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Bhakti Marga (Religionsgemeinschaft)
Bhakti Marga (Sanskrit, „Weg der Hingabe, Bhakti“) ist eine hinduistisch-synkretistische neue religiöse Bewegung mit Hauptsitz in Springen im Taunus.
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Überblick
Bhakti Marga („Weg der Hingabe, Bhakti“) ist eine hinduistisch-synkretistische neue religiöse Bewegung. Sie wurde 2005 von Swami Vishwananda gegründet und hat ihren Hauptsitz in Springen im Taunus. Anhänger nennen ihn Paramahamsa Sri Swami Vishwananda. Nach eigenen Angaben hatte die Gemeinschaft Ende 2022 etwa 10.000 Anhänger sowie 30 bis 50 Ashrams weltweit.
Lehre, Gottesverehrung und Einweihungen
Bhakti Marga ordnet sich selbst dem Sri Vaishnava zu, einer hinduistischen Richtung. Deren Philosophie heißt Vishishtadvaita, auf Deutsch ungefähr „qualifizierter Monismus“: Alle Seelen sind Teil Gottes und können ihn widerspiegeln, sind aber nicht mit ihm identisch. Dies wird vom Advaita Vedanta, der Lehre der Nicht-Dualität, unterschieden. Ziel ist, die Seele durch Hingabe an Gott zu reinigen.
Wichtige Praktiken sind Mantras, also wiederholte heilige Formeln, Bhajans, religiöse Gesänge, Pujas und Yajnas als Rituale sowie Karma-Yoga, selbstloses Dienen. Auch Tanzen und Malerei können dazugehören. Dadurch soll eine persönliche Beziehung zu Gott oder einer seiner Formen entstehen. Jeder Ashram hat mindestens einen Tempel, in dem täglich Pujas stattfinden.
Zu den verehrten Gottheiten gehören besonders Narayana und Lakshmi, die Hauptgottheiten des Sri Vaishnava, außerdem etwa Radha und Krishna, Shiva und Kali. Narasimha, ein Avatar Vishnus, ist eine Hauptgottheit der Bewegung. Es gibt Einweihungen zum Devotee, Brahmachari oder Swami. Bei der Brahmachari-Initiation sollen teilweise Brandings verwendet werden, wie es auch in der Shri-Vaishnava-Tradition verbreitet ist.
Rolle des Gurus und christliche Bezüge
Im Haupttempel Bhutabhrteshwarnath Mandir in Springen werden neben Hindu-Gottheiten Mahavatar Babaji und Ramanuja als „die Meister“ verehrt. Bhakti Marga beruft sich auf ihre Lehren; Mahavatar Babaji gilt jedoch als mythologische, historisch nicht greifbare Gestalt. Vishwananda war Schüler des umstrittenen indischen Gurus Sathya Sai Baba.
Vishwananda wird als persönliche Verkörperung von Bhakti verstanden. Eine Bhakti-Marga-Broschüre und ein Katalog seiner Bilder bezeichnen ihn als Inkarnation Narayanas, also als göttliche Form über allen anderen Göttern. Vishwananda erklärte dagegen eidesstattlich vor dem Hamburger Landgericht, er habe nie behauptet, Gott zu sein, und erwarte diesen Glauben nicht. Ein später entferntes Webdokument der Gemeinschaft verlangte von Devotees, eigene Gefühle zu Aussagen des Gurus vollständig zu ignorieren. Dem Guru werden zudem angebliche Wunder wie Stigmata und das Materialisieren kleiner Gegenstände oder Schmuck durch Hervorwürgen zugeschrieben.
Vishwananda ist christlich getauft und erklärte um die Jahrtausendwende, Nachrichten von Jesus und Maria zu empfangen. Im Springener Ashram gibt es eine russisch-orthodoxe Kapelle mit Reliquien christlicher Heiliger; liturgische Gottesdienste finden dort derzeit nicht mehr statt. Im synkretistischen Hinduismus kann Christus als Avatar Vishnus angesehen werden.
Zentren und Festival
Der weltweite Haupt-Ashram Shree Peetha Nilaya liegt in Springen (Heidenrod) in Hessen. Weitere Tempel befinden sich unter anderem in Kirchheim und West Elmira, New York.
Seit 2015 veranstaltet Bhakti Marga im Springener Ashram jährlich das Just Love Festival mit bis zu 3000 Besuchern. Es dauert drei bis zehn Tage und findet meist im Sommer statt. Spirituelle Gruppen aus verschiedenen Ländern spielen vor allem Bhajans und Kirtans; Sanskrit-Hymnen werden beispielsweise auch gerappt. Zentral ist Guru Purnima, ein hinduistisches Vollmondfest zu Ehren des Gurus. Zum Programm gehören Kunsthandwerk, Bazar, veganes Restaurant, Vorträge und Workshops. „Just Love“ bedeutet ungefähr „Einfach nur Liebe“ und soll die Liebe zu Gott, zum Guru und zur Gemeinschaft ausdrücken.
