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Verbund AG
Die Verbund AG deckt über 40 Prozent des österreichischen Strombedarfs und gewinnt 90 Prozent ihrer Erzeugung aus Wasserkraft. Zudem besitzt und betreibt der …
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Überblick und Bedeutung
Die Verbund AG ist Österreichs größtes Elektrizitätsversorgungsunternehmen. Sie erzeugt und handelt Strom, beliefert Haushalte, Gewerbe und Industrie und ist über Tochterunternehmen auch für einen großen Teil der Stromübertragung zuständig. Das Unternehmen deckt über 40 Prozent des österreichischen Strombedarfs. Wasserkraft bildet die wichtigste Energiequelle: In der Einleitung werden 90 Prozent der Erzeugung genannt, für 2016 rund 96 Prozent; laut einer weiteren Unternehmensangabe stammen annähernd 100 Prozent der Stromerzeugung aus klimafreundlichen erneuerbaren Energien. Diese Angaben beziehen sich auf unterschiedliche Zusammenhänge beziehungsweise Zeitstände.
Die Aktiengesellschaft wurde 1947 gegründet und hat ihren Sitz in Wien. Zum 31. Dezember 2023 beschäftigte sie 4.095 Mitarbeiter und erzielte 8,24 Milliarden Euro Umsatz. Vorstandsvorsitzender ist Michael Strugl, Aufsichtsratsvorsitzender Martin Ohneberg. Die Verbund AG ist von der Erzeugung über Transport und Handel bis zum Vertrieb tätig und damit ein wichtiger Bestandteil der österreichischen und europäischen Energieversorgung.
Entwicklung des Unternehmens
Die Verbund AG wurde 1947 aufgrund des 2. Verstaatlichungsgesetzes als Österreichische Elektrizitätswirtschafts-Aktiengesellschaft gegründet. Sie war der Nachfolgekonzern der Alpen-Elektrowerke. Ihre wichtigsten Aufgaben nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Planung, der Bau und der Betrieb großer Kraftwerke sowie der Betrieb des überregionalen Stromnetzes. Für große Wasser- und Wärmekraftwerke entstanden eigene Sondergesellschaften, deren staatliche Anteile die Verbund AG verwaltete.
1955 konnte Österreich seinen Strombedarf erstmals wieder vollständig aus heimischen Quellen decken. Wegen des starken Wirtschaftswachstums musste jedoch bereits 1965 erneut Strom zugekauft werden. Ursprünglich gehörte die Verbund AG vollständig dem Bund. Nach einer Gesetzesänderung im Jahr 1987 wurde eine Teilprivatisierung möglich, wobei mindestens 51 Prozent beim Bund verbleiben mussten. Beim Börsengang 1988 wurden 49 Prozent der Aktien verkauft.
Mit Österreichs EU-Beitritt 1995 und der ab 1996 einsetzenden Liberalisierung des Strommarkts änderte sich der Konzern grundlegend. Er konzentrierte sich auf die Stromerzeugung und ordnete Erzeugung, Handel, Übertragung und Beteiligungen unter einer strategischen Holding. Das von der EU verlangte „Unbundling“ bedeutet die rechtliche Trennung der Stromerzeugung und des Handels von der Stromübertragung. Ab 1999 wurde die Tätigkeit international ausgeweitet; bis 2003 baute das Unternehmen ohne Kündigungen mehr als die Hälfte seines Personals ab.
Zwischen 1997 und 2000 wurden acht österreichische Donaukraftwerke über Cross-Border-Leasing an eine US-Finanzgesellschaft verleast und ohne Eigentumsübertragung zurückgeleast. 2009 beschloss der Konzern, möglichst alle diese Geschäfte rückabzuwickeln; dies gelang größtenteils noch im selben Jahr. Seit 2005 ist Verbund im österreichischen Endkundengeschäft tätig. Ab 2007 investierte das Unternehmen verstärkt in Windkraft. Durch den Erwerb einer Kraftwerkskette am bayerischen Inn von E.ON im Jahr 2009 wurde es zum viertgrößten Wasserkrafterzeuger Europas; 2013 kamen acht weitere Wasserkraftwerke hinzu.
