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Hans-Joachim Roedelius
... Musik. Er ist bekannt vor allem als Mitbegründer der Krautrock-Bands Cluster und Harmonia sowie für sein Mitwirken an dem Ambient-Jazz-Trio Aquarello.
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Bedeutung und künstlerisches Profil
Hans-Joachim Roedelius (* 26. Oktober 1934 in Berlin) ist ein deutscher Musiker der Experimental-, Ambient- und elektronischen Musik. Bekannt wurde er vor allem als Mitbegründer der Gruppen Kluster beziehungsweise Cluster und Harmonia. Außerdem wirkte er im Ambient-Jazz-Trio Aquarello mit. Seine umfangreiche Arbeit umfasst darüber hinaus Solomusik, zahlreiche Gemeinschaftsprojekte sowie Tätigkeiten als Schriftsteller, Dichter, Fotograf und Filmemacher.
Roedelius gehört zu den prägenden Musikern der experimentellen deutschen Elektronikszene. Kennzeichnend für seine Entwicklung ist der Weg von avantgardistischen Klangexperimenten über melodischere elektronische Musik bis zu einer persönlichen Verbindung von Klavier, nachgeahmten akustischen Instrumenten, elektronischen Klangerzeugern, Ambient-Jazz, Improvisation und Klangmontage.
Anfänge und wichtige Bands
Als Kind trat Roedelius in UFA-Filmen auf, darunter 1938 in „Verklungene Melodie“ und „Es leuchten die Sterne“. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er wegen eines Fluchtversuchs aus der DDR für zwei Jahre inhaftiert. Vor seiner erfolgreichen Flucht nach West-Berlin im Jahr 1961 arbeitete er als Physiotherapeut und Masseur. Kurz danach gab er diesen Beruf für eine musikalische Laufbahn auf.
1968 gründete er gemeinsam mit dem Konzeptkünstler Conrad Schnitzler das Zodiak Free Arts Lab, einen Untergrundclub und Mittelpunkt der damaligen Berliner Szene. Dort lernte er Dieter Moebius kennen. Roedelius, Schnitzler und Moebius bildeten Kluster; zuvor hatte Roedelius bereits die Gruppe Human Being mitbegründet. Nach Schnitzlers Ausstieg 1971 setzten Roedelius und Moebius ihre Arbeit unter dem anglisierten Namen Cluster fort. Die Gruppe veröffentlichte zunächst bei Philips und später beim Label Brain.
Ab 1973 arbeiteten Roedelius und Moebius mit dem Neu!-Gitarristen Michael Rother als Harmonia zusammen. Rother stellte Aufnahmegeräte bereit, die Cluster die Produktion von „Zuckerzeit“ ermöglichten. Auf diesem Album wechselte Cluster von einem avantgardistischen zu einem melodischeren Stil. Harmonia veröffentlichte 1974 „Musik von Harmonia“ und 1975 „Deluxe“. Aus gemeinsamen Improvisationen mit Brian Eno entstand das erst 1997 veröffentlichte Album „Tracks & Traces“.
Nach Rothers Ausstieg nahm Cluster als Duo „Sowiesoso“ auf. Mit Brian Eno entstanden 1977 „Cluster & Eno“ und 1978 „After the Heat“; das zweite Album brachte der Gruppe besondere Aufmerksamkeit in der britischen Musikpresse. Auf „Großes Wasser“ erweiterte Cluster seine Musik um längere Stücke.
Solowerk und musikalische Entwicklung
Roedelius begann seine Solokarriere 1978 mit „Durch die Wüste“. Das folgende Album „Jardin au Fou“ von 1979 begründete einen für sein späteres Werk wichtigen Stil: melodisches Klavier und imitierte akustische Instrumente treffen auf elektronische Klänge. Ab 1979 veröffentlichte er außerdem seine lange „Selbstportrait“-Reihe mit eigenen Arbeiten, zu denen seine Bandkollegen nichts beitrugen.
Nach dem Ende seiner Zusammenarbeit mit Sky 1982 wechselte Roedelius zu Venture, einem Sublabel von Virgin. In dieser Zeit verdichtete sich seine persönliche Klangsprache; hier entstand auch sein meistverkauftes Soloalbum „Geschenk des Augenblicks – Gift of the Moment“ von 1984. Nach dem Ende der Venture-Zusammenarbeit 1989 veröffentlichte er bei kleineren Labels. Mit „Der Ohrenspiegel“ von 1991 näherte er sich dem entstehenden Techno. Das 25-minütige Eröffnungsstück „Reflectorum“ weist bereits Merkmale der späteren Reihe „Sinfonia Contempora“ auf.
