Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Post-Rock
Post-Rock [pʰəʊstɹɒk] ist ein Sammelbegriff für unterschiedliche Spielarten des Rock, die einerseits sehr stark mit Alternative- oder Indie-Rock verwandt …
Inhalt5 Abschnitte
Kern des Genres
Post-Rock ist ein Sammelbegriff für unterschiedliche Spielarten des Rock. Die Musik ist einerseits eng mit Alternative Rock und Indie-Rock verwandt, enthält andererseits Anklänge an Progressive Rock und Space Rock der 1970er Jahre und bezieht sich auf Krautrock. Der Begriff zeigt eine Zwischenstellung an: Post-Rock gehört zur Rockmusik, versucht aber zugleich, die herkömmliche Form von Rock zu überwinden.
Die Musikrichtung entstand Anfang der 1980er Jahre in den USA und besteht bis heute. Als stilistische Vorläufer gelten Shoegazing, Alternative Rock, Indie-Rock und Krautrock. Genretypische Instrumente sind E-Gitarre, E-Bass und Schlagzeug. Bekannte Vertreter sind Tortoise, Stereolab, Mogwai und Godspeed You! Black Emperor.
Entstehung und Entwicklung
Als Vorläufer des Post-Rock gilt die Shoegazing-Welle der 1980er und 1990er Jahre. Zwischen Shoegazing und Post-Rock gab es teilweise Überschneidungen, auch bei den beteiligten Bands.
Der Begriff „Post-Rock“ wurde in den frühen 1990er Jahren von englischen Musikkritikern wie Simon Reynolds verwendet. Er sollte Bands wie Bark Psychosis oder Disco Inferno beschreiben, für die eine neue Kategorie gesucht wurde. Schon diese beiden Bands klangen sehr unterschiedlich. Heute umfasst der Begriff eine große Vielfalt von Bands, die oft wenig gemeinsam haben. Gemeinsam ist ihnen meistens der bewusste Versuch, über konventionelle Formen der Rockmusik hinauszugehen.
In bestimmten Orten entstanden Szenen, in denen Bands ähnliche Mittel verwendeten, sich gegenseitig beeinflussten und oft auch ähnlich klangen. Genannt werden vor allem Chicago und San Francisco, manchmal auch Montreal und Weilheim. Zugleich beschreibt der Artikel eine Entwicklung, bei der die ursprünglich progressive Strömung teilweise eher auf „bewährte Mittel“ zurückgreift, statt wirklich Neues zu suchen.
Typische musikalische Mittel
Post-Rock bezeichnet weniger eine einheitliche Stilrichtung wie Reggae oder Blues, sondern eher verschiedene Vorgehens- und Wahrnehmungsweisen gegenüber Rockmusik. Häufig wird die typische Haltung und Pose der Rockmusik verneint. Die Werke können sehr verschieden klingen, nutzen aber oft ähnliche Mittel.
Typisch ist der Verzicht auf die klassische Strophe-Refrain-Struktur. Viele Stücke sind länger als im Rock üblich, oft über 10 Minuten, manchmal über 20 Minuten. Themen entwickeln sich häufig über mehrere Minuten. Dazu kommen oft repetitive Klangmuster, also wiederholte musikalische Strukturen, die an Ambient-Musik anschließen. Solche Musik wird deshalb häufig als Filmmusik verwendet, zum Beispiel Sigur Rós in „127 Hours“ und Godspeed You! Black Emperor in „28 Days Later“.
Post-Rock nutzt neben klassischen Rockinstrumenten auch elektronische Instrumente, Computer, Samples und Außenaufnahmen. Außerdem können akustische Instrumente wie Klavier, Violine, Cello, Pauken oder Xylophon vorkommen. Manche Arrangements sind minimalistisch, andere fast orchestral. Häufig gibt es ungewöhnliche Rhythmen und „ungerade“ Taktarten.
Gesang, Aussage und Auftreten
Viele Post-Rock-Bands verzichten weitgehend oder vollständig auf Gesang. Wenn Gesang vorkommt, kann er ohne klare Worte eingesetzt werden, etwa als lautmalerischer Gesang bei Sigur Rós. Er kann auch stark verzerrt sein, bis er kaum noch verständlich ist, wie bei Mogwai.
Im Mittelpunkt steht meist die Musik selbst. Texte und Aussagen treten, sofern sie überhaupt vorhanden sind, in den Hintergrund. Eine Ausnahme nennt der Artikel bei Godspeed You! Black Emperor: Dort finden sich auf den Plattencovern explizite politische Referenzen und Bezüge zur Realität.
Post-Rock schlägt außerdem Brücken zu anderen Musikkonzepten, zum Beispiel zur Kammermusik bei Rachel’s oder zur elektronischen Musik bei Amp oder Stereolab. Bühnenshows sind oft schlicht und ohne großen Aufwand gestaltet; die Konzentration liegt auf der Musik.
Wichtige Bands
Bark Psychosis, Disco Inferno, Slint und Talk Talk werden meist als Gründungsväter des Genres bezeichnet.
Weitere einflussreiche Bands sind unter anderem Aereogramme aus Schottland, A Silver Mt. Zion aus Kanada, Caspian aus den USA, Explosions in the Sky aus den USA, God Is an Astronaut aus Irland, Godspeed You! Black Emperor aus Kanada, Long Distance Calling aus Deutschland, Mogwai aus Schottland, Mono aus Japan, Pelican aus den USA, Russian Circles aus den USA, Sigur Rós aus Island, Stereolab aus Großbritannien/Frankreich, Tortoise aus den USA und This Will Destroy You aus den USA.