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Christian Kern

Christian Kern (* 4. Jänner 1966 in Wien) ist ein österreichischer Manager und ehemaliger Politiker (SPÖ). ... Von Mai 2016 bis Dezember 2017 war er Bundeskanzler …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Ausbildung
  2. 2. Laufbahn als Journalist und Manager
  3. 3. Bundeskanzler und Parteivorsitzender
  4. 4. Wahlkampf, Opposition und Rücktritt
  5. 5. Tätigkeiten nach der Politik und Auszeichnung
  6. 6. Privates

Überblick und Ausbildung

Christian Kern, geboren am 4. Jänner 1966 in Wien, ist ein österreichischer Manager und ehemaliger Politiker der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ). Seine wichtigsten politischen Ämter waren jene des Bundeskanzlers der Republik Österreich von Mai 2016 bis Dezember 2017 und des SPÖ-Parteivorsitzenden von 2016 bis 2018. Zuvor leitete er von 2010 bis 2016 die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB). Seit September 2022 ist er Geschäftsführer der Schienenfahrzeug-Leasinggesellschaft ELL Austria. Seit März 2023 ist er außerdem Obmann-Stellvertreter des überparteilichen BürgerInnen Forums Europa und seit Oktober 2024 Vizepräsident des Europäischen Forums Alpbach.

Kern wuchs im Wiener Bezirk Simmering als Sohn einer Sekretärin und eines Elektroinstallateurs auf. Nach der Matura studierte er Publizistik und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien. Er schloss das Studium 1997 als Magister der Philosophie ab und absolvierte anschließend eine postgraduale Managementausbildung in St. Gallen.

Laufbahn als Journalist und Manager

Kern begann 1989 als Wirtschaftsjournalist. 1991 wurde er Assistent des Staatssekretärs Peter Kostelka im Bundeskanzleramt. Ab 1994 arbeitete er als Büroleiter und Pressesprecher des Vorsitzenden des SPÖ-Parlamentsklubs. Zwischen 1996 und 2000 gehörte er außerdem dem ORF-Kuratorium an.

1997 wechselte Kern zum Energieunternehmen Verbund. Dort übernahm er schrittweise Führungsaufgaben: Ab 1999 leitete er den Bereich für strategisches Marketing und Verkaufssteuerung, von 2000 bis Dezember 2002 war er Geschäftsführer der Verbund Stromvertriebsgesellschaft mbH. Von Oktober 2002 bis Mai 2007 gehörte er dem Vorstand der damaligen VERBUND-Austrian Power Trading AG an. Seit 2001 war er zudem Prokurist der Verbund AG, also mit geschäftlicher Vertretungsmacht ausgestattet. Ab Juni 2007 war er Vorstandsmitglied der Verbund AG und unter anderem für internationale Unternehmenszukäufe, Beteiligungen und das Hochspannungsnetz verantwortlich.

Am 7. Juni 2010 wurde Kern Vorstandsvorsitzender der ÖBB-Holding AG. Er verantwortete Strategie, Kommunikation, Personal sowie den Güter- und Personenverkehr und leitete die Aufsichtsräte mehrerer Tochterunternehmen. Sein Vertrag wurde 2014 vorzeitig bis 2019 verlängert. Vom 1. Jänner 2014 an war er für zwei Jahre Vorsitzender der Gemeinschaft der Europäischen Bahnen; am 24. September 2015 wurde er für weitere zwei Jahre bestätigt. Als er 2016 Bundeskanzler wurde, musste er seine Funktionen im Bahnbereich beenden, weil der Kanzler keine weiteren Berufstätigkeiten und Ämter ausüben durfte.

Bundeskanzler und Parteivorsitzender

Politisch engagierte sich Kern bereits während seiner Schul- und Studienzeit. Als Gymnasiast war er an grünen Vorgängerorganisationen beteiligt, wandte sich später jedoch der Sozialdemokratie zu. Während des Studiums arbeitete er im Verband Sozialistischer Student innen in Österreich (VSStÖ) mit und kandidierte 1989 als dessen Wiener Spitzenkandidat bei der Hochschülerschaftswahl.

Nach dem Rücktritt von Bundeskanzler Werner Faymann am 9. Mai 2016 einigte sich der SPÖ-Bundesparteivorstand am 12. Mai auf Kern als Nachfolger im Kanzleramt und im Parteivorsitz. Am 17. Mai 2016 wurde er von Bundespräsident Heinz Fischer als Bundeskanzler angelobt. Durch die Regierungsumbildung vom 18. Mai ging die Bundesregierung Faymann II in die Bundesregierung Kern über. Auf einem außerordentlichen SPÖ-Parteitag am 25. Juni 2016 erhielt Kern rund 96,8 Prozent der Delegiertenstimmen und wurde Parteivorsitzender.

Kern kündigte Maßnahmen an, die bis 2020 zur Vollbeschäftigung führen sollten, und bezeichnete dieses Vorhaben in Anlehnung an den früheren US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt als „New Deal“. Im September 2016 kritisierte er, dass internationale Konzerne in Europa sehr geringe Steuern zahlten, und bezeichnete das Vorgehen von Irland, den Niederlanden, Luxemburg und Malta als unsolidarisch.

Über das Freihandelsabkommen CETA zwischen der EU und Kanada ließ Kern im September 2016 online abstimmen. Die Abstimmung war auch für Nichtmitglieder offen. Von ungefähr 23.000 Teilnehmenden lehnten 88 Prozent CETA ab. Auf Kerns Drängen ergänzte die EU-Kommission das Abkommen durch eine neunseitige, als „Beipackzettel“ bezeichnete Erklärung zu umstrittenen Kapiteln. Danach stimmte die SPÖ trotz des Ergebnisses der Befragung der vorläufigen Anwendung zu.

