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Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik

Die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik e. V. (DGAP) ist ein Netzwerk und eine Denkfabrik für Außenpolitik. Die 1955 in Anlehnung an Council on …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Zweck
  2. 2. Entstehung und Entwicklung
  3. 3. Forschung, Austausch und Nachwuchs
  4. 4. Bibliothek und Publikationen
  5. 5. Organisation und Finanzierung
  6. 6. Kritik

Überblick und Zweck

Die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik e. V. (DGAP) ist ein eingetragener Verein, ein Netzwerk und eine Denkfabrik für Außenpolitik. Sie wurde 1955 gegründet und beschäftigt sich mit internationaler Politik sowie Außen- und Sicherheitspolitik. International ist sie als German Council on Foreign Relations bekannt. Sitz ist Berlin-Tiergarten, im ehemaligen Gebäude der Jugoslawischen Gesandtschaft im Botschaftsviertel.

Die DGAP versteht sich als praxisorientierter Think Tank. Ein Think Tank ist eine Einrichtung, die zu politischen Fragen forscht und Entscheidungsträger berät. Die DGAP will außenpolitische Meinungsbildung beeinflussen und richtet sich an Entscheidungsträger in Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Nichtregierungsorganisationen, Militär sowie an eine breite Öffentlichkeit. Ihre Beratung soll wissenschaftlich fundiert und nachfrageorientiert sein.

Nach den Angaben im Artikel hatte die DGAP 2020 einen Umsatz von 6.433.404 Euro, 81 Beschäftigte und 2698 Mitglieder; an anderer Stelle wird genannt, dass sie heute über 2.800 Mitglieder zählt. Dazu gehören führende Persönlichkeiten aus Bank- und Finanzwesen, Wirtschaft, Politik, Medien und Wissenschaft. Die DGAP ist Mitglied im Netzwerk Europäische Bewegung.

Entstehung und Entwicklung

Die DGAP wurde 1955 in Bonn gegründet. Vorbilder waren in vielen Punkten der Council on Foreign Relations in New York und Chatham House in London. Zu den Gründern gehörten unter anderem Wilhelm Cornides und Theodor Steltzer. Der erste Präsident war von 1955 bis 1973 der CDU-Politiker, Diplomat und Unternehmer Günther Henle.

Der Artikel betont, dass schon bei der Gründung eine enge Verbindung von Entscheidungsträgern aus Finanzwesen, Industrie, Medien, Politik und Justiz erkennbar war. Zu den Personen, die den Gründungsaufruf verfassten, gehörten Vertreter großer Banken, Unternehmen, Medien und Politik, darunter Hermann Josef Abs von der Deutschen Bank, Robert Pferdmenges vom Bankhaus Sal. Oppenheim, Fritz Berg als erster Präsident des BDI, Heinrich von Brentano, Walter Hallstein, Thomas Dehler, Erich Ollenhauer und Hermann Weinkauff.

In Bonn hatte die DGAP zunächst verschiedene Sitze: von 1956 bis 1959 in der Villa Joachimstraße 7, danach bis 1965/1966 in der Villa Schaumburg-Lippe-Straße 6. 1965 erwarb sie mit dem früheren Haus des Deutschen Handwerks in Bonn und der Villa Adenauerallee 131 erstmals ein eigenes Gebäude. Dieses war von April 1966 bis 1999 Sitz der DGAP.

Die Leitung wechselte im Lauf der Zeit mehrfach. Zu den Direktoren gehörten unter anderem Karl Carstens, Karl Kaiser, Eberhard Sandschneider, Daniela Schwarzer, Cathryn Clüver Ashbrook und Guntram Wolff. Seit dem 15. August 2024 ist Thomas Kleine-Brockhoff Direktor der DGAP.

Forschung, Austausch und Nachwuchs

Ein wichtiger Teil der DGAP ist ihr Forschungsinstitut. Dort arbeiten etwa 40 Personen zu außenpolitischen Themen. Die DGAP organisiert Fachkonferenzen, Gesprächskreise sowie Studien- und Projektgruppen. Dabei sollen hochrangige Entscheider aus Politik und Wirtschaft mit Fachleuten und anderen Beteiligten der außenpolitischen Community diskutieren.

Die Expertinnen und Experten der DGAP veröffentlichen jährlich zahlreiche Studien und Analysen zu aktuellen außenpolitischen Themen. Sie entwickeln Lösungsansätze zu Schwerpunkten wie Europäische Union, Geoökonomie, Internationale Ordnung und Demokratie, Klimapolitik, Migration, Sicherheit sowie Technologie und Digitalisierung. Geoökonomie bezeichnet dabei die Verbindung von wirtschaftlichen Fragen mit politischer Macht und internationalen Beziehungen.

Für den Informationsaustausch veranstaltet die DGAP exklusive Vorträge, Podiumsdiskussionen und Kamingespräche. Mitglieder können dort mit hochrangigen Entscheidern aus dem In- und Ausland über Grundfragen und aktuelle Themen der Außenpolitik sprechen. Diese Veranstaltungen finden am Hauptsitz in Berlin und in Regionalforen statt, darunter NRW, Hansestädte, München, Frankfurt, Sachsen, Baden-Württemberg und Brüssel. Bis 2009 richtete die DGAP außerdem das EU-Russland Forum aus.

