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Die Weihnachtsgeschichte (2016)
Das Drehbuch von Judith Gardner basiert auf der Weihnachtsgeschichte des Neuen Testaments. Regie führte Klaus Marschall. Die Puppen gestaltete Jürgen Marschall, …
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Überblick
Die Weihnachtsgeschichte ist ein deutscher Weihnachtsfilm der Augsburger Puppenkiste aus dem Jahr 2016. Er dauert 57 Minuten, ist auf Deutsch und hat die Altersfreigabe FSK 0. Der Film besteht aus Aufnahmen aus dem Theater der Augsburger Puppenkiste in Augsburg und verbindet damit Film und gefilmtes Marionettentheater. Das Drehbuch schrieb Judith Gardner auf Grundlage der Weihnachtsgeschichte des Neuen Testaments. Regie führte Klaus Marschall. Die Produktion übernahm Fred Steinbach, die Musik komponierte Susanne Ortner. Kamera führte Lukas Steinbach, den Schnitt machte Sarah Birnbaum.
Der Film ist wichtig, weil er eine bekannte biblische Erzählung für Kinder und Familien in einer verständlichen, humorvollen und zugleich bewusst vielfältigen Form darstellt. Die Puppen wurden von Jürgen Marschall gestaltet, die Kostüme von Florian Moch, das Bühnenbild von Hans Kautzmann. Die Premiere fand am 20. November 2016 auf dem Fünf Seen Filmfestival in Starnberg statt. Danach wurde der Film an den vier Adventssonntagen in Kinos in Deutschland und Österreich gezeigt.
Erzählung
Der Film erzählt die Weihnachtsgeschichte in fünf Akten nach den Evangelien nach Lukas und Matthäus. Ein Evangelium ist ein biblischer Bericht über das Leben und Wirken Jesu. Als Erzähler führt der Esel Noel durch die Handlung. Er begleitet Maria und Josef auf ihrer Reise, stellt Figuren vor und kommentiert das Geschehen.
Im ersten Akt beobachten die Heiligen Drei Könige den Himmel und entdecken einen ungewöhnlichen Stern. Gleichzeitig baut Josef in Nazareth ein Haus für sich und seine Verlobte Maria. Der Erzengel Gabriel erscheint Maria und verkündet ihr, dass sie ein Kind erwarten werde. Maria spricht darüber mit ihrer Mutter, die sich sorgt, wie Josef reagieren wird. Doch Gabriel erscheint auch Josef im Traum und nimmt ihm seine Zweifel.
Im zweiten Akt sind Maria und Josef verheiratet und wollen ihr neues Haus beziehen. Dann vertreiben römische Legionäre sie und überbringen den Befehl des Kaisers Augustus: Wegen einer Volkszählung müssen alle Menschen an ihren Geburtsort reisen. Im dritten Akt sind Maria und Josef auf dem Weg durch die Wüste. Sie geraten in einen Sandsturm, behalten aber ihre Hoffnung.
Im vierten Akt steht Maria kurz vor der Geburt. Josef sucht eine Unterkunft, findet aber keinen Platz. Auch Noel wird immer verzweifelter. Schließlich weist ihn ein Ochse auf einen nahegelegenen leeren Stall hin. Im fünften Akt verkündet der Erzengel Gabriel den Hirten die Geburt Jesu. Im Stall stehen Josef und Maria an der Krippe. Zuerst besuchen die Hirten das Kind, dann kommen die Heiligen Drei Könige. Am Ende singen die Tiere das Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“, und der Engel spricht einen Segen.
Themen und Gestaltung
Die Inszenierung betont den Nahen Osten als Handlungsort. Sie vermeidet damit die in vielen Krippenspielen übliche Darstellung der Weihnachtsgeschichte als verschneite europäische Winterszene. Die Figuren sprechen unterschiedliche Dialekte und Akzente. So sprechen zwei der Weisen aus dem Morgenland mit österreichischem beziehungsweise osteuropäischem Akzent, während der Erzengel Gabriel einen jiddischen Akzent hat. Dadurch wird gezeigt, dass die Figuren aus verschiedenen Teilen der Welt stammen, sich aber trotzdem verstehen und einander helfen.
