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Bluttransfusion
Bluttransfusion bezeichnet die intravenöse Gabe (Übertragung bzw. Infusion) von Erythrozytenkonzentraten (Erythrozyten = rote Blutzellen) oder (heute sehr …
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Bedeutung und Grundprinzip
Eine Bluttransfusion ist die intravenöse Übertragung von Erythrozytenkonzentraten (EK, rote Blutzellen) oder heute nur noch selten von Vollblut. Blut oder Blutbestandteile können von einer anderen Person stammen: Dann handelt es sich um Fremdblut beziehungsweise eine Allotransfusion. Bei einer Eigenblutspende sind Spender und Empfänger dieselbe Person; dies heißt Autotransfusion.
Eine Transfusion darf nur mit blutgruppenverträglichen, also kompatiblen Blutprodukten erfolgen. Außerdem ist grundsätzlich die Einwilligung des Patienten nach ärztlicher Aufklärung erforderlich. Nur in begründeten Notfällen kann davon abgewichen werden.
Blutbestandteile und Einsatzgebiete
Vollblut wird meist in einzelne Komponenten getrennt. Dadurch erhält ein Patient gezielt den fehlenden Bestandteil, und die Produkte lassen sich unterschiedlich lange lagern: Vollblut muss bei mindestens 4 °C gelagert werden; dabei verlieren besonders Blutplättchen und viele Plasmaproteine, vor allem Gerinnungsfaktoren, innerhalb von Tagen an Wirksamkeit. Abgetrenntes Plasma kann eingefroren und monatelang ohne Funktionsverlust gelagert werden.
Übertragen werden unter anderem:
- Erythrozytenkonzentrate bei Blutarmut (Anämie).
- Granulozytenkonzentrate bei Granulozytopenie und schweren Infektionen.
- Thrombozytenkonzentrate bei Thrombozytopenie und Blutungsneigung.
- Gefrierfrischplasma (FFP, fresh frozen plasma) bei Mangel an Plasmaproteinen, etwa nach großen Blutverlusten, oder bei Blutungsneigung.
- Blutstammzellpräparate im Rahmen einer Stammzelltransplantation.
- Gerinnungsfaktorkonzentrate bei Mangel an Gerinnungsfaktoren, Immunglobuline bei Antikörpermangel mit Infektneigung und Humanalbumin bei symptomatischer Hypalbuminämie.
Wichtige Gründe für Transfusionen sind akuter Blutverlust mit hämorrhagischem Schock, etwa nach Unfällen oder Operationen, bis hin zur Massivtransfusion. Auch chronische Störungen der Blutbildung wie Anämien, Hämoblastosen oder Agranulozytose können eine Transfusion erforderlich machen.
Ob Erythrozyten übertragen werden sollen, wird individuell anhand des Hämoglobinwerts (Hb) entschieden. Normwerte liegen bei Männern bei 8,6–11,2 mmol/l beziehungsweise 14–18 g/dl, bei Frauen bei 7,4–10 mmol/l beziehungsweise 12–16 g/dl. Eine langsam entstandene Anämie wird meist besser vertragen als ein rascher Blutverlust. Menschen mit schwerer Herzinsuffizienz oder koronarer Herzkrankheit können bereits unter 9,0 g/dl Beschwerden wie Luftnot oder Kreislaufschwäche entwickeln. Die SANGUIS-Studie von 1994 fand zwischen europäischen Krankenhäusern Unterschiede bis zum Faktor 10 bei verordneter Blutmenge; dies gilt als Hinweis auf teilweise zu häufige Transfusionen.
Blutgruppenverträglichkeit
Bei zellulären Blutprodukten und Plasma müssen insbesondere das AB0-System und der Rhesusfaktor beachtet werden. Im AB0-System besitzt ein Mensch von vornherein Antikörper gegen diejenigen AB0-Merkmale, die er selbst nicht hat. Eine Verwechslung kann daher rasch eine lebensbedrohliche Reaktion auslösen.
Für Erythrozyten gilt:
- Empfänger 0: nur Spender 0.
- Empfänger A: Spender A oder 0.
- Empfänger B: Spender B oder 0.
- Empfänger AB: Spender AB, A, B oder 0.
Für Plasma gilt die umgekehrte AB0-Verträglichkeit:
- Empfänger 0: Plasma von AB, A, B oder 0.
- Empfänger A: Plasma von A oder AB.
- Empfänger B: Plasma von B oder AB.
- Empfänger AB: nur Plasma von AB.
Erhält ein Mensch mit Blutgruppe A Blutgruppe B, kann eine hämolytische Reaktion entstehen: Rote Blutkörperchen werden zerstört. Rh-negative Personen können nach Kontakt mit Rh-positivem Blut Rhesus-Antikörper bilden; diese zerstören bei erneutem Kontakt Rh-positive Erythrozyten. Die dabei freigesetzten Stoffe können tödlich wirken.
Nebenwirkungen und Infektionen
Eine zentrale Gefahr ist die Verwechslung von Blutkonserven. AB0-inkompatibles Blut kann eine akute hämolytische Transfusionsreaktion (AHTR) verursachen. Deshalb ist unmittelbar vor der Gabe ein Bedside-Test am Patientenbett vorgeschrieben. Neben der AHTR gibt es verzögerte hämolytische Transfusionsreaktionen (VHTR).
Nichthämolytische Transfusionsreaktionen (NHTR) umfassen Allergien bis zur Anaphylaxie, posttransfusionelle Purpura und TRALI (transfusionsassoziiertes akutes Lungeninsuffizienzsyndrom). TRALI tritt mit einer Häufigkeit von 1:2500 bis 1:100.000 auf, kann Lungenversagen verursachen und benötigt meist intensivmedizinische Behandlung mit Beatmung. Die Sterblichkeit beträgt bis zu 15 %.