Zur Nachwuchsförderung wurde 2008 die „Junge DGAP“ gegründet. Sie hat etwa 1000 Mitglieder, organisiert jährlich rund 120 Veranstaltungen und bietet ein Mentoring-Programm an. Gemeinsam mit dem Institut français des relations internationales (Ifri) und der Robert-Bosch-Stiftung organisierte die DGAP außerdem den „Deutsch-Französischen Zukunftsdialog“, der ein Netzwerk für Nachwuchskräfte schaffen sollte. Dieser Dialog fand zuletzt 2019 statt.

Bibliothek und Publikationen

Die DGAP betreibt ein Informationszentrum mit Bibliothek und Dokumentationsstelle. Es gehört zu den ältesten und bedeutendsten öffentlich zugänglichen Spezialbibliotheken zur deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Der Bestand reicht bis 1945 zurück und umfasst mehr als 250 nationale und internationale Zeitschriften, über 85.000 Bücher sowie zahlreiche elektronische Publikationen.

Durch die Kooperation mit dem Fachinformationsverbund „Internationale Beziehungen und Länderkunde“ (IBLK) bietet die Bibliothek laut Artikel außerdem die größte Fachdatenbank ihrer Art in Europa.

Eine zentrale Veröffentlichung der DGAP ist die Zeitschrift Internationale Politik (IP). Sie wurde 1945 von Wilhelm Cornides unter dem Namen „Europa-Archiv“ gegründet. Die IP erscheint alle zwei Monate und ist im Abonnement sowie bundesweit im Bahnhofs- und Flughafenbuchhandel erhältlich. Eine englische Ausgabe erscheint vierteljährlich online unter dem Namen Internationale Politik Quarterly (IPQ).

Das Portal aussenpolitik.net war ein Wissensportal der DGAP für internationale Beziehungen und globale Fragen. Es stellte ausgewählte Analysen aus Fachzeitschriften und Think Tanks weltweit zusammen. Das Portal wurde im Herbst 2012 eingestellt.

Organisation und Finanzierung

Die DGAP hat mehrere Gremien. Die Mitgliederversammlung tagt mindestens einmal jährlich. Der Vorstand besteht aus Präsident, Vizepräsident, Schatzmeister und bis zu sechs weiteren Mitgliedern. Diese Vorstandsmitglieder werden von der Mitgliederversammlung für drei Jahre gewählt. Außerdem gehören dem Vorstand von Amts wegen Mitglieder der Geschäftsführung an: der Direktor, der Chefredakteur der Zeitschrift Internationale Politik und der Verwaltungsdirektor. Mit dem Ausscheiden aus der Geschäftsführung endet auch die Mitgliedschaft im Vorstand.

Das Präsidium besteht aus Präsident, Vizepräsident, bis zu 25 von der Mitgliederversammlung gewählten Personen sowie bis zu 15 Mitgliedern, die vom Vorstand ernannt und abberufen werden. Die Amtszeit der gewählten Mitglieder beträgt drei Jahre. Aus dem Präsidium heraus werden Ausschüsse gebildet, darunter ein Finanzausschuss und ein Wissenschaftlicher Beirat.

Der Präsident der DGAP ist Thomas Enders. Zur Geschäftsführung gehören Thomas Kleine-Brockhoff, Martin Bialecki und Geraldine Schroeder. Der Artikel nennt außerdem Ehrenmitglieder, darunter Arend Oetker als Ehrenpräsident, Klaus von Dohnanyi, Karl Kaiser und Günter Verheugen.

Die DGAP finanziert sich aus mehreren Quellen: Projektmittel machen 34 % aus, Bundeszuschüsse 27 %, Mittel aus dem Förderkreis des DGAP e. V. 21 %, Mitgliedsbeiträge 8 %, Umsatzerlöse 7 % und sonstige Erträge 3 %. Im Jahresbericht 2020/2021 werden als Förderer unter anderem das Auswärtige Amt, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, das Bundesministerium der Verteidigung, die Europäische Kommission, die Open Society Foundation, die Robert Bosch Stiftung, die Stiftung Mercator, Microsoft Deutschland, die Europäische Zentralbank, die NATO und das Institut français des relations internationales genannt.

Kritik

Im Oktober 2015 berichteten deutsche Medien, dass das zur DGAP gehörende „Berliner Forum Zukunft“ über mehrere Jahre Luxusexkursionen zu Standorten von Rüstungskonzernen organisiert hatte. Teilgenommen hatten insgesamt 350 Mitarbeiter von Bundestagsabgeordneten. Finanziert wurden diese Reisen größtenteils von den Rüstungsfirmen Krauss-Maffei Wegmann, MBDA und Airbus Helicopters.

Der Bundestagsabgeordnete Thomas Gambke von Bündnis 90/Die Grünen kritisierte dies als intransparente Einflussnahme von Rüstungsunternehmen auf die Politik. Das „Berliner Forum Zukunft“ wird laut Artikel von Airbus und Eurojet Turbo gefördert. Zum Förderkreis der DGAP gehören außerdem Unternehmen aus dem Rüstungsbereich, darunter Airbus Defence and Space, Rheinmetall und Rolls-Royce Group.

Die Initiative Lobbycontrol führt die DGAP in ihrem lobbykritischen Onlinelexikon Lobbypedia auf. Dort wird ein maßgeblicher Einfluss von Lobbyorganisationen und der Wirtschaft auf die Gremien der DGAP benannt. Im Frühjahr 2025 wurde die DGAP in Russland zur unerwünschten Organisation erklärt.

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