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Carl Zeiss AG

Die Carl Zeiss AG ist ein Unternehmen der feinmechanisch-optischen Industrie. Der Sitz der Konzernleitung liegt heute im baden-württembergischen Oberkochen.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Entstehung und wissenschaftlicher Aufstieg
  3. 3. Teilung, Jena und Oberkochen
  4. 4. Neustrukturierung nach 1990 und Eigentum
  5. 5. Heutige Struktur und zentrale Geschäftsfelder
  6. 6. Produkte, ASML-Partnerschaft und Kritik

Überblick

Die Carl Zeiss AG ist ein Unternehmen der feinmechanisch-optischen Industrie mit Sitz der Konzernleitung in Oberkochen in Baden-Württemberg. Sie arbeitet in Bereichen wie Optik, Optoelektronik, Halbleitertechnologie, Medizintechnik und Messtechnik. Das Unternehmen wurde am 17. November 1846 in Jena gegründet. Im Geschäftsjahr 2024/25 erzielte es einen Umsatz von etwa 11,894 bis 11,896 Milliarden Euro; am 30. September 2025 hatte es 46.622 Mitarbeiter.

Zeiss ist besonders wichtig, weil seine optischen Systeme in sehr unterschiedlichen Bereichen eingesetzt werden: in Mikroskopen, Brillengläsern, Medizintechnik, Messtechnik, Planetarien, Foto- und Filmobjektiven sowie in der Halbleiterfertigung. Eine besondere Rolle spielt die Sparte Carl Zeiss SMT, deren Optiken in Lithographiesystemen zur Herstellung moderner Mikrochips verwendet werden.

Entstehung und wissenschaftlicher Aufstieg

Carl Zeiß eröffnete 1846 in Jena eine feinmechanisch-optische Werkstatt. Er besaß eine „Großherzogliche Konzession zur Fertigung und zum Verkauf mechanischer und optischer Instrumente“. Schon Ende 1847 entstanden die ersten einfachen Mikroskope, 1852 beschäftigte die Werkstatt zehn Mitarbeiter.

Ein entscheidender Schritt war die Zusammenarbeit mit Ernst Abbe ab 1866. Vorher wurden Mikroskopobjektive vor allem durch Ausprobieren zusammengesetzt. Abbe entwickelte nach jahrelanger Arbeit eine Theorie der Mikroskop-Optik. Dadurch konnte Carl Zeiss als weltweit einziges Unternehmen Mikroskope mit vorberechneten Eigenschaften herstellen. Das machte den Mikroskopbau wissenschaftlicher und genauer.

Für neue optische Leistungen brauchten Zeiss und Abbe besonderes optisches Glas. Dafür arbeiteten sie mit Otto Schott zusammen, der nach Jena kam. Aus dieser Zusammenarbeit entstand das Jenaer Glaswerk Schott und Genossen, heute Schott AG. 1875 wurde Ernst Abbe Teilhaber des Unternehmens, 1876 trat Roderich Zeiss, der älteste Sohn von Carl Zeiß, ein. Als Carl Zeiß 1888 starb, hatte das Unternehmen 327 Beschäftigte.

Vor dem Ersten Weltkrieg wuchs Zeiss stark. In beiden Weltkriegen gehörte das Unternehmen zu den wichtigsten deutschen Herstellern rüstungs- und kriegsrelevanter Optiken. In der Zeit des Nationalsozialismus beteiligte sich Zeiss nach anfänglichen Konflikten an der Aufrüstung der Wehrmacht und unterstützte sogenannte Rassenforschung an der Universität Jena. Während des Zweiten Weltkriegs beschäftigte Zeiss Tausende Zwangsarbeiter.

Teilung, Jena und Oberkochen

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Zeiss geteilt. In Jena übernahm nach dem Rückzug der amerikanischen Truppen die Rote Armee die Kontrolle. 1946/47 wurde das Werk fast vollständig demontiert, am 1. Juli 1948 verstaatlicht und als VEB Carl Zeiss Jena in die DDR-Staatsindustrie eingegliedert. 1965 wurde der VEB Carl Zeiss Jena Stammbetrieb eines Kombinats, zu dem später viele Betriebe der optisch-feinmechanischen und elektronischen Industrie gehörten. In den 1980er Jahren umfasste das Kombinat bis zu 70.000 Beschäftigte.

