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Über die Entstehung der Arten
Darwin legte in diesem Werk zahlreiche Belege für seine Theorie vor, dass sich Tier- und Pflanzenarten durch natürliche Selektion im Laufe langer Zeiträume …
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Bedeutung und Kernaussage
„Über die Entstehung der Arten“ (englisch: „On the Origin of Species“) ist das Hauptwerk des britischen Naturforschers Charles Darwin. Es erschien am 24. November 1859 und gilt als grundlegendes Werk der Evolutionsbiologie. Darwin begründet darin, dass sich Tier- und Pflanzenarten über lange Zeiträume durch natürliche Selektion verändern und dass alle heute lebenden Organismen gemeinsame Vorfahren haben.
Natürliche Selektion bedeutet: Individuen mit Eigenschaften, die besser zu ihrer Umwelt passen, überleben häufiger und bekommen mehr Nachkommen. Diese Eigenschaften können vererbt werden. Über viele Generationen verändern sich dadurch Populationen; bei einer Anhäufung von Veränderungen können neue Arten entstehen. Darwin sammelte Belege auf seiner Reise mit der HMS Beagle von 1831 bis 1836 sowie später durch Experimente und wissenschaftliche Korrespondenz. Das Wort „Evolution“ steht in der ersten Auflage von 1859 noch nicht, Darwin verwendet aber das Verb „evolvieren“.
Entstehung und Veröffentlichung
Darwin plante 1855 ein Buch über Fakten, die für und gegen die Unveränderlichkeit der Arten sprechen. Alfred Russel Wallace entwickelte unabhängig von ihm ebenfalls eine Erklärung der Evolution durch Variation und natürliche Selektion. Als Wallace Darwin 1858 das Ternate-Manuskript zusandte, veröffentlichte Darwin seine seit über zwanzig Jahren entwickelten Ideen schneller.
Am 1. Juli 1858 wurden auf Anregung von Charles Lyell und Joseph Hooker Auszüge aus Arbeiten Darwins und Wallaces vor der Linnean Society of London vorgetragen. Der Vortrag wurde zunächst kaum beachtet. Darwin arbeitete vom 20. Juli 1858 bis zum 10. Mai 1859 am Manuskript und beendete am 1. Oktober 1859 das Korrekturlesen. Die erste Auflage mit 1250 Exemplaren kam am 22. November 1859 in den Handel und war wegen der hohen Zahl von Bestellungen sofort vergriffen.
Grundgedanken der natürlichen Selektion
Ernst Mayr fasste Darwins Theorie als Folge von Tatsachen und Schlussfolgerungen zusammen. Jede Art erzeugt genug Nachkommen, dass die Population wachsen würde, wenn alle überlebten. Populationen bleiben trotz periodischer Schwankungen ungefähr gleich groß, während Ressourcen wie Nahrung begrenzt sind. Daraus folgt ein Kampf ums Überleben.
Individuen einer Population unterscheiden sich deutlich; diese Variationen sind erblich. Weniger gut angepasste Individuen haben geringere Überlebenschancen und weniger Nachkommen. Besser angepasste Individuen überleben häufiger, haben mehr Nachkommen und vererben ihre Eigenschaften. Das ist natürliche Selektion. Der langsame Prozess führt zu besserer Anpassung der Populationen; häufen sich Veränderungen an, entstehen neue Spezies. Ein Baumdiagramm zur Divergenz der Arten ist die einzige Abbildung in Darwins Werk.
Belege, Einwände und Antworten
Darwin bezeichnete sein Buch als „eine lange Kette von Beweisen“ und wog Einwände gegen seine Theorie ab. Zu den fünf von ihm behandelten Einwänden gehören die scheinbare Vollkommenheit komplexer Organe und Instinkte, die deutliche Trennung von Arten und Varietäten, die weltweite Verbreitung einzelner Arten, das erwartete Vorkommen unzähliger Zwischenformen unter Fossilien sowie die von William Thomson auf wahrscheinlich höchstens 200 Millionen Jahre geschätzte Zeit seit dem Festwerden der Erde.
Darwin stellte anschließend 17 Pro-Argumente vor. Befunde sollten durch Abstammung mit kleinen, allmählichen Veränderungen verständlich werden, während sie bei der Annahme erschaffener, konstanter Arten unverständlich blieben. Beispielsweise könne die schwierige Abgrenzung zwischen Varietäten und Arten dadurch erklärt werden, dass Varietäten beginnende Arten seien. Auch „natura non facit saltum“ („die Natur macht keine Sprünge“) passe zu kleinen aufeinanderfolgenden günstigen Abänderungen. Die Ähnlichkeit von Menschenhand, Fledermausflügel, Ruderflosse des Tümmlers und Pferdefuß erklärte Darwin durch gemeinsame Abstammung und allmähliche Veränderungen.
Auflagen, Übersetzungen und Wirkung
Darwin bearbeitete sechs englische Originalauflagen, alle bei John Murray: 1859, 1860, 1861, 1866, 1869 und 1872. Die Auflagen umfassten jeweils 1250, 3000, 2000, 1500, 2000 und 3000 Exemplare. In der dritten Auflage von April 1861 ergänzte Darwin einen historischen Abriss über Vorläufer seiner Theorie; darin nannte er zunächst 30, ab der vierten bis sechsten Auflage 34 Autoren.
Die erste deutsche Übersetzung von Heinrich Georg Bronn erschien 1860 nach der zweiten englischen Auflage. Sie nahm jedoch Veränderungen und „Reinigungen“ vor. Die meist verwendete Standardübersetzung von Julius Victor Carus erschien 1876 und beruht auf der sechsten Originalauflage. Die erste deutsche Ausgabe kam in drei Lieferungen am 4. April, 2. Mai und 11. Juni 1860 heraus.
Das Werk löste naturwissenschaftliche, philosophische und theologische Diskussionen aus. Bis etwa 1880 akzeptierte die Mehrheit der Wissenschaftler Evolution, Stammbaum der Lebewesen und gemeinsamen Ursprung, lehnte aber natürliche Selektion als Mechanismus meist ab. Von 1880 bis 1930 wurden alternative Erklärungen diskutiert. Mit der synthetischen Evolutionstheorie der 1930er- und 1940er-Jahre wurde die Anpassung durch natürliche Selektion zu einem vereinheitlichenden Prinzip der Lebenswissenschaften. Der Rezeptionsabschnitt des Artikels ist ausdrücklich als nicht hinreichend belegt gekennzeichnet.