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Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Lesben und Schwulen
Der Text schließt mit den Worten: „Ein Erinnerungsort für das Gedenken an die Verfolgung und Ermordung von Schwulen und Lesben im Nationalsozialismus. Das …
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Gedenkstätte und Bedeutung
Das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Lesben und Schwulen ist eine Gedenkstätte in der Münchner Altstadt. Es wurde am 27. Juni 2017 eingeweiht. Es erinnert an die Verfolgung und Ermordung homosexueller Menschen während des Nationalsozialismus, wendet sich gegen Intoleranz und Ausgrenzung und steht für eine offene Stadtgesellschaft.
Es befindet sich im Hackenviertel an der Ecke Oberanger und Dultstraße, nahe der Münchner Fußgängerzone und dem St.-Jakobs-Platz mit dem Jüdischen Zentrum München. An diesem Ort stand früher das Gasthaus Schwarzfischer, eine der ersten Münchner Schwulenbars der 1920er Jahre und später der Ausgangspunkt einer großen nationalsozialistischen Verfolgungsaktion.
Gestaltung und Symbolik
Das begehbare Denkmal umfasst 90 Quadratmeter. Der gewöhnliche Bodenbelag wurde durch verschiedenfarbige Betonplatten ersetzt, deren Gestaltung an die Regenbogenfahne als Symbol der Lesben- und Schwulenbewegung angelehnt ist. Nach der Künstlerin Ulla von Brandenburg soll dies ausdrücken, „dass jeder seinen Platz in der Gesellschaft hat“.
An zwei Stellen sind rosafarbene und schwarze Dreiecke in die Platten eingelassen. Sie erinnern an Stoffabzeichen für Gefangene in Konzentrationslagern: Der „rosa Winkel“ kennzeichnete schwule Männer, schwarze Dreiecke wurden für als „Zigeuner“ oder „Asoziale“ bezeichnete Menschen verwendet. Lesbische Sexualität galt im Nationalsozialismus als „asozial“; in Einzelfällen wurden Frauen verfolgt und in Konzentrationslager eingewiesen. Zugleich lässt sich eine systematische Verfolgung weiblicher Homosexualität laut Artikel nicht nachweisen.
Eine Informationstafel erläutert die Gedanken der Künstlerin und die Geschichte des früheren Gasthauses Schwarzfischer. Sie bezeichnet das Denkmal als Erinnerungsort für die verfolgten und ermordeten Schwulen und Lesben.
Verfolgung homosexueller Männer
Homosexuelle Handlungen zwischen Männern waren in Bayern im 19. Jahrhundert liberalisiert worden. Mit dem Inkrafttreten des Reichsstrafgesetzbuchs am 1. Januar 1872 bedrohte § 175 schwule Männer jedoch wieder mit Freiheitsentzug oder Geldstrafe. Trotzdem entstand in München gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine liberale, von Künstlern und Bohémiens geprägte Szene, in der männliche und weibliche Homosexuelle vergleichsweise große Freiheit genossen. Nach der Harden-Eulenburg-Affäre nahmen die Strafverfahren nach § 175 deutlich zu. Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Münchner Räterepublik 1919 verstanden konservative Regierungen Bayern als „Ordnungszelle“ des Deutschen Reichs; München wurde für Homosexuelle zunehmend gefährlich.
Am Abend des 20. Oktober 1934 fand im Schwulenlokal Schwarzfischer eine Großrazzia statt. Damit begann die massive und gezielte polizeiliche Verfolgung homosexueller Männer, die anschließend im gesamten Deutschen Reich betrieben wurde. 1935 verschärften die Nationalsozialisten § 175 erheblich. Diese Fassung blieb bis 1969 bestehen; vollständig aufgehoben wurde der Paragraf erst 1994.
Von 1933 bis 1945 wurden im Deutschen Reich etwa 50.000 Männer wegen Homosexualität verurteilt. Rund 5000 bis 6000 von ihnen kamen in Konzentrationslager und mussten dort den rosa Winkel tragen. Einige wurden kastriert, Tausende starben. Die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus wurden erst 2002 rehabilitiert. 2008 entstand in Berlin das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen.
Entstehung des Münchner Denkmals
Die Rosa Liste München und weitere Gruppen setzten sich seit Anfang des 21. Jahrhunderts für das Denkmal ein. Erste politische Bemühungen scheiterten, weil nicht jeder Opfergruppe einzeln gedacht werden sollte. 2008 beantragten Thomas Niederbühl als Vertreter der Rosa Liste München und die Grünen im Münchner Stadtrat ein Mahnmal für die schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus. Als Standort schlugen sie den Oberanger vor.
2011 beschloss der Münchner Stadtrat die Einrichtung des Denkmals. In einem vom Kulturreferat der Stadt veranstalteten Wettbewerb wurde 2014 Ulla von Brandenburg ausgewählt und mit der Ausführung beauftragt. Der Bau eines neuen Geschäftshauses am vorgesehenen Standort verzögerte die Umsetzung um mehrere Jahre. Am 27. Juni 2017 wurde das Denkmal schließlich der Öffentlichkeit übergeben.
Die Münchner Auseinandersetzung um die Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig spielte bei der Planung keine Rolle. In München werden bis heute keine Stolpersteine auf öffentlichem Grund geduldet. Der Stadtrat Christian Vorländer (SPD) erklärte 2014, die Entscheidung für ein begehbares Bodenmosaik schaffe „kein Präjudiz für die Stolperstein-Debatte“, nehme deren Ergebnis also nicht vorweg.