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Bumerang
Der Bumerang (Plural -e oder -s) ist ein traditioneller Wurfstock der australischen Aborigines. Er wird in der Neuzeit vor allem als Sportgerät genutzt.
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Grundverständnis und Bauformen
Der Bumerang, im Plural „Bumerange“ oder „Bumerangs“, ist ein traditioneller Wurfstock der australischen Aborigines. Heute wird er vor allem als Sportgerät verwendet. Bumerangs können aus Holz, Knochen, Metall oder Kunststoff bestehen. Entscheidend ist das Profil der Arme: Es erzeugt beim Flug dynamischen Auftrieb.
Die bekannte traditionelle Form ähnelt einem „L“ mit zwei ungefähr gleich langen Armen. Wettkampfbumerangs besitzen häufig drei oder mehr Arme; diese müssen nicht symmetrisch angeordnet sein. Als Materialien werden unter anderem natürlich gewachsenes Hartholz, Sperrholz, Kunststoff und andere feste Stoffe verwendet.
Nicht jeder Bumerang kehrt zum Werfer zurück. Der traditionelle australische Jagdbumerang, auch „Kylie“ genannt, war meistens schwerer und größer und flog weiter, geradliniger sowie zielsicherer als ein Rückkehrbumerang. Von elf australischen Bumerangtypen waren nach den Untersuchungen von Hanns Peter 95 % nicht für den Rückkehrflug geeignet, sondern dienten als Jagdgeräte. Bumerangs wurden außerdem als Grabstock, Musikinstrument oder Schlagwaffe verwendet. Einzelne Exemplare konnten bis zu 2 kg schwer und 1,30 m lang sein.
Wie Rückkehrbumerangs fliegen
Rückkehrende Bumerangs werden nach ihrer Flugbahn in zwei Hauptkategorien eingeteilt.
Bei der kreisförmigen Rückkehr ändert der Bumerang während des Fluges seine Richtung. Seine Rotation erzeugt an den Flügelprofilen Auftrieb, der senkrecht zur Oberfläche wirkt. Die horizontale Komponente dieses Auftriebs wirkt als Zentripetalkraft und zwingt den Bumerang auf eine Kreisbahn. Die vertikale Komponente verhindert, dass er zu Boden fällt.
Bei der geradlinigen Rückkehr, auch „Out-and-Back“ genannt, ändert der Bumerang seine Flugrichtung nicht. Die Eigenrotation hält ihn räumlich stabil. Dadurch gleitet er nach dem Abwurf annähernd auf geradem Weg wieder zum Werfer zurück.
Geschichte, Funde und weltweite Verwendung
Die ältesten bekannten Nachweise reichen weit in die Vorgeschichte zurück. Der älteste bekannte Bumerang wurde 1985 in der Obłazowa-Höhle in den polnischen Karpaten entdeckt. Ursprünglich wurde er durch Radiokohlenstoffdatierung auf etwa 23.000 Jahre BP geschätzt; neuere Datierungen und Modellierungen setzen sein Alter inzwischen auf ungefähr 40.000 Jahre herauf. Der Bumerang besteht aus dem Stoßzahn eines Wollhaarmammuts und stammt aus Siedlungsschichten des Gravettien. Die Unterseite wurde abgeflacht, um die Flugeigenschaften zu verbessern. Das Original wiegt 800 Gramm. Möglicherweise diente es wegen des wertvollen Materials nicht der Jagd, sondern Kultzwecken.
Die ältesten Bumerangs aus Holz wurden 1973 im Wyrie Swamp in Südaustralien ausgegraben und sind ungefähr 10.000 Jahre alt. Ein 1990 in Magdeburg-Neustadt geborgener Bumerang aus Eschenholz stammt aus der Zeit zwischen 800 und 400 v. Chr. Er ist 7–10 mm dick, besitzt einen Winkel von 110° und hat einen erhaltenen Arm von 22 cm Länge. Ein Fund aus Velsen in den Niederlanden wird auf 300 v. Chr. datiert; sein Winkel beträgt 60°.
Bumerangähnliche Felsritzungen sind aus Norwegen und Schweden sowie aus Afrika, Amerika, Asien und Australien bekannt. Bei einigen nordischen Felsbildern ist jedoch wegen der ungenauen Darstellung nicht sicher zu entscheiden, ob tatsächlich Bumerangs abgebildet sind. Auch in einer ägyptischen Grabkammer wurden Wurfhölzer gefunden. Darstellungen aus dem Neuen Reich zeigen vornehme Ägypter bei der Jagd auf Wasservögel im Schilf.
Heute sind besonders die Aborigines für die jahrtausendealte Verwendung von Bumerangs bekannt. Jagdbumerangs wurden jedoch auch in Afrika, Amerika und Asien, darunter Indien, gefunden. Manche nordamerikanischen Indianerstämme verwenden sie noch heute als Jagdwaffe. 1770 brachte James Cook erstmals einen australischen Bumerang nach Europa. In den 1930er Jahren wurde der Bumerang als Sportgerät entdeckt.
Bumerang als Sport
Rückkehrende Bumerangs wurden in Australien zur Jagd auf Vögel in Schwärmen eingesetzt. Junge Aborigines verwendeten sie außerdem als Spiel- und Übungsgerät. Moderne Sportbumerangs besitzen je nach Form und Profil sehr unterschiedliche Flugeigenschaften: Manche bleiben lange in der Luft, andere kehren besonders genau zurück, eignen sich für Kunstfänge oder kommen bereits nach etwa drei Sekunden zurück.
