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Deutschland AG
Mit Deutschland AG wurde bis Anfang der 1990er Jahre ein Netzwerk zwischen großen Banken, Versicherungen und Industrieunternehmen bezeichnet.
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Begriff und Bedeutung
Mit „Deutschland AG“ wurde bis Anfang der 1990er Jahre ein Netzwerk zwischen großen Banken, Versicherungen und Industrieunternehmen bezeichnet. Es beruhte vor allem auf gegenseitigen Kapitalbeteiligungen, also Unternehmensanteilen, die Firmen aneinander hielten, sowie auf einer Konzentration von Aufsichtsratsmandaten bei führenden deutschen Managern, Gewerkschaftern und Politikern.
Der Begriff war meist kritisch gemeint. Er unterstellte, dass diese Verflechtungen zu abgestimmtem Verhalten zulasten Dritter führen konnten, den Wettbewerb behinderten und einen koordinierten Einfluss auf wirtschaftspolitische Entscheidungen ermöglichten. Gleichzeitig wurde unter dem Stichwort „Rheinischer Kapitalismus“ diskutiert, ob eine stärker koordinierte Wirtschaftsordnung Vorteile gegenüber einer stark liberalisierten Wirtschaftsordnung haben könne.
Ursprung des Begriffs
Der Begriff geht auf Andrew Shonfield zurück. Er bezeichnete Deutschland 1965 als „organized private enterprise“. Gemeint war damit, dass Deutschland wie eine Organisation funktioniere, die „nach innen Konkurrenz begrenzt und nach außen Geschlossenheit anstrebt“.
Damit beschreibt der Begriff nicht ein einzelnes Unternehmen, sondern eine besondere Struktur der deutschen Wirtschaft: wichtige Unternehmen und Finanzinstitute waren eng miteinander verbunden und konnten dadurch gemeinsam wirtschaftliche Macht ausüben.
Zentrum und Beteiligte
Als Zentrum der Deutschland AG galten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die großen deutschen Finanzinstitute, besonders die Deutsche Bank und die Allianz. Sie hatten große Beteiligungen an Industrieunternehmen und waren dadurch eng mit der Industrie verbunden.
Zum industriellen Kern der Deutschland AG zählten unter anderem GHH, MAN, VEBA, VIAG, Thyssen AG, Krupp AG, Klöckner-Werke, Ruhrkohle, Daimler-Benz, Volkswagen, Preussag, BASF, Hoesch, Ruhrgas AG und Mannesmann. Als wichtige Vertreter werden Alfred Herrhausen, Edzard Reuter, Rudolf von Bennigsen-Foerder, Manfred Lennings, Dieter Spethmann und Klaus Liesen genannt.
Ende der Deutschland AG
Vom Ende der Deutschland AG wird vor allem seit den 1990er Jahren gesprochen. Dazu trugen mehrere Entwicklungen bei: die Beschränkung der Zahl von Aufsichtsratsmandaten, die zunehmende Internationalisierung der Kapitalmärkte und der Abbau langfristiger Kapitalbeteiligungen zugunsten neuer Anlagestrategien des „Investmentbankings“.
Als Beispiele für das Ende dieser Struktur nennt der Artikel den Ausbau des Investmentbankings der Deutschen Bank, die Gründung von ThyssenKrupp und E.ON sowie die feindliche Übernahme von Mannesmann durch Vodafone im Februar 2000. Der Prozess zog sich nach Darstellung des Artikels vom Zeitpunkt der ungeklärten Ermordung Alfred Herrhausens 1989 bis zur Jahrhundertwende hin.
Regeln für Aufsichtsräte
Ein wichtiger Punkt beim Rückgang der Deutschland AG war die Begrenzung von Aufsichtsratsmandaten. Ein Aufsichtsrat kontrolliert in einer Aktiengesellschaft den Vorstand. Wenn wenige Personen viele solcher Mandate haben, können Macht und Einfluss stark konzentriert werden.
§ 100 Aktiengesetz schreibt vor, dass jemand in höchstens zehn Gesellschaften Aufsichtsratsmitglied und in höchstens fünf Gesellschaften Aufsichtsratsvorsitzender sein darf. Der Deutsche Corporate Governance Kodex ist im Gegensatz zum Gesetz nicht verpflichtend, empfiehlt aber generell, höchstens fünf Aufsichtsratsmandate in einer Person zu konzentrieren.