Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Informationskompetenz
Unter Informationskompetenz (englisch information literacy) versteht man die Fähigkeit mit beliebigen Informationen selbstbestimmt, souverän, verantwortlich und …
Inhalt5 Abschnitte
Begriff und Bedeutung
Informationskompetenz (englisch information literacy) ist die Fähigkeit, mit beliebigen Informationen selbstbestimmt, souverän, verantwortlich und zielgerichtet umzugehen. Dazu gehören ein ethischer und verantwortungsbewusster sowie ein ökonomischer, effizienter und effektiver Umgang mit Informationen.
Sie gilt in der modernen, stark dynamischen Informationsgesellschaft als Schlüsselqualifikation zur Bewältigung von Problemen und gehört zu den Soft Skills. Informationskompetente Menschen können einen problembezogenen Informationsbedarf erkennen, benötigte Informationen finden und organisieren, sie durch Analyse und Bewertung gezielt auswählen und sie für einen bestimmten Zweck geeignet gestalten und präsentieren. Dabei berücksichtigen sie Rahmenbedingungen wie verfügbare Zeit und Programme.
Der Begriff stammt aus dem Bibliothekswesen und bezog sich zunächst hauptsächlich auf die Beschaffung wissenschaftlicher Informationen. Das neuere, erweiterte Verständnis umfasst Informationen aller Art, insbesondere auch Inhalte aus dem Internet.
Entwicklung zur Schlüsselqualifikation
Der Begriff Informationskompetenz entstand in den 1970er Jahren im britischen und US-amerikanischen Bibliothekswesen als Reaktion auf die ständig wachsende Informationsmenge. Im Mittelpunkt standen zunächst bibliothekarische Angebote wie Kataloge, Datenbanken, E-Journals und E-Books. Später wurde auch die effiziente Weiterverwendung gefundener Informationen als individuelles Wissensmanagement einbezogen.
In Deutschland entwickelte sich die Informationskompetenz während der von Bildungsreformen und steigenden Studentenzahlen geprägten 1970er Jahre zunächst zögerlich. Bibliotheken richteten sich stärker an den Benutzern aus und vermittelten in Schulungen Kenntnisse über Nutzungs- und Zugangsbedingungen, Kataloge und Rechercheinstrumente. Dieter Mertens bezeichnete 1974 auch außerhalb des Bibliothekswesens die Fähigkeit zur Gewinnung und Verarbeitung von Informationen als Schlüsselqualifikation. Forderungen nach einem Ausbau der Benutzerschulung wurden in den 1980er Jahren jedoch nur teilweise umgesetzt, weil die Einführung der EDV viele Ressourcen band und Personal fehlte.
In den 1990er Jahren führten das Internet und die Vernetzung von Arbeitsplätzen zu neuen Initiativen. Die 2001 veröffentlichte, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in Auftrag gegebene Studie „Studieren mit elektronischer Fachinformation“ (SteFi) forderte, Informationskompetenz stärker in die Hochschullehre einzubinden. Der Wissenschaftsrat empfahl ebenfalls eine bessere Versorgung von Forschung und Lehre mit digitalen Informationen sowie eine stärkere Zusammenarbeit der Informations- und Kompetenzzentren an Hochschulen. Auch die OECD ordnete in der PISA-Studie Kompetenzen zur Nutzung und Organisation von Wissen und Informationen als Schlüssel für ein erfolgreiches Leben ein.
Im Januar 2006 verabschiedete eine Arbeitsgruppe Baden-Württembergischer Wissenschaftlicher Bibliotheken erstmals eigene deutsche „Standards der Informationskompetenz für Studierende“. Sie sollten bibliothekarische Schulungen weiterentwickeln und Informationskompetenz in den Fachcurricula verankern. Die UNESCO widmet dem Thema eine umfassende Initiative. US-Präsident Barack Obama erklärte den Oktober 2009 zum „Information Literacy Awareness Month“ und unterstrich damit ihre Bedeutung als Schlüsselqualifikation des 21. Jahrhunderts.
