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Schlacht bei Nördlingen
Die zweitägige Schlacht bei Nördlingen war eine der Hauptschlachten des Dreißigjährigen Krieges; ihr Ausgang hatte bedeutende Folgen für den weiteren …
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Bedeutung und Ausgang
Die Schlacht bei Nördlingen war am 5. und 6. September 1634 (Beginn: 26. August julianisch / 5. September gregorianisch) bei Nördlingen in Bayern eine Hauptschlacht des Dreißigjährigen Krieges und Teil des Schwedischen Krieges. Zwei schwedische Heere unter Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar und Feldmarschall Gustaf Horn kämpften mit ihren protestantischen deutschen Verbündeten gegen ein Bündnis aus kaiserlichen, bayerischen und spanischen Truppen. Dessen Führer waren Erzherzog und König von Ungarn Ferdinand, der Kardinalinfant Ferdinand von Spanien und der bayerische Kurfürst Maximilian.
Die katholische Seite siegte deutlich. Für Schweden war dies besonders folgenreich, weil der schwedische König Gustav Adolf bereits im November 1632 bei Lützen gefallen war: Nördlingen beendete die schwedische Machtstellung im Krieg weitgehend. Die Niederlage beruhte vor allem auf der unterschätzten zahlenmäßigen Überlegenheit der Gegner, auf Verzögerungen, Streit und strategischen Fehlern der schwedischen Befehlshaber sowie auf der Kampfkraft der spanischen Truppen.
Neuere Untersuchungen nennen für die schwedische Seite 16.020 Infanteristen und 9.260 Kavalleristen, insgesamt etwa 25.300 Mann. Die katholische Seite verfügte über etwa 29.500 Infanteristen und 19.450 Kavalleristen, insgesamt etwa 50.000 Mann; selbst bei Unsicherheiten werden noch etwa 42.000 Mann angesetzt. Damit standen einem schwedischen Soldaten ungefähr 1,7 Soldaten der katholischen Seite gegenüber.
Vorgeschichte und Lage vor Nördlingen
Im Juli 1634 marschierten Horn und Bernhard von Augsburg los, um die Belagerung des schwedisch besetzten Regensburg zu beenden. Fehlende Nachrichten und unterschiedliche Pläne führten aber zu Verzögerungen. Als die Schweden am 30. Juli nach der Eroberung und mehrtägigen Plünderung Landshuts weiterzogen, erfuhren sie, dass Regensburg bereits am 26. Juli kapituliert hatte.
Das kaiserlich-bayerische Heer hatte Regensburg zurückerobert und zog unter Erzherzog Ferdinand rasch nach Westen, um sich in Württemberg mit dem spanischen Heer zu vereinen. Die erschöpften Schweden marschierten bei starkem Regen zurück und erreichten Augsburg am 6. August mit großen Verlusten an Menschen, Pferden und Material. Am 16. August fiel Donauwörth, ab 18. August wurde Nördlingen belagert. Die Stadt verteidigten 400 schwedische Söldner und 600 Stadtsoldaten.
Am 23. August vereinigten sich die schwedischen Heere bei Bopfingen, etwa 12 km westlich von Nördlingen, mit rund 20.000 Mann. Erwartete Verstärkungen trafen zu spät ein: etwa 4.000 Mann unter Johann Philipp Cratz von Scharffenstein erst am 5. September, das auf 5.000 Mann geschätzte Korps des Rheingrafen Otto Ludwig von Salm-Kyrburg-Mörchingen erst am zweiten Schlachttag. Das spanische Heer traf am 3. September ein. Nach einem bayerischen Hauptangriff am 4. September stand Nördlingen kurz vor dem Fall.
Horn und Bernhard hatten zunächst eine defensive Strategie vorgesehen: Das Heer sollte eine schwer angreifbare Höhe am Arnsberg beim Ohrengipfel besetzen, den Gegner beobachten und bedrohen sowie auf Verstärkungen warten. Da die Versorgung der großen gegnerischen Armee unsicher war, hätte dies nach der Darstellung des Artikels den Abzug zumindest des spanischen Heeres nach etwa zehn Tagen erzwingen können.
Erster Tag und Vorbereitung des Hauptkampfs
Am Morgen des 5. September marschierten die Schweden über Dehlingen an. Herzog Bernhards Vorhut erreichte am Nachmittag die Gegend zwischen Ederheim und Holheim und überraschte gegnerische Vorposten. Kaiserlich-spanische Truppen konnten jedoch gerade noch zwei taktisch wichtige Höhen besetzen: den felsigen Albuch-Hügel und den bewaldeten Heselberg. Beide trennten die gegnerischen Heere voneinander.
Bis 18 Uhr setzten sich die Schweden in der Ebene nordwestlich dieser Höhen fest und sicherten Lachberg, Himmelreich und Ländle. Bernhard begann noch vor Sonnenuntergang mit etwa 4.000 Fußsoldaten den Angriff auf den Heselberg. Wegen zunehmender spanischer Verstärkungen fiel dieser erst um Mitternacht vollständig an die Schweden.
