Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Cédric Durand
Cédric Durand (* 1975) ist ein französischer Wirtschaftswissenschaftler. Er studierte Ökonomie und wurde anschließend Lehrender an der Université Paris 13 …
Inhalt4 Abschnitte
Wissenschaftler und Forschungsansatz
Cédric Durand (* 1975) ist ein französischer Wirtschaftswissenschaftler und Professor für Politische Ökonomie an der Universität Genf. Seine Forschung gehört zur politischen Ökonomie, also zur Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Wirtschaft, Macht und Gesellschaft. Er beschäftigt sich besonders mit Globalisierung, Finanzialisierung und dem Wandel des gegenwärtigen Kapitalismus.
Durand arbeitet marxistisch-regulationistisch. Das bedeutet: Er knüpft an die Kritik des Kapitalismus von Karl Marx an und untersucht zugleich, wie wirtschaftliche Regeln, Institutionen und gesellschaftliche Verhältnisse kapitalistische Entwicklung stabilisieren oder verändern.
Technofeudalismus und Plattformökonomie
Ein Schwerpunkt Durands ist die Digital- und Plattformökonomie. Plattformökonomie bezeichnet Wirtschaftsbereiche, in denen digitale Plattformen wie Google oder Amazon zwischen verschiedenen Nutzergruppen vermitteln und dabei Daten sammeln.
Durand prägte das Konzept des Technofeudalismus. Danach beherrschen wenige große Tech-Konzerne mit Datenmonopolen die Gesellschaft und schöpfen neue Formen ökonomischer Rente ab. Rente meint hier Einkommen, das vor allem aus der Kontrolle über knappe oder monopolartige Ressourcen entsteht. Seine Analyse betont die Abhängigkeit von großen Plattformunternehmen.
Als Gegenmodell vertritt Durand einen Cyber-Ökosozialismus. Technologische Innovationen sollen dabei nach sozialen und ökologischen Prinzipien eingesetzt werden.
Debatten und Kritik
Durands Thesen wurden besonders in linksintellektuellen und ökonomiekritischen Kreisen breit diskutiert. Contretemps bezeichnete sein Buch Technoféodalisme als gewagte und fundierte Theorie der digitalen Wirtschaft; auch La Vie des idées und weitere Fachzeitschriften befassten sich mit seinem Modell.
Kritik kam von Evgeny Morozov. Er lehnte den Begriff „Techno-Feudalismus“ in der New Left Review ab und argumentierte, der digitale Kapitalismus sei weiterhin im Kern klassisch kapitalistisch. Durand antwortete dort, dass die besonderen Dynamiken der Digitalwirtschaft getrennt untersucht werden müssten.
Le Monde berichtete im März 2025, Yanis Varoufakis habe Technoféodalisme gelesen und sich davon inspirieren lassen. Durand wird als linksorientierter Experte für Digitalisierung und Finanzkapitalismus wahrgenommen.
Wirtschaftspolitische Rolle und Veröffentlichungen
Seit 2023 ist Durand Professor am Institut La Boétie, dem Thinktank von La France insoumise. Dort entwickelt er Vorschläge, die Technologie, Sozialismus und Ökologie verbinden. Seine Beiträge bei La Boétie und in den Économistes atterrés beziehen sich auf eine sozial-ökologische Wende sowie auf die Regulierung großer Tech-Unternehmen.
Zu seinen wichtigen Büchern zählen Le capital fictif. Comment la finance s’approprie notre avenir (2014) zur Finanzialisierung und Technoféodalisme. Critique de l’économie numérique (2020) zur Digital- und Plattformökonomie. Mit Razmig Keucheyan veröffentlichte er Comment bifurquer. Les principes de la planification écologique (2024); die deutsche Übersetzung erschien 2026 als Das Prinzip Verzweigung. Über ökologische Planung in Wirtschaft und Gesellschaft. 2025 folgte Faut-il se passer du numérique pour sauver la planète ?, das Digitalisierung und Klimapolitik zusammen betrachtet.