Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Der Prozeß (1962)
Der Prozeß (Originaltitel: Le procès) ist ein französisch-deutsch-italienischer Thriller von Orson Welles aus dem Jahr 1962. Es handelt sich um eine …
Inhalt6 Abschnitte
Film und literarische Vorlage
Der Prozeß (Originaltitel: Le procès) ist ein französisch-deutsch-italienischer Thriller aus dem Jahr 1962. Orson Welles führte Regie und schrieb das Drehbuch. Der 118 Minuten lange, englischsprachige Film ist eine Verfilmung von Franz Kafkas Roman Der Process und erhielt in Deutschland eine Freigabe ab 16 Jahren.
Im Mittelpunkt steht Josef K., gespielt von Anthony Perkins. Orson Welles verkörpert außerdem den Rechtsanwalt Hastler. Der Film zeigt, wie Josef K. ohne erkennbare Begründung in die undurchsichtigen Abläufe eines bedrohlichen Justizapparats gerät und zunehmend die Kontrolle über sein Leben verliert.
Verhaftung und erste Anhörung
Zu Beginn führt Orson Welles als Erzähler anhand gezeichneter Bilder in Kafkas Türhüterparabel Vor dem Gesetz ein. Danach wird Josef K. eines Morgens von einem fremden Mann in seinem Zimmer geweckt und für verhaftet erklärt. Trotzdem darf er sich weiterhin frei bewegen und seiner Arbeit nachgehen. Der zuständige Inspektor weist sich nicht aus und erklärt weder den Grund der Verhaftung noch die gegen Josef K. erhobenen Vorwürfe.
Nach dem Verschwinden der Männer entschuldigt sich Josef bei seiner Vermieterin Frau Grubach und bei der benachbarten Mieterin Fräulein Bürstner für die Störungen. Für Fräulein Bürstner empfindet er romantisches Interesse. Noch am selben Abend zieht sie jedoch zu ihrer Freundin Fräulein Pittl, was Josef bekümmert.
Während einer Theatervorstellung wird Josef vom Inspektor abgeholt und zu einem Gerichtsraum gebracht. Dort findet vor zahlreichen Menschen die erste Anhörung statt. Josef hält eine Rede gegen seine Verhaftung, erfährt aber weiterhin nicht, was ihm vorgeworfen wird oder welches Ziel das geheimnisvolle Gericht verfolgt.
Verstrickung in den Justizapparat
Josefs Onkel Max reist vom Land an und vermittelt ihm den Rechtsanwalt Hastler, einen früheren Schulfreund, der Beziehungen zum Gericht besitzt. Josef beginnt bald eine Affäre mit Hastlers undurchsichtiger Bediensteter Leni, obwohl sie offenbar zugleich die Geliebte des schwer kranken Anwalts ist.
In Hastlers großem Haus hält sich zeitweise auch dessen Klient Bloch auf. Dieser wird bereits seit Jahren von Hastler vertreten, muss mitunter tagelang auf eine Unterredung warten und lässt sich auf verschiedene Weise demütigen. Weil auch Hastlers Bemühungen in Josefs Fall wirkungslos zu bleiben scheinen, will Josef ihm trotz aller Warnungen das Mandat entziehen.
Josef versucht nun, selbst Kontrolle über seinen Prozess zu gewinnen. Dabei vernachlässigt er seinen Beruf und gerät immer tiefer in das Geflecht des Justizapparats. Auf seinen Nachforschungen begegnet er unter anderem einem Gerichtsdiener, dessen Frau Hilda und dem Gerichtsmaler Titorelli.
In einer Kathedrale trifft Josef schließlich einen Priester. Dieser deutet an, dass das Urteil unmittelbar bevorstehen könnte und die Aussichten für Josef schlecht seien. Auch Hastler erscheint dort und erzählt ihm erneut die Türhüterparabel. Eines Abends führen zwei Henker Josef zu einer Grube. Sie verlangen, dass er sich auszieht, und legen ihm nahe, sich mit einem Messer selbst zu töten. Als er sich weigert, entfernen sie sich und werfen eine Stange Dynamit in die Grube. Josef lacht über die Henker und nimmt das Dynamit in die Hände, offenbar um es zu werfen. Dann kommt es zu einer großen Explosion.
Gestaltung, Musik und Drehorte
Die Zeichnungen der einleitenden Sequenz stammen von Alexandre Alexeieff und Claire Parker. Durch den gesamten Film ziehen sich Passagen aus dem Adagio g-Moll für Streicher und Orgel von Tomaso Albinoni. Weitere Filmmusik komponierte Jean Ledrut.
Zu den Drehorten gehörten der Gare d’Orsay in Paris, Rom und die kroatische Hauptstadt Zagreb. In der Bundesrepublik Deutschland wurde der Film am 2. April 1963 erstmals aufgeführt. Seine erste Ausstrahlung im deutschen Fernsehen erfolgte am 20. April 1966 im HR-Fernsehen.
1981 entstand die unvollendete, knapp anderthalbstündige Dokumentation Filming 'The Trial'. Sie besteht hauptsächlich aus einer Podiumsdiskussion, in der Orson Welles über die Entstehung des Films spricht.
Kritische Beurteilung
Die Kritiken beurteilen besonders das Verhältnis zwischen Welles’ filmischer Gestaltung und Kafkas literarischer Vorlage unterschiedlich. Das Lexikon des internationalen Films bezeichnet die Adaption als düster-expressionistischen Kinoalptraum und hebt ihre optische Brillanz sowie die verfremdeten Schauplätze hervor. Zugleich wird kritisiert, der barocke Reichtum an Effekten werde der strengen und kontrollierten Erzählweise des Romans kaum gerecht; Welles als gestaltender „Autor“ sei ständig spürbar.
Eine in cinema 63 veröffentlichte Einschätzung sieht die Verfilmung von Kafkas Buch als gewagtes oder sogar unmögliches Vorhaben: Kafka und seine Leser hätten durch die Umwandlung nichts gewonnen, das Kino sei jedoch um einen großen Film reicher geworden. Rainer von Kügelgen kritisierte Welles’ Umgang mit der Parabel Vor dem Gesetz unter dem Titel „Nicht genug Achtung vor der Schrift oder Wie man eine Verstörung beseitigt“.
Auszeichnung
1964 erhielt Der Prozeß von der Association Française de la Critique de Cinéma den Prix Méliès als Bester Film.
Lernvideos zu Der Prozeß (1962)
7:03
Der Prozessor - Komponenten eines Computers 2
Informatik - simpleclub · 250.730 Aufrufe
12:17
Wie funktioniert der Prozessor (CPU)?
Boris Gedat · 102.617 Aufrufe
5:44
Diesen Fehler in der Prozentrechnung macht fast jeder!
Rätsel und böse Tricks · 82.339 Aufrufe
11:08
Franz Kafka erklärt - Der Prozess | Das Grauen im System - Abschweifungen
LitosoPHie · 52.757 Aufrufe