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Deggendorf

Deggendorf ist eine Große Kreisstadt im niederbayerischen Landkreis Deggendorf. Sie hat 35.166 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2025) und seit 1994 eine …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Lage und Bedeutung
  2. 2. Geschichte
  3. 3. Politik und Bevölkerung
  4. 4. Wirtschaft, Bildung und Verkehr
  5. 5. Kultur und Sehenswürdigkeiten
  6. 6. Natur, Freizeit und Sport

Lage und Bedeutung

Deggendorf ist eine Große Kreisstadt im niederbayerischen Landkreis Deggendorf. Die Stadt hatte 35.166 Einwohner am 31. Dezember 2025, liegt auf 314 m ü. NHN und umfasst 77,14 km². Seit 1994 ist Deggendorf Hochschulstadt. Wegen ihrer Lage an der Donau und am Rand des Bayerischen Waldes wird sie auch „Donaustadt“ und „Tor zum Bayerischen Wald“ genannt. Zusammen mit Plattling und Osterhofen bildet sie das Oberzentrum Deggendorf; Deggendorf und Plattling sind an zwei Stellen miteinander verwachsen.

Das Stadtgebiet liegt teils im flachen Donautal und teils in den Ausläufern des Bayerischen Waldes. Rechts der Donau gehören Stadtteile zur Region Gäuboden, links der Donau zum Naturpark Bayerischer Wald. Die Donau durchfließt Deggendorf, und im Gemeindeteil Fischerdorf mündet die Isar in die Donau. Der Höhenunterschied ist groß: vom niedrigsten Punkt an der Donau bei Seebach mit 310 m ü. NHN bis zum Breitenauriegel bei Greising mit 1116 m ü. NHN. Dadurch gibt es deutliche klimatische Unterschiede zwischen Tal und Höhenlagen. Deggendorf liegt in der kühlgemäßigten Klimazone im Übergangsbereich zwischen feuchtem atlantischem und trockenem Kontinentalklima.

Zur Stadt gehören 103 Gemeindeteile und acht Gemarkungen. Neun Gemeinden grenzen an Deggendorf: Metten, Grafling, Bischofsmais, Schaufling, Hengersberg, Niederalteich, Moos, Plattling und Stephansposching.

Geschichte

Im Raum Deggendorf gibt es sehr alte Siedlungsspuren. Die ältesten Funde stammen von alt- und mittelsteinzeitlichen Jägern und Sammlern und sind mindestens 50.000 Jahre alt. Am Natternberg gab es bereits vor 5000 v. Chr. vermutlich eine jungsteinzeitliche Siedlung der Linearbandkeramik. Weitere Funde belegen Besiedlung in der Urnenfelderzeit, der Hallstattzeit und der keltischen Spätlatènezeit. Die Lage an einem günstigen Donauübergang war wichtig für Handel und Verkehr.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Deggendorf am 20. November 1002 in einer Urkunde König Heinrichs II. für das Kloster Niedermünster in Regensburg. Im 11. Jahrhundert hieß der Ort Techindorf, um 1212 erschien er bereits als Stadt. Nach 1242 kamen die Wittelsbacher in den Besitz der ehemaligen Grafschaft Deggendorf. Die Stadt wurde geplant angelegt und erhielt 1316 und 1320 Stadtrecht. Dadurch wurde Deggendorf ein wichtiger Ort für Markt und Handel im Umland. 1280 wird eine hölzerne Brücke über die Donau erwähnt, eine der frühen Donaubrücken.

Ein schweres Kapitel der Stadtgeschichte ist das Judenpogrom von 1338. Dabei wurde die jüdische Gemeinde Deggendorfs vollständig vernichtet. Grundlage waren Vorwürfe des Hostienfrevels, die später zur Legende vom „Hostienwunder“ und zur Wallfahrt „Deggendorfer Gnad“ führten. Der Artikel nennt als Hintergrund auch Schuldbriefe und eine hohe Verschuldung Deggendorfer Bürger bei jüdischen Mitbürgern. Die Wallfahrt wurde bis ins 20. Jahrhundert kritisiert; 1992 ließ Bischof Manfred Müller sie einstellen.

In der frühen Neuzeit trafen Kriege und Brände die Stadt schwer. 1633/34 starben zwei Drittel der Einwohner an der Pest. Im Spanischen Erbfolgekrieg wurden Teile der Stadt zerstört, 1743 brannte während des Österreichischen Erbfolgekriegs fast die ganze Stadt nieder. Im 19. Jahrhundert veränderten neue Verkehrsverbindungen wie die Ruselstraße von 1818, die Bahnstrecke von 1877 und eine eiserne Donaubrücke von 1863 die Stadt. Stadtmauern und Tore wurden abgerissen; ein 27 m langes Stück Stadtmauer blieb erhalten.

