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Das Lied der Deutschen

Das Lied der Deutschen, auch Deutschlandlied genannt, wurde von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben am 26. August 1841 auf Helgoland gedichtet.

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Entstehung und Bedeutung
  2. 2. Aussagen der drei Strophen
  3. 3. Melodie und frühe Verwendung
  4. 4. Nationalhymne seit 1933 und heute

Entstehung und Bedeutung

Das Lied der Deutschen, auch Deutschlandlied, dichtete August Heinrich Hoffmann von Fallersleben am 26. August 1841 auf Helgoland, das damals britische Kronkolonie war. Er schrieb den Text ausdrücklich zur Melodie der Kaiserhymne Gott erhalte Franz, den Kaiser von Joseph Haydn (1797). Die dritte von drei Strophen ist heute die deutsche Nationalhymne.

Anlass war die Rheinkrise von 1840: Nach einer außenpolitischen Niederlage in der Orientkrise erhob Frankreich unter Adolphe Thiers Ansprüche auf linksrheinische Gebiete und drohte dem Deutschen Bund mit Krieg. Das Lied weist diese Ansprüche zurück, nennt aber weder Frankreich noch den Rhein. Im Mittelpunkt steht die Forderung nach deutscher Einigkeit als Voraussetzung, Angriffe abzuwehren. Zunächst war es eines von vielen Liedern der deutschen Nationalbewegung; große politische Bedeutung erhielt es erst im Ersten Weltkrieg und später als Nationalhymne.

Aussagen der drei Strophen

Die erste Strophe beginnt mit „Deutschland, Deutschland über alles, / Über alles in der Welt“. Gemeint war nicht eine Überlegenheit gegenüber anderen Völkern, sondern dass die Einheit Deutschlands wichtiger sein solle als die Interessen der Fürsten der zahlreichen Einzelstaaten des Deutschen Bundes. „Wenn es stets zu Schutz und Trutze / Brüderlich zusammenhält“ beschreibt nach der im Artikel erläuterten Satzstruktur die Bedingung für diese Stärke. „Trutz“ bedeutet Gegenwehr oder Widerstand und ist defensiv zu verstehen.

Die Zeile „Von der Maas bis an die Memel, / Von der Etsch bis an den Belt“ umgrenzt das besungene Deutschland mit drei Flüssen und einer Meerenge. Fachliteratur bezieht die Angaben meist auf Grenzen des Deutschen Bundes und des Zollvereins; andere Autoren sehen damalige Sprachgrenzen. Welche Meerenge mit „Belt“ gemeint ist, bleibt umstritten. Die Formulierung sollte keine imperialistischen Ansprüche ausdrücken. Keine dieser Grenzen war zugleich eine klare ethnische oder sprachliche Grenze.

Die zweite Strophe nennt „Deutsche Frauen, deutsche Treue, / Deutscher Wein und deutscher Sang“ und sollte zu „edler Tat“ begeistern. Hoffmann verstand das Lied unter anderem auch als Trinklied. Für den Schluss der dritten Strophe notierte er alternativ den Trinkspruch: „Stoßet an und ruft einstimmig: / Hoch das deutsche Vaterland!“.

Die heute maßgebliche dritte Strophe lautet: „Einigkeit und Recht und Freiheit / Für das deutsche Vaterland!“ Sie fordert, danach „brüderlich mit Herz und Hand“ zu streben. „Recht“ steht im Sinn der Rechtsstaatlichkeit, also einer staatlichen Ordnung, die an Recht gebunden ist. Im Vormärz verband die liberale Opposition nationale Einigung mit Volkssouveränität, politischer Freiheit und Selbstbestimmung. „Einigkeit und Recht und Freiheit / Sind des Glückes Unterpfand“ bedeutet: Sie gelten als Grundlage des Glücks des Vaterlandes.

Melodie und frühe Verwendung

Meist wird das Lied zur Haydn-Melodie gesungen; in den ersten Jahrzehnten nach 1841 entstanden jedoch 58 weitere Vertonungen. Haydns Hymne wurde am 12. Februar 1797 im Wiener Burgtheater zum 29. Geburtstag Franz’ II. erstmals aufgeführt. Sie war, mit wechselndem Text für den jeweiligen Herrscher, von 1804 bis 1918 Melodie der österreichischen Kaiserhymne. Möglicherweise ließ Haydn sich vom kroatischen Volkslied Vjutro rano se ja stanem inspirieren.

Die erste öffentliche Aufführung des Liedes fand am 5. Oktober 1841 in Hamburg vor Streit’s Hotel statt. Mitglieder der Hamburger Liedertafel und der Hamburger Turnerschaft von 1816 sangen es im Beisein Hoffmanns für den liberalen Politiker Karl Theodor Welcker. In der Entstehungszeit wurde es wenig beachtet: Die Kriegsgefahr war bereits gesunken, und das Lied wirkte eher besinnlich als kämpferisch.

Im Ersten Weltkrieg verbreitete die Oberste Heeresleitung am 11. November 1914 einen propagandistisch formulierten Bericht, nach dem junge deutsche Regimenter bei Langemarck unter dem Gesang „Deutschland, Deutschland über alles“ angegriffen hätten. Dies trug zum Mythos von Langemarck bei. Am 10. August 1922 erklärte Reichspräsident Friedrich Ebert das Lied mit allen drei Strophen zur Nationalhymne.

Nationalhymne seit 1933 und heute

Während des Nationalsozialismus wurden bei offiziellen Anlässen nur die erste Strophe und anschließend stets das Horst-Wessel-Lied gesungen; ab 1940 war dies vorgeschrieben. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Lied nicht allgemein verboten. In der amerikanischen Zone gab es zeitweise ein Verbot des Singens oder Spielens deutscher National- oder Nazi-Hymnen; 1949 hob die Alliierte Hohe Kommission die Verbote auf.

Eine von Albert Matthäi 1921 geschriebene Ergänzung wird „vierte Strophe“ oder „Trotzstrophe“ genannt. Sie reagierte auf Krieg, Niederlage und Versailler Vertrag und beginnt: „Deutschland, Deutschland über alles / Und im Unglück nun erst recht.“ Sie war nie Teil der Nationalhymne, wurde aber bis in die 1930er Jahre etwa im Stahlhelm und unter Deutschnationalen gesungen.

1952 legten Bundespräsident Theodor Heuss und Bundeskanzler Konrad Adenauer in einem Briefwechsel fest: Das Lied der Deutschen blieb insgesamt Nationalhymne der Bundesrepublik, bei staatlichen Veranstaltungen sollte jedoch nur die dritte Strophe gesungen werden. Nach der Wiedervereinigung erklärten Richard von Weizsäcker und Helmut Kohl durch Briefwechsel vom 19. und 23. August 1991 die dritte Strophe mit Haydns Melodie zur Nationalhymne des deutschen Volkes.

Als staatliches Symbol ist die dritte Strophe nach § 90a StGB gegen Verunglimpfung geschützt; bei Nachdichtungen und Parodien kann allerdings Kunstfreiheit nach Art. 5 Abs. 3 Grundgesetz relevant sein. Das Singen oder Abspielen der ersten und zweiten Strophe ist nicht verboten oder strafbar, wird besonders bei der ersten Strophe jedoch teils als Ausdruck nationalistischer Einstellung bewertet.

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