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Bonaparte

Die Bonaparte (eigentlich Buonaparte) sind eine Familie aus Korsika, die 1804 mit Napoleon Bonaparte zum französischen Kaiserhaus aufstieg und dann auch …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Ursprung und Aufstieg zur Herrscherfamilie
  2. 2. Ehen, Ebenbürtigkeit und dynastische Bündnisse
  3. 3. Herrscher, Familienzweige und Thronfolge
  4. 4. Residenzen, Exil und Begräbnisstätten
  5. 5. Kaiserliche Zeichen und Napoleoniden

Ursprung und Aufstieg zur Herrscherfamilie

Die Bonaparte, ursprünglich Buonaparte, sind eine aus Korsika stammende Familie. 1804 stieg sie mit Napoleon Bonaparte zum französischen Kaiserhaus auf; seitdem werden ihre Angehörigen auch Napoleoniden genannt. Die Familie stellte Herrscher im Ersten und Zweiten Kaiserreich sowie zeitweise in mehreren europäischen Staaten.

Die Familie geht auf eine Patrizierfamilie aus Sarzana in Ligurien zurück, die um 1200 erstmals mit Gianfaldo Buonaparte erwähnt wird. 1490 gelangte Francesco Buonaparte im Zuge der genuesischen Kolonisation nach Korsika. Seit 1493 lebte die Familie in Ajaccio und stellte dort über viele Generationen Mitglieder oder Hauptmänner des Stadtrats. Neben dem korsischen Zweig gab es Familienzweige in San Miniato und Florenz.

Carlo Buonaparte widersetzte sich 1768 dem Verkauf Korsikas durch Genua an Frankreich. Nach der Niederschlagung des Aufstands wurde er amnestiert, erhielt seinen Besitz zurück und 1771 von Ludwig XV. als französischer Adeliger anerkannt. Sein Sohn Napoleon wurde als Revolutionsgeneral durch die Italien- und Ägyptenfeldzüge bekannt und 1799 Erster Konsul.

Am 2. Dezember 1804 krönte sich Napoleon in Notre-Dame de Paris in Anwesenheit Papst Pius’ VII. zum Kaiser der Franzosen; seine Frau Joséphine wurde Kaiserin. Damit erhielt die Familie den Rang des französischen Kaiserhauses. Napoleon setzte Verwandte als Herrscher ein: Joseph war 1806–1808 König von Neapel und 1808–1813 König von Spanien, Louis 1806–1810 König von Holland, Jérôme 1807–1813 König von Westphalen, Elisa 1809–1815 Großherzogin der Toskana sowie Caroline mit Joachim Murat 1808–1815 Königin von Neapel. Napoleons Sohn Napoleon Franz war 1811 nominell König von Rom. Nur Lucien blieb wegen einer nicht genehmigten Ehe politisch auf Distanz.

Nach Napoleons Sturz 1814 ging die Familie ins Exil. Sein Neffe Louis-Napoléon Bonaparte, Sohn von Louis und Hortense, scheiterte zunächst mit zwei Putschversuchen, wurde aber nach der Februarrevolution 1848 französischer Staatspräsident. Durch den Staatsstreich vom 2. Dezember 1851 und ein Referendum wurde er am 2. Dezember 1852 als Napoleon III. zum Kaiser ausgerufen. Das Zweite Kaiserreich bestand von 1852 bis 1870. Nach seiner Absetzung im Deutsch-Französischen Krieg ging Napoleon III. ins englische Exil. Ein Gesetz von 1886 verbannte die Bonaparte erneut aus der Dritten Republik; aufgehoben wurde es erst 1950.

Ehen, Ebenbürtigkeit und dynastische Bündnisse

Die europäischen Herrscherhäuser betrachteten die korsische Aufsteigerfamilie lange als nicht ebenbürtig. Vor 1804 heirateten Napoleon und seine Geschwister überwiegend in Familien des niederen Adels oder des wohlhabenden Bürgertums. Joseph heiratete 1794 Julie Clary, Lucien im selben Jahr Christine Boyer. Napoleon löste seine Verlobung mit Désirée Clary und heiratete 1796 die einflussreiche Witwe Joséphine de Beauharnais.

