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Christina Morina
Christina Morina (* 8. Januar 1976 in Frankfurt (Oder)) ist eine deutsche Historikerin. Seit 2019 ist sie Professorin für Geschichte an der Universität …
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Historikerin und Forschung
Christina Morina (* 8. Januar 1976 in Frankfurt (Oder)) ist eine deutsche Historikerin und seit dem Wintersemester 2019/20 Professorin für Allgemeine Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der Zeitgeschichte an der Universität Bielefeld. Zeitgeschichte untersucht die jüngere Vergangenheit und ihre Bedeutung für die Gegenwart.
Ihre Forschung behandelt vor allem die Geschichte und Nachgeschichte des Zweiten Weltkriegs, „Bystander“ im Holocaust, kollektives Gedächtnis, Geschichtspolitik, die politische Kulturgeschichte des geteilten Deutschlands, die DDR- und ostdeutsche Geschichte seit 1989, Rechtspopulismus sowie die Geschichte der Geschichtsschreibung. Bystander sind Personen, die bei Verfolgung und Gewalt anwesend sind oder davon wissen, ohne selbst unmittelbar als Täter oder Opfer zu handeln. Kollektives Gedächtnis bezeichnet gemeinsame Erinnerungen einer Gesellschaft; Geschichtspolitik meint den öffentlichen und politischen Umgang mit Geschichte.
Ausbildung und beruflicher Weg
Morina studierte Geschichte, Politikwissenschaft und Journalistik an der Universität Leipzig, an der Ohio University und an der University of Maryland. An der Ohio University erwarb sie einen MA-Abschluss mit einem Thema zur DDR-Geschichte. 2007 wurde sie an der University of Maryland mit einer von Jeffry Herf betreuten Studie über den Deutsch-Sowjetischen Krieg in der deutsch-deutschen Erinnerungskultur promoviert.
Von 2008 bis 2015 arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Jena. Dort habilitierte sie sich 2016 mit einer Studie über den Marxismus als Generationsprojekt, begleitet von Norbert Frei und Helga Grebing. Die Habilitation erschien 2017 als Die Erfindung des Marxismus. Von 2015 bis 2019 war sie Visiting Assistant Professor und DAAD-Fachlektorin am Duitsland Institut der Universität Amsterdam. 2024/2025 hatte sie die Heuss-Gastprofessur für Geschichte an der New School for Social Research inne.
Sie ist Mitbegründerin der Working Group Memory & Populism in der Memory Studies Association. Außerdem war sie Mitherausgeberin der Historischen Zeitschrift, ist Mitherausgeberin der Reihe Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft und gehört wissenschaftlichen Beiräten an, unter anderem beim German Historical Institute Washington, beim NIOD Amsterdam und bei der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg.
Öffentliche Beiträge
Morina äußert sich regelmäßig zu zeithistorischen Fragen und Kontroversen. Im August 2018 rief sie gegen die von der SPD-Vorsitzenden Andrea Nahles geplante Auflösung der Historischen Kommission der SPD auf. Der Aufruf erhielt Unterstützung von über 1100 Historikern und Interessierten; Abschluss war am 7. September 2018. Als Reaktion gründete die SPD 2019 das „Geschichtsforum“, in dem Morina bis 2020 mitwirkte, ohne SPD-Mitglied zu sein.
Im September 2020 veröffentlichten Morina und Norbert Frei als Reaktion auf die Black-Lives-Matter-Proteste einen kritischen Essay über das Verhältnis von Rassismus und Geschichtswissenschaft. Im November 2020 begann die von ihr ins Leben gerufene Reihe Bielefelder Debatten zur Zeitgeschichte mit dem Thema „30 Jahre Deutsche Einheit“. Am 10. September 2024 hielt sie zum 75. Jahrestag der ersten konstituierenden Sitzung des Deutschen Bundestages eine Rede im Bundestag.
Wichtige Veröffentlichungen und Auszeichnungen
Zu Morinas wichtigen Schriften gehören Legacies of Stalingrad. Remembering the Eastern Front in Germany since 1945 (2011), Die Erfindung des Marxismus. Wie eine Idee die Welt eroberte (2017) und Tausend Aufbrüche. Die Deutschen und ihre Demokratie seit den 1980er-Jahren (2023). Die erste Schrift geht auf ihre Dissertation über Erinnerung an die Ostfront in Deutschland zurück. Die Erfindung des Marxismus basiert teilweise auf ihrer Habilitationsschrift.
2019 erhielt Die Erfindung des Marxismus den Übersetzungspreis Geisteswissenschaften International des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Für Tausend Aufbrüche erhielt sie 2024 den Deutschen Sachbuchpreis. Für 2026 ist ihre Mitgliedschaft in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften genannt. Ebenfalls für 2026 ist Das amerikanische Beben -- Erfahrungen und Konsequenzen für die deutsche Demokratie angekündigt.