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Beziehungen zwischen Sunniten und Schiiten
Gläubige Sunniten und Schiiten glauben beide an die göttliche Herkunft des Korans und sind sich auch hinsichtlich der Bedeutung der Fünf Säulen des Islam einig.
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Die zwei Hauptzweige des Islam
Sunniten und Schiiten bilden die beiden Hauptzweige des Islam. Ihre weltweiten Anteile lassen sich nur schwer bestimmen und werden je nach Quelle unterschiedlich angegeben. Nach einer Einschätzung von 2010 sind 85 % aller Muslime Sunniten und 15 % Schiiten. Die meisten Schiiten gehören zur Zwölfer-Schia; weitere Untergruppen sind unter anderem Ismailiten und die hauptsächlich in Syrien lebenden Alawiten.
Beide Gruppen glauben an die göttliche Herkunft des Korans und stimmen in der Bedeutung der Fünf Säulen des Islam überein. Unterschiede bestehen vor allem bei religiösen Praktiken, Traditionen und Gebräuchen, häufig im Zusammenhang mit der Jurisprudenz, also der islamischen Rechtslehre. Außerdem bewerten Sunniten und Schiiten manche Hadithe – Überlieferungen über Aussagen und Handlungen Mohammeds – sowie die Natur des Mahdi unterschiedlich.
Entstehung der Spaltung
Die Spaltung begann mit dem Streit über die legitime Nachfolge des Propheten Mohammed nach seinem Tod im Jahr 632. Die späteren Sunniten gingen davon aus, dass Mohammed keinen Nachfolger bestimmt habe und dieser gewählt werden müsse. Die späteren Schiiten verlangten dagegen, dass der neue Kalif oder Imam ein Nachkomme Mohammeds sein solle. Nach ihrer Auffassung hatte Mohammed seinen Vetter und Schwiegersohn Ali als Nachfolger benannt.
Die Auseinandersetzungen führten zunächst zur Kamelschlacht und zur Schlacht von Siffin. Nach der Schlacht von Kerbela verschärfte sich der Konflikt: Truppen des zweiten Umayyaden-Kalifen Yazid I. töteten Mohammeds Enkel Husain und dessen Familie, worauf in der islamischen Gemeinschaft Rufe nach Rache laut wurden.
Um 750 stürzten die Abbasiden die Umayyaden. Der erste abbasidische Kalif as-Saffah verwies auf seine Abstammung von Abbas ibn Abd al-Muttalib, einem Onkel Mohammeds, und gewann dadurch schiitische Unterstützung.
Entwicklung im Iran
Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts wurde Iran von sunnitischen Schafiiten beherrscht. Dennoch waren bereits im 10. und 11. Jahrhundert die Verfasser der vier grundlegenden Bücher der Zwölfer-Schia Iraner.
Der erste safawidische Herrscher, Schah Ismail I., erklärte 1501 das zwölferschiitische Bekenntnis zur Staatsreligion. Daraus entstand eine jahrhundertelange Rivalität mit dem benachbarten sunnitischen Osmanischen Reich. Sie zeigte sich 1514 in der Schlacht bei Tschaldiran und später in zahlreichen türkisch-persischen Kriegen. Auch in der heutigen Islamischen Republik Iran bilden Schiiten die überwiegende Mehrheit.
Heutige Verbreitung
Sunniten stellen die Mehrheit in fast der gesamten arabischen Welt, in der Türkei, in Europa sowie in Afrika, Zentral-, Süd- und Südostasien, China und den USA. Im deutschsprachigen Raum hängt dies unter anderem damit zusammen, dass viele Muslime aus der Türkei stammen. Für die USA ist zu beachten: Muslime arabischer Herkunft sind dort mehrheitlich Schiiten, doch die Mehrheit der arabischstämmigen Bevölkerung gehört dem Christentum an.
Schiitische Mehrheiten bestehen in Iran mit etwa 95 %, außerdem in Aserbaidschan, Bahrain und Irak. Im Libanon machen Schiiten 45 % der muslimischen Bevölkerung aus. Im Jemen werden die seit Jahrhunderten bestehenden schiitischen Gemeinschaften auf etwa 30 % der Gesamtbevölkerung geschätzt; die meisten gehören zu den Zaiditen. Weitere angegebene Bevölkerungsanteile sind 30 % in Kuwait, 15 % in Saudi-Arabien und 5 % in Pakistan.
Politik, Religion und moderne Konflikte
Nach Ansicht vieler Experten beruhen heutige Konflikte zwischen Sunniten und Schiiten nicht hauptsächlich auf religiösen Fragen, sondern auf politischen Machtkämpfen. Der Politikwissenschaftler und Friedensforscher Jochen Hippler sieht im Konflikt zwischen Saudi-Arabien und Iran vor allem einen Kampf um die Vormachtstellung am Persischen Golf; Religion werde von den Regierungen als politisches Mittel eingesetzt.
Als Beispiele nennt der Artikel die Proteste in Saudi-Arabien und Bahrain ab 2011, den Irakkrieg, den Syrischen Bürgerkrieg und die Entstehung des selbsternannten Islamischen Staates im Irak und der Levante, der Schiiten verfolgte. Der Abschnitt ist im Ausgangsartikel allerdings als nicht hinreichend belegt gekennzeichnet.
Wie politische Spannungen religiöse Unterschiede verschärfen können, zeigt die Herrschaft Saddam Husseins im Irak. Laut einem Bericht von Human Rights Watch verhaftete die irakische Regierung zu Beginn des Iran-Irak-Krieges Tausende schiitische Muslime wegen angeblicher Unterstützung der iranischen Revolution von 1979. Viele verschwanden, starben unter Folter oder wurden hingerichtet. In den 1980er Jahren wurden anschließend über eine halbe Million Schiiten gewaltsam nach Iran ausgewiesen; zuvor sonderte man zahlreiche männliche Familienmitglieder aus.
Die Islamwissenschaftlerin Katajun Amirpur betont, dass die gegenwärtigen politischen Konflikte zwar mit der alten religiösen Spaltung verbunden sind, sich aber nur schwer eindeutig bestimmen lässt, ob Politik oder Religion jeweils den entscheidenden Einfluss ausübt.