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Bundesverband mittelständische Wirtschaft
Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft – Unternehmerverband Deutschlands e. V. (BVMW) ist ein Spitzenverband der mittelständischen Wirtschaft mit …
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Aufgabe und Bedeutung
Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft – Unternehmerverband Deutschlands e. V. (BVMW), der unter dem Namen „Der Mittelstand. BVMW e. V.“ auftritt, ist ein Spitzenverband der mittelständischen Wirtschaft. Ein Spitzenverband vertritt die gemeinsamen Interessen zahlreicher Unternehmen gegenüber Politik und Öffentlichkeit. Der BVMW arbeitet berufs- und branchenübergreifend, also nicht nur für einen einzelnen Wirtschaftszweig, und bezeichnet sich als parteipolitisch unabhängig. Sein Zweck ist die Mittelstandsförderung. Der Verband ist ein eingetragener Verein mit Sitz in Berlin. Für 2024 werden 29.090 Mitglieder angegeben.
Der BVMW wurde 1975 in Bonn gegründet, unter anderem von Dieter Härthe. Anlass war eine Pleitewelle unter mittelständischen Unternehmen in Nordrhein-Westfalen. Einige Mittelständler wollten mit Abgeordneten in Kontakt treten und für ihre Anliegen werben, damit sich die Wirtschaftspolitik nicht ausschließlich an großen Konzernen orientierte. Nach eigenen Angaben finanziert sich der Verband seit seiner Gründung durch Mitgliedsbeiträge und Spenden.
Themen und Interessenvertretung
Der BVMW beschäftigt sich mit Themen, die für mittelständische Unternehmen wichtig sind. Unternehmerinnen und Unternehmer wirken dabei in Kommissionen und Expertenkreisen mit. Ein Wissenschaftlicher Beirat begleitet die Verbandsarbeit; den Vorsitz hat der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), das von der Handelskammer Hamburg getragen wird. Im Politischen Beirat sind Politiker aller demokratischen Parteien vertreten, die im Deutschen Bundestag sitzen.
Nach dem Lobbyregister des Deutschen Bundestags lagen die finanziellen Aufwendungen des BVMW für Interessenvertretung im Geschäftsjahr 2025 bei rund 1.330.000 Euro. Interessenvertretung bedeutet hier, politische Entscheidungen im Sinne der mittelständischen Wirtschaft zu beeinflussen und deren Anliegen gegenüber politischen Institutionen darzustellen.
Leitung und organisatorischer Aufbau
An der Spitze des Vereins stehen Vorstand und Präsidium. Mario Ohoven war von 1998 bis zu seinem Tod bei einem Autounfall am 31. Oktober 2020 Präsident. Er war zugleich Präsident der europäischen Vereinigung CEA-PME. Nach einer Satzungsänderung 2021/2022 wurde die Bezeichnung „Präsident“ durch „Vorsitzender“ ersetzt. Markus Jerger war von 2021 bis 2023 Vorsitzender; seit 2023 hat Christoph Ahlhaus diese Funktion inne und ist zugleich Bundesgeschäftsführer. Dem Präsidium gehören Jochen Leonhardt, Helmut Baur, Thiemo Fojkar, Willi Grothe, Gordon Pelz und Arthur Zimmermann an. Zur Geschäftsleitung zählen Michael Woltering, Michael Dammenhein und Andreas Jahn.
Zum sogenannten Bundeswirtschaftssenat gehören 230 Persönlichkeiten des deutschen Mittelstands. Seine Arbeit wird durch den Generalsekretär Christoph Ahlhaus und sieben Direktoren in den Regionen koordiniert.
Die Bundeszentrale befindet sich in Berlin. Etwa 300 Regionalbüros betreuen die Mitglieder vor Ort. Die Verbandsrepräsentanten vernetzen Mitgliedsunternehmen, organisieren regionale Veranstaltungen und bieten unternehmerische Unterstützung. International ist der BVMW mit 58 Auslandsbüros vertreten. Dazu zählen ein EU-Verbindungsbüro in Brüssel und Standorte in Asien, Mittelosteuropa und Afrika. Die Büros vermitteln Kontakte, Informationen, Wissen und Dienstleistungen in den jeweiligen Zielländern.
Allianzen und internationale Initiativen
Unter dem Dach des BVMW bündelt die Mittelstandsallianz zahlreiche Branchen- und Berufsverbände zu einer gemeinsamen politischen Stimme. Dazu gehören unter anderem Verbände aus den Bereichen Bildung, Breitbandkommunikation, Bilanzbuchhaltung und Controlling, Dolmetschen und Übersetzen, Anzeigenblätter, Innovations- und Gründerzentren, Omnibusverkehr, digitale Wirtschaft, Factoring, Informationstechnik, Medien und Marketing, Logistik, Entsorgung, Taxi- und Mietwagenverkehr, Interim Management, Betriebssport, Wirtschaftsprüfung sowie Gründung und Selbstständigkeit. Seit 2017 kooperiert der BVMW außerdem mit dem Bund der Steuerzahler Deutschland. Dieser setzt sich nach eigener Darstellung unter anderem für niedrigere Steuern und Abgaben, weniger Bürokratie, weniger „Steuerverschwendung“ und eine geringere Staatsverschuldung ein.
Die 2024 gegründete Mittelstandsinitiative Lateinamerika unterstützt deutsche Unternehmen, die in der Region geschäftlich tätig werden möchten. Sie arbeitet mit den dortigen Auslandsvertretungen und regionalen Partnern zusammen. Beteiligt sind Vertretungen in Argentinien, Brasilien, Chile, Costa Rica, Honduras, Kolumbien, Mexico, Panama, Paraguay, Peru und Uruguay.
Die Mittelstandsallianz Afrika hilft Unternehmen beim Eintritt in afrikanische Zielmärkte. Außerdem stellt sie eine Plattform bereit, auf der Geschäftskontakte geknüpft werden können.
Publikationen, Netzwerke und Kritik
Der BVMW veröffentlicht alle zwei Monate das Magazin „Mittelstand.“. Er ist Mitglied der Confédération Européenne des Associations de Petites et Moyennes Entreprises (CEA-PME), des Netzwerks Europäische Bewegung und des International Network for Small and Medium Sized Enterprises (INSME).
Kritik betraf vor allem die Selbstdarstellung und die angegebenen Mitgliederzahlen. Nach Recherchen des Handelsblatts aus dem Jahr 2015 erklärte der BVMW damals, 270.000 Unternehmen zu vertreten. Die Verbandszeitschrift hatte jedoch weniger als 17.000 Abonnenten; interne Zahlen sollen auf nur gut 15.000 Mitglieder hingedeutet haben. Dem stand eine offiziell vom BVMW angegebene Mitgliederzahl von 55.000 gegenüber. Die voneinander abweichenden Angaben wurden als Hinweis gewertet, dass der Verband seine Bedeutung übertreibe. Für 2024 nennt die Übersicht des Artikels 29.090 Mitglieder.
Darüber hinaus wurde dem damaligen Präsidenten Mario Ohoven vorgeworfen, geschäftliche und private Angelegenheiten zu vermischen. Die „Welt am Sonntag“ berichtete im Juni 2019, die rund 26.000 Euro hohen Kosten für Musiker bei einer Geburtstagsfeier Ohovens sollen über eine andere Verbandsveranstaltung abgerechnet worden sein. Angeblich habe der Verband außerdem Rechnungen von Luxushotels bezahlt. Der Artikel stellt diese Punkte als Vorwürfe beziehungsweise Medienberichte dar, nicht als abschließend bewiesene Tatsachen.