Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Die Sterntaler

Die Sterntaler ist ein kurzes Märchen (ATU 779H*). Es steht in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm ab der 2. Auflage von 1819 an Stelle 153 (KHM …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Märchen und Kerngedanke
  2. 2. Handlung
  3. 3. Überlieferung und Gestaltung
  4. 4. Deutungen und Wirkung

Märchen und Kerngedanke

Die Sterntaler ist ein kurzes Zaubermärchen der Brüder Grimm mit der Typennummer ATU 779H*. Es steht seit der 2. Auflage der Kinder- und Hausmärchen von 1819 als KHM 153 in der Sammlung; zuvor erschien es als Das arme Mädchen unter der Nummer 83. Bei Grimm lautet der Titel Die Sternthaler.

Im Mittelpunkt steht vollständige Freigebigkeit: Ein mittelloses Waisenmädchen gibt selbst das Letzte, was es besitzt, an Bedürftige weiter. Als Gegenleistung erhält es auf wunderbare Weise Reichtum. Das Märchen hat fast keine ausgebaute Handlung und verdichtet seine Aussage in wenigen Stationen.

Handlung

Ein armes Waisenmädchen besitzt außer einem Stück Brot nichts und geht in die Welt hinaus. Nacheinander begegnet es Bedürftigen und verschenkt ihnen alles, was es hat: zuerst das Brot, danach seine Mütze, sein Leibchen und sein Röckchen.

Schließlich gibt es auch sein Hemdchen weg und steht nachts nackt da. Daraufhin fallen Sterne als Silbertaler vom Himmel. Das Mädchen trägt nun ein neues, feines Leinenhemdchen und sammelt die Taler darin auf. Es wird dadurch bis an sein Lebensende reich.

Überlieferung und Gestaltung

Jacob Grimms Handschrift von 1810 enthält unter dem Titel Armes Mädchen nur eine kurze Notiz. Ab 1812 vermerkte Grimm, der Text sei aus „dunkler Erinnerung aufgeschrieben“ worden; dabei verwies er auf Jean Pauls Roman Die unsichtbare Loge. Auch Achim von Arnims Novelle Die drei liebreichen Schwestern und der glückliche Färber von 1812 nimmt Grimms Fassung deutlich vorweg und könnte durch den fragmentartigen Einschub bei Jean Paul angeregt worden sein.

Der Name Sterntaler leitet sich vermutlich von einer Reichstalermünze ab. Friedrich II. von Hessen-Kassel ließ diese „Sterntaler“ zwischen 1776 und 1779 prägen; sie wurde unter anderem zur Entschädigung von Familien hessischer Soldaten verwendet, die im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gefallen waren. Auf der Rückseite befand sich der Bruststern des Hausordens vom Goldenen Löwen, dem die Münze ihren Namen verdankte.

Stilistisch gilt das Märchen als besonders knapper, prägnanter Text der Brüder Grimm: Es kommt nahezu ohne eigentliche Handlung aus. Vor allem die Schlussszene, in der die Sterne zu Talern werden, wurde oft bildlich dargestellt.

Deutungen und Wirkung

Häufig wird Die Sterntaler als Allegorie eines vorbildlichen christlichen Menschen gedeutet. Das Mädchen handelt barmherzig und großzügig, obwohl es am Ende scheinbar nichts mehr besitzt. Seine Haltung wird „vom Himmel“ mit Sternthalern belohnt; das feine Hemdchen kann dabei als „Seelenkleid“ verstanden werden. Die Reise zu den Gestirnen erinnert unter anderem an Das singende springende Löweneckerchen.

Rudolf Meyer, ein Anthroposoph, deutet das Märchen als Schilderung mystischer Stufen: Durch die Entäußerung weltlicher Hüllen werde ein Sternenkleid erlangt, ähnlich wie beim Tod. Wolfdietrich Siegmund sieht darin die menschliche Abhängigkeit und zugleich Geborgenheit im Kosmos. Eine psychopathologische Betrachtung versteht das Verhalten dagegen als obsessiv-selbstzerstörerische Doromanie, also „Schenksucht“.

Die Rezeption umfasst auch stark abweichende Bearbeitungen. In Georg Büchners vermutlich 1836 entstandenem Woyzeck erzählt die Großmutter ein pessimistisches, nihilistisch gefärbtes Gegenmärchen: Mond, Sonne und Sterne erweisen sich als wertlose Dinge, und das Mädchen bleibt allein weinend zurück. Spätere Fassungen von Eva Marder, Janosch, Fritz Deppert und Franz Mon verändern oder parodieren die Belohnung des Kindes ebenfalls. Zu den Verfilmungen zählen Die Sterntaler von 1929 und 1940, Das Mädchen mit den Sterntalern von 1949 sowie der ARD-Märchenfilm Die Sterntaler von 2011 aus der Reihe Sechs auf einen Streich.

Weiterlesen

Märchen Märchen (Diminutiv zu mittelhochdeutsch mære „Kunde, Bericht, Nachricht“) sind Prosatexte, die von wundersamen Begebenheiten erzählen. Grimms Märchen Grimms Märchen nennt man volkstümlich die berühmte Sammlung Kinder- und Hausmärchen, in der Forschungsliteratur auch als KHM abgekürzt, die Jacob und … Jean Paul März 1763 in Wunsiedel; † 14. November 1825 in Bayreuth), war ein deutscher Schriftsteller und Dichter. Sein Werk steht literaturgeschichtlich zwischen den … Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg Amerikanische Unabhängigkeitskrieg (englisch American Revolutionary War oder American War of Independence) fand von 1775 bis 1783 zwischen den Dreizehn Kolonien Soldatenhandel unter Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel Soldatenhandel unter Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel. Überlassung von Soldaten aus Hessen-Kassel an Großbritannien. Artikel · Diskussion. Allegorie Unter Allegorese (allegorische Deutung) versteht man die Deutung von Allegorien jeder Art, so etwa spricht man von Buchstaben-, Edelstein-, Farb-, Kleider- und … Christentum Das Christentum ist eine Weltreligion, die aus dem Judentum hervorging und sich ab dem 4. Jahrzehnt n. Chr. über Judäa hinaus ausbreitete. Barmherzigkeit Sie gilt als eine der Haupttugenden und wichtigsten Pflichten der monotheistischen Religionen Judentum, Christentum, Islam, Bahai sowie anderer Religionen wie … Anthroposophie Als Anthroposophie (von altgriechisch ἄνθρωπος ánthrōpos „Mensch“ und σοφία sophίa „Weisheit“) werden eine von Rudolf Steiner (1861–1925) begründete, … Georg Büchner 1835 verfasste Büchner innerhalb von fünf Wochen Dantons Tod und schickte das Manuskript an Karl Gutzkow mit der Bitte um rasche Veröffentlichung. · Dantons Tod … Drama Ein Drama ist in der Regel ein literarisches Werk, das dafür konzipiert ist, im Theater aufgeführt zu werden. Ein Dramatext realisiert sich nur durch die … Woyzeck Woyzeck ist ein Dramenfragment des deutschen Dramatikers Georg Büchner, der mit der Niederschrift vermutlich zwischen etwa Ende Juli und Anfang Oktober 1836 …