Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Kali (Göttin)

Kali (Sanskrit, f., काली, Kālī, wörtl.: „Die Schwarze“) ist im Hinduismus eine bedeutende Göttin des Todes, der Zerstörung und der Erneuerung.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Zerstörung, Zeit und Erlösung
  3. 3. Kali und Shiva
  4. 4. Darstellung und Symbole
  5. 5. Verehrung und Feste
  6. 6. Wichtige Heiligtümer

Grundidee und Bedeutung

Kali (Sanskrit: Kālī, wörtlich „Die Schwarze“) ist im Hinduismus eine bedeutende Göttin des Todes, der Zerstörung und der Erneuerung. In der Mythologie erscheint sie als Verkörperung des Zornes der Durga, aus deren Stirn sie entsprungen sein soll. In anderen Mythen gilt sie als dunkle Seite Parvatis und als eine der Mahavidyas. Im Volksglauben der Hindus gehört Kali zu den wenigen Göttinnen, die Wünsche erfüllen können.

Ihre Bedeutung ist nicht nur negativ. Gläubige sehen sie trotz ihrer furchterregenden Gestalt auch als Beschützerin der Menschen und als göttliche Mutter, Kali-Ma („Ma“ bedeutet auf Hindi „Mutter“). Ihre zerstörerische Wut richtet sich nicht gegen Menschen, sondern gegen Dämonen, Ungerechtigkeit, negative Kräfte und Illusionen. Als Göttin des Todes ist sie zugleich eine Göttin der Transformation: Sie gibt Leben und nimmt es wieder zurück. Im Shaktismus gilt sie als Manifestation des Höchsten und wird als gnadenreiche Mutter und Erlöserin verehrt.

Zerstörung, Zeit und Erlösung

Kali steht in einer furchterregenden Manifestation für die Auflösung des Universums. Die Sichel in ihrer Hand verweist auf die Ernte und damit auf das Ende des Lebens. Kali ist auch „Kala“, die Zeit; die Zeit vernichtet und verschlingt alles.

Für ihre Anhänger ist die Sichel aber nicht nur ein Zeichen des Todes. Sie kann auch als Werkzeug der Erlösung verstanden werden: Sie durchschneidet Verwirrung, Unwissenheit und Bindungen. Dadurch wird der Weg zur Erlösung frei. Kali zerstört also die negativen Kräfte und Illusionen, die den Menschen daran hindern, Heil zu erlangen und den Geist zu befreien. Ziel ist es, dem Kreislauf der Wiedergeburten, dem Samsara, zu entkommen.

Ein wichtiges Beispiel ist der Mythos vom Dämon Raktabija. Dieser bedrohte das Gleichgewicht der Welt. Sobald er verletzt wurde und ein Blutstropfen oder eine Gliedmaße auf die Erde fiel, entstand daraus ein weiterer Raktabija. Dadurch schien er unbesiegbar. Die Götter baten die Muttergöttin Devi um Hilfe, die sich als Kali manifestierte. Kali schlug Raktabija den Kopf ab und trank alles austretende Blut, sodass kein neuer Dämon entstehen konnte. So wurde Raktabija vollständig vernichtet. Der Mythos zeigt Kali als Göttin der vollständigen Vernichtung, aber auch als Mutter Erde, in die alles zurückkehrt und durch die nichts verloren geht.

Kali und Shiva

Viele Texte beschreiben Kali als unabhängig von einer männlichen Gottheit. Wenn eine männliche Gottheit an ihrer Seite erscheint, ist es Shiva. Kali wird dann als seine Gefährtin oder Ehefrau gezeigt und mit wildem, unzivilisiertem Verhalten verbunden; dazu gehört auch der Bezug zu Bhairava.

Ein bekannter Mythos erklärt, warum Kali auf Shiva tanzt oder steht. Kali habe nach dem Kampf, betrunken vom Blut ihrer Feinde, triumphierend auf dem Schlachtfeld getanzt. Um ihr Toben zu stoppen, legte sich Shiva wie eine Leiche auf den Boden. Erst als Kali auf ihm tanzte, erkannte sie ihren Gemahl und hielt inne. Aus Schreck und Scham streckte sie die Zunge heraus.

Das Bild hat auch eine symbolische Bedeutung. Kali steht für Shakti, also Energie, den dynamischen Aspekt Shivas. Eine Redensart ihrer Verehrer lautet: „Shiva ohne Kali ist Shava.“ Sanskrit „shava“ bedeutet „leblos, Leichnam“. Damit wird ausgedrückt, dass Shiva ohne Kali keine lebendige Kraft hat. Zugleich gelten Shiva und Kali letztlich als untrennbare Einheit. Tantrische Werke zeigen sie in Liebesvereinigung als Elternpaar des Universums. In einem weiteren Mythos erscheint Shiva als Kind und weckt Kalis mütterliche Seite. Im Tantra wird der abgeschlagene Kopf als Symbol für die Befreiung vom Ego-Prinzip verstanden, also von der Identifikation mit dem vergänglichen Körper.

Darstellung und Symbole

In der Ikonographie, also der bildlichen Darstellung religiöser Figuren, erscheint Kali meist schwarz, manchmal auch blau. Sie hat mehrere Arme, meistens vier oder zehn. Typisch sind eine Halskette aus Schädeln und ein Rock aus abgeschlagenen Armen; manchmal hängt ein totes Kind an ihrem Ohr.

