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Die Hermannsschlacht (Kleist)
Heinrich von Kleist verfasste es 1808, nach der preußischen Niederlage gegen Frankreich. Das Stück zeigt einen ersten Schub des Nationalismus bei deutschen …
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Werk und Bedeutung
„Die Hermannsschlacht“, in der Erstausgabe „Herrmannsschlacht“, ist ein deutschsprachiges Drama in fünf Akten von Heinrich von Kleist. Kleist verfasste es 1808 nach der preußischen Niederlage gegen Frankreich. Gedruckt wurde das Werk 1821; die Uraufführung fand erst 1839 in Pyrmont statt.
Das Stück verbindet die historische Varusschlacht mit der politischen Lage zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt steht Hermann, der Fürst der Cherusker. Er versucht, die untereinander uneinigen germanischen Fürsten gegen die militärisch überlegenen Römer zusammenzuführen. Dabei setzt er auf Täuschung, politische Bündnisse und die gezielte Mobilisierung des Volkes. Das Drama stellt somit einen Befreiungskrieg dar, zeigt aber zugleich dessen Gewalt und Widersprüche.
Bedrohung und Bündnispolitik
Hermann wird von zwei Seiten bedrängt: Im Südosten fordert der Suebenfürst Marbod Tribut, während der römische Feldherr Quintilius Varus mit drei Legionen aus dem Westen droht. Varus bietet Hermann Hilfe gegen Marbod an. Insgeheim hat er jedoch auch Marbod vorgeschlagen, gemeinsam gegen Hermann vorzugehen. Die versammelten germanischen Fürsten verlangen einen Krieg gegen Rom, doch Hermann verweist zunächst auf die militärische Unterlegenheit der Germanen.
Der römische Legat Ventidius wirbt währenddessen um Hermanns Frau Thusnelda und schneidet ihr heimlich eine Locke ihres blonden Haares ab. Er überbringt Hermann ein ultimatives Hilfsangebot der Römer. Hermann nimmt es nur zum Schein an. Gleichzeitig informiert er Marbod über das doppelte Spiel des Varus und schlägt ihm ein gemeinsames Vorgehen gegen die Römer vor.
Als die römischen Truppen in das Land der Cherusker einmarschieren und es verwüsten, nutzt Hermann ihre Gewalttaten, um im Volk Hass gegen die Besatzer zu schüren. Bei einer Begegnung in Teutoburg gelingt es ihm, Varus weiterhin über seine wirklichen Absichten zu täuschen.
Aufstand und Entscheidungsschlacht
Marbod zweifelt zunächst an einem Bündnis mit Hermann. Zwei Vorgänge überzeugen ihn schließlich: Seine römischen Berater fliehen, und Hermann übergibt ihm als Beweis seiner Treue das Leben seiner beiden Söhne. Damit entsteht das Bündnis zwischen Cheruskern und Sueben.
Nach der Vergewaltigung eines germanischen Mädchens ruft Hermann das Volk zum Aufstand gegen die Römer auf. Auch Thusnelda erkennt den Verrat des Ventidius: Hermann zeigt ihr einen Brief, in dem Ventidius seiner Kaiserin Livia Thusneldas blonde Haare verspricht. Thusnelda rächt sich, indem sie Ventidius in das Gehege einer Bärin lockt, die ihn zerfleischt.
Im Teutoburger Wald verlieren die Römer die Orientierung und werden von ihren germanischen Verbündeten verlassen. In der folgenden Schlacht werden die drei römischen Legionen besiegt und Varus getötet. Nach dem Sieg bestimmen die Fürsten Hermann zum König. Am Ende beschließen sie sogar, mutig gegen Rom selbst aufzubrechen.
Politischer und historischer Bezug
Kleist orientierte sich an der historischen Gestalt des Arminius und am Hermann-Mythos. Die Handlung übertrug er auf die politische Lage seiner eigenen Zeit: Rom steht erkennbar für Frankreich, die Cherusker für Preußen und die Sueben für Österreich. Mit der Darstellung der Varusschlacht wollte Kleist die Deutschen zum Kampf gegen Napoleon aufrufen. Das Werk entstand nach der Niederlage gegen Frankreich 1807 und vor dem Beginn der Befreiungskriege; bereits 1806 hatte Napoleon die Auflösung des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation bewirkt.
