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Die schwarze Spinne (Novelle)

Die schwarze Spinne ist eine Novelle von Jeremias Gotthelf aus dem Jahr 1842. Eingebettet in eine idyllisch angelegte Rahmenerzählung werden alte Sagen zu einer …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kern und Aufbau der Novelle
  2. 2. Erste Erzählung: Pakt und Spinnenfluch
  3. 3. Zweite Erzählung und Schluss
  4. 4. Wichtige Figuren und Gegensätze
  5. 5. Adaptionen

Kern und Aufbau der Novelle

„Die schwarze Spinne“ ist eine Novelle von Jeremias Gotthelf aus dem Jahr 1842. Sie verbindet eine idyllische Rahmenerzählung mit alten Sagen und gestaltet daraus eine gleichnishafte Erzählung über christlich-humanistische Vorstellungen von Gut und Böse. Die Handlung ist von christlichen Motiven geprägt, lässt sich aber auch allgemein moralisch verstehen: Es geht um Schuld, Versuchung, Verantwortung, Opferbereitschaft und die Frage, wie eine Gemeinschaft mit Angst und eigener Schuld umgeht.

Die Erzählstruktur ist komplex: Am Anfang steht eine Rahmenhandlung bei einer Tauffeier auf einem Bauernhof. Daraus entwickelt sich die erste Binnenerzählung, also eine Erzählung innerhalb der Erzählung, die der Großvater über die Herkunft eines alten schwarzen Fensterpfostens berichtet. Danach folgt eine zweite Binnenerzählung über eine spätere Wiederkehr des Unheils. Am Ende kehrt die Novelle zur Tauffeier zurück. Die Rahmenhandlung zeigt, wie vergangene Ereignisse durch mündliches Erzählen lebendig bleiben.

Ein zentrales Thema ist die soziale Dynamik des Dorfes. Die Dorfgemeinschaft schiebt Schuld weiter, vergisst eigene Mitschuld schnell und macht Außenseiter leichtfertig zu Sündenböcken. Dadurch bleibt der Text über seinen religiösen Sinn hinaus aktuell. Zeitlich wird die Schweizer Novelle zwischen Romantik (1795–1835) und Realismus (1848–1890) eingeordnet. Zuerst wurde sie kaum beachtet, später galt sie vielen Literaturkritikern als Meisterwerk des deutschen Biedermeier.

Erste Erzählung: Pakt und Spinnenfluch

Die Novelle beginnt bei einer Tauffeier. Einige Gäste gehen vor dem Haus spazieren und bemerken an dem Neubau einen alten, schwarzen Fensterpfosten. Auf Bitten einer Frau erzählt der Großvater, warum dieser Pfosten in das Haus eingebaut wurde.

Vor einigen Jahrhunderten gehört das Dorf zum Lehen des Ritters Hans von Stoffeln. Er zwingt die Bauern zu harten Frondiensten, also zu unbezahlten Diensten für ihren Herrn. Angestachelt durch seine Ordensbrüder verlangt er immer schwierigere Aufgaben. Zuletzt sollen die Bauern Bäume auf einen Berg verpflanzen, damit dort ein schattiger Gang entsteht. Die Frist ist so kurz, dass die Bauern den Auftrag kaum erfüllen können, ohne ihre eigene Arbeit auf den Höfen liegen zu lassen und Hunger zu riskieren.

In dieser Not erscheint der Teufel in Gestalt eines wilden Jägers. Er bietet Hilfe an, verlangt dafür aber ein ungetauftes Kind. Die Bauern fliehen zunächst vor ihm. Später bleibt die zugezogene Bäuerin Christine stehen und spricht mit dem Jäger. Sie schließt den Pakt und lässt sich zur Besiegelung von ihm auf die Wange küssen. Der Jäger erfüllt den Auftrag mit dämonischen Kräften und fordert danach seinen Lohn.

Als ein Kind geboren wird, rettet der Pfarrer es, indem er es sofort tauft. Christine bekommt an der geküssten Wange einen brennenden Schmerz, und dort entsteht ein schwarzer Fleck. Vor der Geburt des nächsten Kindes schwillt der Fleck an und wird zu einer schwarzen Spinne. Auch dieses Kind wird getauft. Danach bricht ein Unwetter aus, und aus Christines Mal schlüpfen viele kleine Spinnen. Im Tal stirbt das Vieh in den Ställen: Der Teufel erinnert so an den Vertrag.

Die Dorfbewohner beschließen, das nächste Neugeborene dem Teufel zu opfern, worauf das Viehsterben zunächst zurückgeht. Christine will das Kind tatsächlich übergeben, doch der Priester besprengt es im letzten Moment mit Weihwasser. Auch Christine wird getroffen und schrumpft zu einer Spinne. Der Pfarrer schleudert sie vom Kind weg. Er stirbt durch die Berührung, kann das Kind aber vorher noch in den Armen seiner Mutter taufen.

Nun mordet die Spinne Mensch und Tier, auch Hans von Stoffeln und seine Ordensritter. Flucht und Gegenwehr helfen nicht. Eine fromme Mutter bereitet jedoch ein Loch in einem Fensterpfosten vor, dazu einen geweihten Zapfen und einen Hammer. Sie greift die Spinne unter Gottesgedanken, stopft sie in das Loch und verschließt es. Auch sie stirbt durch die Berührung, aber Frieden kehrt ins Tal zurück.

Zweite Erzählung und Schluss

Nach der ersten Erzählung fürchten sich die Gäste vor dem Haus, möchten aber wissen, wie die Geschichte endet. Der Großvater berichtet weiter: In den folgenden Jahrhunderten leben die Menschen zunächst gottesfürchtig. Mit der Zeit fallen jedoch immer mehr Talbewohner wieder in gottloses Verhalten zurück.

