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Deutsch als Fremdsprache

In einem engeren Sinn spricht man von Deutsch als Fremdsprache, wenn die deutsche Sprache im Ausland erworben wird und nicht zum alltäglichen Gebrauch notwendig …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung
  2. 2. Akademisches Fach und Studiengänge
  3. 3. Berufe und Tätigkeitsfelder
  4. 4. Förderung und Institutionen
  5. 5. Sprachkurse und Prüfungen
  6. 6. Deutschunterricht weltweit

Begriff und Bedeutung

Deutsch als Fremdsprache, kurz DaF, bezeichnet den Status der deutschen Sprache für Menschen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, und zugleich den Deutschunterricht für diese Lernenden einschließlich der Didaktik, also der Lehre vom Unterrichten. Der Unterricht kann in deutschsprachigen oder anderssprachigen Ländern stattfinden.

In einem weiten Sinn umfasst DaF alle unterrichtspraktischen und wissenschaftlichen Aktivitäten, die sich mit der deutschen Sprache und der Kultur der deutschsprachigen Länder beschäftigen. In einem engeren Sinn meint DaF den Erwerb der deutschen Sprache im Ausland, wenn Deutsch im Alltag nicht notwendig ist. Der Erwerb geschieht dann meist gesteuert, also im Fremdsprachenunterricht.

Davon unterscheidet sich Deutsch als Zweitsprache, kurz DaZ. Von DaZ spricht man, wenn Deutsch in einem deutschsprachigen Land erworben wird und für den Alltag notwendig ist. Das betrifft zum Beispiel Flüchtlinge, Aussiedler, Arbeitsmigranten sowie Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund, sofern Deutsch nicht ihre Muttersprache ist. DaZ findet oft außerhalb des Unterrichts statt, aber auch in speziellen Kursen.

Laut einer im Juni 2020 veröffentlichten Studie von Goethe-Institut, DAAD und Zentralstelle für das Auslandsschulwesen lernen weltweit 15,4 Millionen Menschen Deutsch als Fremdsprache. In der Europäischen Union ist Deutsch mit rund 18 Prozent der Muttersprachler die verbreitetste Muttersprache. Mit etwa 14 Prozent der Fremdsprachler ist Deutsch zusammen mit Französisch die zweitverbreitetste Fremdsprache nach Englisch.

Akademisches Fach und Studiengänge

Das akademische Fach Deutsch als Fremdsprache entwickelte sich Ende der 1960er-Jahre. Gründe waren die steigende Zahl ausländischer Studierender in der Bundesrepublik und der DDR sowie die wachsende Zahl von Migranten in Deutschland. Dadurch entstand ein größerer Bedarf an ausgebildeten DaF- und DaZ-Lehrkräften. Heute gilt Deutsch als Fremdsprache in der deutschen Hochschullandschaft als Kleines Fach. Die Arbeitsstelle Kleine Fächer kartierte im Juni 2019 insgesamt 36 eigenständige Lehrstühle an 23 deutschen Universitäten.

Wichtige Stationen der Entwicklung waren die Gründung des Instituts für Ausländerstudium an der Universität Leipzig 1956, das seit 1961 Herder-Institut heißt, sowie ein spezifischer germanistischer Studiengang für ausländische Studierende an der Universität Heidelberg ab 1970. Den ersten Lehrstuhl für DaF besetzte Gerhard Helbig in den 1960er-Jahren am Herder-Institut. Weitere Lehrstühle entstanden 1975 in Hamburg sowie 1978 in München und Bielefeld. 1997 gab es bereits 14 Lehrstühle an elf deutschen Universitäten.

Als Kernbereiche des Fachs galten 1979 unter anderem kontrastive Linguistik, Sprachnormenforschung, Sprachlehrforschung, Fachsprachenforschung, Gastarbeiter-Linguistik, deutsche Literatur als fremde Literatur und deutsche Landeskunde. In den 1990er-Jahren lagen die Schwerpunkte auf linguistischen, didaktisch-methodischen, landeskundlich-kulturwissenschaftlichen und literaturwissenschaftlichen Ausrichtungen.