Ein wichtiges Thema ist die Verständigung zwischen Religionen. In einer Szene sprechen die Tiere über verschiedene Namen für Gott. Der Ochse sagt mit Blick auf sein Futter: „Wie wir ihn auch nennen, er hat ans Futter gedacht. Sehr freundlich von ihm.“ Der Film geht mit historischen Einzelheiten bewusst frei um. So erscheint ein muslimisches Dromedar, obwohl der Islam zur Zeit der Geburt Jesu noch nicht existierte. Außerdem stellen sich die Hirten später als die Evangelisten Lukas und Matthäus heraus, obwohl beide keine Zeitzeugen der Geburt Jesu gewesen sein können.
Humor entsteht unter anderem durch die wiederholten Bruchlandungen des Erzengels Gabriel und durch die Kommentare der Tiere über das Verhalten der Menschen. Sie wundern sich über Bürokratie, über Eltern, die in Babysprache sprechen, und über die wertvollen Geschenke für das Jesuskind, die ihnen überflüssig erscheinen. Auch die Sprache ist locker: Der Stall wird als „Bruchbude“ bezeichnet, Gabriel als „Flügelmann“. Manche Witze richten sich eher an Erwachsene, etwa wenn Maria und Josef überlegen, wem das Kind ähnlich sehe: „Aber die Augen sind die deinen. Und die Nase? Vermutlich von Gott Vater.“
Die Theateratmosphäre bleibt sichtbar. Wie bei Verfilmungen der Augsburger Puppenkiste üblich, sieht man die Bühne und die Fäden der Marionetten. In den Umbaupausen werden außerdem Kinder im Publikum gezeigt.
Entstehung
Das Theaterstück, auf dem der Film beruht, hatte 2014 Premiere. Für dieses Stück wurden 23 neue Marionetten geschnitzt und eingekleidet. Im Jahr danach entschied sich das Puppentheater, erstmals seit dem 1997 erschienenen Film Die Story von Monty Spinnerratz wieder eine Kinoproduktion zu machen.
Für den Film wurden mehrere Theateraufführungen aufgezeichnet und anschließend zusammengeschnitten. Das Theater beantragte eine Förderung beim FilmFernsehFonds Bayern, erhielt sie aber nicht. Die Begründung war, dass es sich nicht um einen richtigen Film, sondern um ein gefilmtes Theaterstück handele. Unterstützung kam stattdessen von einigen katholischen Bistümern, darunter dem Erzbistum Köln. Insgesamt wurde der Film mit einem Budget von nur 250 000 € realisiert.
Musik und Veröffentlichungen
Die Filmmusik stammt von der Klezmer-Musikerin Susanne Ortner. Klezmer ist eine Musiktradition mit jüdischen Wurzeln. Die Musik des Films verbindet klassische Weihnachtslieder mit Klezmer- und Jazz-Elementen. An der Aufnahme wirkten Guy Klucevsek, John Marcinizyn und Paul Thompson mit.
Die Musik erschien 2016 als CD. Auf dieser CD war sie mit einer Sammlung internationaler Weihnachtslieder verbunden, gesungen von den Augsburger Domsingknaben unter der Leitung von Gabriele Steck. Der Film selbst erschien 2017 auf DVD, zusammen mit einem kurzen Making-of. Zusätzlich erschien eine Hörspielfassung von Judith Gardner mit Martina Gedeck als Erzählerin.
Bewertung
Die Deutsche Film- und Medienbewertung, abgekürzt FBW, zeichnete Die Weihnachtsgeschichte mit dem Prädikat „besonders wertvoll“ aus. Sie beschrieb den Film als „eine wunderbare Mischung aus nostalgischen Motiven und vielen modernen Elementen, die die Geschichte für Kinder auflockern und interessant machen“. Außerdem lobte sie das Spiel der Figuren und die Sprecherinnen und Sprecher, die den Marionetten jeweils einen eigenen Charakter gäben.
In der Jurybegründung hieß es, die klassische Geschichte sei in Sprache und Handlung so verändert worden, dass sie für die jüngsten Zuschauer verständlich sei. Der Fokus sei „intelligent modifiziert“ worden, wodurch überraschende inhaltliche Akzente in dem „verstaubten Stoff“ entstünden. Die Jury empfahl den Film für Kinder ab drei Jahren. Das katholische Domradio nannte ihn „eine ebenso amüsante wie hintersinnige Fassung der Weihnachtsgeschichte“.