Kraftwerke und Energiequellen
Wasserkraft ist die Grundlage der Stromerzeugung. Rund vier Fünftel des in Österreich erzeugten Verbund-Stroms stammen aus eigenen Wasserkraftwerken. Der Konzern betreibt dort 128 Wasserkraftwerke: 22 Speicherkraftwerke und 92 Laufkraftwerke; zusätzlich besitzt er Bezugsrechte an 14 weiteren Laufwasserkraftwerken. Speicherkraftwerke halten Wasser zurück und können es bei Bedarf zur Stromerzeugung nutzen. Laufkraftwerke verwenden dagegen den laufenden Wasserstrom eines Flusses. Die Anlagen liegen in Salzburg, Tirol, Kärnten und der Steiermark sowie unter anderem an Inn, Donau, Enns, Mur und Drau. Ihre Gesamthöchstleistung beträgt 8.215 Megawatt, die durchschnittliche Jahreserzeugung 28 Milliarden Kilowattstunden. Der Erwerb von 13 Laufwasserkraftwerken am bayerischen Inn erhöhte die Wasserkrafterzeugung 2009 um 7 Prozent. Diese Anlagen besitzen zusammen 312 Megawatt Höchstleistung und erzeugen durchschnittlich 1,85 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr.
Zur Wärmekraft gehören am Standort Mellach zwei mit Erdgas betriebene Anlagen: das Fernheizkraftwerk Mellach und das Gas- und Dampfkraftwerk Mellach. Sie werden überwiegend zur Netzstützung eingesetzt. Die Kohlefeuerung des Fernheizkraftwerks endete im Frühjahr 2020. Frühere Standorte waren Korneuburg, Dürnrohr und Neudorf-Werndorf. Mit Stand 2025 befand sich die Verbund Thermal Power GmbH & Co KG in Liquidation.
In Österreich betreibt Verbund 44 Windkraftanlagen mit insgesamt 106 Megawatt Leistung in Bruck an der Leitha, Hollern und Petronell-Carnuntum. Ein 16-Megawatt-Windpark in Bulgarien ging 2011 in Betrieb und wurde 2014 verkauft. Der Windpark Casimcea an der rumänischen Schwarzmeerküste hat 200 Megawatt Leistung und zählt zu den größten Festland-Windparks Europas.
Stromnetz, Handel und Vertrieb
Für den überregionalen Stromtransport ist die Austrian Power Grid AG (APG) zuständig, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft. Sie betreibt das größte und leistungsfähigste Hochspannungsnetz Österreichs. Dazu gehören Spannungsebenen von 380 Kilovolt mit dem noch unvollständigen 380-kV-Hochspannungsring, 220 Kilovolt und 110 Kilovolt sowie Umspannwerke und Netzschaltanlagen. Aufgrund der EU-Regeln zur Trennung von Erzeugung, Handel und Übertragung wurde die APG aus den übrigen Konzernbereichen herausgelöst und am 2. März 2012 als unabhängiger Übertragungsnetzbetreiber zertifiziert. Das Bahnstromsystem mit einer Frequenz von 16,7 Hertz arbeitet weitgehend eigenständig und nutzt 110 Kilovolt als höchste Spannungsebene.
Der Stromhandel verbindet die Erzeugung und den Vertrieb mit dem Großhandelsmarkt. Mehr als die Hälfte des Stromabsatzes erfolgt außerhalb Österreichs. Verbund handelt in 12 Ländern und an den wichtigen europäischen Strombörsen; die größten Absatzmärkte sind Deutschland, Frankreich und Italien. Außerdem beliefert der Konzern Stadtwerke und industrielle Großkunden und handelt mit Grünstrom- sowie CO₂-Zertifikaten.
Seit Juli 2005 verkauft Verbund Strom direkt an Kunden auf dem liberalisierten österreichischen Markt. Neben Haushalten und Gewerbebetrieben wird seit Anfang 2006 auch die Industrie beliefert; hierfür nennt der Artikel einen Marktanteil von 25 Prozent. In Österreich versorgt das Unternehmen rund 450.000 Privatkunden.