Am 11. Jänner 2017 stellte Kern sein Grundsatzprogramm „Plan A“ vor. Nach einem Ultimatum an den Koalitionspartner wurde ein neues Regierungsprogramm ausgehandelt. Ein Schwerpunkt war die „Aktion 20.000“, mit der die Arbeitslosigkeit bei Menschen über 50 Jahren gesenkt werden sollte.

Wahlkampf, Opposition und Rücktritt

Nach dem Rücktritt von ÖVP-Chef und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner am 10. Mai 2017 übernahm Sebastian Kurz den ÖVP-Vorsitz, beendete die Koalition und leitete vorgezogene Neuwahlen ein. Im Wahlkampf setzte die SPÖ unter Kern auf den „Plan A“ und sozialdemokratische Forderungen wie eine Erbschaftssteuer und einen Mindestlohn. In der Migrationsdebatte bezeichnete Kern die Forderung von Kurz nach einer Schließung der zentralen Mittelmeerroute in einem Hintergrundgespräch als „populistischen Vollholler“. Der Ausdruck wurde von Medien aufgegriffen und zum österreichischen Wort des Jahres 2017 gewählt.

Der SPÖ-Wahlkampf war von internen Problemen und der Silberstein-Affäre belastet. Der von Kern engagierte Berater Tal Silberstein und sein Team betrieben Facebook-Seiten, die von der ÖVP als Versuch des „Dirty Campaigning“, also eines verdeckten und herabsetzenden Wahlkampfs, bezeichnet wurden. Zwei Wochen vor der Wahl trat SPÖ-Bundesgeschäftsführer Georg Niedermühlbichler zurück, bestritt jedoch eine direkte Beteiligung.

Bei der Nationalratswahl am 15. Oktober 2017 wurde die ÖVP stärkste Partei. Die SPÖ gewann leicht hinzu, hielt ungefähr ihren Stimmenanteil von 2013 und erreichte vor der FPÖ den zweiten Platz. ÖVP und FPÖ bildeten anschließend die Bundesregierung Kurz I. Kern wurde als Vorsitzender des SPÖ-Parlamentsklubs Oppositionsführer. Unter seiner Leitung entstand ein neues Parteiprogramm; außerdem sollte die Mitwirkung der SPÖ-Mitglieder gestärkt werden. Kommentatoren bewerteten die Oppositionsarbeit der Partei unter Kern allerdings als „nicht spürbar“.

Mitte September 2018 kündigte Kern an, bei der Europawahl im Mai 2019 als SPÖ-Spitzenkandidat anzutreten und spätestens danach den Parteivorsitz abzugeben. Die Partei war darauf nicht vorbereitet, weshalb die Suche nach einer Nachfolge chaotisch verlief. Pamela Rendi-Wagner wurde schließlich als erste Frau an der Spitze der SPÖ zu seiner Nachfolgerin bestimmt. Anfang Oktober 2018 erklärte Kern jedoch seinen vollständigen Rücktritt aus der Politik. Als Gründe nannte er unter anderem seine Einbindung in das „innenpolitische Klein-Klein“. Rendi-Wagner folgte ihm auch als Klubobfrau nach; Andreas Schieder wurde Spitzenkandidat für die Europawahl. Kerns Nationalratsmandat übernahm im November 2018 Katharina Kucharowits.

Tätigkeiten nach der Politik und Auszeichnung

Nach seinem Abschied von der Politik stieg Kern in die Blue-Minds-Gruppe seiner Ehefrau Eveline Steinberger-Kern ein und arbeitete als Technologieunternehmer. 2022 gab er seine Beteiligung an der Blue Minds Group auf und übernahm die operative Leitung der European Locomotive Leasing. Seit September 2022 ist er Geschäftsführer der ELL Austria GmbH. Eine Teilnahme an der SPÖ-Mitgliederbefragung 2023 schloss er aus.

Ab Juli 2019 saß Kern im Aufsichtsrat der russischen Staatsbahn RŽD. Am 24. Februar 2022 legte er das Amt wegen des russischen Überfalls auf die Ukraine nieder. Er erklärte, die Staatsbahn sei Bestandteil einer Kriegslogistik geworden. Ebenfalls 2019 wurde er Präsident des European China Business Councils, das vom Unternehmerverband CEATEC gegründet worden war. Im Oktober 2024 wurde Kern zum Vizepräsidenten des Europäischen Forums Alpbach gewählt.

Im Juni 2013 erhielt Kern von der Israelitischen Kultusgemeinde Wien die Marietta und Friedrich Torberg-Medaille. Ausgezeichnet wurde die von ihm angestoßene Aufarbeitung der Rolle der Bahn während der NS-Zeit, deren Ergebnisse die ÖBB-Ausstellung „Verdrängte Jahre“ zeigte. Kern veröffentlichte außerdem analytische und programmatische Texte über Medienpolitik, die ÖBB und die FPÖ unter Jörg Haider. Seine Diplomarbeit von 1997 trug den Titel „Media Monitoring: Die innenpolitische Berichterstattung der österreichischen Tages- und Wochenzeitungen 1993“.

Privates

Kern wurde mit 22 Jahren erstmals Vater und zog seinen ersten Sohn einige Jahre allein auf. Er hat drei Söhne und eine Tochter aus zwei Ehen. Von 1985 bis 1988 war er mit Karin Wessely verheiratet; seine spätere Ehefrau ist Eveline Steinberger-Kern. Kern ist konfessionslos und war vom Bundesheer befreit.

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