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Boundless (Album)
Vincent Sorg übernahm auch das mischen und mastern. Die einzigen Gastmusiker auf Boundless waren Eddie Northund und David Miles, die bei dem Lied Like a …
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Überblick
Boundless ist das sechste Studioalbum der deutschen Band Long Distance Calling. Es erschien am 2. Februar 2018 über InsideOut Music. Das Album gehört zu den Genres Post-Rock und Post-Metal. Post-Rock bezeichnet Rockmusik, die oft längere, instrumentale Stücke und Klangaufbau statt klassischer Strophe-Refrain-Strukturen nutzt; Post-Metal verbindet solche offenen Formen mit der Härte und Dichte von Metal.
Das Album enthält acht Titel und hat eine Gesamtlänge von 49:21 Minuten. Die Besetzung bestand aus Florian Füntmann und David Jordan an den Gitarren, Jan Hoffmann am Bass und Janosch Rathmer am Schlagzeug. Produziert wurde Boundless von Long Distance Calling gemeinsam mit Vincent Sorg. Aufgenommen wurde in den Principal Studios in Senden und im Sound Ranger Studio in Münster.
Ein zentrales Merkmal des Albums ist, dass es vollständig instrumental ist: Es gibt keinen Gesang und keine Gaststimmen. Die Band beschrieb Boundless deshalb als möglicherweise „reinste[s] LDC-Album aller Zeiten“. Gleichzeitig wurde es als das bis dahin härteste Album der Bandgeschichte bezeichnet.
Entstehung und musikalische Ausrichtung
Die Entscheidung für ein rein instrumentales Album entstand 2017. Im Frühjahr spielte Long Distance Calling eine Tour zum zehnjährigen Jubiläum ihres Debütalbums Satellite Bay, bei der nur instrumentale Stücke aufgeführt wurden. Später musste die Band bei einem Festival ohne den in Norwegen lebenden Sänger Petter Carlsen auftreten. Bassist Jan Hoffmann erklärte, dass sich diese Konzerte für die Musiker auf der Bühne sehr gut angefühlt hätten. Die Band merkte, dass sie wieder instrumentale Musik spielen wollte und sich mit Gesang weniger wohl fühlte, als sie zuvor gedacht hatte.
Auch rückläufige Zuschauerzahlen bei Konzerten und negative Kommentare in sozialen Netzwerken beeinflussten diese Entwicklung. Danach zog sich die Band mehrere Monate in den Proberaum zurück und schrieb neue Lieder in verschiedenen Jamsessions. Eine Jamsession ist ein gemeinsames, oft freies Musizieren, bei dem Ideen direkt ausprobiert und weiterentwickelt werden.
Gitarrist Florian Füntmann sagte, dass die Band ohne die Frage arbeiten wollte, „wo nun Gesang hin passt und was funktioniert und was nicht“. Die Musiker wollten wieder wie früher gemeinsam im Proberaum Songs schreiben, statt einzeln Aufnahmen hin- und herzuschicken. Sie machten sich keine festen Vorgaben für das Album. Elektronische Effekte übernahm die Band selbst. Gerade durch diese Arbeitsweise verstand sie Boundless als besonders direktes und unverstelltes Album.
Aufnahmen und Veröffentlichung
Wie schon beim Vorgängeralbum Trips arbeitete die Band bei Boundless wieder mit Vincent Sorg zusammen. Der Unterschied lag darin, dass Sorg diesmal weniger am Songwriting beteiligt war und weniger Einfluss auf das Endergebnis hatte. Florian Füntmann erklärte, die Band habe das Album zunächst ganz selbst produzieren wollen, sich dann aber erneut für Sorg entschieden. Er war eher ausführender Produzent, half beim Arrangieren der Lieder und kümmerte sich um Samples und Elektronik. Samples sind kurze aufgenommene Klangstücke, die in ein Musikstück eingebaut werden können.
Das Schlagzeug wurde in den Principal Studios in Senden aufgenommen, Gitarre und Bass im Sound Ranger Studio in Münster. Obwohl das Album nicht live eingespielt wurde, wollte die Band einen roheren und direkteren Klang erreichen als zuvor. Vincent Sorg übernahm auch Mischung und Mastering. Beim Mischen werden die einzelnen Tonspuren klanglich zusammengesetzt; beim Mastering erhält die fertige Aufnahme ihre endgültige Klangform. Die einzigen Gastmusiker waren Eddie Northund und David Miles, die im Stück Like a River Cello beziehungsweise Trompete spielten.
