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C-a-f-f-e-e

C-a-f-f-e-e ist ein Kanon zu drei Stimmen im Einklang. Die Melodie und den Text des Liedes schuf Carl Gottlieb Hering (1766–1853) vor 1846.

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Entstehung
  2. 2. Inhalt und historischer Hintergrund
  3. 3. Melodie und pädagogischer Aufbau
  4. 4. Textfassungen und heutige Verwendung

Gegenstand und Entstehung

„C-a-f-f-e-e“ ist ein dreistimmiger Kanon im Einklang. Carl Gottlieb Hering (1766–1853) schuf Melodie und Text vor 1846. Die häufig genannte Entstehungszeit 1810 ist plausibel, aber nicht belegt.

Der früheste bekannte Druck erschien 1846 in einem Album zum Gedenken an Ludwig van Beethoven. Da die Beiträge von den Komponisten selbst eingesandt wurden und Hering im Register als „Einzeichner“ genannt wird, gilt diese Fassung als authentisch. In Herings eigenen Veröffentlichungen ist das Lied nicht nachweisbar. Seine Autorschaft wird jedoch unter anderem durch seinen Enkel Richard Hering bestätigt, der Herings mehrstimmige Kanons und besonders den dreistimmigen „Anti-Caffee-Kanon“ mit dem Thema C, A, F, F, E, E beschreibt. Frühere Drucke sind nach Recherchen des Deutschen Volksliedarchivs derzeit nicht bekannt.

Inhalt und historischer Hintergrund

Der Kanon warnt Kinder vor übermäßigem Kaffeetrinken. Kaffee sei „nicht für Kinder“, schwäche die Nerven und mache blass und krank. Hering war allerdings offenbar kein grundsätzlicher Gegner des Kaffees, denn er schrieb auch ein Loblied auf das Getränk für Frauen: „Kaffeechen, du himmlischer Trank“.

Kaffee gelangte im 17. Jahrhundert aus dem Osmanischen Reich nach Zentraleuropa. Die ersten Kaffeehäuser in Deutschland entstanden in den 1670er Jahren, das erste Wiener Kaffeehaus 1685. Johann Sebastian Bach setzte dem starken Kaffeekonsum seiner sächsischen Landsleute 1734 in der „Kaffeekantate“ Schweigt stille, plaudert nicht, BWV 211, ein ironisches musikalisches Denkmal.

Im 19. Jahrhundert verliefen die Handelswege des Kaffees nach Mitteleuropa über die Türkei; Kaffee wurde dort lange besonders mit türkischem Mokka verbunden. Daraus erklärt sich die Bezeichnung „Türkentrank“, die im Grimmschen Wörterbuch als Begriff aus Herings Kanontext belegt ist. Die Bewertung dieser Wortwahl ist umstritten. Ulla Heise meint, Hering habe keine fremdenfeindlichen Absichten gehabt. Sie erklärt den Text vor allem medizinisch und mit der wirtschaftlichen Lage im Dreiländereck, wo viele Kinder am Kaffeeschmuggel beteiligt gewesen seien. Kathrin Wittler verweist dagegen auf das Negativbild des „kranken Türken“ und ordnet den Text in die orientalistische Tradition des 18. und 19. Jahrhunderts ein.

Melodie und pädagogischer Aufbau

Die heute übliche Melodiefassung weicht an einigen Stellen vom Original ab. Der Textanfang „C – a – f – f – e – e“ liegt auf den gleichnamigen Tönen c, a, f, f, e und e. Dadurch wird die Buchstabenfolge selbst zu einem Tonsymbol, ähnlich den musikalischen Motiven B-A-C-H oder DSCH.

Diese Verbindung von Notennamen, Melodietönen und Text entspricht Herings pädagogischem Ansatz. Er wollte Kindern mit einfachen Liedern und Kanons Grundlagen der Musiklehre vermitteln. In seinem Kanon „Bald in Vierteln, bald in Achteln singen wir“ entsprechen die Textwörter den benannten Notenwerten. Ein vergleichbarer Lernansatz findet sich bereits im 11. Jahrhundert bei Guido von Arezzo, der den Johannes-Hymnus Ut quaeant laxis zum Erlernen der Solmisationssilben einsetzte. Auch Eusebius Mandyczewskis Intervall-Kanons verfolgen eine ähnliche Idee.

Das Motiv c, a, f, f, e, e wurde auch von anderen Komponisten verwendet. Eduard Marxsen veröffentlichte 1831 eine „Phantasia alla Moda“ über dieses Thema. Hieronymus Payer komponierte 1844 zum 200-jährigen Jubiläum der Einfuhr des Kaffees nach Europa die „Camellien Variationen“ über das „beliebte Buchstaben-Thema C, A, F, F, E, E“. Weil Herings Entstehungszeit nicht sicher bekannt ist, lässt sich nicht entscheiden, ob diese Komponisten von seinem Kanon angeregt wurden oder ob Hering das Thema übernahm.

Textfassungen und heutige Verwendung

Der Originaltext beginnt mit „C a f f e e, trink nicht Caffee, Caffee!“ und verwendet die historischen Schreibweisen „Sey“ und „Muselmann“. Die heute übliche Fassung lautet: „C-a-f-f-e-e, trink nicht so viel Caffee! Nicht für Kinder ist der Türkentrank, schwächt die Nerven, macht dich blass und krank. Sei doch kein Muselmann, der ihn nicht lassen kann!“

Die Begriffe „Türkentrank“ und „Muselmann“ werden heute als despektierlich und potenziell türkenfeindlich verstanden. Deshalb wurden entschärfte Fassungen vorgeschlagen. In einem verbreiteten Schulliederbuch heißt es „heißer Trank“ statt „Türkentrank“. Eine andere Version spricht vom „schwarzen Trank“ und ersetzt „Muselmann“ durch „dummer Mann“. Hans Grischkat schrieb eine Umdichtung mit der Zeile „… ich trink so gern Kaffee …“. Siegfried Macht verfasste außerdem einen „CAFFEE-Protestkanon“, der die Notwendigkeit von fair gehandeltem Kaffee hervorhebt.

Der Kanon wird bis heute in Kindergärten und Grundschulen gesungen. Wegen seiner dreistimmigen, gleichmäßig gegliederten Struktur eignet er sich für Quodlibets, also die Verbindung mehrerer gleichzeitig gesungener Kanons. Genannt werden unter anderem „Himmel und Erde müssen vergehn“, „Es tönen die Lieder“, „Heut’ kommt der Hans zu mir“, „Lasst uns jauchzen, lasst uns singen“ und „Drei Gäns im Haberstroh“ sowie das Volkslied „Hab’ mein’ Wage vollgelade“. Rupert Doppelbauer ergänzte ein solches Quodlibet durch ein Ostinato. Weitere Bearbeitungen stammen von Gerhard Maasz und Kees Vlak; im „Großen Liederbuch“ ist der Kanon mit einer zusätzlichen Bassstimme von H. R. Witzig abgedruckt.

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