Im 20. Jahrhundert wuchs Deggendorf durch Eingemeindungen stark: Schaching kam 1935 hinzu, zwischen 1972 und 1978 folgten Deggenau, Fischerdorf, Mietraching mit Greising, Seebach und Natternberg. Von 1948 bis 1972 war Deggendorf kreisfreie Stadt, seit 1. Juli 1972 wieder Kreisstadt. Während der NS-Zeit gab es eine Garnison. 1945 wurden Hafen und Sirius-Werke durch Bombenangriffe stark zerstört. Nach dem Zweiten Weltkrieg bestand bis 1949 ein DP-Lager für jüdische „Displaced Persons“. 2013 traf ein verheerendes Hochwasser die Stadt; nach einem Dammbruch wurden tiefliegende Ortsteile wie Fischerdorf und Natternberg überflutet. Danach wurde der Hochwasserschutz an Isar und Donau erneuert.

Politik und Bevölkerung

Die Einwohnerzahl stieg langfristig deutlich. 1840 hatte Deggendorf 7612 Einwohner, 1900 waren es 11.922, 1950 23.555 und 2020 33.750. Im Zeitraum 1988 bis 2018 wuchs die Stadt von 28.680 auf 33.585 Einwohner, also um 4.905 Personen oder 17,1 %.

Die religiöse Zusammensetzung hat sich verändert. Laut Zensus 2011 waren 63,7 % der Einwohner römisch-katholisch, 14,2 % evangelisch und 22,1 % konfessionslos, Angehörige anderer Glaubensgemeinschaften oder ohne Angabe. Anfang 2026 waren von 38.783 Einwohnern 42,9 % katholisch, 9,1 % evangelisch und 47,9 % konfessionslos oder Angehörige anderer Glaubensgemeinschaften.

Der Stadtrat hat 40 Sitze. Nach den Kommunalwahlen 2026 entfielen 16 Sitze auf die CSU, 7 auf die AfD, 5 auf die Freien Wähler, 4 auf die Grünen, je 2 auf SPD, Junge Liste und WAN, 1 auf die FDP und 1 auf Die Linke. Oberbürgermeister ist seit 1. August 2012 Christian Moser von der CSU. Er wurde 2020 mit 66,37 % und 2026 mit 66,5 % im ersten Wahlgang wiedergewählt.

Das Wappen zeigt unter einem Schildhaupt mit den bayerischen Rauten in Rot über silbernen Wellen ein zinnenbekröntes silbernes Tor mit goldenen Torflügeln. Die Rauten verweisen auf die Wittelsbacher, die Wellen auf die Donau und das Tor auf Befestigung und Stadtstatus. Die heutige Form wurde 1939 festgelegt.

Wirtschaft, Bildung und Verkehr

Deggendorf gilt durch die Zusammenarbeit mit der Technischen Hochschule Deggendorf als Gründerzentrum. Die Stadt gehört zur Wirtschaftsregion der Donaustädte, zur Europaregion Donau-Moldau und liegt im Zentrum der bayerischen Planungsregion Donau-Wald. Mit Plattling bildet sie einen gemeinsamen Verflechtungsraum. Wichtige Branchen sind Textilindustrie, Leichtmetallbau, Reaktorbau, Eisen-, Gummi-, Kunststoff- und Holzverarbeitung, Hoch- und Tiefbau sowie Wachswarenfabrikation. 2015 erhielt Deggendorf den Bayerischen Qualitätspreis wegen Wirtschaftsfreundlichkeit; 2014 wurde die Stadt als Bayerns Kommune des Jahres beim „Großen Preis des Mittelstands“ ausgezeichnet.

Die Technische Hochschule Deggendorf wurde 1994 als Fachhochschule gegründet und 2013 umbenannt. Wichtige Fachrichtungen sind unter anderem Betriebswirtschaft, Bauingenieurwesen, Ressourcen- und Umweltmanagement, Elektro- und Medientechnik, Maschinenbau und Mechatronik. Zum Wintersemester 2022/2023 waren rund 8500 Studierende aus 123 Ländern eingeschrieben. International heißt sie Deggendorf Institute of Technology. Daneben besitzt Deggendorf zahlreiche Schulen, darunter zwei Gymnasien, Berufs- und Fachoberschulen, Berufsschulen, Grundschulen, Mittelschulen, Förderschulen und Einrichtungen der Erwachsenenbildung. Das Schulzentrum Deggendorf ist mit etwa 4500 Schülern eines der größten Bildungszentren der Stadt.

