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Digitale Kompetenz
Medienkompetenz: Medienkompetenz umschließt Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung und Mediengestaltung; Kommunikation und Kollaboration: Damit ist die …
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Grundverständnis und Bedeutung
Digitale Kompetenz bezeichnet die Fähigkeit, sich in einer Informationsgesellschaft zurechtzufinden, dort zu lernen und zu arbeiten sowie am digitalen Lifestyle teilzunehmen. Sie umfasst deutlich mehr als reine Computeranwendungskenntnisse: Dazu gehören Verhaltensweisen, Strategien und Identitäten, die in einem bestimmten digitalen Umfeld wichtig sind. Digitale Kompetenz ist heute eine notwendige Voraussetzung für die Teilhabe an modernen Informationsgesellschaften und gewinnt zugleich in Bildung, Beruf und Politik an Bedeutung.
Sie verbindet Computertechnologien, Informationskompetenz und Medienkompetenz mit soziokulturellen Fähigkeiten. Wichtig sind sowohl die technische Beherrschung digitaler Medien als auch Medienkritik, also eine kritische und reflektierte Haltung gegenüber digitalen Medien. Informatische Grundbildung hilft dabei, die algorithmenbasierte Funktionsweise sozialer Medien zu verstehen. Diese Kenntnisse werden zunehmend für die Berufswelt und Hochschulen vorausgesetzt.
Der Begriff entwickelte sich aus der Medienkompetenz, die seit den 1990er Jahren ein fester Bestandteil der Medienpädagogik ist. Die Anforderungen digitalisierter Medien führten dazu, dass Medienkompetenz um technische, informatische und gesellschaftliche Aspekte erweitert wurde.
Kompetenzmodell und digitale Mündigkeit
Kompetenz bezeichnet grundlegende menschliche Fähigkeiten, die nicht durch Reifung oder Genetik entstehen, sondern sich durch die Interaktion mit der Umwelt entwickeln. Kompetenz ist daher selbstorganisiert. Wer über eine bestimmte Kompetenz verfügt, besitzt entsprechendes Wissen; besonders wichtig ist situationsbezogenes Wissen, das als Grundlage für Handlungen dient.
Das Handlungskompetenzmodell beschreibt die Wechselwirkungen verschiedener Kompetenzen und ihre Weiterentwicklung. Es umfasst vier Kompetenzklassen:
- Die fachlich-methodische Kompetenz befähigt dazu, selbstorganisiert Lösungen für sachliche Probleme zu finden sowie Wissen zu bewerten und zu ordnen.
- Die aktivitäts- und umsetzungsorientierte Kompetenz bedeutet, selbstorganisiert zu handeln, um Pläne und Absichten umzusetzen.
- Die sozial-kommunikative Kompetenz umfasst die Auseinandersetzung und Kommunikation mit anderen sowie beziehungsorientiertes Handeln.
- Die personale Kompetenz beinhaltet die Fähigkeit, sich selbst einzuschätzen und sich weiterzuentwickeln.
Diese vier Klassen spiegeln sich auch in der digitalen Kompetenz wider. Digitale Kompetenz umfasst deshalb nicht nur praktische Fertigkeiten, sondern auch die Fähigkeit, digitale Möglichkeiten sachbezogen, selbstständig, sozial verantwortlich und persönlich reflektiert zu nutzen.
Digitale Medien schaffen eine erweiterte Erfahrungswelt, in der sich Wahrnehmung von Umwelt, Gesellschaft und Identität verändert. Internet, Blogosphäre und Social Media sind wichtige Quellen politischer Meinungsbildung, können wegen räumlicher und kultureller Entgrenzung sowie intransparenter Einflussnahme aber auch Missverständnisse, Manipulation und Desinformation begünstigen. Neben technischen und medienkritischen Fähigkeiten sind deshalb psychologische und interkulturelle Fähigkeiten erforderlich. Ziel ist digitale Mündigkeit: Bürger sollen ihre digitalen Kompetenzen kontinuierlich und aktiv weiterentwickeln können.
Die sieben Teilbereiche
Digitale Kompetenz lässt sich grob in sieben Teilbereiche gliedern. Ihre Gewichtung hängt vom jeweiligen Nutzungsbereich ab; an Hochschulen und in anderen Bildungssektoren können sie daher anders ausgeprägt sein als in wirtschaftlichen Unternehmen.
- Medienkompetenz umfasst Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung und Mediengestaltung.
- Kommunikation und Kollaboration bezeichnen die aktive Teilnahme an sozialen Netzwerken und im Bildungssektor.
- Digitale Identität und Karriereplanung betreffen den Aufbau und die Pflege der eigenen digitalen Identität.
- IT-Kompetenz ist die Fähigkeit, digitale Technologien im Studium, im Beruf und im Alltag sicher und angemessen zu verwenden.
- Digitales Lernen und Lehren verlangt einen souveränen, selbstständigen und gemeinschaftlichen Umgang mit Lernformen wie E-Learning und Distance Learning.
- Informationskompetenz bedeutet, Informationen kritisch und kompetent zu beschaffen, zu bewerten und korrekt zu verwenden.