Die Gegenstände in ihren Händen können unterschiedlich sein. Häufig hält sie einen abgeschlagenen Schädel, eine drohend erhobene Sichel und eine Blutschale. Auf ihrer Stirn befindet sich das „Dritte Auge“. Ihre Zunge ist weit herausgestreckt. Gleichzeitig zeigen viele Darstellungen ihre rechte Hand erhoben in einer segnenden und tröstenden Handgeste, einer mudra. Diese Verbindung von Schrecken und Schutz passt zu ihrer doppelten Rolle als zerstörerische Macht und göttliche Mutter.

In Mythologie und Bildkunst sind weibliche Goldschakale ihre wichtigsten Begleittiere. Im Vasantaraja Sakuna, einem Buch über Omen durch Tiere, sind den Schakalweibchen 90 Verse gewidmet. Viele Verehrer Kalis sehen sie als glückverheißende Botschafter. Wer am Morgen das Geheul eines Schakals hört, soll demnach die Göttin grüßen.

Verehrung und Feste

Kali ist besonders in Bengalen und Nepal als göttliche Mutter populär. Auch im über ganz Indien verbreiteten Tantrismus spielt sie eine wichtige Rolle und personifiziert dort das Höchste.

In der späten religiösen Bengali-Literatur hat Kali eine herausragende Bedeutung. Tantriker treten ihr furchtlos gegenüber und wollen ihre magischen Geheimnisse erfahren. Dichter nehmen dagegen oft die Rolle eines hilflosen Kindes ein, das bei Kali, seiner Mutter, Erlösung sucht. Obwohl Kali den Tod klar vor Augen führt, hoffen ihre Anhänger, mit ihrer Hilfe die Furcht vor dem Tod zu überwinden.

Der wichtigste Feiertag Kalis ist Kalipuja. Er wird am selben Tag wie das Lichterfest Diwali gefeiert, nach dem Mondkalender meist Ende Oktober oder Anfang November. Im Osten Indiens verehren Hindus an diesem Tag Kali, die dunkle Seite der Göttin. Andere beten zur gleichen Zeit Lakshmi an, die als strahlende, glückverheißende Göttin gilt.

Wichtige Heiligtümer

Der Kalighat-Tempel in Kolkata gehört zu den bekanntesten Tempeln Indiens und ist ein wichtiger hinduistischer Wallfahrtsort. Der Name geht auf Kali-Ghat zurück, also „Ufertreppe der Kali“. Die dort verehrte Statue ist ein riesiger schwarzer Gesteinsblock. Nach einer Legende wurde er im Fluss gefunden, nach einer anderen wuchs er aus der Erde. Besucher schenkten ihm im Laufe der Zeit goldene Gliedmaßen und prachtvolle Kleidung. Verehrt wird darin „Kalima“, die göttliche Mutter.

Ein weiteres wichtiges Heiligtum ist der Dakshinkali-Tempel südlich von Kathmandu in Nepal. Er zählt zu den wichtigsten und populärsten Heiligtümern Nepals. Dort werden täglich hunderte unkastrierte männliche Tiere geopfert, meist Hähne und Ziegenböcke. Die Köpfe und das Fell bleiben im Tempel. Das Fleisch wird von den Opfernden und ihren Familien bei einem Picknick im Wald zubereitet oder mit nach Hause genommen.

Lernvideos zu Kali (Göttin)

Weiterlesen

Shiva Als Bestandteil der „hinduistischen Trinität“ (Trimurti) mit den drei Aspekten des Göttlichen, also mit Brahma, der als Schöpfer gilt, und Vishnu, dem … Nepal Das Land hat etwa 30 Millionen Einwohner, die über 100 verschiedenen Volksgruppen angehören. Nepal gilt als das Geburtsland des Buddhismus. Heute haben etwa 80 … Hinduismus Im Gegensatz zu anderen Religionen gibt es im Hinduismus keinen Religionsstifter, vielmehr entwickelten sich die religiösen Systeme Indiens über einen Zeitraum … Indische Mythologie Die höchsten indischen Götter bilden eine Trimurti (Dreieinigkeit), die das Werden und Vergehen darstellt: Brahma als Schöpfer, Vishnu als Erhalter und Shiva … Shakti Für Brahma, den Schöpfer/Vergeber, ist es Sarasvati. Sarasvati ist die Göttin der Kunst und Wissenschaft. · Für Vishnu, den Erhalter/Verwandler, ist es Lakshmi. Symbol Religiöse Symbole sind konstitutive Elemente religiöser Identifikation, Sprache und Handlungen. ... Mythen, Symbole und Zeichen in Kultur, Religion, Kunst … Drittes Auge ... Bindi oder Tilaka (auch: Tika, siehe Tripundra) bezeichnet. Inzwischen wird sie auch als modischer Schmuck von Muslimen und Christen vor allem in Indien … Samsara Dieser Kreislauf wird in einigen indischen Religionen als leidvoll (siehe Dukkha/Leiden) gewertet. Der Ausbruch aus diesem unheilvollen Kreislauf geschieht … Moksha Moksha (Sanskrit मोक्ष mokṣa m.) oder Mukti bedeutet im Vedanta Erlösung oder Befreiung, Ausbrechen aus dem Kreislauf der Wiedergeburten (samsara). Religion Geschichte konkreter Religionen · Afrikanische Religionen · Bahaitum · Buddhismus · Christentum · Daoismus · Hinduismus · Islam · Jainismus … Magie Magie (lateinisch magia) oder Zauberei bzw. Zauber, früher auch Zauberkunst, nimmt für sich in Anspruch, durch mehr oder minder ritualisierte Handlungen ( …