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Chitan
Chitan (arabisch ختان , DMG ḫitān) oder Chatna ( ختنة , DMG ḫatna) ist die arabische Bezeichnung für die religiöse und traditionelle Beschneidung im Islam.
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Bedeutung und religiöse Einordnung
Chitan oder Chatna ist die arabische Bezeichnung für die religiöse und traditionelle Beschneidung im Islam. Dabei wird die Vorhaut des Penis ganz oder teilweise entfernt. Der Islam ist die weltweit größte Religionsgemeinschaft, in der die Zirkumzision praktiziert wird; Beschneidungen gibt es jedoch auch in anderen Religionen und Kulturen. Die jüdische Brit Mila ist vergleichbar, aber nicht mit dem islamischen Brauch identisch.
Der Koran erwähnt die Beschneidung nicht ausdrücklich. Sie gilt jedoch als Sunna, also als überlieferte und nachzuahmende Handlungsweise der Propheten, und wird in Hadithen erwähnt. Im Islam drückt sie symbolisch die Zugehörigkeit zur Religion aus. Anders als im Judentum wird sie nicht als Bund zwischen Gott und den Menschen verstanden.
Über Mohammed gibt es unterschiedliche Überlieferungen: Er soll ohne beziehungsweise mit einer sehr kurzen Vorhaut geboren worden sein oder von seinem Großvater ʿAbd al-Muttalib ibn Hāschim nach alter arabischer Tradition beschnitten worden sein. Beschneidungen waren bereits im vorislamischen Arabien verbreitet.
Religionsrecht und Überlieferung
Die islamischen Rechtsschulen, Madhhab genannt, beurteilen den verpflichtenden Charakter unterschiedlich:
- Hanafiten und Malikiten betrachten die Entfernung der männlichen Vorhaut als Sunna und als einen Akt der Gottesverehrung, der über das Pflichtmaß hinausgeht.
- Schāfiʿiten und Hanbaliten sehen sie als absolute religiöse Pflicht (Fard) an.
- Im schiitischen Islam gilt sie ebenfalls als religiöse Pflicht (wāǧib beziehungsweise farḍ).
Der Brauch wird außerdem von Aleviten, Jesiden und Drusen ausgeübt. Nach der Darstellung des Artikels müssen sich männliche Konvertiten zum Islam beschneiden lassen. Wer bereits beschnitten ist, benötigt jedoch keine symbolische zweite Beschneidung, wie sie im orthodoxen Judentum als „Tippat Dam“ beziehungsweise „Hatafat Dam“ vorkommt.
Mehrere Überlieferungen begründen die religiöse Bedeutung. In Sahīh al-Buchārī heißt es, Abraham sei mit 80 Jahren beschnitten worden. Ein Hadith in Sahīh Muslim zählt die männliche Beschneidung zu fünf Bestandteilen der Fitra, der natürlichen Veranlagung: neben dem Abrasieren der Schamhaare, dem Schneiden der Finger- und Fußnägel, dem Entfernen der Achselhaare und dem Kürzen des Schnurrbarts. Weitere Überlieferungen erklären, dass unbeschnittene Männer keine Haddsch, also keine Pilgerfahrt nach Mekka, beziehungsweise keinen Tawaf, die Umrundung der Kaaba, vollziehen dürften. Ibn Qudāma al-Maqdisī wird zudem mit der Auffassung angeführt, für unbeschnittene Männer gebe es keine gültige Haddsch und kein gültiges Gebet.
Geschichtliche Tradition
Nach islamischer und biblischer Tradition war Ibrāhīm (Abraham) der Erste, der Gottes Auftrag zur Beschneidung erhielt. Nach islamischer Überlieferung vollzog er sie mit 80 Jahren, nach Gen 17,24–26 dagegen mit 99 Jahren. Als weitere beschnittene Propheten nennt der Artikel Mūsā (Moses), Dāwūd (David), Yūnus (Jonas), Yaḥyā (Johannes der Täufer), ʿĪsā ibn Maryam (Jesus Christus) und Mohammed.
Zur Zeit Mohammeds praktizierten die meisten arabischen Stämme die Beschneidung, darunter auch heidnische Araber. Einer Überlieferung zufolge durfte ein unbeschnittener Mann die Pilgerfahrt nach Mekka nicht antreten. ʿAlī ibn Abī Tālib wird mit der Aussage zitiert, ein Mann müsse sich beim Übertritt zum Islam selbst dann beschneiden lassen, wenn er bereits 80 Jahre alt sei.
Früher führten häufig Beschneider ohne medizinische Ausbildung oder Barbiere den Eingriff aus. Heute wird die Beschneidung zunehmend als Operation von Ärzten und unter örtlicher Betäubung vorgenommen.