Bibliothekswissenschaftliche Standards
Der deutsche Bibliotheksverband e. V. definiert Informationskompetenz als die „Fähigkeit, die es ermöglicht, bezogen auf ein bestimmtes Problem Informationsbedarf zu erkennen, Informationen zu ermitteln und zu beschaffen sowie Informationen zu bewerten und effektiv zu nutzen.“
Daraus ergeben sich fünf zentrale Anforderungen an informationskompetente Studierende:
- Sie erkennen und formulieren ihren Informationsbedarf und bestimmen Art und Umfang der benötigten Informationen.
- Sie verschaffen sich effizient Zugang zu diesen Informationen.
- Sie bewerten gefundene Informationen und Quellen und wählen passende Inhalte aus.
- Sie verarbeiten die gewonnenen Erkenntnisse effektiv und vermitteln sie zielgruppengerecht mit geeigneten technischen Mitteln.
- Sie sind sich ihrer Verantwortung bei der Nutzung und Weitergabe von Informationen bewusst.
Ein typischer Ablauf besteht somit darin, zunächst eine konkrete Informationsfrage zu bestimmen, geeignete Quellen zu suchen, deren Qualität und Eignung zu prüfen und die ausgewählten Erkenntnisse anschließend für den jeweiligen Zweck und die jeweilige Zielgruppe aufzubereiten.
Erweiterung durch das Web 2.0
Mit den partizipativen Möglichkeiten des Web 2.0 wurde Informationskompetenz breiter gefasst. Neben dem Aufnehmen und Bewerten von Informationen gewinnen das eigene Publizieren, die Kommunikation mit Netzwerken und Öffentlichkeit sowie die Zusammenarbeit an Bedeutung.
Nando Stöcklin definiert sie als die „Fähigkeit, die es ermöglicht, Informationen effizient und in geeigneten Medientypen zu ermitteln, selektieren und beschaffen; zu verarbeiten, umzuwandeln und zu erzeugen; sowie über geeignete Kanäle zu kommunizieren.“
Nach diesem Ansatz erkennen Studierende sowohl ihren dauerhaften als auch ihren situationsbezogenen Informationsbedarf. Sie finden und beurteilen Informationen und wählen geeignete Inhalte aus. Zusätzlich erkennen sie ihren Übermittlungsbedarf, wählen passende Kommunikationskanäle und bestimmen Art und Umfang der weiterzugebenden Informationen. Sie verwenden die Informationen praktisch oder bereiten sie effizient, effektiv und in einer geeigneten Form auf. Auch hier gehört dazu, bei Nutzung und Weitergabe die Verantwortung gegenüber sich selbst und anderen zu beachten.
Abgrenzung zu verwandten Kompetenzen
Informationskompetenz ist ein intellektuelles Werkzeug und keine unmittelbar fassbare oder einfach messbare Größe. Deshalb lässt sie sich nur schwer eindeutig von verwandten Kompetenzen abgrenzen; diese werden häufig verwechselt, gleichgesetzt oder als Teilkompetenzen verstanden.
Beim kompetenten Umgang mit Informationen lassen sich Inhalt, Medium und Technik unterscheiden. Informationskompetenz richtet den Blick vor allem auf den Inhalt, Medienkompetenz auf das verwendete Medium und ICT-Kompetenz auf die Technik.
Wichtige benachbarte Fähigkeiten sind:
- Bibliothekskompetenz (Library Literacy): eine Bibliothek und ihre Angebote selbstständig nutzen können.
- Datenkompetenz (Data Literacy): sachgerecht mit Daten umgehen und Zusammenstellungen von Daten interpretieren können.
- Digitalkompetenz (Digital Literacy): über Computer dargestellte Informationen unterschiedlicher Formate verstehen und anwenden können.
- Internetkompetenz (Internet Literacy): das Internet nutzen und seine grundlegenden Konzepte und Funktionsweisen kennen.
- Kommunikationskompetenz: Mitteilungen passend zur Situation und Aussage senden und empfangen können.
- Lesekompetenz (Reading Literacy): geschriebene Texte verstehen, nutzen und reflektieren können.
- Schreibkompetenz: eigene Gedanken schriftlich formulieren und anderen mitteilen können.