- Digitale Wissenschaft umfasst die Nutzung und Erzeugung digitaler Daten, Quellen und anderer digitaler Untersuchungsmethoden, um wissenschaftliche Ziele zu erreichen.
Schlüsselkompetenz für lebenslanges Lernen
Der Europäische Rat gab am 22. Mai 2018 die Empfehlung 2018/C 189/01 zu den Schlüsselkompetenzen für lebenslanges Lernen heraus. Digitale Kompetenz gehört zu den acht Schlüsselkompetenzen für lebenslanges Lernen. Sie soll Kenntnisse und Qualifikationen fördern, die für persönliche Entfaltung, Gesundheit, Vermittelbarkeit und soziale Inklusion benötigt werden.
Die gezielte Aneignung digitaler Kompetenzen, besonders im Beruf, wird als „Digital Upskilling“ bezeichnet. Arbeitgeber sollen diese Entwicklung durch tätigkeitsnahe Aus- und Weiterbildungsangebote unterstützen. Das ist beispielsweise im Gesundheitswesen wichtig: Technologische Möglichkeiten können Mitarbeiterzufriedenheit und Patientenbehandlung nur dann positiv beeinflussen, wenn Mitarbeitende für Veränderungen bereit sind und Führungskräfte passende Qualifizierungen schaffen.
Vermittlung in Schule, Hochschule und Weiterbildung
Die heutige Hochschul- und Arbeitswelt verlangt digitale Kompetenzen. Deshalb soll Digitalisierung in allen Lebensbereichen in Lehrplänen berücksichtigt werden. Digitale Kompetenz sollte jedoch nicht erst an Hochschulen oder in der beruflichen Weiterbildung vermittelt werden, sondern spätestens mit Beginn der Sekundarstufe I, möglichst bereits im Kindergarten. Altersadäquate Angebote sollen Interesse und nachhaltige Begeisterung fördern und einer digitalen Kluft entgegenwirken.
Pädagogische Einrichtungen tragen die Verantwortung, digitale Kompetenzen allen Schülern zu vermitteln. Informelles Lernen allein reicht dafür nicht aus; auch pädagogische Praktiken und die sinnvolle Nutzung von Technologien im Unterricht sind entscheidend. Neben technischen Fertigkeiten sollen Schüler den kritischen und reflektierten Umgang mit Technologien und Informationen, Datenschutz sowie einen verantwortungsvollen Umgang mit Daten lernen. Die Digital Roadmap Austria formuliert dazu das Ziel: „Kein Kind soll ohne digitale Kompetenzen die Schule verlassen.“ Die EU fordert IT- und Medienkompetenz für Schüler aller Altersstufen ausdrücklich in ihrer Digitalen Agenda und ordnet digitale Kompetenz ebenfalls als eine der acht Schlüsselkompetenzen für das lebensbegleitende Lernen ein.
In Österreich wird digitale Kompetenz und informatische Bildung durch Lehrpläne, Unterrichtsprinzipien und Bildungsanliegen abgesichert. Das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung entwickelte das Kompetenzmodell digi.komp. Es definiert Zielbilder digitaler und informatischer Kompetenzen, die Schüler und Pädagogen zu bestimmten Zeitpunkten ihrer schulischen oder beruflichen Laufbahn erworben haben sollten. Die Kompetenzmodelle reichen von der Grundschule über die Mittelschule bis zur Oberstufe.
Für Lehrpersonen wurde digi.kompP („Digitale Kompetenz für Pädagogen“) geschaffen. Es dient unter anderem der Selbsteinschätzung und der kontinuierlichen Professionsentwicklung. Die Kompetenzen und Erfahrungen von Pädagogen im Umgang mit PC und Internet sind für die Vermittlung an Kinder und Jugendliche besonders bedeutsam. Auch die außerschulische Bildungsarbeit nutzt PC und Internet zunehmend. Sie verlangt stärker selbstgesteuertes Lernen und hohe Eigeninitiative, wirft aber die Frage auf, ob erwachsene Lernende die dafür nötigen Voraussetzungen besitzen und wie internetgestütztes Lernen gestaltet werden kann.
Der „Pakt für digitale Kompetenz“ verbindet Wirtschaft, Bildungseinrichtungen und öffentliche Verwaltung, vertreten durch das Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort. Auf Grundlage des europäischen Referenzrahmens DigComp 2.1 wurde für Österreich das Modell „DigComp 2.2 AT“ entwickelt. Es ordnet digitale Kompetenzen in acht Entwicklungsstufen ein: Kompetenzstufe 1 ist grundlegend, Kompetenzstufe 8 hoch spezialisiert. Im März 2019 richtete das Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort die Taskforce Digitale Kompetenzen als interdisziplinäres Beratungsorgan ein. Den Vorsitz erhielt der gemeinnützige Verein „fit4internet“, der auch Mitglied der Digital Skills and Job Coalition (DSJC) der Europäischen Kommission ist. Die Taskforce kuratiert das „Digitale Kompetenzmodell für Österreich - DigComp 2.2 AT“.