Zeitpunkt und Feier
Es ist nicht vorgeschrieben, dass die ausführende Person muslimisch sein muss. Auch Frauen dürfen die Beschneidung vornehmen, was beispielsweise in Malaysia und Indonesien vorkommt. Zeitpunkt und Ausgestaltung hängen stark von Region und Kultur ab. In der Türkei werden Jungen häufig im Alter von 4 bis 12 Jahren beschnitten, in arabischen Staaten oft kurz nach der Geburt. Allgemein nennt der Artikel den Zeitraum vom siebten Lebenstag bis spätestens zum Eintritt in die Pubertät.
Mit der Geschlechtsreife beginnt die Verpflichtung zur Einhaltung der religiösen Gesetze. Bei Jungen können die erste Ejakulation oder das Wachstum der Schambehaarung den Eintritt in die religiöse Mündigkeit anzeigen. Weil sich diese Entwicklung individuell unterscheidet, gilt das Alter von 15 Jahren als spätester Zeitpunkt. Für unbeschnittene Konvertiten wird die Beschneidung ab der Pubertät beziehungsweise in jedem Alter nach der Konversion verpflichtend und soll zeitnah erfolgen. Ein bestimmter Beschneidungsstil ist nicht vorgeschrieben; häufig sind „high and tight“ und „low and tight“.
In der Türkei wird die Beschneidung oft mit einer großen, manchmal als „Hochzeitsfeier“ bezeichneten Feier begangen. Der Junge trägt häufig ein aufwendig gearbeitetes Beschneidungskostüm (Sünnet Kıyafetleri) mit Hemd, Stoffhose und bestickter Weste, teilweise ergänzt durch Kopfbedeckung, Krawatte und langen Umhang. Zepter oder Dolch zeigen symbolisch, dass er an diesem Tag wie ein Prinz gefeiert wird. Ähnliche Feiern gibt es im Maghreb. In der Türkei bleibt das Ritual eng mit religiösen Pflichten und Vorstellungen von Männlichkeit verbunden; einige muslimische Männer lehnen es heute jedoch ab.
Regionale Verbreitung
In Europa praktizieren sowohl alteingesessene als auch zugewanderte muslimische Gruppen die Jungenbeschneidung. Seit Jahrhunderten leben muslimische Bevölkerungsgruppen besonders auf der Balkanhalbinsel und in Teilen Osteuropas. Dazu gehören unter anderem Albaner und Kosovo-Albaner, Bosniaken, Çamen, Dobrudschatataren, Goranen, griechische Muslime in Westthrakien, Pomaken, muslimische Gruppen im Sandžak, Torbeschen, Türken, Zyperntürken und muslimische Roma. In Nord- und Osteuropa wird der Brauch etwa von Finnland-Tataren, Baschkiren, Krimtataren, Lipka-Tataren und Tataren in Tatarstan ausgeübt.
In Indonesien, Malaysia und auf den Philippinen kann die Beschneidung als Massenereignis stattfinden, bei dem mehrere Jungen gleichzeitig in einer großen Halle beschnitten werden. Auf den Philippinen heißt sie Pagtutuli oder Tuli. Obwohl die große Mehrheit der Bevölkerung dort römisch-katholisch ist, werden grundsätzlich Jungen unabhängig von ihrer Religion beschnitten, meist während der Sommerferien im Schulalter zwischen 6 und 10 Jahren. Die Philippinen und Südkorea weisen trotz eines geringen muslimischen Bevölkerungsanteils Beschneidungsraten von über 80–90 % auf. Historiker nehmen an, dass die philippinische Praxis auf den Islam zurückgeht, der ab Ende des 14. Jahrhunderts die südlichen Regionen erreichte und sich bis zum 16. Jahrhundert über den Archipel ausbreitete.
Methoden und Bezeichnungen
Für den Eingriff gibt es verschiedene Techniken. Bei der Freihandtechnik wird ohne spezielles Beschneidungsinstrument gearbeitet. Andere Verfahren verwenden die Mogen-Klemme, die Gomco-Klemme oder eine Zange. Bei der Plastibell-Methode wird eine glockenförmige Vorrichtung aus Kunststoff über die Eichel geschoben und die darüberliegende Vorhaut mit einem Faden abgetrennt. Die Vorhaut kann außerdem mit einem Laser entfernt werden.
Neben Chitan und Chatna bestehen regional unterschiedliche Bezeichnungen: Synet auf Albanisch, Sunet auf Bosnisch, Sunat auf Indonesisch, Khatan auf Malaiisch, Chätnesorän auf Persisch, Tuli, Pagtutuli oder Pagsusunat auf Tagalog und Sünnet auf Türkisch.