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Eriesee
Der Eriesee (englisch Lake Erie, englische Aussprache [ˌleɪk ˈɪɹi]; französisch Lac Érié) ist der südlichste und viertgrößte der fünf Großen Seen …
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Kernmerkmale und Lage
Der Eriesee, auf Englisch Lake Erie und auf Französisch Lac Érié, ist der südlichste und viertgrößte der fünf Großen Seen Nordamerikas. Durch ihn verläuft die Grenze zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten. Er liegt bei 42° 10′ N, 81° 16′ W auf durchschnittlich 174 m Höhe über dem Meeresspiegel. Am Nordufer liegt die kanadische Provinz Ontario, am Südufer liegen die US-Bundesstaaten Ohio, Pennsylvania und New York.
Der See ist 25.667 km² groß, 388 km lang und bis zu 92 km breit. Sein Volumen beträgt 484 km³. Die Uferlinie wird in den Daten mit 1290 km angegeben; im Abschnitt zur Geographie wird sie mit 1402 km inklusive Inseln genannt. Der Eriesee ist der flachste der Großen Seen: Seine mittlere Tiefe beträgt 19 m, die maximale Tiefe 64 m. Wegen dieser geringen Tiefe hat er auch die höchste Wassertemperatur der Großen Seen.
Der Hauptzufluss ist der Detroit River. Über ihn gelangt Wasser aus dem Huronsee in den Eriesee: Der Huronsee entwässert zunächst in den Lake St. Clair, von dort fließt der Detroit River weiter in den Eriesee. Weitere wichtige Zuflüsse sind Grand River in Ohio, Grand River in Ontario, Huron River in Michigan, Huron River in Ohio, Maumee River, Sandusky River und Cuyahoga River. Der Abfluss erfolgt über den 56 km langen Niagara River in den Ontariosee. Dabei liegen auch die Niagarafälle auf dieser Verbindung.
Verbindungen, Uferstädte und Inseln
Der Eriesee ist ein wichtiger Teil des Gewässersystems der Großen Seen. Über den Niagara River ist er mit dem Ontariosee verbunden. Für die Schifffahrt gibt es außerdem den Wellandkanal, der Teil des Sankt-Lorenz-Seewegs ist. Der Eriekanal verband den See historisch mit dem 580 km östlich gelegenen Hudson River. Diese Verbindung war im 19. Jahrhundert wirtschaftlich sehr wichtig; in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde ihre kommerzielle Nutzung aufgegeben.
Das Einzugsgebiet des Eriesees, also die Landfläche, aus der Wasser in den See abfließt, umfasst rund 58.790 km². Der kanadische Anteil an der Seefläche beträgt 12.722 km², der US-amerikanische Anteil 12.945 km². Wichtige Städte am Ufer sind Buffalo, Erie, Toledo und Cleveland.
Im Eriesee liegen insgesamt 27 Inseln. Neun davon gehören zu Ontario, die übrigen zu Ohio. Pelee Island ist mit 42 km² die größte Insel des Sees und liegt auf kanadischer Seite. Middle Island ist der südlichste Punkt Kanadas. Der Point-Pelee-Nationalpark liegt auf einer Halbinsel und ist der südlichste Punkt des kanadischen Festlandes.
Inseln im Überblick
Der Artikel nennt folgende Inseln im Eriesee: Ballast Island, Big Chicken Island, Chick Island, East Sister Island, Gibraltar Island, Green Island, Gull Island, Hen Island, Johnson’s Island, Kelleys Island, Little Chicken Island, Lost Ballast Island, Middle Island, Middle Bass Island, Middle Sister Island, Mohawk Island, Mouse Island, North Bass Island, North Harbour Island, Pelee Island, Rattlesnake Island, South Bass Island, Starve Island, Sugar Island, Turtle Island und West Sister Island.
Für das Verständnis des Sees sind besonders Pelee Island, Middle Island und Kelleys Island wichtig, weil sie auch in den Grunddaten des Artikels genannt werden. Pelee Island ist die größte Insel des Eriesees. Middle Island ist geografisch bedeutsam, weil sie den südlichsten Punkt Kanadas bildet.
Weinbau und historische Bedeutung
Am Eriesee wird seit dem 19. Jahrhundert Weinbau betrieben. Die kanadischen Anbaugebiete liegen am Nordufer und auf Pelee Island. Auf US-amerikanischer Seite liegt das Weinbaugebiet Lake Erie AVA im Bundesstaat New York. AVA steht hier für ein abgegrenztes amerikanisches Weinbaugebiet.