Der Stromkennzeichnungsbericht der Regulierungsbehörde E-Control von 2020 wies für Haushalts- und Gewerbekunden der Verbund AG 100 Prozent erneuerbare Energie österreichischer Herkunft aus. Die angegebenen Umweltauswirkungen betrugen 0 Gramm CO₂ und 0,000 Milligramm radioaktiven Abfall je Kilowattstunde. Für Industriekunden der Verbund Energy4Business GmbH wurden dagegen 53 Prozent erneuerbare und 47 Prozent fossile Energie ausgewiesen. Der Strom stammte aus mehreren europäischen Ländern; die CO₂-Emissionen lagen bei 195,04 Gramm je Kilowattstunde, der radioaktive Abfall bei 0,000 Milligramm.
Eigentum und Konzernaufbau
Die Verbund AG ist seit 1988 an der Wiener Börse notiert, gehört zum Leitindex ATX und wird im Aktienindex für erneuerbare Energien RENIXX, zeitweise auch im RENIXX-World, geführt. 2025 hielt die Republik Österreich 51 Prozent der Aktien. Ein Syndikat aus EVN AG und Wiener Stadtwerken besaß mehr als 25 Prozent, die TIWAG mehr als 5 Prozent. Weniger als 20 Prozent befanden sich im Streubesitz.
Zu den Tochtergesellschaften gehörten 2021 unter anderem die Austrian Power Grid AG für die Stromübertragung, die Verbund Hydro Power GmbH für Wasserkraftwerke, die Verbund Innkraftwerke GmbH, die Verbund Thermal Power GmbH & Co KG, mehrere Gesellschaften für Vertrieb, Windkraft und erneuerbare Energie sowie die Verbund Service GmbH für kaufmännische und administrative Aufgaben. Bedeutende inländische Beteiligungen sind Energie AG Oberösterreich mit 5,20 Prozent, Ennskraftwerke AG mit 50 Prozent, Gas Connect Austria GmbH mit 51 Prozent und Kelag mit 35,17 Prozent.
Von mehreren früheren Beteiligungen trennte sich der Konzern: 2012 zog er sich aus dem türkischen Gemeinschaftsunternehmen EnerjiSA und aus Steweag-Steg zurück. Die EnerjiSA-Beteiligung wurde im Rahmen eines Tauschs mit E.ON gegen bayerische Innkraftwerke abgegeben. Bis Sommer 2011 hielt Verbund 44,8 Prozent am französischen Unternehmen Poweo; zwei französische Gaskraftwerke blieben bis 2014 im Besitz des Konzerns.
Kritik und weitere Aktivitäten
Der Umweltdachverband kritisierte die frühere Vertriebstochter Verbund-Austrian Power Sales mehrfach und verlieh ihr die negative Auszeichnung „Uran-“ beziehungsweise „Atombirne“. Beanstandet wurde ein Gegensatz zwischen der Werbung mit sauberer Wasserkraft und dem tatsächlich verkauften importierten Strom. Nach dem Stromkennzeichnungsbericht 2010 bezog die Vertriebsgesellschaft 83 Prozent ihrer verkauften Energie aus dem UCTE-Mix, der einen Atomstromanteil von 30 Prozent hatte. Greenpeace warf dem Konzern 2012 vor, physikalische Stromflüsse und die Stromkennzeichnung zu vermischen. So entstehe der Eindruck, der verkaufte Strom stamme überwiegend aus heimischer Erzeugung, obwohl dies nicht durch entsprechende Herkunftsnachweise belegt gewesen sei.
Eine ORF-Dokumentation vom 22. März 2023 thematisierte stark gestiegene Gewinne. Genannt wurden 389 Millionen Euro für 2012, jeweils ungefähr 400 Millionen Euro in den Jahren 2013 bis 2019, 631 Millionen Euro für 2020, 874 Millionen Euro für 2021 und 1.717 Millionen Euro für 2022; der Artikel kennzeichnet den Wert für 2022 als möglicherweise vorläufig.
Neben dem Energiegeschäft besitzt das Unternehmen seit 2004 die Sammlung Verbund mit internationaler zeitgenössischer Kunst von 1970 bis heute. Gemeinsam mit der Caritas Österreich gründete es 2009 einen Stromhilfefonds, in den jährlich 1 Euro je Privatkunde fließt. Er unterstützt Menschen mit unterdurchschnittlichem Einkommen durch Überbrückungshilfen und Energieberatung. Die Verbund-Tourismus GmbH vermarktet außerdem Kraftwerke und Landschaften wie das Kapruner Tal, das Maltatal und das Zillertal als Ausflugsziele.