Nach seinem Aufstieg bemühte sich Napoleon gezielt um standesgemäße Verbindungen. Er ließ 1803 die Ehe seines Bruders Lucien mit einer Bankierswitwe annullieren. Seine Schwester Pauline heiratete 1803 Camillo Borghese, den Herzog von Guastalla. Jérôme musste seine 1803 in Amerika geschlossene Ehe mit Elizabeth Patterson aufgeben und heiratete 1807 als König von Westphalen Katharina von Württemberg. Napoleons Stiefsohn Eugène de Beauharnais wurde 1805 Vizekönig von Italien und 1806 mit Auguste von Bayern vermählt. Hortense de Beauharnais heiratete Napoleons Bruder Louis, der 1806 König von Holland wurde.

Da keine geeigneten Familienmitglieder mehr zur Verfügung standen, adoptierte Napoleon 1806 Stéphanie de Beauharnais und verheiratete sie mit dem Erbprinzen Karl von Baden. Von Joséphine ließ er sich wegen fehlender eigener Kinder scheiden und heiratete 1810 Marie-Louise von Österreich, eine Tochter Kaiser Franz’ I.

Nach dem Sturz von 1814 verlor die Familie ihren Zugang zum Hochadel, obwohl mehrere Dynastien von Napoleon Königs-, Großherzogs-, Herzogs- oder Fürstenkronen erhalten hatten. 1839 heiratete Marija Nikolajewna, eine Tochter Zar Nikolaus’ I., Maximilian de Beauharnais. Napoleon III. heiratete 1853 die spanische Gräfin Eugénie de Montijo. Sein Cousin Napoléon-Jérôme heiratete 1859 Marie Clotilde von Savoyen; das Bündnis unterstützte die Einigung Italiens, während Frankreich 1860 Savoyen und Nizza erhielt.

Victor Napoléon heiratete 1910 Clementine von Belgien. 1978 verband die Ehe von Charles Napoléon mit Béatrice von Bourbon-Sizilien die Bonaparte erstmals direkt mit den Bourbonen. 2019 heiratete Jean-Christophe Napoléon Olympia Gräfin von und zu Arco-Zinneberg; ihr Sohn Louis Napoléon wurde 2022 geboren.

Herrscher, Familienzweige und Thronfolge

Der zentrale Familienzweig geht von Carlo Maria Buonaparte (1746–1785) und Laetitia Ramolino (1750–1836) aus. Ihre Kinder waren unter anderem Joseph, Napoleon, Lucien, Elisa, Louis, Pauline, Caroline und Jérôme.

Napoleon Bonaparte (1769–1821) war von 1804 bis 1814 und erneut 1815 Kaiser der Franzosen. Aus seinen Ehen mit Joséphine de Beauharnais und Marie-Louise von Österreich stammte Napoleon Franz Bonaparte (1811–1832), der 1811 König von Rom war und in der Zählung als Napoleon II. gilt, aber nie regierte.

Napoleons Bruder Louis Bonaparte (1778–1846) war König von Holland. Sein Sohn Charles Louis Napoléon Bonaparte (1808–1873), der spätere Napoleon III., war von 1852 bis 1870 Kaiser der Franzosen. Napoléon Eugène Louis Bonaparte (1856–1879), Sohn Napoleons III., wurde 1874 als Napoleon IV. proklamiert, fiel aber im Zulukrieg.

Der Bruder Jérôme Bonaparte (1784–1860), König von Westphalen, begründete mit seinem Sohn Napoléon Joseph Charles Paul Bonaparte (1822–1891), genannt „Plon-Plon“, die bis heute bestehende männliche Linie. Plon-Plon heiratete 1859 Marie Clotilde von Savoyen. Ihr Sohn Victor Napoléon (1862–1926) heiratete Clementine von Belgien. Auf ihn folgten als Familienoberhäupter Louis Napoléon (1914–1997), Charles Napoléon (geboren 1950) und Jean-Christophe Napoléon (geboren 1986). Jean-Christophe heiratete 2019 Olympia Gräfin von und zu Arco-Zinneberg.

Weitere wichtige Zweige entstanden durch Lucien Bonaparte, der als Principe de Canino e Musignano in Italien lebte, sowie durch die Ehen von Elisa mit Félix Baciocchi, Pauline mit Camillo Borghese und Caroline mit Joachim Murat. Aus dem Familienumkreis gingen auch Marie Bonaparte, eine französische Psychoanalytikerin, und Charles Joseph Bonaparte hervor, der 1905–1906 US-Marineminister, 1906–1909 Justizminister war und 1908 das Bureau of Investigation, das spätere FBI, gründete.

