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Carlo Acutis
Carlo Acutis (* 3. Mai 1991 in London; † 12. Oktober 2006 in Monza, Italien) war ein römisch-katholischer, computeraffiner italienischer Jugendlicher, …
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Wer Carlo Acutis war
Carlo Acutis (* 3. Mai 1991 in London; † 12. Oktober 2006 in Monza) war ein italienischer römisch-katholischer Jugendlicher mit ausgeprägtem Interesse an Computern. Bekannt wurde er vor allem durch eine digitale Sammlung über sogenannte eucharistische Wunder, also Berichte über außergewöhnliche Ereignisse im Zusammenhang mit der Eucharistie. Er starb mit 15 Jahren an Leukämie.
Die katholische Kirche stellt Acutis als Beispiel dafür dar, wie sich religiöse Verkündigung mit dem Internet verbinden lässt. Medien nennen ihn deshalb „Influencer Gottes“ oder „Cyber-Apostel“. Allerdings wurden alle heute mit seinem Namen verbundenen Websites erst nach seinem Tod registriert; unmittelbare Belege wie Screenshots seines eigenen Wirkens im World Wide Web sind nicht erhalten. Am 10. Oktober 2020 wurde er als erster Angehöriger der Millennial-Generation seliggesprochen. Papst Leo XIV. sprach ihn am 7. September 2025 heilig. Er ist damit der erste heiliggesprochene Millennial; sein liturgischer Gedenktag ist der 12. Oktober.
Kindheit, Glaube und digitales Engagement
Acutis wurde als Sohn von Andrea Acutis und Antonia Salzano in London geboren. Kurz darauf zog die Familie nach Mailand. Seine Eltern gingen kaum zur Kirche, ließen ihn aber katholische Privatschulen besuchen. Grundzüge des katholischen Glaubens vermittelte ihm sein polnisches Kindermädchen. Seine Erstkommunion empfing er am 16. Juni 1998 im Alter von sieben Jahren; am 24. Mai 2003 folgte die Firmung.
Sein Alltag war von häufigen Messbesuchen, eucharistischer Anbetung, Bibellektüre, Rosenkranzgebet und wöchentlicher Beichte geprägt. Berichte über seine Schulzeit zeichnen dennoch kein einheitliches Bild: Eine Nonne erinnerte sich an Abschreiben und Unterrichtsstörungen, während andere Lehrkräfte und Mitschüler seine Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit und zurückhaltend vertretenen religiösen Überzeugungen hervorhoben. Er spielte Fußball und Saxophon und mochte Comedy, darunter Die Simpsons.
Mit sieben Jahren bekam Acutis seinen ersten Computer und erwarb später gute Informatikkenntnisse. Als Jugendlicher wirkte er als Gemeindekatechet und erstellte dafür digitales Lehrmaterial. Außerdem half er ehrenamtlich bei karitativen Aufgaben und unterstützte Obdachlose und Bedürftige mit Geld und Sachspenden.
Mit elf Jahren stellte er eine PDF-Sammlung mit 136 überlieferten Erzählungen über eucharistische Wunder aus allen Kontinenten zusammen. Als gedruckte Ausstellung wurde sie 2004 erstmals in Rom gezeigt, anschließend in zahlreiche Sprachen übersetzt und weltweit in etwa 10.000 Pfarreien sowie an Wallfahrtsorten wie Fátima, Lourdes und Guadalupe präsentiert. Erst nach seinem Tod erschien sie auf einer im Herbst 2007 registrierten Website. Eine von ihm 2006 geplante PDF-Sammlung über kirchlich anerkannte Marienerscheinungen wurde 2014 veröffentlicht.
Krankheit und Tod
Anfang Oktober 2006 wurde bei Acutis eine akute myeloische Leukämie festgestellt. Die zunächst wie ein grippaler Infekt wirkende Erkrankung verschlechterte sich innerhalb weniger Tage. Er kam auf die Intensivstation und anschließend in eine Spezialklinik in Monza. Am 10. Oktober empfing er im Krankenhaus San Gerardo die Krankensalbung und die Kommunion. Nach einer Blutwäsche fiel er am 11. Oktober ins Koma und wurde für klinisch tot erklärt. Eine Organspende war wegen seiner Erkrankung nicht möglich. Am 12. Oktober 2006 starb er an Herzversagen.
Zum Requiem am 14. Oktober in seiner Mailänder Pfarrkirche Santa Maria Segreta kamen auch Menschen, die er unterstützt hatte. Zunächst wurde er in Ternengo bestattet, im Januar 2007 jedoch seinem Wunsch entsprechend auf den Friedhof von Assisi umgebettet. Acutis war zu Lebzeiten Einzelkind; seine Geschwister, Zwillinge, wurden erst 2010 geboren.