Neben der regulären CD erschien eine Special Edition CD mit dem Bonustitel Flashback. Außerdem wurde das Album als LP auf schwarzem, dunkelgrünem und transparent magentafarbenem Vinyl veröffentlicht. Alle LP-Versionen enthielten ebenfalls Flashback sowie das komplette Album auf CD. Zu Out There entstand ein Musikvideo, das die Band beim Wandern in den Dolomiten zeigt. Auch das Albumcover entstand während dieser Wanderung. Ein weiteres Video wurde während der Studioaufnahmen zu Ascending gedreht, im September 2018 folgte ein Musikvideo zu Like a River.
Titel, Bedeutung und Aufbau
Der Titel Boundless bedeutet auf Deutsch „grenzenlos“. Laut Jan Hoffmann hat er zwei Bedeutungen. Erstens verweist er auf das Thema Reisen. Für viele Fans seien die Alben von Long Distance Calling eine Art „Reisen im Kopf“. Zweitens beschreibt der Titel die Haltung der Band bei diesem Album: Sie habe sich „freigeschwommen“ und ohne „Limitierungen oder Korsette“ musiziert. Die Musiker hätten „einfach gemacht, anstatt zu viel darüber nachzudenken“.
Die Reihenfolge der acht Lieder soll den Weg der Musiker von unten bis zum Berggipfel symbolisieren. Die Titelliste lautet: Out There – 9:13, Ascending – 4:59, In the Clouds – 6:00, Like a River – 4:56, The Far Side – 5:45, On the Verge – 6:02, Weightless – 6:56 und Skydivers – 5:32.
Das Stück Like a River ist eine Hommage an den italienischen Komponisten Ennio Morricone. In seiner ursprünglichen Form sollte es innerhalb eines stark auf Härte ausgerichteten Albums als Ruhepol wirken. Eine Hommage ist eine bewusste musikalische oder künstlerische Würdigung einer anderen Person oder ihres Stils.
Rezeption und Chartplatzierungen
Boundless wurde in Musikmagazinen positiv besprochen. Das deutsche Magazin Rock Hard kürte es gemeinsam mit Down Below von Tribulation zum Album des Monats. Rezensent Tobias Blum hob die „Details und den Reichtum an Klangfarben“ hervor, mit denen Long Distance Calling ihren gefestigten Stil weiterentwickelten. Er schrieb, die Band lege „(wieder) befreit von den Fesseln konventionellen Songwritings“ eines ihrer stärksten Alben vor, und vergab 8,5 von zehn Punkten.
Frank Thiessies vom deutschen Magazin Metal Hammer betonte, die größte Stärke der Band bleibe ihre Fähigkeit, auch bei längeren Stücken die Aufmerksamkeit der Hörer zu halten und zugleich eingängig zu bleiben. Er beschrieb Boundless als „ein[en] tolle[n] akustische[n] Trip“, der mehr erzählen und hervorrufen könne als klassischere Rock-Band-Besetzungen mit vielen gesungenen Worten. Seine Bewertung betrug sechs von sieben Punkten.
In den Charts erreichte Boundless Platz 24 in Deutschland und blieb dort zwei Wochen. In Österreich erreichte das Album Platz 65 für eine Woche, in der Schweiz Platz 22 für eine Woche. Das Musikvideo zu Out There wurde vom Magazin Visions in die Liste der 20 besten Musikvideos von 2017 aufgenommen.
Tour zum Album
Zur Veröffentlichung des Albums spielte Long Distance Calling die Boundless Tour. Sie begann am 2. Februar 2018 in Dortmund und endete am 21. Dezember 2018 in Schweinfurt. Insgesamt umfasste die Tour 32 Konzerte und bestand aus zwei Teilen.
Die Tour führte die Band durch 23 deutsche Städte. Außerdem spielte sie viermal im Vereinigten Königreich, jeweils zweimal in den Niederlanden, Österreich und Tschechien sowie jeweils einmal in Frankreich, Polen und der Schweiz. Beim ersten Teil der Tour trat Long Distance Calling ohne Vorgruppe auf. Beim zweiten Teil wurde die Band von Motorowl unterstützt.
Der erste Tourteil umfasste unter anderem Auftritte in Dortmund, Hannover, Berlin, Hamburg, Kiel, Bremen, Köln, Wiesbaden, Stuttgart, München, Wien, Prag, Dresden und Nürnberg. Der zweite Teil führte unter anderem nach Leipzig, Potsdam, Karlsruhe, Pratteln, Dornbirn, Augsburg, Trier, Bochum, Rostock, Braunschweig, Frankfurt am Main, Bielefeld und Schweinfurt.