Horns Truppen mit Nachhut und schwerer Artillerie trafen erst um Mitternacht ein. Beim Abstieg in das Rezenbachtal war ihre Marschordnung zusammengebrochen; Reiterei, Infanterie und Artillerie behinderten einander. Ein Angriff auf den Albuch war deshalb am ersten Tag nicht mehr möglich. Die ursprünglich vereinbarte Defensivstrategie wurde nun aufgegeben, obwohl ein gefangen genommener spanischer Offizier die tatsächliche spanische Stärke mit 14.000 Fußsoldaten und 3.500 Reitern genannt hatte. Bernhard glaubte dagegen, nur 5.000 Fußsoldaten und 2.000 Reiter vor sich zu haben.
In der Nacht bauten spanische Truppen auf dem Albuch drei halbmondförmige, durch Erdwälle geschützte Schanzen, also befestigte Verteidigungsstellungen. Sie wurden mit Geschützen, Kavallerie und Reserven verstärkt. Unter Matthias Gallas standen dort insgesamt 5.400 Fußsoldaten und 2.700 Reiter. Für den Hauptangriff der Schweden am 6. September war der Albuch deshalb eine stark befestigte Schlüsselstellung.
Kampf, Zusammenbruch und Verluste
Ab 5 Uhr am 6. September griff Horns rechter Flügel den Albuch an. Ein Missverständnis führte zunächst zu einem verfrühten Angriff seines Leibregiments und zu Verlusten. Danach eroberten die schottische Brigade unter Oberst William Gunn und die Brigade Johann Vitzthum von Eckstädt die mittlere Albuch-Schanze. Eine Pulverexplosion brachte die Angreifer jedoch in Unordnung. Spanische Kavallerie griff sofort in die Flanke an und vertrieb sie. Weil schwedische Kavallerie zur Sicherung fehlte und keine Infanterie rasch nachgeführt wurde, besetzte ein spanisches Tercio – eine große Infanterieeinheit – unter Don Martin de Idiaques y Camarena die Schanze erneut mit etwa 1.500 Mann.
Horns Truppen scheiterten bis mittags in weiteren 15 Angriffen. Die Spanier nutzten Pelotonfeuer, also abgestimmtes Feuer kleiner Gruppen, und Gegenangriffe bergab. Auch ein Angriff der Brigade Johann Jacob von Thurn auf die nördliche Albuch-Schanze wurde nach anfänglichem Erfolg zurückgeschlagen. Die spanische Überzahl nördlich des Albuchs wuchs von 900 Mann um 5 Uhr auf 5.200 Mann gegen 10 Uhr; damit ging die Initiative endgültig an die katholische Seite über.
Auf dem linken schwedischen Flügel misslangen Bernhards Kavallerieangriffe bei Herkheim. Ein schmaler Pass zwischen Heselberg und Lachberg war durch das kaiserliche Dragonerregiment Butlers besetzt und erhielt rasch Verstärkung. Bayerische Truppen nahmen den Lachberg und richteten die dort erbeuteten schwedischen Geschütze gegen die Schweden. Während Horn den geordneten Rückzug begann, drangen kaiserlich-spanische Truppen im Heselwald vor. Bernhards Truppen brachen zusammen; seine Infanterie und Kavallerie flohen. Im Rezenbachtal geriet die Flucht mit Horns zurückweichenden Verbänden durcheinander. Horn und zahlreiche Offiziere gerieten in Gefangenschaft; insgesamt wurden etwa 4.000 Schweden gefangen genommen.
Die schwedische Seite hatte 8.000 Tote oder Verwundete, von denen die meisten starben; die katholische Seite 1.200 Tote und etwa ebenso viele Verwundete. Die Schweden verloren ihre gesamte Artillerie mit 42 Geschützen, 80 Munitionswagen, 180 Zentner Pulver, den Tross mit 3.000 Gepäckwagen sowie Kriegskanzlei und Kasse.
Folgen und Erinnerung
Nach der Niederlage kamen der Schwäbische, Fränkische und Bayerische Reichskreis, große Teile des Österreichischen Reichskreises, mehr als 40 Reichsstädte und fünf Festungen wieder unter kaiserlich-bayerische Kontrolle. Nördlingen sowie zahlreiche weitere Städte, darunter Stuttgart und Heilbronn, wurden rasch eingenommen. Schorndorf hielt sich unter Oberst Taupadel bis zum 15. Dezember 1634. In Württemberg wurde die ländliche Bevölkerung durch Winterquartiere, Plünderungen und Verwüstungen schwer getroffen. Der geflohene Herzog Eberhard III. erhielt seine Rechte erst im Westfälischen Frieden zurück; Klöster wurden gemäß Restitutionsedikt rekatholisiert.
Schweden verlor außerdem Kursachsen als wichtigsten Bündnispartner. Kurfürst Johann Georg I. schloss im Mai 1635 mit Kaiser Ferdinand II. den Prager Frieden; darin wurde das Restitutionsedikt für die Protestanten vierzig Jahre ausgesetzt. Viele protestantische Reichsstände und wichtige Reichsstädte folgten. Im September 1635 trat Frankreich militärisch auf der Seite der geschwächten Schweden in den Krieg ein. Damit begann der Schwedisch-Französische Krieg, den der Artikel als blutigstes Kapitel des Dreißigjährigen Krieges bezeichnet.
An die Schlacht erinnert seit 1896 ein Gedenkstein auf dem Albuch-Hügel. Seit 2009 trägt er eine Nachbildung des Kupferstichs von Matthäus Merian. Im Schloss Reimlingen befinden sich zwei Holztafeln aus der Zeit der Schlacht mit Namen wichtiger Offiziere des kaiserlich-spanischen und bayerischen Heeres.