Bei Turnieren wird meist in einem Feld aus mehreren konzentrischen Kreisen geworfen. Für alle Disziplinen außer dem Weitwurf muss der Bumerang mindestens den 20-m-Kreis überqueren. Zu den wichtigsten Disziplinen gehören:
- Bei der „Aussie Round“ oder Australischen Runde soll der Bumerang möglichst über den 50-m-Kreis fliegen und im Optimalfall im Zentrumskreis gefangen werden. Pro Werfer gibt es fünf Würfe; bewertet werden Weite, Rückkehrgenauigkeit und Fang.
- Bei „Accuracy“ wird der Bumerang nicht mehr berührt. Punkte richten sich danach, wie nahe er am Zentrum landet; jeder Werfer hat fünf Würfe.
- Bei „Endurance“ zählt man die Fänge während fünf Minuten, bei „Fast Catch“ wird die Zeit für fünf Fänge gemessen.
- „Trick Catch/Doubling“ verlangt Kunstfänge, etwa hinter dem Rücken oder mit den Füßen. Beim Doubling werden zwei Bumerangs gleichzeitig geworfen und nacheinander mit einem besonderen Griff gefangen.
- Bei „MTA 100“ wird die Zeit vom Abwurf bis zum Fang gemessen. Das Feld ist meist ein Kreis mit 100 m Durchmesser; daneben gibt es „MTA unlimited“ ohne Feldbegrenzung.
- Beim „Long Distance“ wird von der Mitte einer 40 m breiten Grundlinie geworfen. Gemessen wird die größte Entfernung von dieser Linie. Beim Rückflug muss die Grundlinie überquert werden, der Bumerang muss aber nicht gefangen werden.
- Bei „Consecutive Catch“ zählt man die Fänge bis zum ersten Fallenlassen. Beim „Juggling“ werden zwei Bumerangs verwendet, wobei immer mindestens einer in der Luft sein muss.
- Beim „Targeting“ mit Jagdbumerangs zählen Treffer und die Nähe zum Ziel, zum Beispiel zu einem Verkehrskegel.
Der Bumerangsport wird vor allem in Europa, Nordamerika, Japan, Australien und Südamerika betrieben. In geraden Jahren finden Weltmeisterschaften, in ungeraden Jahren Europameisterschaften statt. Geübte Werfer können Nachbauten von Jagdbumerangs bis zu 100 m weit werfen. Regionale und nationale Clubs veranstalten Demonstrationen und Workshops.
Rekorde
Die in der Artikelübersicht mit Stand Juni 2010 genannten Weltrekorde umfassen unter anderem 68 Punkte bei Accuracy 50 durch Thomas Stehrenberger (Schweiz, 2001), 99 Punkte bei Accuracy 100 durch Alex Opri und Fridolin Frost (Deutschland, 2007) sowie 99 Punkte bei der Aussie Round durch Fridolin Frost (2007). Manuel Schütz erzielte 81 Fänge bei Endurance (2005), 14,07 Sekunden bei Fast Catch (2017), 533 Punkte bei Trick Catch/Doubling (2009) und 238 m im Long Distance (1999). Weitere aufgeführte Rekorde sind 2251 Fänge bei Consecutive Catch durch Haruki Taketomi (Japan, 2009), 139,1 s bei MTA 100 durch Nick Citoli (USA, 2010) und 380,59 s bei MTA unlimited durch Billy Brazelton (USA, 2010).
Am 15. März 2005 warf David Schummy auf dem Murrarie Recreation Ground in Australien einen Bumerang 427,2 m weit. Damit wurde der Guinness-Weltrekord für das weiteste mit Muskelkraft geworfene Objekt aufgestellt.
Aerodynamik und Drehrichtung
Die Rotation wirkt ähnlich wie die Drehung eines Kreisels. Sie stabilisiert die Ausrichtung der Rotationsachse gegenüber kleinen Störungen. Zugleich erzeugt sie an den Flügeln Auftrieb; dessen Stärke hängt von der Geschwindigkeit der umströmenden Luft ab.
Der in Flugrichtung voreilende Flügel erhält mehr Auftrieb, weil sich dort Rotationsgeschwindigkeit und Fluggeschwindigkeit addieren. Beim entgegengesetzt bewegten Flügel wird die Fluggeschwindigkeit von der Rotationsgeschwindigkeit abgezogen. Die dadurch entstehenden unterschiedlichen Auftriebskräfte würden die Achse zunächst in eine bestimmte Richtung kippen. Nach einem weiteren Kreiselgesetz führt eine Kraft an der Achse jedoch erst um 90° in Drehrichtung versetzt zu einer sichtbaren Abweichung. Dadurch wird der Bumerang zum Kurvenflug gezwungen.
Ein Bumerang wird mit etwas Schräglage geworfen, damit der Auftrieb die Gravitation ausgleicht. Die Orientierung des Flügelprofils und der Anstellwinkel bestimmen, in welche Richtung er rotieren muss. Deshalb gibt es spiegelbildlich gebaute Bumerangs für Rechts- und Linkshänder.