Schließlich befreit ein verkommener Knecht die Spinne aus dem Pfosten. Er tut dies aus anmaßendem Hochmut und weil er die Mägde unter seiner Gewalt halten will. Die Spinne tötet daraufhin fast alle Bewohner des Tales. Bei der nächsten Geburt rettet Christen, der Herr des schuldigen Knechts, das Kind vor dem Teufel. Er fängt die Spinne und sperrt sie wieder in ihr altes Gefängnis im Balken. Auch er bezahlt diesen Einsatz mit seinem Leben, stirbt aber in Gottes Frieden.

Danach herrschen wieder Ruhe und Gottesfurcht im Tal. Als das Haus später neu gebaut wird, bleibt der alte Pfosten erhalten, um den alten Segen zu bewahren. Auch beim Neubau in der Rahmenhandlung lässt der Großvater den Pfosten wieder einbauen. Nach dem Ende seiner Erzählung geht die Tauffeier gemütlich bis zum späten Abend weiter. Die Novelle schließt mit dem Hinweis, dass Gott über allem wacht.

Wichtige Figuren und Gegensätze

Hans von Stoffeln ist der Ritter, der über die Bauern herrscht. Er wird als hart, aggressiv und unberechenbar beschrieben. Er führt ein wüstes Leben und verlangt unbarmherzig Abgaben und Dienste von den leibeigenen Bauernfamilien. Weil er keinen Widerspruch duldet, haben die Bauern Angst vor ihm. Durch seine Bosheit ruft er indirekt den Teufel auf den Plan und wird schließlich selbst Opfer der schwarzen Spinne.

Der Teufel erscheint als grüner Jägersmann. Er gibt vor, Anteil an der Not der Bauern zu nehmen, handelt aber listig und drohend. Er erfährt den Grund ihrer Verzweiflung und bietet den teuflischen Handel an: Hilfe gegen ein ungetauftes Kind.

Christine, die Frau des Hornbachbauern, stammt aus Lindau am Bodensee und ist im Dorf eine Fremde. Sie fühlt sich von den Frauen verleumdet und von den Männern im Stich gelassen. Anders als die Männer widersetzt sie sich der bloßen Schicksalsergebenheit und handelt, um der gemeinsamen Not zu begegnen. Dabei überschätzt sie ihre Fähigkeit, den Teufel zu überlisten. Der Kuss auf ihre Wange besiegelt den Pakt im Namen aller, doch die Folgen trägt sie zunächst allein. Später versucht sie, das dritte Kind dem Teufel zu bringen, auch aus dem Wunsch heraus, sich vom schmerzenden Mal zu befreien. Zugleich handelt sie im Interesse der Dorfgemeinschaft, die den Fluch durch ein unheiliges Opfer bannen will. Ausgenommen sind der Pfarrer, die Schwangere und deren Mutter.

In der zweiten Binnenerzählung steht Christen im Mittelpunkt. Nach 200 Jahren sind die Menschen wieder vor allem auf Besitz bedacht. Christen wurde von seiner Mutter erniedrigt und gedemütigt. Nachdem ein Knecht die Spinne freigelassen hat, sperrt Christen sie wieder in den Balken. Dadurch verliert er sein Leben, rettet aber viele andere.

Insgesamt erhalten die Figuren nur wenige individuelle Züge. Wichtiger ist der Kontrast zwischen Gut und Böse. Das Böse wird besonders ausführlich gezeigt, etwa in Hochmut, Gewalt, Egoismus, Gottvergessenheit und der Bereitschaft, ein unschuldiges Kind zu opfern.

Adaptionen

Die Novelle wurde mehrfach künstlerisch adaptiert. Mehrere Opern entstanden nach dem Stoff: Josef Matthias Hauer schrieb „Die schwarze Spinne op. 62“ (1932), ein deutsches Singspiel in 2 Akten mit Libretto von Hans Schlesinger; die Uraufführung war am 23. Mai 1966 in Wien im Theater an der Wien unter der Leitung von Michael Gielen. Heinrich Sutermeister schrieb 1936 ein einaktiges Werk „Die schwarze Spinne“, zunächst als Funkoper, 1949 dann in einer szenischen Fassung. Willy Burkhard schuf 1948 eine zweiaktige Bühnendichtung, Rudolf Kelterborn 1982 eine musikalisch-dramatische Erzählung nach einem Libretto von Hansjörg Schneider.

Auch Hörspiele, Filme, Musik und Theater griffen den Stoff auf. 1956 entstand ein ORF-Hörspiel in der Fassung und Regie von Klaus Colberg mit 80 Minuten Länge; 1958 folgte ein ORF-OÖ-Hörspiel unter der Regie von Siegfried Dobretsberger, bearbeitet von Alois Sonnleiter, mit 55 Minuten. 1983 verfilmte Mark M. Rissi die Novelle, Carlos Perón schrieb den Soundtrack. 1989 erschien das Technolied „Hans Von Stoffeln (Mein Schloss Ist Fertig)“ von Jens Lissats Musikprojekt Komtur. 1998 wurde ein Theaterstück von Urs Widmer am Theaterhaus Gessnerallee uraufgeführt, Regie führte Volker Hesse, die Musik kam von Patent Ochsner. 2011 inszenierte Frank Castorf am Zürcher Schauspielhaus eine Fassung, die Gotthelfs Stoff mit Texten aus „Der Meister und Margarita“ von Michail Bulgakow verband. 2020 inszenierte Markus Fischer eine Neuverfilmung fürs Kino ohne die Rahmenhandlungen der Novelle; sie spielt während der Spinnenseuche im 13. Jahrhundert in Sumiswald und interpretiert Christine und den Teufel neu.

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