Der Historiker und Staatsmann Friedrich Christoph Dahlmann betonte 1840 den historischen und politischen Wert des Dramas. Nach seiner Einschätzung schilderte es besonders treffend den damaligen „Rheinbundsgeist“. Zugleich erklärte er, weshalb ein Druck 1809 politisch nicht möglich gewesen sei.
Veröffentlichung, Bühne und politische Nutzung
Kleist sandte das Stück 1809 an Heinrich Joseph von Collin, der eine Aufführung am Wiener Burgtheater vorschlagen sollte. Nach Österreichs Niederlage gegen Frankreich in der Schlacht bei Wagram am 5./6. Juli 1809 kam Wien als Aufführungsort jedoch nicht mehr infrage. In Preußen verbreitete sich das Werk zunächst nur in Abschriften. Ein Teil des fünften Akts erschien 1818 in der Zeitschrift „Zeitschwingen“, der vollständige Text 1821 in der von Ludwig Tieck herausgegebenen Gesamtausgabe. Die erste Aufführung erfolgte 1839 durch das Detmolder Hoftheater unter August Pichler in Pyrmont.
In der Restaurationszeit nach dem Wiener Kongress waren die politischen Bedingungen für Aufführungen ungünstig. Erst nach der Revolution von 1848 bezogen Autoren wie Gervinus und Heinrich von Treitschke das Drama auf ihre nationalstaatlichen Vorstellungen. Bearbeitungen von Feodor Wehl wurden ab 1860, eine Fassung von Rudolf Genée ab 1871 gespielt. Den Durchbruch beim Publikum brachten 1875 Inszenierungen des Berliner Schauspielhauses und des Meininger Hoftheaters. Die Meininger Aufführung prägte durch den Originaltext, das Ensemblespiel und große Massenszenen den Stil späterer Produktionen. Es folgten 103 Gastspiele an 16 deutschsprachigen Bühnen; in Meiningen selbst gab es 36 Aufführungen.
Spätestens 1912 galt das Werk als patriotisches Drama. Im Ersten Weltkrieg wurden Aufführungen durch Meldungen von der Westfront unterbrochen. Während des Nationalsozialismus erreichte seine politische Instrumentalisierung einen Höhepunkt: Für die Spielzeit 1933/34 sind allein 146 Aufführungen belegt. Nach 1945 wurde das Drama deshalb selten gespielt. Eine Ausnahme war 1957 eine DDR-Inszenierung am Harzer Bergtheater Thale, die sich politisch gegen die USA und deren westliche Verbündete richtete.
Claus Peymann zeigte 1982 am Schauspielhaus Bochum eine auch international erfolgreiche Inszenierung. Sie hob besonders die Beziehung zwischen Thusnelda, gespielt von Kirsten Dene, und Hermann, gespielt von Gert Voss, hervor. Peymann deutete das Werk als „Modell eines Befreiungskrieges“ mit allen seinen Widersprüchen. In der Schlussszene nahm Hermanns Schatten die Form des Hermannsdenkmals an, begleitet von Kriegslärm und Musik.
Hörspielbearbeitungen
Auch der Rundfunk bearbeitete das Drama früh. 1925 entstanden bei der Deutschen Stunde in Bayern „Fragmente aus der Hermannsschlacht“ mit Fritz Ulmer als Hermann, Herta von Hagen als Thusnelda und Otto König als Egenhardt sowie eine weitere Produktion der Ostmarken Rundfunk AG. Für diese zweite Produktion sind weder Regie noch Sprecher angegeben.
1927 folgten zwei vollständige Hörspiele. Die Nordische Rundfunk AG produzierte eine Fassung unter der Regie von Hermann Beyer, unter anderem mit Karl Wüstenhagen als Hermann, Eugenie May als Thusnelda und Robert Bürkner als Varus. Bei der Mitteldeutschen Rundfunk AG führte Julius Witte Regie; dort spielten unter anderem Lothar Körner den Hermann, Lina Monnard die Thusnelda und Wilhelm Engst den Marbod.