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Buddhismus in Sri Lanka
Der Buddhismus in Sri Lanka ist die im Land am weitesten verbreitete Religion. Nach dem Zensus von 2024 gehören 60,9 % der Gesamtbevölkerung, …
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Überblick und Verbreitung
Der Buddhismus ist in Sri Lanka die am weitesten verbreitete Religion und wird traditionell als Theravada-Buddhismus praktiziert. Theravada ist eine buddhistische Tradition, in der die Lehre und Lebensweise der Mönchsgemeinschaft, des Sangha, besonders wichtig sind. Die Buddhisten sind überwiegend Singhalesen, einer der beiden Haupt-Bevölkerungsgruppen Sri Lankas.
Für 2024 nennt der einleitende Text einen buddhistischen Anteil von 60,9 % der Gesamtbevölkerung. Die im Artikel abgedruckte Tabelle des Department of Census and Statistics nennt für den Zensus 2024 dagegen 15.199.093 Buddhisten beziehungsweise 69,30 %. Diese voneinander abweichenden Angaben werden im Artikel nicht erklärt.
Anfänge und Quellen
Nach den in Pali verfassten Nationalchroniken Dipavamsa („Inselchronik“) und Mahavamsa („Große Chronik“), die beide in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts n. Chr. entstanden, soll der historische Buddha Sri Lanka dreimal besucht haben. Diese Erzählung gilt als rein legendär, prägt jedoch weiterhin das Selbstverständnis buddhistischer Singhalesen.
Die Chroniken verbinden die Ausbreitung des Buddhismus mit Kaiser Ashoka, der von 268 bis 232 v. Chr. regierte. Sein Sohn Mahinda soll König Devanampiya Tissa, der von 247 bis 207 regierte, getroffen haben. Der König und 40.000 Menschen seiner Gefolgschaft sollen zum Buddhismus übergetreten sein. Ashokas Tochter Sanghamitta soll einen Setzling des Bodhi-Baums nach Sri Lanka gebracht haben, unter dem Buddha Shakyamuni der Überlieferung nach die Erleuchtung erlangte. Devanampiya Tissa ließ den Sri Mahi Bodhi in Anuradhapura pflanzen.
Historisch belegt ist dagegen, dass ein Edikt Ashokas bereits vor der Mitte des 3. Jahrhunderts v. Chr. die Verbreitung des Buddhismus nach Sri Lanka erwähnt und dass Ashoka eine Gesandtschaft auf die Insel schickte. Die Förderung durch König Devanampiya Tissa war vermutlich wichtig für die erfolgreiche Ausbreitung. Die frühesten Quellen aus Sri Lanka selbst stammen etwa aus dem Jahr 200 v. Chr.: Brahmi-Inschriften an Felswänden und in Höhlen nennen Namen buddhistischer Stifter.
Kolonialherrschaft und buddhistische Erneuerung
Sri Lanka stand zunächst unter portugiesischer Herrschaft von 1505 bis 1658, danach unter niederländischer Herrschaft von 1658 bis 1796. Mit der Übernahme durch die British East India Company im Jahr 1796 geriet die gesamte Insel unter koloniale Herrschaft; auch Kandy, das letzte politische Machtzentrum, fiel an eine Kolonialmacht. Christliche Missionierung begann bereits unter den Portugiesen, wurde aber erst unter britischer Herrschaft strategisch organisiert.
Um 1860 entstand eine Bewegung zur Wiederbelebung des Buddhismus. Die Mönche Migettuwatte Gunananda (1823–1890) und Hikkaduve Sumangala (1826–1911) waren wichtige Vertreter. Gunananda gründete 1862 die Society for the Propagation of Buddhism. Sumangala kaufte 1855 eine Druckerpresse für die Kampagne gegen die christliche Mission und gründete 1873 das buddhistische College Vidyodaya. Zwischen 1864 und 1873 fanden fünf öffentliche christlich-buddhistische Debatten statt. Besonders die Panadura-Debatte, die fünfte dieser Debatten, wird als einflussreich für ein buddhistisches „Erwachen“ auf der Insel angesehen.
Die Wiederbelebung wird meist Anagarika Dharmapala zugeschrieben, bürgerlich Don David Hewavitarne (1864–1933). Als nicht ordinierter, aber zölibatär lebender und politisch engagierter buddhistischer Laie stand er zwischen Sangha und allgemeiner Bevölkerung. Er machte den Buddhismus stärker für Laien zugänglich und stellte ihn als vernunftorientierte, mit wissenschaftlichen Erkenntnissen vereinbare Religion dar. Der zuvor vor allem als Mönchsbuddhismus verstandene klassische Buddhismus sollte auch Laien ermöglichen, persönliche Erlösung auf einem „Mittleren Pfad“ zu verwirklichen.
Buddhistische Bevölkerung
Der Anteil buddhistischer Menschen an der Gesamtbevölkerung stieg nach der Tabelle langfristig an, schwankte aber zwischen den Zählungen. Er lag 1881 bei 1.698.100 Personen oder 61,53 %, 1946 bei 4.294.900 oder 64,51 %, 1981 bei 10.288.300 oder 69,30 % und 2011 bei 14.222.844 oder 70,20 %. Für 2024 werden 15.199.093 Buddhisten und 69,30 % angegeben.
Der Zensus von 2001 wurde nicht berücksichtigt, weil er nur in 18 von 25 Distrikten durchgeführt wurde. Religiös bedeutsam ist auch der Zahntempel in Kandy: Laut religiöser Überlieferung wird dort ein linker Eckzahn Buddhas Shakyamuni aufbewahrt.
Nationalismus und Konflikte
In der Gegenwart ist der Buddhismus teilweise mit singhalesischem Nationalismus verbunden. Religiöse und ethnische Grenzen überschneiden sich häufig: Buddhisten sind meist Singhalesen, Sri-Lanka-Tamilen überwiegend Hindus und seltener Muslime. Viele Singhalesen sehen Sri Lanka als Bollwerk des Buddhismus und sich selbst als ein vom Buddha auserwähltes Volk. Obwohl sie etwa 70 % der Bevölkerung stellen, verstehen sie sich laut Artikel teilweise als bedrohte Minderheit; die Forschung bezeichnet dies als „imagined minority“.
Der Artikel führt Ursprünge dieses Nationalismus auf Dharmapala zurück. Er nutzte die Erzählung über König Dutugemunu aus dem 2. Jahrhundert v. Chr., um einen religiösen Krieg gegen Tamilen zu legitimieren. Die Überlieferung, buddhistische Heilige hätten das Töten Nicht-Buddhisten bei Dutugemunu als geringere Sünde dargestellt, dient manchen Nationalisten bis heute zur Rechtfertigung von Krieg gegen Nicht-Buddhisten.
Unter Premierminister S. W. R. D. Bandaranaike, der Ceylon von 1956 bis 1959 regierte, wurden singhalesischer Nationalismus und Buddhismus stärker verknüpft. Singhalesisch wurde einzige nationale Sprache, Schulen lehrten vor allem buddhistische Geschichte und der Buddhismus wurde gefördert. Die Benachteiligung nicht-buddhistischer Gruppen trug zu Konflikten und zum Bürgerkrieg von 1983 bis 2009 zwischen der Regierung Sri Lankas und den Tamil Tigers bei. Seit dessen Ende kam es sporadisch, besonders 2014, zu Angriffen buddhistischer Extremisten, vor allem der Bodu Bala Sena, auf Muslime, Christen und religiöse Stätten. Die Organisation forderte auch die Abschaffung der Halal-Zertifizierung.