Verkehrlich liegt Deggendorf am Autobahnkreuz der A 3 und A 92. Die A 92 verbindet München mit Deggendorf, die A 3 führt unter anderem nach Regensburg und Passau. Die Bahnlinie Plattling–Bayerisch Eisenstein verbindet die Stadt mit dem Bayerischen Wald und über Plattling mit dem Fernverkehr. Der Hafen Deggendorf ist ein 55 Hektar großer Frachthafen an der Donau mit 28 regulären Be- und Entladeplätzen; er war von 1992 bis 2016 der einzige Donauhafen in Bayern mit Freihafen. Es gibt außerdem Anlegestellen für Personen- und Kreuzfahrtschiffe. Die Stadt ist an mehrere Fernradwege angeschlossen, darunter Donauradweg, EuroVelo 6, Isar-Radweg und Waldbahn-Radweg. 2019 wurde zwischen Deggendorf und Metten die erste reine Fahrradstraße Niederbayerns und erste interkommunale Fahrradstraße Bayerns eröffnet.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Die Deggendorfer Altstadt ist eine hochmittelalterliche Planstadt, die 1242 von den Wittelsbachern angelegt wurde. Sie wird von einem breiten Stadtplatz durchzogen, der in Oberen Stadtplatz, Luitpoldplatz und Michael-Fischer-Platz gegliedert ist. Das Alte Rathaus besteht aus drei Teilen: dem Südtrakt von 1535, dem etwa 54 m hohen Turm um 1450 und dem Nordtrakt, der früher Martinskirche war. Die Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt steht südlich außerhalb der Altstadt; das heutige Gotteshaus entstand in mehreren Phasen von 1656/57 bis ins 19. Jahrhundert.

Zum Kulturviertel gehören Stadtmuseum, Handwerksmuseum, Kapuzinerstadl und Stadtbibliothek. Das Stadtmuseum zeigt über 10.000 Exponate zur kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der Stadt und Region. Das Handwerksmuseum stellt regionale und überregionale Handwerkskultur dar. Die Stadtbibliothek besitzt auf 2000 m² mehr als 80.000 Medien. Der Kapuzinerstadl ist Veranstaltungs- und Kongressgebäude, Kleinkunstbühne und Konzertsaal.

Weitere wichtige Orte sind die Stadthallen, das Palais im Stadtpark, die Burgruine Natternberg und mehrere Wallfahrtskirchen. Die Burgruine Natternberg war ehemalige Residenz des Herzogtums Niederbayern-Deggendorf, wurde 1145 erstmals erwähnt und 1743 zerstört. Deggendorf verfügt neben der Grabkirche, der Stadtpfarrkirche und drei Wallfahrtskirchen über mehr als 20 weitere öffentliche Kirchen oder Gebetshäuser, darunter auch zwei Moscheen. Die Stadt liegt kirchlich an der Schnittstelle der Bistümer Regensburg und Passau.

Natur, Freizeit und Sport

Deggendorf besitzt viele Freizeitmöglichkeiten durch seine Lage zwischen Donau, Isar, Gäuboden und Bayerischem Wald. Wandern, Radfahren, Wassersport, Skilanglauf und Abfahrt sind möglich. Es gibt Fernwanderwege wie Via Nova, Donau-Panoramaweg, Böhmweg, Goldsteig und den Europäischen Fernwanderweg E8. Zu den Einrichtungen gehören das Ganzjahresbad „Elypso“, der Golfplatz auf der Rusel, eine große Kletterhalle, Badeseen, ein Skigebiet bei Greising, Stadtpark, Stadtwald, Stadthallenpark und Donaupark. Der Donaupark entstand für die Landesgartenschau 2014 und bietet Promenade, Donaustrände, Spielplätze, Gastronomie, Sportflächen und eine Fußgängerbrücke.

Die Gewässer prägen die Stadt stark. Die Donau durchfließt Deggendorf rund 6 km, die letzten 1,63 km der Isar liegen im Stadtgebiet bis zur Mündung in die Donau. Weitere Bäche sind unter anderem Kollbach, Bogenbach, Hammermühlbach und Höllbach. 2013 hatten alle regulären Gewässer zusammen eine Wasserfläche von rund 325 ha. Im Stadtgebiet liegen sieben Schutzgebiete, sieben geschützte Geotope und rund 50 Bodendenkmäler. Dazu gehören die Naturschutzgebiete Isarmündung und Himmelreich sowie Schutzgebiete an Donau und Isar.

Das Sportleben ist breit aufgestellt. Es gibt zahlreiche Vereine für Wassersport, Fußball, Tennis, Klettern, Eishockey, Wintersport, Schützenwesen, Kampfsport, Reiten, Laufen, Schach und weitere Sportarten. Regelmäßige Sportveranstaltungen sind unter anderem das Deggendorfer Stadtradeln, der Zwei-Brücken-Lauf, der Halbmarathon und Reitturniere. Zu den regelmäßigen städtischen Veranstaltungen zählen das VdK-Frühlingsfest, Donaufest, Donauroas, Christkindlmarkt, Afrikafest, Campus Open Air und weitere Kultur- und Musikveranstaltungen.

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