Der Jenaer Betrieb entwickelte wichtige Technik. 1955 entstand mit OPREMA der erste in der DDR gebaute Computer, der für firmeninterne Optikberechnungen diente. 1961 folgte der Zeiss-Rechen-Automat ZRA 1. Außerdem wurden Planetariumsprojektoren, Mikroskope, Theodolite, Teleskope, Kinotechnik und die Multispektral-Kamera MKF 6 entwickelt. Diese Kamera wurde 1976 an Bord von Sojus 22 eingesetzt; eine Weiterentwicklung kam unter anderem auf der Raumstation Mir zum Einsatz. Ab den 1970er Jahren erhielt das Kombinat zunehmend militärische Entwicklungs- und Produktionsaufträge. Der Anteil militärischer Aufträge lag 1976 bis 1980 bei 5,5 %, 1986 bei 21,8 % und sollte bis 1990 auf 28 % steigen.

Parallel entstand in Westdeutschland ein neuer Zeiss-Standort. Im Juni 1945 brachten die Amerikaner hochrangige Zeiss-Mitarbeiter aus Jena nach Heidenheim; die Angaben schwanken zwischen 86 und 126 Personen. In Oberkochen wurde 1946 die „Opton Optische Werke Oberkochen GmbH“ gegründet, aus der später Carl Zeiss Oberkochen hervorging. Zu den westdeutschen Meilensteinen gehörten neue Brillengläser ab 1949, die Mikroskopreihe „Standard“ ab 1950, das Elektronenmikroskop EM9 von 1956, der Xenon-Lichtkoagulator von 1957 und Optiken für die Halbleitertechnik. Die Fotografien der ersten Mondlandung 1969 wurden mit Zeiss-Objektiven aufgenommen.

Neustrukturierung nach 1990 und Eigentum

Nach 1990 kam der VEB Carl Zeiss Jena unter die Verwaltung der Treuhandanstalt. Er wurde 1990 bis 1991 in die Carl Zeiss Jena GmbH und die Jenoptik GmbH aufgeteilt; die Carl Zeiss Jena GmbH übernahm das optische Kerngeschäft. Carl Zeiss Oberkochen und Jenoptik hielten zunächst Anteile an der Carl Zeiss Jena GmbH, 1995 übernahm Oberkochen die Jenoptik-Anteile. Wegen einer Konzernkrise und der Folgen der Wiedervereinigung kam es Mitte der 1990er Jahre zu mehreren Entlassungswellen.

Danach wurde der Konzern umstrukturiert. Größere Geschäftsbereiche wurden eigenständige Tochterfirmen mit Verantwortung für Entwicklung, Produktion und Vertrieb. Für die Halbleitertechnik entstand in Oberkochen ein neues Werk. Seit der Jahrtausendwende wuchs Zeiss stark, abgesehen vom Krisenjahr 2008/09. Der Umsatz stieg von 6.297 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2019/2020 auf 10,1 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2022/2023. Als wichtiger Wachstumstreiber gilt Carl Zeiss SMT. In Jena wird seit 2024 ein neuer Campus auf einem ehemaligen Schott-Gelände am Westbahnhof geplant beziehungsweise ausgebaut: Für etwa 500 Millionen Euro sollen auf 80.000 m² Baufläche 118.000 m² Arbeitsflächen für 2500 Mitarbeiter entstehen.

Eigentümerin ist die Carl-Zeiss-Stiftung. Ernst Abbe gründete sie 1889 nach dem Tod von Carl Zeiß; er und die Nachfahren von Carl Zeiß übertrugen ihr ihre Firmenanteile. Auch die Schott AG gehört zu 100 Prozent der Stiftung. Das Stiftungsstatut von 1896 regelte Ziele, Unternehmensführung und einklagbare Rechte der Mitarbeiter und gilt damit als Vorläufer moderner arbeitsrechtlicher Ideen. Während der deutschen Teilung gab es zwei Carl-Zeiss-Stiftungen, die 1992 wieder zusammengeführt wurden. Seit der Reform von 2004 sind die Stiftungsunternehmen Aktiengesellschaften, ihre Anteile dürfen laut Statut aber nicht verkauft werden; die Aktien sind nicht börsennotiert.

Heutige Struktur und zentrale Geschäftsfelder

Die Unternehmensgruppe ZEISS ist als Portfoliounternehmen organisiert. Sie gliedert sich in die Sparten „Semiconductor Manufacturing Technology“ (SMT), „Industrial Quality & Research“ (IQR), „Medical Technology“ (MED), „Consumer Markets“ (COM) sowie den strategischen Geschäftsbereich „Photonics & Optics“ (PNO).