Seit 2005 werden im Grundsatzpapier des Fachverbands Deutsch als Fremdsprache unverzichtbare Gegenstände eines DaF-Studiengangs genannt. Dazu gehören die deutsche Sprache als fremde Sprache, Kultur und Gesellschaft des deutschsprachigen Raums aus Fremdperspektive, Lernprozesse, Vermittlung der Sprache und kultureller Inhalte innerhalb und außerhalb des deutschsprachigen Raums, mindestens ein berufsbezogenes Praktikum und Sprachlernerfahrung. Bachelorstudiengänge sollen auf das Berufsfeld und auf weiterführende Masterstudiengänge vorbereiten. Masterstudiengänge vertiefen und erweitern die Basiskompetenzen. Trotz Bologna-Reform bleiben die DaF-/DaZ-Studiengänge sehr unterschiedlich, weil Hochschulen, Länder, Lehrkapazitäten, Berufsfeldbezug und lokale Bedingungen ihre Profile prägen.

Berufe und Tätigkeitsfelder

Ein wichtiger Grund für akademische DaF-Studiengänge war die fachlich und wissenschaftlich fundierte Ausbildung von Lehrkräften. In Deutschland und Österreich werden DaF-/DaZ-Lehrkräfte vor allem für die Erwachsenenbildung in Bachelor- und Masterstudiengängen ausgebildet. Durch Internationalisierung, Migration und die erhöhte Nachfrage nach Deutsch entstehen außerdem Aufgaben im Prüfen, Testen, internationalen Austausch und Kulturmanagement.

Absolventinnen und Absolventen können in deutschsprachigen Ländern bei Sprachkursanbietern unterrichten oder Unterrichts- und Lehrmaterialien bei Verlagen, Medienproduzenten und Bildungsinstitutionen entwickeln, herstellen und vertreiben. Weitere Tätigkeiten sind Betreuung und Koordination in Sprachlernzentren, Tandem-Lernen, Selbstlernprogramme, berufsbezogener Unterricht in Firmen, Berufsschulkurse für Migranten, DaZ-Weiterbildungen der Arbeitsagentur oder Berufsbildungswerke sowie allgemeinbildende Firmenkurse. Auch Arbeit als Kommunikationstrainer in Firmen und öffentlichen Institutionen ist möglich.

Im Ausland können DaF-/DaZ-Absolventen an Hochschulen, Schulen, Sprachschulen und in Selbstlernzentren arbeiten. Masterabschlüsse eröffnen je nach Studiengang auch Wege in Hochschullehre, Forschung oder Kulturvermittlung. Lehrtätigkeiten an Auslandsschulen, Studienkollegs und Vorstudienlehrgängen sind in der Regel Personen mit Lehramtsstudium vorbehalten. Absolventen mit Staatsexamen und Zusatzqualifikation haben auf dem Arbeitsmarkt häufig bessere Chancen als reine DaF-/DaZ-Absolventen, auch wenn diese besondere Kenntnisse in Spracherwerb und Zweit- und Fremdsprachendidaktik besitzen.

Weitere Berufsfelder reichen vom pädagogischen Leiter oder Fachberater über Kundenbetreuung, Beratung und Produktmanagement in Fachverlagen bis zu Tätigkeiten in Organisationen, Beratungsstellen, Hochschulen, Dienstleistungen, Wirtschaft, Management, Presse, Rundfunk, TV, Industrie, Rechts- und Unternehmensberatung sowie Verwaltung. Teilweise sind dafür zusätzliche Fortbildungen notwendig.

Förderung und Institutionen

Die Förderung von Deutsch als Fremdsprache ist ein wichtiges Ziel der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Das Auswärtige Amt unterstützt unter anderem Deutschunterricht an Schulen, Aus- und Fortbildung von Lehrkräften, Hochschulstipendien sowie außerschulische und außeruniversitäre Sprachlernangebote. Umgesetzt wird dies durch Mittlerorganisationen.

Das Goethe-Institut vermittelt weltweit deutsche Sprache und Kultur. Es ist mit 149 Instituten in 92 Ländern vertreten und fördert Deutschkenntnisse im Ausland, internationale kulturelle Zusammenarbeit und ein umfassendes Deutschlandbild. Zu seinen Aufgaben gehören Sprachkurse, Deutschprüfungen auf allen Niveaus, Lehrmaterialien, Lehrkräftefortbildung, Kulturveranstaltungen sowie Bibliotheken, Informationszentren und Diskussionsforen. Seit 2004 bietet es mit dem Grünen Diplom eine standardisierte Basisqualifikation für DaF-Lehrkräfte.

