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Rosa Winkel

Rosa Winkel. Häftlingsabzeichen in NS-Konzentrationslagern für homosexuelle männliche Häftlinge. Artikel · Diskussion.

Inhalt3 Abschnitte
  1. 1. Kennzeichnung und Verfolgung
  2. 2. Opferzahlen und Folgen nach 1945
  3. 3. Erinnerungszeichen und Symbol der Bewegung

Kennzeichnung und Verfolgung

Der Rosa Winkel war in der Zeit des Nationalsozialismus ein Stoffaufnäher zur Kennzeichnung von Häftlingen in Konzentrationslagern, die wegen ihrer Homosexualität dorthin verschleppt worden waren. Er musste auf der linken Brust der KZ-Häftlingskleidung getragen werden. Damit machte die nationalsozialistische Lagerordnung die zugeschriebene Homosexualität sichtbar und stigmatisierte die betroffenen Männer.

Die meisten später so gekennzeichneten Häftlinge kamen nach einer Gefängnisstrafe wegen § 175 oder § 175a in ein Konzentrationslager. Teilweise verschleppte die Gestapo sie auch ohne gerichtliche Verurteilung. Das Regime unterschied dabei zwischen angeblich „Verführten“ und sogenannten „Verführern“. Die „Verführten“ sollten durch die gewöhnliche Strafverfolgung nach § 175 auf den „rechten Weg“ gebracht werden; die „Verführer“ sollten dagegen „aus der Volksgemeinschaft ausscheiden“.

Ein Erlass des Reichssicherheitshauptamts vom 12. Juli 1940 verschärfte diese Praxis: Homosexuelle, die mehr als einen Partner „verführt“ hätten, sollten nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis in polizeiliche Vorbeugungshaft genommen werden. Das betraf anschließend einen großen Teil, vermutlich bis zur Hälfte, der Verurteilten. Vorbeugungshaft bedeutete hierbei die Inhaftierung durch die Polizei ohne ein neues reguläres Strafverfahren.

Opferzahlen und Folgen nach 1945

Die historische Forschung nahm das Schicksal schwuler Männer in Konzentrationslagern erst seit den 1970er Jahren seriös in den Blick. Die Zahlen bleiben unsicher: Rüdiger Lautmann schätzte die Zahl der als Homosexuelle Verschleppten auf etwa 10.000 und die Todesrate auf 50 bis 60 Prozent. Die Gesamtzahl homosexueller Opfer ist nicht genau bekannt. Dazu gehören auch Menschen, die zusätzlich aus anderen Gründen verfolgt wurden, etwa homosexuelle Juden, Sinti und Roma, Kommunisten oder Zeugen Jehovas.

Die strafrechtliche Diskriminierung endete nicht unmittelbar mit dem Nationalsozialismus. Männliche Homosexualität blieb nach 1945 in den meisten europäischen Ländern strafbar. In der Deutschen Demokratischen Republik galt dies bis 1950. In der Bundesrepublik Deutschland blieb sogar der von den Nationalsozialisten verschärfte § 175 StGB bis 1969 in Kraft; erst 1994 wurde er endgültig aus dem deutschen Strafgesetzbuch gestrichen.

Am 6. Dezember 2000 leitete der Deutsche Bundestag die Rehabilitierung schwuler NS-Opfer ein. Im Jahr 2002 hob der Bundestag NS-Urteile gegen Homosexuelle auf. Der US-amerikanische Dokumentarfilm „Paragraph 175“ ließ im Jahr 2000 Überlebende zu Wort kommen. Rudolf Brazda, der 2011 starb, galt als letzter überlebender Häftling mit dem Rosa Winkel.

Erinnerungszeichen und Symbol der Bewegung

Seit den 1970er Jahren entwickelte sich der Rosa Winkel zu einem internationalen Symbol der Schwulenbewegung. Sein Name wurde unter anderem vom 1975 gegründeten deutschen Verlag Rosa Winkel aufgegriffen; auch Holger Mischwitzky wählte davon angeregt den Künstlernamen Rosa von Praunheim.

Der Winkel wurde außerdem zu einem Zeichen des Gedenkens an die Verfolgten. Winkelförmige Gedenktafeln aus rotem Granit mit der Inschrift „Totgeschlagen, totgeschwiegen“ befinden sich an verschiedenen Gedenkorten, zum Beispiel am U-Bahnhof Nollendorfplatz in Berlin. Das Amsterdamer Homomonument von 1987 übernahm seine Form. Gleiches gilt für das Kölner Mahnmal für die schwulen und lesbischen NS-Opfer sowie viele weitere Gedenkorte.

In den USA verbreitete sich der Rosa Winkel besonders durch die HIV/AIDS-Aktivismusgruppe Act Up und ihren Spruch „Silence = Death“. Dort war das Zeichen um 180 Grad gedreht. Dies sollte Hoffnung auf einen besseren Umgang mit AIDS in naher Zukunft ausdrücken. Die 1978 in den USA entworfene Regenbogenfahne setzte sich in Europa ab den 1990er Jahren durch und löste den Rosa Winkel als bevorzugtes Symbol der LGBT/LSBTTIQ-Bewegung ab.

Lernvideos zu Rosa Winkel

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