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Creditreform
Mitarbeiterzahl, 4.100 (Europa und China, 2020), 3.392 (Deutschland, 2020) ; Umsatz, 608 Mio. Euro (Europa, China, Türkei, 2020), 538 Mio. Euro (Deutschland, …
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Aufgabe und Bedeutung
Creditreform ist eine Unternehmensgruppe mit Sitz in Neuss. Sie arbeitet als Wirtschaftsauskunftei und Inkassodienstleister und ist außerdem in den Bereichen Forderungsmanagement, Factoring und Marketing tätig. Eine Wirtschaftsauskunftei sammelt und bewertet Informationen, damit Unternehmen das Risiko eines Zahlungsausfalls einschätzen können. Creditreform hilft damit insbesondere bei Kreditentscheidungen, bei der Auswahl von Kunden und Lieferanten sowie beim Einzug offener Forderungen.
2020 beschäftigte die Gruppe 4.100 Personen in Europa und China, davon 3.392 in Deutschland. Der Umsatz betrug 608 Mio. Euro in Europa, China und der Türkei beziehungsweise 538 Mio. Euro in Deutschland. Die Rechtsformen sind Aktiengesellschaft und Kommanditgesellschaft.
Entwicklung der Auskünfte
Creditreform wurde am 9. März 1879 in Mainz von 25 kleinen Gewerbetreibenden und Händlern gegründet. Der ursprüngliche Verein hieß Verein Barzahlung Mainz. Sein Ziel war, Kunden keinen Kredit mehr zu geben, wenn sie bereits einem Vereinsmitglied etwas schuldeten. Am 9. August 1879 erfolgte die Umbenennung in Verein Creditreform zum Schutze gegen schädliches Creditgeben.
Die Vereinsziele waren der Schutz vor dem Missbrauch von Krediten, Hilfe beim Einzug von Außenständen, die Reform der Kreditverhältnisse und sichere Auskünfte durch ein Netzwerk anderer Kreditvereine nach dem Prinzip der Gegenseitigkeit. 1883 schlossen sich 15 unabhängige Vereine zur Dachorganisation Verband der Vereine Creditreform e. V. (VVC) zusammen.
Seit 1928 enthalten Auskünfte unter anderem Jahresumsatz, Bilanzkennzahlen, Beschäftigtenzahl und Kapitalausstattung. Dadurch können Gewerbetreibende und Unternehmen die Bonität prüfen; Bonität bezeichnet die Fähigkeit und erwartete Bereitschaft, Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen. Nach dem Ölpreisschock 1973 und dem Ende fester Wechselkurse wurde die Früherkennung von Kreditrisiken wichtiger. 1979 wurden zuvor regionale Datenbestände in einer zentralen Datenbank zusammengeführt. Seit 1990 bewertet Creditreform auch die Bonität von Privatpersonen.
Ein zentrales Merkmal der Unternehmensauskünfte ist der Bonitätsindex. Mit ihm wird die Ausfallwahrscheinlichkeit von Forderungen bemessen. Seit Februar 2011 wird er mit weiteren Formaten der Unternehmensauskunft verbunden; Berechnungsmethode und Informationsgrundlage wurden weiterentwickelt. Für E-Commerce-Zahlungen gibt es CrefoPay mit Bonitätsbewertung und gegebenenfalls Überleitung ins Inkasso. Seit 2021 bietet CrefoTrust digitale Identitätsnachweise. Am 3. März 2025 teilte Creditreform eine Kooperationsvereinbarung mit Experian und den Verkauf der Auskunftei Boniversum an Experian mit.
Organisation und internationale Präsenz
Die Grundstruktur hat sich seit 1879 kaum verändert: Ein Unternehmen ist nicht Kunde, sondern Mitglied eines lokalen Vereins Creditreform. Die Geschäfte dieser eingetragenen Vereine führen Betriebskommanditgesellschaften. Alle Vereine gehören zum Verband der Vereine Creditreform e. V. mit Sitz in Neuss.
Seit Januar 2020 arbeiten der Verband und die Tochtergesellschaften in einem gemeinsamen Bürogebäude am Hamfelddamm in Neuss. In Deutschland bestanden 2020 128 regionale Vereine mit 131.000 Mitgliedsunternehmen. International gab es 161 Geschäftsstellen und 160.300 Mitgliedsunternehmen in Europa, China und der Türkei.
Die Creditreform-International-Gruppe umfasst Landesgesellschaften in Österreich, Bulgarien, der Schweiz, Tschechien, Estland, Kroatien, Serbien, Ungarn, der Ukraine, Italien, Litauen, Luxemburg, Lettland, Polen, Rumänien, Russland, Slowenien, der Slowakei, Großbritannien, der Türkei und China. Dadurch sind Auskünfte über Unternehmen aus diesen Ländern möglich.