Der Deutsche Akademische Austauschdienst, kurz DAAD, wurde 1925 gegründet und ist die weltweit größte Förderorganisation für den internationalen Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern. Er vergibt Stipendien, fördert die Internationalität deutscher Hochschulen, stärkt Germanistik und Deutsch im Ausland und unterstützt Entwicklungsländer beim Hochschulaufbau. Im DAAD-Lektorenprogramm können Lehrende zwei bis fünf Jahre an ausländischen Hochschulen arbeiten. Außerdem vergibt der DAAD Jahresstipendien für Sprachassistenten im Fach Deutsch als Fremdsprache.

Die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen, kurz ZfA, betreut schulische Arbeit im Ausland pädagogisch, personell und finanziell. Sie unterstützt deutsche Schulen und Bildungseinrichtungen im Ausland, vermittelt Lehrkräfte, entwickelt Prüfungen wie das Deutsche Sprachdiplom und organisiert Fortbildungen. Programme sind unter anderem Bundesprogrammlehrkraft und Landesprogrammlehrkraft. Der Pädagogische Austauschdienst, kurz PAD, organisiert seit 1952 internationalen Austausch im Schulbereich, darunter Fremdsprachenassistenten und Schulpartnerschaften. Die PASCH-Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ vernetzt 2.000 Schulen in 120 Ländern, an denen Deutsch besonders wichtig ist; weltweit lernen dort 600.000 Schülerinnen und Schüler.

Weitere Förderakteure sind die Robert Bosch Stiftung mit einem Lektorenprogramm an Hochschulen in Osteuropa und China sowie die Stiftung Mercator. Das Mercator Kolleg für internationale Aufgaben richtet sich an hochqualifizierte deutschsprachige Hochschulabsolventinnen und -absolventen, die Führungsaufgaben in internationalen Organisationen anstreben.

Sprachkurse und Prüfungen

Deutschkurse werden von vielen öffentlichen und privaten Bildungsträgern im In- und Ausland angeboten, besonders von Volkshochschulen und Goethe-Instituten. Deutsch als Zweitsprache wird häufig an öffentlichen Schulen, zum Beispiel in Förderklassen, oder in Integrationskursen für Migranten unterrichtet.

Für Deutsch als Fremdsprache gibt es viele Prüfungen, Diplome und Zertifikate. Sie orientieren sich meist am Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen, kurz GER, der Sprachkenntnisse in Niveaustufen von A1 bis C2 beschreibt. Vorbereitungskurse können helfen, sind für die Prüfungen aber meist nicht verpflichtend. Wichtige Prüfungen sind DSH, TestDaF, DSD, Goethe-Zertifikate und das Österreichische Sprachdiplom Deutsch.

Die DSH, die Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang, richtet sich an Studienbewerber ohne deutsche Muttersprache oder ohne deutschsprachigen Bildungsabschluss. Sie besteht aus einer schriftlichen und einer mündlichen Prüfung. Geprüft werden unter anderem Hör- und Leseverstehen, wissenschaftssprachliche Strukturen, Textproduktion und ein mündlicher Kurzvortrag. Die Kompetenzniveaus heißen DSH1, DSH2 und DSH3 und entsprechen B2 bis C2 des GER. Meist wird DSH2 für die Immatrikulation verlangt, DSH1 reicht nur für bilinguale Studiengänge, DSH3 ist für Studiengänge mit höherem sprachlichem Niveau nötig.

Der TestDaF weist Deutschkenntnisse internationaler Studierender nach, die in Deutschland studieren möchten. Die Niveaus TDN 3, TDN 4 und TDN 5 decken im GER das Spektrum B2.1 bis C1.2 ab. Es gibt einen papierbasierten und einen digitalen TestDaF. Beide prüfen Lesen, Hören, Schreiben und Sprechen; im digitalen Test können Aufgaben auch kompetenzübergreifend sein. Das Zertifikat ist unbegrenzt gültig und wird von allen Hochschulen in Deutschland anerkannt. Im Allgemeinen genügt TestDaF-Niveau 4 in allen vier Prüfungsteilen für die Hochschulzulassung.