In der Geschichte des Eriesees nennt der Artikel mehrere Ereignisse. 1669 entdeckte der Franzose Louis Joliet den See und ließ einige Jahre später französische Siedlungen errichten. Am 10. September 1813 fand im Britisch-Amerikanischen Krieg die Schlacht auf dem Eriesee statt. Dabei kämpften Schiffe der Briten gegen Schiffe der Vereinigten Staaten. Unter dem Kommando von Oliver Hazard Perry siegte die an Schiffen überlegene Marine der Vereinigten Staaten.
Der Eriesee ist außerdem als Schauplatz der Ballade „John Maynard“ von Theodor Fontane in die deutsche Literatur eingegangen. In der Ballade geht es um ein Schiffsunglück auf dem Eriesee.
Verschmutzung und Sanierung
Der Eriesee ist derjenige der Großen Seen, der am stärksten unter Verschmutzung und Umweltproblemen leidet. Besonders schlecht war sein Zustand in den 1950er und 1960er Jahren. Damals wurden Industrie- und Haushaltabwässer weitgehend ungeklärt in den See oder in seine Zuflüsse geleitet. Dadurch wurde der See unter anderem stark mit polychlorierten Biphenylen, abgekürzt PCB, und Quecksilber belastet. PCB sind langlebige chemische Verbindungen, die für Umwelt und Gesundheit problematisch sind.
Ein weiteres Problem war die starke Eutrophierung. Eutrophierung bedeutet, dass zu viele Nährstoffe in ein Gewässer gelangen. Im Eriesee wurde sie damals vor allem durch die weit verbreitete Verwendung phosphathaltiger Waschmittel gefördert. Phosphate sind Nährstoffe, die das Wachstum von Algen stark anregen können. Die Folge waren regelmäßige Algenblüten, also massenhaftes Algenwachstum. Gegen Ende der 1960er Jahre standen viele Tierpopulationen kurz vor dem völligen Zusammenbruch. In den Medien bekam der See den Spitznamen „North America’s Dead Sea“, also „Totes Meer von Nordamerika“.
Die Lage am Eriesee und an Zuflüssen wie dem Cuyahoga River wurde zu einem wichtigen Auslöser der Umweltbewegung in den USA. In den 1970er Jahren wurden mehrere Maßnahmen zur Sanierung beschlossen. 1972 wurde der Clean Water Act verabschiedet, außerdem wurde das Great Lakes Water Quality Agreement geschlossen und die United States Environmental Protection Agency, kurz EPA, gegründet. Es wurden Kläranlagen gebaut, Phosphat in Waschmitteln verboten und auch die Verwendung von PCB untersagt.
Diese Maßnahmen führten zu einem deutlichen Rückgang der Algenblüten. Die Tierpopulationen begannen sich zu erholen. In den 1980er Jahren hatte sich der Zustand des Eriesees erheblich verbessert. Er wurde wieder ein beliebtes Ausflugs- und Freizeitziel, besonders für Angler. Damals erhielt er den Spitznamen „Walleye capital of the world“, also „Glasaugenbarsch-Hauptstadt der Welt“. Die Population der Glasaugenbarsche wurde auf 40 Millionen geschätzt.
Neue Algenblüten seit den 1990er Jahren
Mitte der 1990er Jahre kehrten die Algenblüten im Eriesee zurück. Diesmal war die Ursache vor allem verstärkte Düngung in den landwirtschaftlichen Gebieten des Einzugsgebiets. Dünger, darunter auch phosphathaltige Bestandteile, wird durch Regen entweder direkt in den See oder in seine Zuflüsse gespült.
Im 21. Jahrhundert wurden die Blüten giftiger Microcystis-Cyanobakterien zunehmend größer. Cyanobakterien sind Bakterien, die ähnlich wie Algen durch Nährstoffe stark wachsen können; manche Arten bilden Giftstoffe. Dadurch wurde auch das Trinkwasser gefährdet, das aus dem See entnommen wird.
2011 kam es zur bisher größten Algenblüte in der Geschichte des Eriesees. Sie bedeckte ein Fünftel seiner Oberfläche. Im Sommer 2014 vergiftete eine große Microcystis-Blüte das Trinkwasser in Toledo. Dadurch konnten 400.000 Menschen mehrere Tage lang kein Leitungswasser verwenden.