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Wechselkurssystem

Als Wechselkurssystem (auch Wechselkursregime) bezeichnet man die Art und Weise, wie sich ein Wechselkurs, also die Tauschrelation zwischen zwei Währungen, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Flexible Wechselkurse
  3. 3. Feste Wechselkurse
  4. 4. Regimetypen zwischen den Extremen
  5. 5. Geschichte und Wahl des Systems

Grundidee und Bedeutung

Ein Wechselkurssystem oder Wechselkursregime bestimmt, wie sich der Wechselkurs bildet, also die Tauschrelation zwischen zwei Währungen. Es ist Teil der Währungsordnung eines Landes. Die zwei Grundformen sind flexible und feste Wechselkurse: Bei flexiblen Kursen entsteht der Preis einer Währung am Devisenmarkt durch Angebot und Nachfrage. Feste Kurse beruhen auf staatlichen Vereinbarungen und werden durch Eingriffe der Zentralbanken abgesichert.

Zwischen beiden Grundformen gibt es zahlreiche Mischformen. Welches System ein Land wählt, hängt besonders von politischen Zielen, nationalen Interessen und internationalen Wirtschaftsverflechtungen ab.

Flexible Wechselkurse

Bei flexiblen oder freien Wechselkursen („Floating“) erfolgt die Kursbildung grundsätzlich ohne staatliche Eingriffe. Der Wechselkursmechanismus soll auf dem Devisenmarkt einen Gleichgewichtskurs herstellen, bei dem Angebots- und Nachfragemengen übereinstimmen. Voraussetzung für dieses Devisenmarktgleichgewicht ist die Zinsparität: Die Effektivrendite von in- und ausländischen Kapitalanlagen muss gleich sein. Zinsunterschiede beruhen dann allein auf erwarteten Wechselkursänderungen.

Ändern sich Angebot oder Nachfrage nach Devisen, etwa durch Außenhandel oder Finanztransaktionen, verändert sich auch der Gleichgewichtskurs. Devisenangebot und -nachfrage entstehen durch Exporteure und Importeure sowie durch Zinsarbitrageure, die Zinsdifferenzen und Wechselkurserwartungen nutzen. Der Devisenmarkt kommt dem Modell vollständiger Konkurrenz nahe, weil viele Marktteilnehmer tätig sind, die Transparenz hoch ist und Unterschiede der Marktteilnehmer kaum bedeutsam sind.

Beim „managed floating“ glätten Zentralbanken kurzfristige Schwankungen durch Eingriffe. Beim „dirty floating“ sollen Interventionen den Wechselkurstrend beeinflussen. Einen politisch vorgegebenen Leitkurs gibt es nicht. Völlig flexible Wechselkurse bestehen beispielsweise in den USA, im Vereinigten Königreich, in Norwegen und Schweden.

Vorteil ist die autonome Geldpolitik: Zentralbanken müssen keine Parität verteidigen und können die Geldmenge im Inland steuern sowie besser auf Schocks reagieren. Eine Abwertung verbilligt Exporte für das Ausland, erleichtert dadurch deren Verkauf und kann Zahlungsbilanzungleichgewichte ausgleichen. Nachteil sind starke Kursschwankungen, also hohe Volatilität, sowie daraus folgende Unsicherheit und schlechte Vorhersehbarkeit.

Feste Wechselkurse

Bei festen Wechselkursen vereinbaren Länder einen Leitkurs, die Parität. Die Zentralbanken halten ihn durch Devisenmarktinterventionen: Droht der Kurs die erlaubte Bandbreite zu verlassen, treten sie selbst als Anbieter oder Nachfrager von Devisen auf. Die Grenzen heißen oberer und unterer Interventionspunkt. Häufig sind feste Wechselkurse Bandbreitensysteme; der Kurs darf beispielsweise um ±1 % von der zentralen Parität abweichen. Änderungen über die Bandbreite hinaus sind nur durch eine Paritätsänderung, ein Realignment, möglich.

Eine Währung kann an eine einzelne Währung oder einen Währungskorb gebunden sein. Auch hier gilt die Zinsparität. Bei erwarteter unveränderter Parität und perfekter Kapitalmobilität muss der inländische Zinssatz dem ausländischen entsprechen. Beispiele sind der Goldstandard, das Bretton-Woods-System und das Europäische Währungssystem; die Währungsunion ist der Extremfall einer festen Bindung.

Vorteile sind Kursstabilität, sichere Kalkulierbarkeit, Vorhersehbarkeit und niedrigere Transaktionskosten. Die auf die Parität ausgerichtete Zentralbankpolitik kann die Glaubwürdigkeit des Systems erhöhen. Wesentlicher Nachteil ist der Verlust einer autonomen Geldpolitik. Die Zentralbank kann Handelsungleichgewichte und Konjunktur weniger beeinflussen; Fiskalpolitik allein genügt nicht. Abwertungserwartungen können Abwertungen auslösen. Unangemessene Paritäten machen das System spekulationsanfällig; außerdem können importierte Inflation und internationale Illiquidität auftreten.

