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Der abenteuerliche Simplicissimus

Das Werk beschreibt den Lebensweg von Melchior Sternfels von Fuchshaim (beinahe ein weiteres Namens-Anagramm), der im Dreißigjährigen Krieg als Kind von …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Werk und Bedeutung
  2. 2. Vom einfachen Hirten zum Hofnarren
  3. 3. Krieg, Rollenwechsel und Abenteuer
  4. 4. Fernreisen und Rückzug als Einsiedler
  5. 5. Figur, Gattung und Wirkung

Werk und Bedeutung

Der Abenteuerliche Simplicissimus Teutsch, heute auch Simplicius Simplicissimus genannt, ist ein 1668 erschienenes und auf 1669 datiertes Hauptwerk von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen. Der Autor veröffentlichte es unter dem Pseudonym German Schleifheim von Sulsfort, einem Anagramm von Christoffel von Grimmelshausen. Der Roman gilt als erster Abenteuerroman und als wichtigstes deutschsprachiges Prosawerk des Barocks.

Im Mittelpunkt steht der Lebensweg Melchior Sternfels von Fuchshaims während des Dreißigjährigen Krieges. Als Kind wird er von Soldaten verschleppt, später wird er Offizier, wechselt mehrfach die Seiten und entsagt am Ende der Welt, um Einsiedler zu werden. Das Werk hat zwar stark autobiographische Züge, ist aber kein Schlüsselroman.

Das Handlungsschema ist dreiteilig: Auf ein Initiationserlebnis folgt eine episodische Reise durch die damalige Gesellschaft; schließlich blickt der Held selbstreflexiv auf sein Leben zurück. Das Leitmotiv ist Desillusionierung, also der Verlust von Illusionen über Menschen und Welt. Der Roman wird meist dem „niederen“ Genre des Schelmenromans zugeordnet. Zugleich weist er Merkmale eines „hohen“ Romans auf: Der Held ist adlig, gebildet und beschäftigt sich mit Literatur; außerdem wird die scheinbar autobiographische Erzählsituation ausdrücklich dementiert.

Vom einfachen Hirten zum Hofnarren

Simplicius wächst als ungebildeter Viehhirte auf einem Bauernhof im Spessart auf. Er kennt nicht einmal seinen eigenen Namen und nennt seine vermeintlichen Eltern „Knan“ und „Meuder“. Als Zehnjähriger lockt er beim Schafehüten mit seiner „Sackpfeiffe“ einen verirrten Soldatentrupp an. Die Soldaten plündern den Hof, foltern, schänden, morden und brandschatzen. Der Junge flieht in den Wald.

Ein alter Einsiedler nimmt ihn auf, nennt ihn Simplicius, den „Einfältigen“, und lehrt ihn Lesen, Schreiben und die christliche Lehre. Vor seinem Tod gibt der Einsiedler ihm drei Maßstäbe für gelingende Lebensführung mit: Selbsterkenntnis, Welterkenntnis und Beständigkeit, lateinisch constantia. Nach weiteren Überfällen und Verwüstungen gelangt Simplicius über Gelnhausen nach Hanau.

Dort wird er zunächst als Spion verdächtigt, aber mit Hilfe des Stadtpfarrers freigelassen. Er erfährt, dass der Einsiedler früher Offizier und Schwager des Gouverneurs Ramsay war; damit wird auf Jakob von Ramsay (1589–1639), den schwedischen Kommandanten der Festung Hanau bis 1638, angespielt. Simplicius wird Page des Gouverneurs. Es zeigt sich, dass er dessen Neffe sein könnte. Das Hofleben empfindet er jedoch als heuchlerisch und gottlos.

Der Gouverneur will ihn durch ein Ritual zum Narren machen: Simplicius wird mit maskierten Teufeln eingesperrt und zum Trinken gezwungen. Er widersteht, trägt danach aber ein Kostüm aus Kalbsfellen und Eselsohren und spielt nur scheinbar den Narren. Er wird gefangen genommen, entkommt und gelangt schließlich vor das 1636 belagerte Magdeburg. Dort übernimmt ihn ein kaiserlicher Oberst als Narr.

Krieg, Rollenwechsel und Abenteuer

In der Schlacht bei Wittstock gelingt Simplicius die Flucht. Der junge Ulrich Hertzbruder, inzwischen Kämpfer auf schwedischer Seite, hilft ihm. Simplicius kommt als Diener eines Dragoners in das Frauenkloster „Paradeiß“ bei Soest. Nach dem Tod seines Herrn wird er „Gefreyter“ und erlangt als Soester Jägerken Ruhm und Geld. Er begeht zahlreiche Untaten, macht Beute und bleibt zunächst unbestraft.