Das Deutsche Sprachdiplom der Kultusministerkonferenz, kurz DSD, ist weltweit anerkannt und wird an deutschen Auslandsschulen sowie ausländischen Schulen durchgeführt. Es ist die einzige schulische Prüfung für Deutsch als Fremdsprache im Ausland und umfasst Hörverstehen, Leseverstehen, schriftliche und mündliche Kommunikation. Die Goethe-Prüfungen werden weltweit nach einheitlichen Vorgaben von A1 bis C2 angeboten. Das Goethe-Zertifikat C2: GDS ersetzte zum 1. Januar 2012 ZOP, KDS und GDS und kann den Hochschulzugang ermöglichen oder als Nachweis zum Unterrichten von Deutsch dienen. Das ÖSD ist ein staatlich anerkanntes Prüfungssystem für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache; seine Prüfungen werden von A1 bis C2 angeboten und seit 2019, mit Ausnahme der Integrationsprüfungen, modular durchgeführt.

Deutschunterricht weltweit

Außerhalb des deutschen Sprachraums wird Deutsch auf allen Niveaustufen unter anderem vom Goethe-Institut angeboten. In vielen Ländern gibt es DaF-Unterricht auch an öffentlichen Schulen, Universitäten sowie Kultur- und Bildungseinrichtungen. Besonders Lernende aus Mittel- und Osteuropa tragen dazu bei, dass Deutsch zu den meistgelernten Sprachen der Europäischen Union gehört.

Beispiele aus dem Artikel zeigen die Verbreitung: In Litauen ist Deutsch nach Englisch und Russisch die dritthäufigste Fremdsprache; 8,3 Prozent der Einwohner können Deutsch. In den Vereinigten Staaten ist Deutsch nach Spanisch und Französisch die an Colleges am dritthäufigsten studierte Fremdsprache, und 38 Prozent der amerikanischen High Schools bieten Deutschkurse an. In Usbekistan lernen gut 50 Prozent von insgesamt rund 1,2 Millionen Schülerinnen und Schülern Deutsch; als Maximalangabe werden 750.000 genannt. In Israel ist Deutsch nach Englisch die zweithäufigste Fremdsprache. In weltweiten Statistiken von 2015 führte Polen mit 2,3 Millionen Deutschlernenden, gefolgt von Großbritannien und Russland mit jeweils knapp 1,5 Millionen.

An Schulen vieler Länder, etwa in den Niederlanden, Polen, dem französischsprachigen Teil der Schweiz, Luxemburg, Bulgarien oder Ungarn, wird Deutsch als Fremdsprache gelernt. Der Unterricht soll kommunikative Mehrsprachigkeit fördern und Einblicke in den deutschsprachigen und europäischen Raum geben, auch literarisch, kulturell und historisch. Dabei werden Hörverstehen, Leseverstehen, Gesprächsteilnahme, Schreiben, Sprachmittlung, Intonation, Orthographie, Wortschatz und Grammatik sowie der Umgang mit deutschen Medien und interkulturelle Kompetenzen einbezogen. Die Anforderungen orientieren sich am GER und steigen mit der Klassenstufe. In Frankreich ist das Interesse am Deutschunterricht längerfristig zurückgegangen; in Südfrankreich lernten 2022 nur zwei Prozent der Schülerinnen und Schüler Deutsch als Fremdsprache.

Deutsche Auslandsschulen sind Schulen im Ausland, in denen der Unterricht teilweise auf Deutsch stattfindet und deren Abschlüsse in Deutschland anerkannt werden. Der Artikel nennt 135 deutsche Auslandsschulen weltweit. Es gibt deutschsprachige Schulen, in denen der Unterricht vollständig auf Deutsch erfolgt und vor allem deutsche Abschlüsse erworben werden, sowie zweisprachige Schulen, die Deutsch und die Landessprache verwenden und deutsche sowie landesspezifische Abschlüsse ermöglichen. Im Mittelpunkt steht dabei auch interkultureller Austausch.

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