SMT entwickelt und produziert Systeme für die Halbleiterindustrie, unter anderem Optiksysteme für Belichtungssysteme sowie Geräte zur Inspektion und Reparatur photolithographischer Masken. Photolithographie bedeutet hier ein Verfahren, bei dem sehr feine Strukturen für Computerchips mithilfe von Licht auf Materialien übertragen werden. Die Carl Zeiss SMT GmbH bildet mit Tochtergesellschaften wie Carl Zeiss SMS GmbH und Carl Zeiss Laser Optics GmbH den Rechtsträger dieser Sparte.

IQR umfasst Mikroskopie und Messtechnik. „Industrial Quality Solutions“ stellt Hardware- und Softwarelösungen zur messtechnischen Qualitätssicherung her. Die Carl Zeiss Industrielle Messtechnik GmbH gehört zu den weltweit führenden Herstellern von Koordinatenmessgeräten. GOM, ein Spezialist für optische 3D-Messtechnik, wurde Mitte 2019 übernommen. „Research Microscopy Solutions“ bietet Mikroskope und Software für Forschung, Labor, Biologie, Medizin und Materialanalyse an.

MED umfasst unter anderem die börsennotierte Carl Zeiss Meditec AG, an der Carl Zeiss die Mehrheit hält. Sie ist ein weltweit führender Anbieter von Systemlösungen für die Augenheilkunde. COM trägt den Bereich Vision Care: Die Carl Zeiss Vision International GmbH stellt Brillenglasprodukte, augenoptische Geräte und Dienstleistungen für Augenoptiker und Optometristen her. PNO umfasst unter anderem Fotografie, Cinematographie, Jagd, Naturbeobachtung, Simulationslösungen, Planetarien, Spektroskopie und OEM-Lösungen.

Produkte, ASML-Partnerschaft und Kritik

Zu den klassischen Zeiss-Produkten gehören Fotoobjektive, Industrieoptik, Mikroskope, Planetariumsprojektoren, astronomische Instrumente, Brillengläser, optische Messtechnik und Systeme für die Halbleiterfertigung. 1923 baute Zeiss für das Deutsche Museum in München den ersten Planetariumsprojektor. Seit den 1890er Jahren fertigte das Unternehmen Geräte zur chemischen Analysentechnik auf optischer Grundlage. In der Astronomie stellte Zeiss Fernrohre, Spiegelteleskope, Observatoriumsausrüstung und Planetarien her; heute werden unter anderem Spiegel für Spiegelteleskope und Satelliten produziert.

In der Fototechnik stellt Carl Zeiss seit 1890 Fotoobjektive her. 1902 erhielt Zeiss das Patent auf das von Paul Rudolph berechnete Tessar-Objektiv. Objektive von Zeiss wurden unter anderem für Contax-Kameras, Hasselblad, Rollei, Yashica/Kyocera, Sony-Kameras sowie für Smartphones und Kompaktkameras verwendet. Die bei Apollo 11 am 21. Juli 1969 eingesetzte Video- und Fotoausrüstung mit Hasselblad-Kameras war mit Zeiss-Objektiven ausgestattet.

Besonders wichtig ist die strategische Partnerschaft mit ASML. 1983 lieferte Zeiss Oberkochen erstmals eine Lithographie-Optik an die heutige ASML. Seit 1997 besteht eine strategische Partnerschaft. 2005 lieferte Zeiss die erste EUV-Projektionsoptik an ASML. EUV-Strahlung mit 13,5 nm Wellenlänge ermöglicht kleinere Chipstrukturen im Nanometerbereich. Seit 2016 hält ASML 24,9 % an Carl Zeiss SMT. Zeiss SMT liefert zentrale Hochleistungsoptiken für ASML-Lithographiescanner und ist damit ein Schlüsselunternehmen der weltweiten Digitalisierung. Laut Konzernwebsite werden 80 Prozent aller Mikrochips weltweit mit Zeiss-Optiken hergestellt.

Kritik gab es 2010: Das Bundeskartellamt verhängte gegen mehrere Brillenglashersteller und den Zentralverband der Augenoptiker Bußgelder von insgesamt 115 Millionen Euro wegen Kartellabsprachen. In der Carl-Zeiss-Gruppe war die Carl Zeiss Vision GmbH betroffen; die Geldbeträge wurden wegen guter Kooperation reduziert.

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