzgebiet mit angesiedelten Tieren wie Bison, Straußen und Przewalski-Pferden.

Im Untergrund liegen mehrere geologische Großstrukturen. Südlich des Moskauer Beckens befindet sich das Woronescher Massiv mit präkambrischem Untergrund, Eisenerzlagerstätten und der Kursker erdmagnetischen Anomalie. Das Podolische-Asowsche Massiv erstreckt sich von der Westukraine bis zum Asowschen Meer zwischen Dnepr und Dnestr und besteht aus archaischen Graniten und Gneisen. Zwischen diesen Massiven liegt die Dnepr-Donez-Senke. Im Osten befindet sich das Donezbecken, in dem mächtige karbonische und permische Schichten vorkommen. Das Gebiet um Donezk besitzt reiche Kohlevorkommen sowie Lagerstätten von Mangan- und Eisenerz. Ihre lange Förderung trägt zur erheblichen Verschmutzung des Donbas bei.

Klima, Wälder und biologische Vielfalt

Der größte Teil der Ukraine liegt in der gemäßigt warmen Klimazone. Die Krim weist subtropisch feuchtes Klima auf. Norden und Nordosten stehen häufig unter dem Einfluss des Kontinentalklimas, mit strengen Wintern und relativ warmen Sommern. In den Steppengebieten können die Sommer trocken und heiß sein; dabei treten Staubstürme auf, die Sutschowij genannt werden. Die höchsten Niederschläge fallen in den Karpaten und im Bergland der Krim.

Im Winter können die Temperaturen bis auf −22 °C sinken. Im Sommer liegen sie zwischen 17 und 25 °C. In Kiew am Dnepr betragen die Durchschnittstemperaturen −7 °C im Januar und 20 °C im Juli. Die Niederschläge nehmen von Norden und Westen nach Osten und Südosten ab. In Kiew liegt das Jahresmittel bei 685 mm, in den Waldkarpaten können bis zu 1600 mm erreicht werden. An der Schwarzmeerküste sind die Winter weniger extrem; auf der Krim beträgt die Julitemperatur 23 °C. Das Land wird in fünf Klimazonen gegliedert: Karpatenregion, Küstengebiet, Sumpfgebiete, gemäßigte Zonen im zentralen Westen sowie Steppengebiete im Osten.

Die Wälder sind besonders im Dnepr-Becken ungleich verteilt. Im oberen Teil des Beckens gibt es etwa 3,2 Millionen Hektar Wald mit Baumarten wie Kiefer, Birke, Espe, Eiche, schwarzer Erle, Esche und Ahorn. Der ukrainische Teil des Dnepr-Beckens ist mit 5 Millionen Hektar Wald bedeckt; die durchschnittliche Bewaldung beträgt 17 %, im oberen Teil des Beckens 25 %. Als Folge der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl sind 2,5 Mio. Hektar Wald in der Ukraine radioaktiv kontaminiert, 200.000 Hektar sind vom Zugang ausgeschlossen, und über 165.000 Hektar liegen in der Sperrzone.

Biologisch wichtig ist besonders das Dnepr-Becken. Es bildet zusammen mit den Waldkarpaten ein ökologisch bedeutendes System mit vielen miteinander verbundenen Mikro-Ökosystemen. Das Prypjat-Becken, Polesien und die Auen des Dnepr sind zentrale Beispiele. Die Auen des Prypjat bestehen aus einem nahezu ungestörten System von Flüssen und Waldauen. Teile des Beckens stehen unter dem Schutz der Ramsar-Konvention, darunter Naturschutzgebiete im mittleren Prypjat, die Prypjat-Auen und das Dnepr-Delta. Genannt werden über 90 Fischarten, davon 60 nur im Dnjepr, ungefähr 182 Vogelarten und über 2500 Pflanzenarten.

Flüsse und Küsten

Der wichtigste Fluss ist der Dnepr. Er durchzieht die Ukraine von Norden nach Süden, bildet südlich der Hauptstadt einen großen nach Osten ausbuchtenden Bogen und teilt das Land in zwei fast gleich große Hälften. Mit 2285 km Länge ist er nach Wolga und Donau der drittlängste europäische Strom. Im ukrainischen Sprachgebrauch heißen die Gebiete östlich des Dnepr „linksufrig“, die westlich gelegenen „rechtsufrig“.

Der Dnepr war schon früh Wasserweg und Fernhandelsroute. Ab 1932 wurde er begradigt, Stromschnellen wurden entschärft, und nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden mehrere Stauseen. Seine Zuflüsse bilden ein dichtes Netz: Von Westen kommt der Prypjat, im Norden der Bjaresina, im Nordosten Desna und Sosch, im Osten der Psel. Im Süden mündet der Dnepr ins Schwarze Meer. Die früheren Stromschnellen gaben der Region „Hinter den Schwellen“ ihren Namen: ukrainisch Zaporizzja, russisch Zaporoze; daran erinnert die Stadt Saporischschja.

Die Ukraine liegt am Schwarzen Meer und am Asowschen Meer. Die Küstenlänge beträgt 2782 km. Das Schwarze Meer friert nur am Nordufer kurzzeitig zu. Die West- und Nordküste ist außer am südlichen Krimufer niedrig, besonders an den Mündungen von Donau, Dnestr und Dnepr. Typisch sind Limane, also vom Meer überflutete Flussunterläufe, die durch Sandnehrungen abgetrennt sind. Einige, zum Beispiel der Sywasch, haben eine hohe Salzkonzentration, und ihr Schlamm wird für Heilzwecke genutzt.

In den oberen Wasserschichten des Schwarzen Meeres leben viele Tiere, in den unteren kaum; über die Ursache ist sich die Wissenschaft uneins. Ab 200 m Tiefe ist das Wasser durch Schwefelwasserstoff belastet und weist kein organisches Leben auf. Genannt werden Fischarten wie Makrele, Seebarbe, Meeräsche und Scholle. Das Asowsche Meer ist flach, im Winter 2 1/2 bis 3 Monate zugefroren und über die Straße von Kertsch mit dem Schwarzen Meer verbunden. Sein Salzgehalt beträgt durchschnittlich 11 ‰, in südlichen Teilen oft nur 2–4 ‰. Es ist fischreich, vor allem mit Krim-Anschovis und Hering.

Menschliche Räume

Die Ukraine ist auch durch regionale Siedlungs- und Kulturräume geprägt. Der Artikel nennt verschiedene kleine Völker und Volksgruppen, darunter die Huzulen in der Nähe von Kuty. In Kossiw befindet sich ein Zentrum des huzulischen Handwerks. Folgt man dem Pruth durch das Gebiet der Huzulen, gelangt man in die Bukowina. Der Pruth durchfließt Kolomyja, die historische Hauptstadt von Pokutien.

Pokutien wird durch den Pruth in eine nördliche und eine südliche Hälfte geteilt. Die nördliche Hälfte ist durch Mittelgebirgslandschaft geprägt; ihre Ausläufer werden als Wiesen und Felder genutzt. Der südliche Teil gehört zur Hochgebirgslandschaft der östlichen Waldkarpaten und wird als „Huzulenland“ bezeichnet, weil er das Hauptsiedlungsgebiet der Huzulen ist. Dort liegt auch die Howerla mit 2061 m, die für die Huzulen heilig ist. Am Fuß dieses Berges entspringen mehrere Flüsse, darunter der Pruth und die Weiße Theiß, die mit der Schwarzen Theiß zusammenfließt und als Theiß den größten Zufluss der Donau bildet.

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