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Der goldne Topf (Petersen)

Der goldne Topf (o. Op. 2) ist eine Oper in drei Aufzügen von Wilhelm Petersen, frei nach dem gleichnamigen Märchen von E. T. A. Hoffmann.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Werk und musikalische Idee
  2. 2. Konflikt zwischen Licht und Dunkel
  3. 3. Anselmus’ Prüfung und Erlösung
  4. 4. Aufbau und Besetzung
  5. 5. Entstehung und Aufführungen

Werk und musikalische Idee

„Der goldne Topf“ (o. Op. 2) ist eine deutschsprachige Oper in drei Aufzügen von Wilhelm Petersen nach dem gleichnamigen Märchen von E. T. A. Hoffmann. Das Libretto verfasste Petersen frei nach Hoffmann unter Mitarbeit von Walther Schäfer. Die Oper dauert etwa 150 Minuten und deutet die Vorlage als „Einweihungsmärchen“: Im Mittelpunkt steht die Entwicklung eines Menschen vom Irdischen und Materiellen hin zu einer geistigen, höheren Erkenntnis.

Petersens Tonsprache ist überwiegend sinfonisch geprägt. Musik und Text entstanden nach seiner Aussage parallel; einzelne Szenen wurden sogar zunächst musikalisch gestaltet. Der Eingangschor ist archaisch-pentatonisch, also von einer Fünftonleiter geprägt. Visionäre Szenen, besonders die Begegnungen von Anselmus und Serpentina, verwendet Petersen ausdrucksstarke Chromatik, also viele Halbtonschritte. Das bürgerliche Umfeld von Paulmann, Veronika und Heerbrand wirkt ironisch: Es enthält Anklänge an Rezitativ, Arie und chansonhafte Wendungen. Serpentina erhält lange Vokallinien, Veronika liedhafte und volkstümliche Elemente. Die Rauerin verbindet volkstümliche Stimmführung mit abstrakter Motivik. Lindhorsts Umfeld ist chromatisch; der Goldne Topf bildet dabei das tonale Zentrum.

Petersen wollte „das Hineinwirken des Metaphysischen in die Wirklichkeit durch Musik erfahrbar zu machen und Innenentwicklungen des Menschen real-symbolisch zum Ausdruck zu bringen“.

Konflikt zwischen Licht und Dunkel

Die Handlung gestaltet den Kampf zweier Reiche: eines lichten Geistesreichs, in dem sich die „Gott-Natur des Menschen“ vollendet, und eines dunklen, an Materie gebundenen irdischen Reichs. Dieses will den Menschen festhalten und seine Wandlung zu Höherem verhindern.

Zum Lichtreich gehören der Archivarius Lindhorst und seine Tochter Serpentina. Sie hüten den Goldnen Topf, ein Symbol eines Lichtkults, in dem das verlorene Sonnenerbe bewahrt wird. Durch kultische Schau kann der Mensch wieder am Licht teilhaben. Gegenspielerin ist die Rauerin, eine Hexe und Verkörperung des Bösen. Im Zentrum des Konflikts steht der Student Anselmus. Serpentina liebt ihn „als kennt ich ihn von eh und je“; ihre Verbindung scheint vorherbestimmt. Anselmus erkennt ihre hohe Bedeutung und die Ewigkeit seines geistigen Selbstes, ist durch seinen „innren Schatten“ aber auch den Versuchungen der irdischen Mächte ausgesetzt.

Anselmus’ Prüfung und Erlösung

Die Rauerin versucht, Anselmus dem Lichtreich zu entfremden. Dafür nutzt sie Veronika, die Tochter des Konrektors Paulmann. Veronika und ihr Vater leben in einem bürgerlichen „Dämmerzustand“ und wissen nichts vom Kampf der Mächte. Für eine Zeit wird Anselmus an Veronika gebunden und dadurch von Serpentina getrennt.

Auf diesem Weg des Irrtums verliert Anselmus den Zugang zur geistigen Welt: Er kann nicht mehr an seinen Ursprung, seine Bestimmung und sein ewiges Selbst glauben. Als Strafe wird er in einen Kristall gebannt, der Abgeschiedenheit und Tod symbolisiert. In der Todespein gewinnt er jedoch neue Kraft und ein neues Bewusstsein des Ewigen. Das Lichtreich kann nun wieder eingreifen. Es siegt im Kampf gegen die unteren Mächte, der Kristall zerbirst, und Anselmus verbindet sich auf einer höheren, geläuterten Stufe erneut mit Serpentina.

Aufbau und Besetzung

Die Oper besteht aus drei Aufzügen mit insgesamt sieben Bildern. Der erste Aufzug führt von einer märchenhaften Lichtlandschaft mit Heiligtum und Goldnem Topf zum Elbufer bei Dresden unter einem Holunderbaum. Der zweite Aufzug spielt teils in einem Saal aus hohen goldbronzenen Palmenstämmen, teils im Biedermeier-Familienzimmer der Paulmanns. Der dritte Aufzug zeigt zunächst einen unterirdischen Raum mit Flaschen, in denen jeweils ein Mensch sitzt, und endet wieder in der Lichtlandschaft.

Die Hauptrollen sind Lindhorst (Bariton), Anselmus (Tenor), Paulmann (Bariton), Heerbrand (Bassbariton), Serpentina und Veronika (je Sopran) sowie die Rauerin (Mezzosopran); außerdem wirkt ein Chor mit. Das Orchester umfasst unter anderem drei Flöten, drei Oboen, Klarinetten, Fagotte, vier Hörner, drei Trompeten, drei Posaunen, Basstuba, Pauken und vielfältiges Schlagwerk, Harfe, Celesta und Streicher.

Entstehung und Aufführungen

Petersen beschäftigte sich bereits 1915 gemeinsam mit Karl Thylmann mit einer Bearbeitung von Hoffmanns Märchen. In den 1930er-Jahren griff er den Stoff erneut auf. Auf Anregung des Geigers Rudolf Greif begann er 1936 zu komponieren und schloss die Arbeit 1938 ab. Ein zunächst von Walther Schäfer verfasstes Libretto entsprach Petersen nicht; daher schrieb Petersen den Text weitgehend selbst. Nach einem Rechtsstreit 1939/40 musste Schäfer im Klavierauszug des Süddeutschen Musikverlags von 1940 als Mitarbeiter genannt werden.

Die Uraufführung fand am 29. März 1941 im Hessischen Landestheater Darmstadt statt. Fritz Mechlenburg leitete die Aufführung, Elli Büttner entwarf das Bühnenbild. Das Werk wurde nach Petersens Großer Messe op. 27 sein größter Erfolg. Zeitgenössische Stimmen lobten die feinsinnige Musiksprache, beanstandeten aber teilweise fehlende operntypische Dramatik. Am 6. Mai 2018 wurden Teile der Oper beim „Tag für die Musik“ von HR2-Kultur durch Studierende der Akademie für Tonkunst Darmstadt in kammermusikalischer, szenischer Fassung wiederaufgeführt.

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