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Communicationssprache

Die Grundlage der Communicationssprache ist das Französische. Substantive werden dekliniert. Inhaltsverzeichnis. 1 Geschichte; 2 Grammatik; 3 Alphabet; 4 …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Einordnung und Grundidee
  2. 2. Entstehung und Überlieferung
  3. 3. Schrift und Lautprinzip
  4. 4. Grammatische Regeln und Deklination
  5. 5. Zahlen und Textbeispiele

Einordnung und Grundidee

Die Communicationssprache ist eine von Joseph Schipfer vorgeschlagene konstruierte Sprache. Sie erschien 1839 und gehört zu den ältesten belegten Kunstsprachen. Genauer wird sie als Plansprache und Welthilfssprache eingeordnet: Sie wurde also bewusst entworfen, um die Verständigung zwischen Menschen unterschiedlicher Sprachen zu erleichtern. Heute ist sie nur noch von historischem Interesse.

Ihre wichtigste Grundlage ist das Französische. Schipfer übernahm zahlreiche französische Wörter in veränderter Schreibweise, weil er sie in den gebildeten Schichten seiner Zeit für nahezu allgemein bekannt hielt. Zugleich vereinfachte er Teile der Rechtschreibung und entwickelte eigene grammatische Endungen. Auffällig ist besonders, dass Substantive dekliniert werden, also je nach Fall und Zahl verschiedene Endungen erhalten.

Die Sprache hat keinen eigenen ISO-639-1-Code. Unter ISO 639-2 wird sie mit „art“ den sonstigen Plansprachen zugeordnet; bei ISO 639-3 steht „mis“ für „nicht kodiert“.

Entstehung und Überlieferung

Von Joseph Schipfer ist ein auf den 20. Februar 1840 datiertes Schreiben mit dem Titel „Allgemeiner Aufruf an die mitleidige Menschheit“ erhalten. Darin schilderte er das Leiden französischer Einwohner in den Gebieten um die Rhone und die Saône. Gleichzeitig stellte er eine Broschüre über seine „allgemeine Communications- oder Weltsprache“ vor.

Weitere von ihm angebotene Broschüren behandelten die Grammatik der Sprache sowie Lehrmaterialien für Erwachsene und für Kinder im Alter von 12 bis 14 Jahren. Schipfer warb beim Herzog um Unterstützung und schlug vor, mit den Verkaufserlösen französischen Notleidenden zu helfen. Möglicherweise trug diese Verbindung verschiedener Anliegen zur ablehnenden Entscheidung des Herzogs bei; der Artikel bezeichnet dies jedoch nur als Vermutung.

Der Schriftwechsel Schipfers mit dem Herzogtum Nassau aus den Jahren 1835 bis 1841 wird im Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden aufbewahrt. Er ist dort unter dem Zeichen 210/7907 einsehbar.

Schrift und Lautprinzip

Die Rechtschreibung folgt grundsätzlich dem Prinzip „ein Laut pro Buchstabe“. Stumme Buchstaben, Zirkumflexe und Gravis zur Unterscheidung gleich geschriebener Wörter wurden entfernt. Der Buchstabe ⟨w⟩ kam hinzu. Makrone kennzeichnen lange Vokale.

Für französische Schreibungen gelten unter anderem folgende Ersetzungen: ⟨e⟩ steht anstelle von ⟨é⟩, ⟨ä⟩ anstelle des französischen ⟨è⟩, ⟨ö⟩ anstelle von ⟨eu⟩ und ⟨œ(u)⟩, ⟨u⟩ anstelle von ⟨ou⟩, ⟨ü⟩ anstelle des französischen ⟨u⟩ und ⟨oa⟩ anstelle von ⟨oi⟩. Obwohl der Artikel auch die Entfernung von Umlauten nennt, führt er ⟨ä⟩, ⟨ö⟩ und ⟨ü⟩ zugleich als Ersatzzeichen auf.

Die fertige Schreibweise ist wegen der weitgehend eindeutigen Zuordnung von Lauten und Buchstaben relativ leicht zu lesen und zu schreiben. Die Umwandlung französischer Wörter ist jedoch nicht konsequent: Manchmal richtet sie sich nach der Aussprache, manchmal nach der französischen Schreibweise. So entfällt das stumme ⟨c⟩ am Ende von estomac in Estoma „Magen“, während das stumme ⟨h⟩ von homme in Homa „Mann“ erhalten bleibt.

Grammatische Regeln und Deklination

Die Communicationssprache verwendet keine Artikel. Adjektive sind unveränderlich, erhalten also keine unterschiedlichen Formen nach Fall, Zahl oder Geschlecht. Vergleichsformen werden mit den Endungen -ior und -iost gebildet. Adverbien entstehen durch das Anhängen von -ly an ein Adjektiv. Das Possessivpronomen wird mit -a gekennzeichnet, der Infinitiv eines Verbs mit -er. Substantive werden wie im Deutschen großgeschrieben.

Substantive werden nach Fall und Zahl dekliniert. Das Beispiel Masona bedeutet „Haus“. Die Singular- und Pluralformen lauten:

• Nominativ: Masona „ein Haus“, Masonas „Häuser“ • Genitiv: Masone „des Hauses“, Masones „der Häuser“ • Dativ: Masoni „dem Haus“, Masonis „den Häusern“ • Akkusativ: Masono „einen Haus“, Masonos „Häusern“ • Vokativ: o Masona „oh, Haus“, o Masonos „oh, Häuser“ • Ablativ: Masonu „in einem Haus“, Masonus „in Häusern“

Der Vokativ ist die Form der direkten Anrede. Der Ablativ drückt im gegebenen Beispiel eine Ortsangabe wie „in einem Haus“ oder „in Häusern“ aus. Die deutschen Bedeutungsangaben „einen Haus“ und „Häusern“ beim Akkusativ werden im Artikel in genau dieser Form wiedergegeben.

Zahlen und Textbeispiele

Die Grundzahlen von 1 bis 10 heißen: una, dua, tria, quatra, quina, sesta, setta, otta, nona und dia.

Als zusammenhängendes religiöses Textbeispiel enthält der Artikel das Vaterunser. Es beginnt mit „No Pera, wia ete Cielu ta Noma sanctiferii“ und enthält unter anderem die Bitte „Donne Ais noa Päno quotidien“ sowie den Schluss „mä delivre Aos malu.“ Das Beispiel zeigt deutlich den französisch geprägten Wortschatz, aber auch die besonderen Endungen und Schreibweisen der Sprache.

Ein weiteres Beispiel ist ein auf den 28. Januar 1839 datierter Brief. Darin bittet der Schreiber einen Freund um Nachsicht, weil er ein verbindliches Schreiben nicht rechtzeitig beantwortet habe. Als Grund nennt er eine mehrere Monate dauernde Krankheit. Danach beteuert er, Freundschaft und Güte des Empfängers zu schätzen, bittet um deren Fortsetzung und äußert den Wunsch, seine Verbundenheit durch Taten zu beweisen. Der Communicationssprache-Text beginnt mit „Cher Amia! Ei demanda mil Par donos“; bei „donos“ enthält die Vorlage einen Hinweis, die Schreibweise zu überprüfen. Dem Beispiel ist eine vollständige deutsche Fassung gegenübergestellt.

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