1994 verband sein Stil Elektronik mit Ambient-Jazz. „Theatreworks“ wurde von der Zeitschrift The Wire zum Album des Monats gewählt. Einen Wendepunkt stellte „Sinfonia Contempora No. 1: Von Zeit zu Zeit“ dar. Das Album besteht aus zufällig entstandenen Bandfragmenten verschiedener Aufnahmesitzungen von der Mitte der 1980er- bis zur Mitte der 1990er-Jahre. Roedelius passte diese Klang-Puzzleteile beim Improvisieren aneinander und legte sie mehrspurig übereinander. Dadurch entstand ein absichtlich eigentümlicher, scheinbar unzusammenhängender Klang.
1996 folgte die dunkler und trüber klingende „Sinfonia Contempora No. 2: La Nordica (Salz des Nordens)“. Bei „Selbstportrait VI: The Diary of the Unforgotten“ überarbeitete Roedelius ältere Bänder nicht nur technisch, sondern ergänzte neue Zuspielungen. In der Klangmontage „Homage à Forst“ verband er zahlreiche Stücke von Harmonia und Cluster neu.
Seit 1995 entstand zudem die Reihe „Lieder vom Steinfeld“, in der Roedelius meist deutschsprachige Gedichte zu Musik spricht. Für „Selfportrait VII: dem Wind voran – ahead of the wind“ komponierte er erstmals auch neue Stücke für ein Selbstporträt-Album. Zwischen 2000 und 2001 veröffentlichte er acht Alben und arbeitete im neuen Jahrtausend zunehmend mit jüngeren Musikern zusammen.
Spätere Gruppenarbeit und Kooperationen
Cluster formierte sich zwischenzeitlich neu und näherte sich auf „Apropos Cluster“ von 1990 in einer an „Großes Wasser“ erinnernden Weise dem Techno. Tourneen durch Japan und Amerika im Jahr 1996 wurden auf späteren Live-Alben dokumentiert. Der neue Klang verband Einflüsse von Roedelius’ „Sinfonia Contempora“ mit Moebius’ eigenständigem Stil. Ein besonderer Auftritt war 2007 das von Cluster gespielte Eröffnungskonzert der documenta12 in Kassel.
Im November 2010 wurde die dritte Trennung von Cluster bekannt gegeben; offiziell verließ Dieter Moebius die Gruppe. Roedelius gründete daraufhin als Nachfolgeprojekt von Kluster und Cluster die Gruppe Qluster mit dem Elektronikmusiker und Tontechniker Onnen Bock. 2011 erschienen die drei Werke „Rufen“, „Fragen“ und „Antworten“ sowie der Konzertmitschnitt „Lauschen“ vom Berliner CTM-Festival.
Gemeinschaftsarbeiten bilden einen wesentlichen Teil seines Schaffens. Zu seinen Partnern gehörten unter anderem Brian Eno, Dieter Moebius, Michael Rother, Conrad Schnitzler, Tim Story, Morgan Fisher, Alessandra Celletti, Christopher Chaplin, Lloyd Cole, Arnold Kasar und Dallas Acid. Mit Tim Story arbeitete Roedelius besonders intensiv; dazu gehören „The Persistence of Memory“ (2000), „Lunz“ (2002), „Lunz-Reinterpretations“ (2005) und „Inlandish“ (2008). Die Bezeichnung Lunz wurde teilweise auch gemeinsam für Roedelius und Story verwendet. 2001 arbeitete Roedelius erstmals seit 1971 wieder mit Conrad Schnitzler; daraus entstand „Acon 2000/1“. Das 2009 veröffentlichte Album „Fibre“ mit Jez Coad, Martin Barker und George Taylor erreichte Platz 13 der „Third Uncut Playlist of 2009“ der britischen Zeitschrift Uncut.
Werküberblick und Lebensort
Die Veröffentlichungen werden grob in sieben Werkphasen eingeteilt: 1968–1971 Schwann Records, 1972–1975 Brain Records, 1976–1982 Sky Records, 1983–1989 Virgin Records, 1990–1993 frühe Jahre in Baden bei Wien, 1994–1998 „Symphonic“ und seit 1999 die Gegenwart.
Die Diskografie umfasst zahlreiche Studio-, Live-, Remix- und Kompilationsalben. Wichtige Bandveröffentlichungen sind Klusters „Klopfzeichen“ und „Zwei-Osterei“ von 1970, Clusters „Cluster ’71“, „Cluster II“, „Zuckerzeit“, „Sowiesoso“ und „Großes Wasser“ sowie Harmonias „Musik von Harmonia“ und „Deluxe“. Mit Aquarello erschienen „Friendly Game“ (1991), „To Cover The Dark“ (1993) und das Livealbum „Aquarello“ (1998). Die Solodiskografie reicht von „Durch die Wüste“ (1978) bis „Selbstportrait Wahre Liebe“ (2020); die Zusammenarbeit mit Dallas Acid führte 2021 zu „Mind Cinema“.
Roedelius lebt und arbeitet seit 1978 in Baden bei Wien in Niederösterreich. Seine im Artikel aufgeführte Filmografie nennt „Verklungene Melodie“ aus dem Jahr 1938.