Bei immungeschwächten Empfängern können übertragene vermehrungsfähige Leukozyten eine Graft-versus-Host-Reaktion auslösen: Fremde weiße Blutkörperchen greifen den Empfänger an. Seit 2001 dürfen in Deutschland Vollblut-, Erythrozyten- und Thrombozytenpräparate höchstens 1.000.000 Leukozyten pro Einheit enthalten. Bestrahlung von Blutprodukten senkt das Risiko zusätzlich.
Übertragbar sind Bakterien, etwa Treponema pallidum, Viren wie HIV, HCV und HBV sowie selten Protozoen und Prionen. Durch Spenderauswahl und molekularbiologische Tests liegt das Risiko für HBV, HCV und HIV jeweils unter 1:1 Million. Cytomegalievirus wird mit 1:10 bis 1:30 und Epstein-Barr-Virus mit 1:200 deutlich häufiger übertragen; dies ist besonders für immunsupprimierte Patienten wichtig. Seit Oktober 2019 wird verbindlich auf Hepatitis E getestet. Bakterielle Infektionen betreffen fast nur Thrombozytenpräparate, weil diese bei Raumtemperatur gelagert werden.
Weitere Risiken sind Eisenüberladung bei langfristiger Transfusion, Citratwirkungen, Unterkühlung und Volumenüberlastung. Studienergebnisse zum Krebsrisiko widersprechen sich: Eine Studie von 2007 fand kein erhöhtes Krebsrisiko durch Blut von später an Krebs erkrankten Spendern; eine Studie von 2009 beschrieb dagegen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Lymphdrüsenkrebs nach Bluttransfusionen.
Blutspender, Alternativen und Recht
Blutspender werden sorgfältig ausgewählt. Bei der Erstspende gilt ein Alter von 18–60 Jahren, bei Wiederholungsspenden bis 68 Jahre; das Mindestgewicht beträgt 50 kg. Der Hb-Wert muss bei Frauen mindestens 7,75 mmol/l und bei Männern mindestens 8,35 mmol/l betragen. Weitere Anforderungen sind unter anderem kein Fieber, eine unverletzte Punktionsstelle, systolischer Blutdruck von 100–180 mm Hg, diastolischer Blutdruck unter 100 mm Hg und Pulsfrequenz von 50–110/min.
Ausgeschlossen werden Personen mit schweren Krankheiten, bestimmten Infektionen wie HIV, Hepatitis B oder C, Syphilis, Malaria oder Tuberkulose, mit Risiko für TSE wie Creutzfeldt-Jakob-Krankheit sowie bei Drogenabhängigkeit oder sexuellem Risikoverhalten. Nach mehr als sechs Monaten Aufenthalt in Großbritannien von 1980–1996 oder nach Operation beziehungsweise Transfusion dort nach dem 1. Januar 1980 erfolgt ebenfalls ein Ausschluss. Zeitweise können etwa Aufenthalte in Malariagebieten zur Rückstellung führen.
Alternativen sind autologe Verfahren: Eigenblutspende, akute normovoläme Hämodilution, maschinelle Autotransfusion aus Operationsblut und blutsparende Operationstechniken. Künstliche Blutersatzstoffe auf Perfluorcarbon- oder Hämoglobinbasis werden erforscht, aber nicht routinemäßig verwendet. Plasmaexpander aus Dextran, Hydroxyethylstärke oder Gelatine können bei Hypovolämie Flüssigkeitsmenge und Blutdruck stützen, enthalten aber keinen Sauerstoffträger und können unter anderem die Gerinnung beeinträchtigen oder akute Niereninsuffizienz begünstigen.
In Deutschland regeln das Transfusionsgesetz sowie Richtlinien und Leitlinien der Bundesärztekammer das Transfusionswesen. Einrichtungen müssen ein Qualitätssicherungssystem haben und Transfusionsverantwortliche, Transfusionsbeauftragte sowie Qualitätsbeauftragte bestellen; Einrichtungen mit Akutversorgung benötigen zusätzlich eine Transfusionskommission.
Entwicklung und Bluttransfusion bei Tieren
Die erste erfolgreiche Tier-zu-Tier-Transfusion gelang Richard Lower im Februar 1666. 1667 wurde erstmals Lammblut auf Menschen übertragen; wegen vieler Todesfälle waren solche Versuche umstritten. James Blundell führte 1824 erfolgreich eine Mensch-zu-Mensch-Transfusion bei einer ausgebluteten Wöchnerin durch. Karl Landsteiner entdeckte 1901 das AB0-Blutgruppensystem, 1902 wurde die Blutgruppe AB erkannt. Natriumcitrat ermöglichte ab 1914 die Blutlagerung ohne Gerinnung. Das Rhesus-System wurde 1939/1940 als wichtige Ursache negativer Reaktionen erkannt. Seit 2001 ist Leukozytendepletion verbindlich.
Bei Katzen können Transfusionen bei starken Blutverlusten oder Anämien, etwa durch Feline Neonatale Isoerythrolyse oder Niereninsuffizienz, nötig sein. Die Blutgruppe muss vorher bestimmt werden. Spenderkatzen sollen über 5 kg wiegen, frei von Infektionen und regelmäßig entwurmt sein; ihr Hämatokrit soll über 35 liegen. Es dürfen höchstens 11 ml/kg Blut entnommen werden.