Er tritt großspurig auf, gewinnt ein Duell gegen zwei Soldaten und wird deshalb festgenommen, weil Duelle im Heer bei Todesstrafe verboten sind. Seine Freiheit erhält er wieder, indem er einem General eine List zur unblutigen Einnahme einer belagerten Stadt vorschlägt. Danach verprasst er sein Geld, verliebt sich in die Tochter eines Obersten und reist über Köln nach Paris. Dort verdient er als Opernsänger und Gigolo viel Geld. Nach einer Krankheit wird er ausgeraubt, kommt als Quacksalber erneut zu Geld und wird anschließend von Musketieren zum Kriegsdienst gezwungen.

Nach weiteren Gefangenschaften und Überfällen trifft er seinen früheren Feind Olivier wieder, der zugleich der „Jäger von Werl“ war. Beide plündern gemeinsam, bis Soldaten sie in einem Wirtshaus stellen. Olivier stirbt im Kampf, Simplicius entkommt. Mit Ulrich Hertzbruder unternimmt er anschließend widerwillig eine Wallfahrt nach Einsiedeln, um für seine Sünden zu büßen. In der Schweiz fällt ihm der Wohlstand in einer friedlichen Umgebung auf, während deutsche, österreichische und böhmische Teile des Heiligen Römischen Reichs von Krieg, Hunger, Zerstörung und Elend geprägt sind. Dennoch meldet er sich danach erneut zum Kriegsdienst.

Fernreisen und Rückzug als Einsiedler

Am Mummelsee begegnet Simplicius dem König der Wassergeister. Dieser schenkt ihm einen Stein, mit dem sich eine Heilquelle erzeugen lässt. Simplicius möchte damit ein Heilbad ähnlich dem Schwalbacher gründen, legt den Stein jedoch versehentlich beim Schlafengehen auf den Boden und verliert so die Möglichkeit.

Später wird er von Truppen gefangen genommen, gelangt nach Moskau und zeigt dem Zaren die Pulverherstellung. Nach der Freilassung fangen ihn Tataren und bringen ihn nach Korea. Weil er den koreanischen König in der Schießkunst unterrichtet, darf er die Rückreise antreten. Weitere Abenteuer führen ihn nach Japan, Macau, Ägypten, Konstantinopel und Rom. Piraten nehmen ihn gefangen und verkaufen ihn als Galeerensklaven; schließlich kehrt er nach Hause zurück.

Ein sich wandelndes Steinbild, das zuletzt als Vogel davonfliegt, deutet Simplicius als Zeichen Gottes. Er will nach Santiago de Compostela pilgern, erleidet aber Schiffbruch. Auf einer Insel überlebt er; der Schiffszimmermann stirbt, nachdem er sich am Palmwein zu Tode getrunken hat. Simplicius lebt fortan als Einsiedler und schreibt seine Lebensgeschichte auf. Jahre später übergibt er den Bericht einem holländischen Kapitän. Wie er von der Insel fortkommt, bleibt unerklärt. In der später spielenden Erzählung Springinsfeld kehrt Simplicissimus überraschend wieder zurück.

Figur, Gattung und Wirkung

Der Name Simplicius ist ein sprechender Name, der auf die Einfalt der Figur verweist. Im Lauf des Romans verliert er diese unmittelbare Bedeutung: In seiner erfolgreichen Abenteuerphase heißt der Held Jäger von Soest; in der Pariser Episode trägt er den Namen Beau Alman. Dieser Name steht für seine Sangeskünste, Schönheit und sein darstellerisches Geschick, verschwindet aber später wieder. Der Name Simplicius bleibt am Ende bestehen. Ulrich Herzbruder gehört ebenfalls zu den Figuren mit sprechendem Namen.

Die Gattungszuordnung als Schelmenroman ist umstritten. Der Roman wird einerseits in der Tradition spanischer Schelmenromane wie Lazarillo von Tormes gesehen, andererseits als Entwicklungsroman oder soziale Satire verstanden. Außerdem gibt es Parallelen zum christlichen Erbauungsroman. Besonders die „Continuatio“, das sechste Buch, wird nach einer Deutung nur verständlich, wenn man die Lehre vom mehrfachen Schriftsinn berücksichtigt: Allegorien und Symbole können sozial-, kriegs- und gesellschaftskritische sowie christlich-erbauliche Botschaften enthalten. Der Held entwickelt sich vom Naivling über den bewusst gespielten Narren und den skrupellosen Kriegsteilnehmer zu einem Menschen, der wieder eine asketische Lebensweise sucht.

Der Roman wurde vielfach bearbeitet. Johann Strauss vertonte den Stoff 1887 in der Operette Simplicius. Karl Amadeus Hartmann schuf die Oper Des Simplizius Simplizissimus Jugend, die 1949 in Köln szenisch uraufgeführt wurde. Als Film nennt der Artikel Des Christoffel von Grimmelshausen abenteuerlicher Simplizissimus von Fritz Umgelter (ZDF, 1975). Außerdem existieren Hörspiele und vollständige Hörbuchlesungen. Der Simplicissimus wurde in die ZEIT-Bibliothek der 100 Bücher und in die ZEIT-Schülerbibliothek aufgenommen.

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