Regimetypen zwischen den Extremen

Die Regime reichen von besonders festen zu besonders flexiblen Formen. Ohne eigene gesetzliche Währung nutzen mehrere Länder eine gemeinsame Währung (Währungsunion) oder ein Land übernimmt allein die Währung eines anderen Landes; dies heißt Dollarisierung beziehungsweise Euroisierung. Ecuador nutzt seit 2000 eine Fremdwährung.

Ein Currency Board verpflichtet ein Land gesetzlich oder verfassungsrechtlich, seine Währung zu einem festen Kurs in eine bestimmte ausländische Währung umzutauschen. Damit ist eine eigenständige Änderung des Kurses ausgeschlossen. Beispiele sind Argentinien von 1991 bis 2002 und Hongkong seit 1983; die Institutionalisierung soll großes Vertrauen schaffen.

Bei einer Bindung an eine Ankerwährung oder einen Währungskorb sichert die Zentralbank die Parität durch Interventionen. Dies kann bei Abhängigkeit von einem beziehungsweise mehreren großen Handelspartnern sinnvoll sein. Bandbreiten erlauben begrenzte Schwankungen; Bretton Woods und das EWS waren Beispiele. Beim Crawling Peg wird der Kurs regelmäßig in kleinen, vorher angekündigten Schritten angepasst, etwa in Polen von 1991 bis 2000. Beim Adjustable Peg wird die Parität beziehungsweise Bandbreite unregelmäßig angekündigt angepasst. Managed Floating lässt freiwillige Interventionen zu. Beim unabhängigen Floating bestimmen Marktkräfte den Kurs; Interventionen dienen höchstens der Glättung kurzfristiger oder übermäßiger Schwankungen. Dirty Floating umfasst seltene, unangekündigte Eingriffe zur groben Erreichung eines Zielkurses.

Geschichte und Wahl des Systems

Mit dem stark zunehmenden Außenhandel im 19. Jahrhundert gewann die internationale Wechselkursordnung an Bedeutung. Von 1880 bis 1914 herrschte der klassische Goldstandard: Der Wert einer Währung war in Gold fixiert, und Gold musste zu diesem Kurs gegen die Landeswährung getauscht werden. Nach der Suspendierung im Ersten Weltkrieg versuchten viele Länder eine Rückkehr zum Golddevisenstandard, bei dem neben Gold auch Devisen als Reserven gehalten wurden. Die unkoordinierte Rückkehr zu Goldparitäten führte jedoch zu Über- und Unterbewertungen. Nach der Suspendierung der Goldeinlösepflicht der Bank von England für das Pfund am 21. September 1931 zerfiel das System; es entstanden unter anderem Sterlingblock und Goldblock.

Am 22. Juli 1944 wurden der Internationale Währungsfonds (IWF) gegründet und das Bretton-Woods-System beschlossen. Es war ein Festkurssystem mit einer Bandbreite von 1 % um die Parität; Ankerwährung war der durch Gold hinterlegte US-Dollar. Nach der Abwertung des US-Dollars 1971 und der Aufhebung seiner Goldeinlösepflicht brach Bretton Woods im März 1973 zusammen. 1978 stellte der IWF seinen Mitgliedern die Systemwahl frei. Das Europäische Währungssystem regelte von März 1979 bis 1998 Wechselkurse in der Europäischen Union über Bandbreiten. Der Euro war ab 1. Januar 1999 Buchwährung und wurde im Januar 2002 als Bargeld eingeführt. Zwischen 1990 und 2004 stieg der Anteil der IWF-Länder mit völlig flexiblen oder extrem rigiden Regimen von etwa einem Drittel auf etwas mehr als die Hälfte; beide Extreme galten als krisenresistenter als Zwischenformen.

Bei der Wahl zählen etwa Außenhandelsabhängigkeit, Breite des Exportsortiments, internationale Liquidität, interne oder externe Stabilität und die Anpassungsfähigkeit der Arbeitsmärkte. Ein exportabhängiges Land mit engen Handelsbeziehungen zu Nachbarn bevorzugt eher feste Kurse. Die „unmögliche Dreiheit“ besagt, dass Wechselkursstabilität, Kapitalverkehrsfreiheit und Autonomie der Geldpolitik nicht gleichzeitig vollständig erreichbar sind. Feste Kurse erfordern den Verzicht auf autonome Geldpolitik oder Kapitalverkehrsfreiheit; Kapitalverkehrsfreiheit und autonome Geldpolitik führen dagegen zu flexiblen Kursen. Ökonomen bevorzugen im Allgemeinen flexible Kurse. Ausnahmen sind eine gemeinsame Währung für stark integrierte Länder sowie Currency Board oder Dollarisierung, wenn eine Zentralbank keine verantwortungsbewusste Geldpolitik betreiben kann.

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