Residenzen, Exil und Begräbnisstätten

Während ihrer Regierungszeit bewohnten Napoleon I. und Napoleon III. den Tuilerien-Palast in Paris. Napoleon I. und Joséphine erwarben 1799 Schloss Malmaison als Landsitz; nach der Scheidung lebte Joséphine dort bis zu ihrem Tod. Napoleon III. kaufte Malmaison 1861 zurück. Napoleon I. nutzte außerdem Fontainebleau, Grand Trianon und Compiègne. Napoleon III. bevorzugte Compiègne sowie das Schloss Pau und das neugotisch wiederaufgebaute Schloss Pierrefonds.

Die Maison Bonaparte in Ajaccio, Napoleons Geburtshaus, war im frühen 17. Jahrhundert als Herrenhaus entstanden und gelangte im 18. Jahrhundert durch Heirat und Ankauf an die Familie. Sie blieb mit Unterbrechungen bis 1924 in Familienbesitz und ist heute ein Museum. Victor Bonaparte schenkte sie 1924 dem französischen Staat. Die Stilrichtungen Empire und Second Empire stehen symbolisch für die beiden Kaiserreiche.

Im Exil nutzten Familienmitglieder unter anderem Schloss Prangins am Genfersee für Joseph Bonaparte und Schloss Arenenberg am Bodensee für Königin Hortense. Louis erwarb 1825 in Florenz den Palazzo Gianfigliazzi Bonaparte. Joseph lebte von 1815 bis 1832 in den Vereinigten Staaten; Lucien lebte in Italien, Jérôme zunächst in Österreich und später in verschiedenen italienischen Gebieten. Laetitia Ramolino wohnte von 1818 bis zu ihrem Tod 1836 im Palazzo Bonaparte in Rom.

Napoleons I. sterbliche Überreste wurden 1840 von St. Helena in den Invalidendom nach Paris überführt. Napoleon III. starb im englischen Exil und wurde mit seiner Frau Eugénie und seinem Sohn in der kaiserlichen Krypta der Sankt-Michaels-Abtei in Farnborough bestattet. Die Bonaparte nutzen bis heute die Chapelle Impériale in Ajaccio als Familiengrablege.

Kaiserliche Zeichen und Napoleoniden

Napoleon I. legte das alte Familienwappen der Buonaparte ab. Sein neues Kaiserwappen zeigte einen Adler, die Aquila als Feldzeichen der römischen Legionen, darüber die Kaiserkrone. Hinter dem Schild kreuzten sich zwei goldene Zepter: Das rechte trug eine silberne Schwurhand als Zeichen der Gerechtigkeit, das linke eine goldene Figur des gekrönten Kaisers Karl des Großen mit Zepter und Reichsapfel. Napoleon III. übernahm das Wappen in leicht veränderter Form; die Familie der Prinzen Napoléon führt es bis heute.

Als persönliches Symbol wählte Napoleon neben dem Adler die heraldische Biene anstelle der bourbonischen Lilie. Anlass waren fast dreihundert goldene Bienen aus dem Grab Childerichs I., die als Symbole für Unsterblichkeit und Wiedergeburt galten. Der Adler verwies auf das Römische Reich und Augustus, die Bienen auf die Merowinger als frühe Herrscher des Frankenreichs. Für die Krönung wurden Gewänder, Teppiche, Vorhänge und Banner mit goldenen Bienen bestickt; Napoleon verlieh die Biene auch als Auszeichnung an Stadtwappen.

Die napoleonische Heraldik wurde für den neuen Adel des Ersten Kaiserreichs, die noblesse impériale, und für neue Stadtwappen entwickelt. Anstelle des heraldischen Helms erschien häufig ein mit Federn geschmückter Hut, die toque. Die Abzeichen unterschieden unter anderem grand-dignitaire, duc, comte, baron und chevalier de l’Empire sowie prince de l’Empire.

Als Napoleoniden gelten die Angehörigen der Familie Bonaparte und ihres politischen Umfelds. Dazu gehörten besonders Marschälle Napoleons, die teilweise mit ihm verschwägert waren und im Ersten Kaiserreich zu Königen, Herzögen oder Fürsten aufstiegen, etwa Murat, Bernadotte, Berthier, Ney, Masséna, Lannes, Davout und Soult. Nach französischer Begriffsverwendung zählen sie zur Noblesse d’Empire; dazu kam der von beiden Bonaparte-Kaisern geschaffene kleinere Beamtenadel.

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