2001 entstand die Creditreform AG als Holdinggesellschaft. Zu ihren genannten Tochtergesellschaften zählen beDirect GmbH & Co. KG für B2B-Adressdaten und Datenservices, Creditreform Compliance Services GmbH für Datenschutz und Compliance, Creditreform Rating AG für Bonitätseinschätzungen von Staaten, Banken und Unternehmen sowie Microm Micromarketing-Systeme und Consult GmbH für Standort- und Zielgruppenanalysen und Neukundengewinnung. Weitere genannte Gruppenunternehmen sind accredis Inkasso GmbH & Co. KG, Crefo Factoring Gesellschaften und Ecofis GmbH.
Unternehmensauskünfte, Inkasso und Factoring
Bei Unternehmensinformationen stellt Creditreform Daten zur Bonität, Finanzstruktur und zum Umfeld von Unternehmenskunden bereit. Seit Anfang 2023 gehören auch Nachhaltigkeitsinformationen nach ESG dazu. ESG steht für Umwelt, Soziales und verantwortungsvolle Unternehmensführung. Das Angebot reicht vom Handelsregistereintrag bis zum Unternehmensrating, also einer zusammenfassenden Bewertung der Kreditwürdigkeit.
Die Auskünfte sollen bonitätsstarke Kundenpotenziale erkennbar machen und Geschäftsbedingungen an das jeweilige Risiko anpassen. Durch Monitoring, also laufende Beobachtung, dienen sie außerdem als Frühwarnsystem für relevante Änderungen der Bonität von Kunden oder Lieferanten. Grundlage sind öffentliche Daten sowie recherchierte und bewertete Informationen. Die eigene Unternehmensdatenbank enthält Daten zu rund 5 Millionen Unternehmen.
Im Forderungsmanagement reicht das Angebot von Mahnungen im Namen des Gläubigers über die gerichtliche Geltendmachung bis zur Überwachung eines erwirkten Titels. Ein Titel ist hier eine rechtlich durchsetzbare Grundlage für eine Forderung. Die Crefo Factoring Gesellschaften kaufen Unternehmen Forderungen aus Lieferungen und Leistungen ab; Factoring bedeutet diesen Ankauf von Forderungen. Die Online-Unternehmensdatenbank FirmenWissen, die ab 2004 zusammen mit der Verlagsgruppe Handelsblatt betrieben wurde, wurde eingestellt und in das Kundenportal eingegliedert.
Privatpersonen und Kritik
Die Bonitätsprüfung von Privatpersonen war ein weiteres Geschäftsfeld. Die Boniversum GmbH lieferte Unternehmen, ähnlich wie die Schufa, Bonitätsinformationen über Konsumenten. Sie wurde 1997 als Unternehmen der Creditreform-Gruppe in Neuss gegründet, war bis 2025 ein 100%iges Tochterunternehmen der Creditreform AG und wurde 2025 an Experian verkauft. Die Privatpersonenauskünfte basierten auf rund 120 Millionen personenbezogenen Datensätzen zu fast 61 Millionen Bundesbürgern.
Der WDR kritisierte am 11. November 2008 in der Sendung Mittagsmagazin eine „fragwürdige Doppelrolle“ von Creditreform als Bonitätsauskunft und Inkassobüro und warf dem Unternehmen vor, Verbraucher einzuschüchtern. Creditreform verwies auf das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG): Informationen zu Zahlungsverzögerungen dürften nur unter festgelegten Voraussetzungen für Auskünfte verwendet werden.
Ein Studienbericht Verbraucherinformation Scoring der GP Forschungsgruppe im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz vom Juni 2009 untersuchte anhand von 100 Testpersonen mögliche fehlerhaft gespeicherte Konsumentendaten. Für die damalige CEG Creditreform, seit April 2012 Creditreform Boniversum GmbH, nennt der Bericht 5 % falsche überprüfte Konsumentendaten. Angeblich enthielten 58 % der Auskünfte nur Identifikationsdaten wie Alter und Adresse, die der Anfragende selbst übermittelt hatte; Scoring-Werte wurden den Testpersonen in keinem Fall mitgeteilt.
Der Bericht schildert außerdem, dass die Sperrung strittiger Daten in einem Beispiel nicht erfolgt sei. Creditreform habe eine Löschung mit dem Hinweis abgelehnt, die Information sei in dieser Form übermittelt worden und deshalb nicht löschbar; der Datenlieferant habe die Löschung ebenfalls aus formalen Gründen verweigert. Der Bericht sah deshalb Bedarf an einer eindeutigeren Verfahrensweise und an Regelungen. Für die Schweiz wird kritisiert, dass ein grundsätzlich kostenlos auffindbarer Handelsregisterauszug auf Firmenwissen.de mehr als 10 Euro plus Mehrwertsteuer koste.