Selig- und Heiligsprechung
Der Seligsprechungsprozess begann 2013. Die diözesane Untersuchung lief vom 15. Februar 2013 bis zum 24. November 2016. Papst Franziskus erkannte Acutis am 5. Juli 2018 den „heroischen Tugendgrad“ zu, eine Vorstufe der Seligsprechung.
Als notwendiges Wunder wurde die Heilung eines brasilianischen Jungen anerkannt, der an einer angeborenen Erkrankung der Bauchspeicheldrüse litt. Er hatte im Oktober 2010 bei einer Andacht eine Reliquie Acutis’ berührt; im Februar 2011 wurde seine vollständige Genesung festgestellt. Papst Franziskus bestätigte das Wunder mit Dekret vom 21. Februar 2020. Am 10. Oktober 2020 sprach der päpstliche Legat Agostino Kardinal Vallini Acutis in der Basilika San Francesco in Assisi selig.
Am 23. Mai 2024 erkannte Franziskus ein zweites, Acutis’ Fürsprache zugeschriebenes Wunder an. Eine Studentin aus Costa Rica hatte am 2. Juli 2022 bei einem Fahrradunfall in Florenz schwerste Kopfverletzungen erlitten und sich nach Gebeten ihrer Mutter am Grab Acutis’ unerwartet gut erholt. Franziskus bestätigte die bevorstehende Heiligsprechung am 1. Juli 2024 und setzte sie zunächst für den 27. April 2025 an. Nach seinem Tod am 21. April 2025 wurde der Termin ausgesetzt. Papst Leo XIV. sprach Carlo Acutis schließlich am 7. September 2025 gemeinsam mit Pier Giorgio Frassati auf dem Petersplatz heilig. Mehr als 100.000 Menschen nahmen teil.
Reliquien, Verehrung und Patronate
Bei der Exhumierung 2019 war Acutis’ Körper entgegen verbreiteten Behauptungen nicht „unversehrt“. Der Bischof von Assisi, Domenico Sorrentino, erklärte, der Körper habe den normalen Verwesungsprozess durchlaufen und sei „mit Kunst und Liebe wieder zusammengefügt“ worden. Gesicht und Hände wurden mit Silikon nachgebildet. Seit dem 6. April 2019 befindet sich der Leichnam in einem Sargmonument in Santa Maria Maggiore in Assisi; zeitweise wird die Grabkammer zur Verehrung geöffnet.
Das entnommene Herz wurde zunächst in der Franziskus-Basilika gezeigt und im Oktober 2022 in einem Acutis gewidmeten Seitenaltar des Doms San Rufino beigesetzt. Im Juli 2024 wurde die Herz-Reliquie in mehreren europäischen Städten und im Kloster Weltenburg ausgestellt.
Seit 2022 ist Acutis Patron des Offenen Seminars des Bistums Augsburg, eines Programms für Jungen zwischen 9 und 20 Jahren. Außerdem wurde er neben weiteren Heiligen zum Patron des Weltjugendtags 2027 in Seoul ernannt.
Kontroverse und mediale Darstellung
Die von Acutis gesammelten Wunderberichte lösten eine gesellschaftliche Debatte aus. Benno Schirrmeister kritisierte 2024, dass darunter mittelalterliche Legenden über angebliche Hostienfrevel durch Juden seien. Solche Erzählungen hätten Hass gefördert sowie Pogrome und Vertreibungen begleitet. Als Beispiel nannte er das „Miracle du Saint Sacrement“ von 1369, nach dessen Legende Juden eine Hostie mit Messern verletzt hätten. In der Folge wurden sechs bis zwanzig Juden getötet und weitere aus dem Herzogtum Brabant verbannt.
Der Jesuit und Judaistikprofessor Christian Rutishauser bezeichnete die Überlieferung von Hostienschändungen als eine Ursache des christlichen Antijudaismus. Der Antisemitismusbeauftragte Felix Klein äußerte 2025 zunächst Bedenken und nahm seine Kritik später teilweise zurück. Nach einer Klarstellung richtete sie sich nicht gegen Acutis persönlich, sondern sollte eine kirchliche Debatte über den Umgang mit antijüdischen Traditionen anstoßen. Der Theologe Marco Benini hielt es für wahrscheinlich, dass Acutis der historische Hintergrund solcher Bluthostienlegenden nicht bewusst war.
Acutis’ Leben wurde auch filmisch verarbeitet. Die spanische Filmbiografie El cielo no puede esper@r erschien im Februar 2023. Der Dokumentarfilm Carlo Acutis: Roadmap to Reality wurde 2025 in US-amerikanischen Kinos gezeigt und über eine Streamingplattform angeboten.