Vorwürfe, Kritik und Rechtsstreitigkeiten
2001 stahl Vishwananda mit zwei Jüngerinnen Reliquien aus 25 Schweizer Kirchen und Klöstern. Als Begründung wurde ein angeblich bevorstehender „Reliquienkrieg“ und möglicher Missbrauch für Schwarze Magie genannt. Nach Angaben des Geschäftsführers ist Vishwananda in der Schweiz wegen Störung der Totenruhe vorbestraft.
Ehemalige Anhänger erhoben Vorwürfe sexueller Aktivitäten mit etwa 15 Schülern, darunter Jugendlichen; mindestens zwei Fälle seien Vergewaltigungen gewesen. Die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen berichtete von Übergriffen zwischen freiwilliger Zustimmung und erzwungenem Gehorsam sowie psychischer und emotionaler Manipulation. 2008 verließ nach diesen Angaben mehr als die Hälfte der Anhänger die Gemeinschaft, auch wegen eines Konflikts mit dem Zölibat. Eine HR-Dokumentation von Januar 2022 berichtete über weitere Vorwürfe; die Staatsanwaltschaft Wiesbaden bestätigte mehrere Anzeigen, aber keine Anklagen. Vishwananda bestritt die Vorwürfe.
Ein in der Dokumentation genannter US-Anhänger erklärte später eidesstattlich, er habe sicher keinen sexuellen Kontakt mit Vishwananda gehabt; sein Fenstersprung sei kein Suizidversuch, sondern Folge von Wahnvorstellungen gewesen. Im Februar 2022 untersagte das Landgericht Hamburg dem HR die Wiederholung dieser Behauptungen. Der HR entfernte sie aus dem Podcast und bezeichnete die fehlende Kontaktaufnahme rückblickend als Versäumnis. Im März 2022 untersagte das Gericht in sieben einstweiligen Verfügungen weitere öffentliche Aussagen über sexuelles Fehlverhalten; andere Anträge wies es zurück. Berichte, dass der Guru Hingabe und sexuelle Kontakte zu jungen Männern gesucht habe, blieben zulässig. Bewertungen zu Machtmissbrauch, Totalitarismus und Leiden ehemaliger Mitglieder galten als legitime Meinungen. In der Berufung erhielt der HR in einigen Punkten Recht; die sechs Podcastfolgen sind wieder online, teilweise stark gekürzt. Die TV-Dokumentation war im April 2025 nicht wieder abrufbar. Das ZDF Magazin Royale berichtete am 23. März 2024 über Vorwürfe und Rechtsfolgen.
Weitere Kontroversen
Offizielle Vertreter des Sri Vaishnava bestreiten, dass Vishwananda berechtigt sei, im Namen ihrer Tradition Einweihungen vorzunehmen. Inzwischen gründete er die eigene Hari Bhakta Sampradaya, die an die Shri Sampradaya anknüpft. Außerdem gab er an, Bischof der russisch-orthodoxen Kirche zu sein. Er war ursprünglich als Priester Michael durch die Apostolisch Orthodoxe Kirche geweiht worden, wurde jedoch von der Katholisch Orthodoxen Apostolischen Kirche exkommuniziert; als Grund wurde unter anderem seine Ernennung zum hinduistischen Mahamandaleshwara genannt.
Om-Chanting in den KZ-Gedenkstätten Mauthausen am 10. Dezember 2016 und Buchenwald am 17. März 2018 löste Kritik aus. Eine Sprecherin nannte die Rituale zur Reinigung astraler Ebenen notwendig; Kritiker sahen eine Instrumentalisierung des Holocaust. Andere Stimmen beurteilten die Aktionen als respektvoll oder zulässig, solange die Würde des Ortes gewahrt werde. Eine Untersuchung der Leitung von Buchenwald stellte keinen Regelverstoß fest.
Friedmann Eißler schrieb Bhakti Marga sektenhafte Strukturen zu, darunter den absoluten Führungsanspruch des Meisters, Isolation und eine „Wir gegen die“-Mentalität. Alexandra Stein nannte Kontrolle über Sexualität ein typisches Kontrollelement. Ehemalige Mitglieder berichteten, Vishwananda habe Paare zusammengeführt oder getrennt; außerdem wird ihm Love Bombing, das Überhäufen neuer Mitglieder mit Zuwendung zur Bindung an die Gruppe, vorgeworfen. Dieter Rohmann wertete behauptete Wunder als mögliches Gaslighting, also eine Beeinflussung von Realitätssinn und Selbstbewusstsein.
Im Zentrum Kirchheim fanden Kongresse von Impfgegnern und Verschwörungstheoretikern statt. Bhakti Marga distanziert sich offiziell von Querdenkern, obwohl Tickets über die eigene Webseite verkauft wurden und der Leiter Peter Maier (Swami Madhava) dort als Referent auftrat. Der Anwalt erklärte, er vertrete dabei nur Privatmeinungen. Die Gemeinschaft bestreitet auch eine Verbindung zu einem Verein eines Mitglieds, der kurzzeitig Spendengelder von Bodo Schiffmann für Flutopfer im Ahrtal in Höhe von 700.000 Euro übernehmen sollte, dann aber zurücktrat.